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BP-Inside:
Skandalurteil in Eisenhüttenstadt
Vor-Ort-Bericht von Frank
Bleydorn
Bilder von Daniel Hiller
Der
31-jährige Cruisergewichtler René
Hübner hat am Samstag den zuvor vakanten GBU-Titel erkämpft.
In Eisenhüttenstadt bezwang er Denis
Solomko mit einem technischen Punktsieg. Der Gegner aus Weißrussland
hatte das Aufeinandertreffen über weite Strecken deutlich bestimmt
- somit war das Urteil mit 105:103, 105:104 und 102:108 mehr als überraschend.
Insgesamt standen sieben Kampfpaarungen auf dem Programm.
1. Kampf: Steve Klockow vs. Adam Burianski, Halbschwergewicht, angesetzt
auf vier Runden
Gegen
den Profidebütanten Adam Burianski hatte der Berliner
Steve Klockow (Foto) von Beginn an keinen leichten
Stand. Der an Reichweite deutlich unterlegene Pole brachte es fertig,
in der Anfangsphase mit seiner linken Führhand zu Treffern zu kommen.
Darüber hinaus stellte er den Gegner mehrmals mit rechten Schwingern
vor Probleme. Ende des ersten Durchgangs kam Klockow jedoch auf. Der 25-Jährige
drängte seinen Kontrahenten mit linken Haken zum Kopf an die Seile
zurück. In der zweiten Runde verstärkte der Deutsche den Druck
und kam mit Links-rechts-Kombinationen und vereinzelten rechten Geraden
zu guten Treffern. Burianski blieb jedoch mit seinen Aktionen stets gefährlich,
so dass der Ausgang des Fights bis zum Schluss offen blieb.
Offizielles Urteil: Sieger Steve Klockow einstimmig nach Punkten
2. Kampf: Alexander Abraham vs. Paolo Cardinale, Superweltergewicht,
angesetzt auf vier Runden
Alexander
Abraham (Foto) fand trotz fast vierzehnmonatiger Wettkampfpause
etwas schneller in den Kampf als sein Kontrahent Paolo Cardinale.
Mit der Führhand und seinen linken Haken zum Körper kam er zu
ersten Treffern. Sein bereits 44-jähriger Gegner konterte im ersten
Durchgang einmal mit der Linken zum Kopf des in Armenien geborenen Kontrahenten,
blieb ansonsten aber den Beweis seiner Gefährlichkeit weitgehend
schuldig. In der zweiten Runde geriet der Italiener stärker unter
Druck. Die Hände von Alexander Abraham fanden jetzt häufiger
das gewünschte Ziel. Ein linker Aufwärtshaken rüttelte
Cardinale kräftig durch. Wenig später verletzte sich der Boxprofi
aus Rom bei einer Angriffsaktion an der rechten Hand und signalisierte
die Aufgabe.
Offizielles Urteil: Sieger Alexander Abraham durch TKO in der zweiten
Runde
3. Kampf: Martin Kempf vs. Marco Miliac, Cruisergewicht, angesetzt
auf vier Runden
Der
19-jährige Martin Kempf (auf Foto rechts)
sorgte gegen den Profidebütanten Marco Miliac
von Beginn an für klare Verhältnisse. Aktiv mit seiner linken
Führhand agierend setzte er den Gegner erheblich unter Druck. Darüber
hinaus verbuchte der in Frankfurt (Oder) trainierende Cruisergewichtler
mit seinen linken und rechten Haken zum Körper harte Treffer für
sich. Nach einem rechten Aufwärtshaken wirkte sein kroatischer Konkurrent
etwas angeschlagen. Martin Kempf setzte daraufhin mit harten linken und
rechten Händen zum Kopf nach, bis die Ecke des Gegners das Handtuch
zum Zeichen der Aufgabe warf und den überforderten Miliac somit vor
weiteren harten Treffern schützte. Nach zwei Minuten und 31 Sekunden
stand Kempf damit als Sieger durch TKO fest.
Offizielles Urteil: Sieger Martin Kempf durch TKO in der ersten Runde
4. Kampf: Alexander Sidorov vs. Maurice Kohn, Cruisergewicht,
angesetzt auf vier Runden
Sehr
abwechslungsreich verlief das Ringgefecht zwischen dem Russen Alexander
Sidorov (Foto) und Maurice Kohn. Beide
Kontrahenten hatten vor dem Fight zwei Siege auf ihrem Konto und waren
somit als Berufsboxer noch ungeschlagen. In Eisenhüttenstadt war
es jedoch der erst 19-jährige Sidorov, der seine Kampfbilanz weiter
verbessern konnte. Der in Königsberg lebende Cruisergewichtler agierte
etwas druckvoller und war mit seinen Links-rechts-Kombinationen über
weite Strecken der etwas aktivere und effektivere Mann. Das sahen am Ende
auch die Wertungsrichter so, bei denen Alexander Sidorov einstimmig nach
Punkten vorne lag.
