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SES
veranstaltet zum 35. Mal
von Arne Leyenberg
Berufsboxen in Deutschland – seit Jahrzehnten schon untrennbar mit
den Unternehmen Universum und Sauerland verbunden. Die Boxpromoter Klaus-Peter
Kohl und Wilfried Sauerland sind die unangefochtenen
Größen der Faustkampfbranche. Aus Erfahrung weiß man:
In ihrem Schatten lässt es sich schlecht leben.
Ulf Steinforth kämpft erfolgreich dagegen an. Der
Magdeburger Boxpromoter veranstaltete am Wochenende zum 35. Mal. Sein
Boxstall „Sport Event`s Steinforth“ (SES) hat sich innerhalb
von sechs Jahren zu einer festen Größe der deutschen Boxszene
entwickelt.
Der
38 Jahre alte Steinforth (Foto) war von Beginn an darauf aus,
die bereits begangenen Kardinalfehler zahlreicher Vorgänger –
aber auch Nachfolger – zu vermeiden. Er schürte vor seiner
Veranstalterpremiere am 29. April 2000 in Dessau keine übertriebenen
Erwartungen, die – gerne als sogenannte Visionen verpackt –
nur enttäuscht werden können. Er sprach nicht von Weltmeistern,
nicht von Millionen und nicht von Las Vegas. Wenn er vielleicht auch insgeheim
darauf hoffte, war er klug genug, es nicht kundzutun. Sein Credo lautete:
Bei jeder Veranstaltung den Verlust so gering wie möglich halten.
Steinforth verpflichtete für sein neu gegründetes Unternehmen
SES keine Amateurweltmeister aus fremden Ländern, sondern Boxer aus
der Stadt und Region Magdeburg. Boxer, die dort in den Ring steigen, wo
sie wohnen. In Sachsen-Anhalt - mit den Veranstaltungsorten Magdeburg,
Aschersleben, Ilsenburg, Dessau, Halle oder Köthen - baute sich Steinforth
eine Basis von Sponsoren und Boxanhängern auf, auf die er sich verlassen
kann. Im ewigen Zweikampf zwischen Universum und Sauerland schlug er sich
auf keine Seite, er vermied jeglichen Konflikt mit den „Platzhirschen“.
Mit Klaus-Peter Kohl veranstaltete er zusammen, mit Wilfried Sauerland
sowieso.
Sauerlands einstiger Vorzeigeboxer Sven Ottke gewann die Magdeburger als
treue Fans und die dortige Bördelandhalle als Wohnzimmer auch dank
der Unterstützung Steinforths. Mittlerweile steht dem SES-Stall mit
Dietmar Poszwas Unternehmen „Spotlight Boxing“ ein neuer Partner
zur Seite. „Eine Allianz für das deutsche Boxen“, sagt
Steinforth. Zumindest eine Zusammenarbeit, die langfristig auf Ertrag
baut.
Waren die SES-Boxer zunächst nur im Lokalfernsehen MDF.1 zu sehen,
wurden sie wenig später zunächst von Eurosport und dann vom
DSF bundesweit live gezeigt. Das Fernsehen rückte sie ins rechte
Licht und Steinforth positionierte sie langsam aber sicher in den Ranglisten.
Schwergewichtler Rene Monse gewann den deutschen Meistertitel und boxte
zweimal um die Europameisterschaft. Natascha Ragosina ist seit vergangenem
Samstag Doppelweltmeisterin im Supermittelgewicht. Dirk Dzemski durfte
mehrfach als NBA-Weltmeister auftreten, am kommenden Samstag fordert er
Europameister Sebastian Sylvester heraus. Lukas Konecny boxte um die Europa-
und die EU-Meisterschaft, Stephan Trabant gewann die WBC-Juniorenweltmeisterschaft,
Intercontinental-Champion Jan Zaveck klettert in den Weltranglisten beständig
nach oben. Steinforths Meisterstück aber könnte Robert Stieglitz
werden. Das Talent wartet als Nummer eins der IBF-Weltrangliste auf seine
Titelchance gegen Weltmeister Joe Calzaghe.
Ulf Steinforth hat sich nicht nur sein Existenzrecht, sondern seinen ganz
eigenen Platz im deutschen Boxen erkämpft. Mit den Eigenschaften
eines Boxers: mit Beständigkeit, Ehrgeiz, Nehmerqualitäten,
kontrollierter Offensive und der Fähigkeit zur Rückkehr nach
Rückschlägen.
Mittwoch,
19. April 2006
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