Offizielles Urteil: Sieger Alexander Sidorov einstimmig nach Punkten
5. Kampf: Enad Licina vs. Teo Begovic, Cruisergewicht, angesetzt
auf sechs Runden
Enad
Licina (Foto) hinterließ am Samstag einen starken
Eindruck. Gegen den Kroaten Teo Begovic bestimmte er
das Geschehen von der ersten Sekunde an mit seiner Führhand. Zwar
stürmte der 21-jährige Kontrahent mehrfach mit linken und rechten
Haken agierend nach vorne, doch der an diesem Abend in der Ringecke von
Rudi Fink gecoachte Licina stand in der Deckung sicher.
Mit linken Haken zum Körper sorgte der 27-Jährige schnell für
die ersten beiden Niederschläge. Eine krachende Rechte zum Kopf schickte
den Kontrahenten aus Kroatien noch in der ersten Runde zum dritten Mal
in den Ringstaub, so dass der Ringrichter das ungleiche Duell nach zwei
Minuten und 45 Sekunden abbrach.
Offizielles Urteil: Sieger Enad Licina durch TKO in der ersten Runde
6. Kampf: Thomas Troelenberg vs. Emilio Beljan, Mittelgewicht,
angesetzt auf sechs Runden
Zwar
versuchte Emilio Beljan (auf Foto links) zu
Beginn des Kampfes gegen Thomas Troelenberg (auf
Foto rechts) mit aller Macht und wilden Angriffsaktionen den Vorwärtsgang
einzulegen, doch der Deutsche ließ sich den Kampf mit seiner Führhand
agierend nicht aus der Hand nehmen. So verbuchte der 20-jährige Greifswalder
schnell mit einem linken Konter einen guten Treffer für sich. In
der Folge glänzte der Schützling von Trainer Hartmut
Schröder mit einem rechten Aufwärtshaken und sauberen
rechten Geraden. Obwohl Beljan mit einigen wilden Schwingern dagegen hielt,
wurde die Überlegenheit Troelenbergs immer größer. Dies
spiegelte sich auch durch einen Niederschlag mit der Rechten am Ende der
zweiten Runde wider. Der Kroate Beljan hatte damit offenbar genug Treffer
kassiert und nahm den Kampf in der dritten Runde nicht noch einmal auf.
Offizielles Urteil: Sieger Thomas Troelenberg durch TKO in der dritten
Runde
7. Kampf: René Hübner vs. Denis Solomko, GBU-Weltmeisterschaft
im Cruisergewicht, angesetzt auf zwölf Runden
Das
Highlight des Abends sollte der GBU-Titelkampf zwischen dem in Eisenhüttenstadt
geborenen René Hübner (auf Foto rechts)
und dem Weißrussen Denis Solomko (auf
Foto links) werden. Dabei war die Unterstützung des Publikums
deutlich auf der Seite des Lokalmatadors. Der Kampfverlauf sah aber anders
aus. Der 27-jährige Solomko bestimmte das Geschehen von Beginn an
deutlich. Mit der linken Führhand kam er immer wieder zu klaren Treffern.
Darüber hinaus fanden auch die rechten Hände des Weißrussen
mehrfach das gewünschte Ziel. Ab der dritten Runde hinderte den Deutschen
zudem ein schwerer Cut über dem rechten Auge. Hübner ging zudem
im dritten Durchgang zu Boden, so dass seine Siegchancen immer mehr zu
schwinden schienen. Immerhin zeigte der Lokalmatador in der Folge ein
großes Kämpferherz und kam mit Einzelaktionen zu Treffern.
Die fünfte und sechste Runde konnte er daraufhin ausgeglichen gestalten.
Im elften Durchgang brach der Ringrichter Grzegorz Molenda
den Kampf dann ab, da der Cut bei Hübner eine Fortführung nicht
mehr zuließ. Da die Verletzung ursprünglich wohl durch einen
Kopfstoß in der dritten Runde entstand, der allerdings nicht vom
Ringrichter angezeigt worden war, entschieden überraschend die Wertungen
der Punktrichter über den Ausgang des Kampfes. Diese sahen mit 105:104
und 105:103 zweimal René Hübner vorne. Der dritte Punktrichter
hatte ein 108:102 für Solomko gesehen und kam damit dem Kampfverlauf
am nahesten. Vielen Zuschauern schien es egal zu sein - Hauptsache, ihr
Mann hatte gewonnen. Unterm Strich bleibt aber anzumerken, dass das Urteil
ein Skandal war und es eigentlich nur einen Sieger hätte geben dürfen
und der hieß Denis Solomko. Den Hut muss man dennoch vor René
Hübner ziehen. Denn wie sich später herausstellte, hatte er
sich bereits in der dritten Runde einen Kiefer- und Jochbeinbruch zugezogen.
Dienstag,
12. Juni 2007
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