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Comeback-Beyer nur mäßig,
Solis stark


von Marco Zeininger

Fotos von Michael Pösl und Marco Zeininger



Am Freitag Abend veranstaltete Ahmet Öners Arena Box-Promotion im Münchner Zenith eine gut organisierte Profiboxveranstaltung in deren Mittelpunkt ursprünglich das Comeback des deutschen Ex-Weltmeisters Markus Beyer, sowie der Auftritt des Olympiasiegers und Schwergewichtstalents Odlanier Solis (Foto oben) stehen sollte. Jedoch stahl ein Überraschungsgast aus Pensacola, Florida, mit dem man nicht zwingend rechnen konnte, die Show und zog alle Blicke auf sich.  


Zunächst wurde allerdings geboxt und das über weite Strecken zur Unterhaltung des Publikums.  

1. Kampf: Michael Schubov vs. Alexander Lykov, Weltergewicht, angesetzt auf sechs Runden

Den Auftakt in der Halle in München bildete zunächst ein Kampf im Weltergewicht des gebürtigen Russen und nun in München lebenden Nachwuchstalents Michael Schubov (21)  gegen seinen 28-jährigen Landsmann Alexander Lykov (im Foto am Boden). Der Favorit aus München begann den Kampf recht forsch und setzte verstärkt auf seinen linken Haken mit dem er gut zum Körper und Kopf durch kam. In der zweiten Runde setzte Schubov mit einem dieser linken Haken gleich zu Beginn der Veranstaltung einen Paukenschlag und knockte seinen Gegner spektakulär aus. Schubov hat recht ordentliche Anlagen und bringt eine ausgesprochen gute Physis mit in den Ring. Allerdings neigt er auch dazu, sich frühzeitig ohne Deckung vor seinen Gegner zu stellen und einen Mann zu imitieren, der zu diesem Zeitpunkt noch nicht in der Halle weilen sollte. Das könnte gegen einen stärkeren Gegner als der heutige Lykov definitiv ins Auge gehen. Dennoch sollte seine weitere Entwicklung beobachtet werden.  

Offizielles Urteil: Sieger durch KO in Runde zwei Michael Schubov


2. Kampf: Edmund Gerber vs. Ergin Solmaz, Schwergewicht, angesetzt auf vier Runden

Im zweiten Kampf des Abends standen sich in einem auf vier Runden angesetzten Schwergewichtskampf der Schweriner Edmund Gerber (Foto) und der erfahrene Haudegen Ergin Solmaz gegenüber. Der erst 19-jährige Gerber boxte in seinem vierten Profikampf zunächst klar nach der Prämisse, Aktionen seines Gegners abzuwarten um dann schnelle Konter mit 1-2-Kombinationen zu setzen. Dies gelang ihm zunächst überwiegend gut. Jedoch zeigte sich mit zunehmender Kampfdauer auch, dass er seine Deckung, insbesondere seine linke Hand, etwas vernachlässigte und so ab und zu gegen den technisch doch unterlegenen Türken unnötige Treffer einstecken musste. In der vierten Runde resultierte einer dieser Treffer in einem stark blutenden Cut über Gerbers linkem Auge. Dennoch hatte der Ostdeutsche das Heft weitestgehend in der Hand und boxte einen relativ ungefährdeten einstimmigen Punktsieg heraus. Allerdings ist anzumerken, dass Gerber noch sehr statisch boxt und für das Schwergewicht offenbar ein wenig die Schlagkraft fehlt. Auch verlor er gegen seinen weitaus erfahreneren, aber technisch stark limitierten Gegner die klare Linie. Der Autor wertete den Kampf 39-37 für Gerber, der noch weiter aufgebaut werden muss. Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen.  

Offizielles Urteil: Sieger einstimmig nach Punkten Edmund Gerber


Vor dem dritten Kampf des Abends kam nun zur Überraschung der meisten boxinteressierten Anwesenden tatsächlich der ehemals beste Boxer der Welt, Roy Jones Jr. (Foto), in Begleitung Ahmet Öners und einigen Bekannten in die Halle. Auch wenn man kein Fan des Mannes aus Pensacola ist, muss man zugeben, dass diesen Ausnahmeathleten noch immer eine besondere Aura umgibt. Dieses Gefühl hatten wohl alle in der Halle, die mit dem Namen Jones jr. zumindest etwas anfangen konnten. Nichtsdestotrotz blieb die Welt im Zenith nicht stehen und das Programm wurde unter den Augen des Gastes aus den USA zügig fortgesetzt.  


3. Kampf: Konstantin Airich vs. Alex Mazikin, Schwergewicht, angesetzt auf acht Runden

Als nächstes stand der Schwergewichtskampf zwischen dem Deutsch-Kasachen Konstantin Airich aus Hamburg und Alex Mazikin aus der Ukraine, angesetzt auf acht Runden, auf dem Programm. Mazikin diktierte anfangs den Kampf mit seinen klaren Reichweitenvorteilen und klingelte seinen Gegner prompt sehr früh mit einem linkem Kopfhaken an. Danach arbeitete der Ukrainer, der nicht austrainiert wirkte aber eine gute technische Schule genoss, weiter gut mit seiner Führhand. Dagegen schien Airich zunächst kein probates Mittel zu finden. Viel zu oft versuchte es der Mann, der bisher alle seine acht Profikämpfe vorzeitig gewann, mit brachialer Gewalt. Dadurch wurde der Kampf zunehmend zerfahrener.
Symptomatisch war dazu, dass Mazikin in der zweiten Runde durch einen unabsichtlichen Kopfstoß des wild anrennenden Airichs einen blutenden Cut am rechten Auge erlitt. Allerdings stellte dieser Cut keine Beeinträchtigung für den Mann aus Charkov dar. Vielmehr gelang es ihm erneut den Kasachen mit einem rechten Kopfhaken anzuklingeln und nach Meinung des Autors damit auch zu Boden zu schlagen. Der Ringrichter Jürgen Langos wertete das Einknicken Airichs jedoch nicht als Niederschlag, sondern als Niederdrücken durch Mazikin, was später Konsequenzen bezüglich des Kampfausgangs haben sollte. Zwar gelang es dem bisher ungeschlagenen Hamburger in der zweiten Kampfeshälfte etwas besser in den Kampf zu kommen und auch die ein oder andere Runde zu gewinnen, jedoch offenbarte er ein ums andere Mal auch Deckungslücken, die ein schlagstärkerer Mann als Mazikin wohl gnadenlos ausgenutzt hätte.  

Am Ende sahen die Punktrichter den Kampf unentschieden. Dieses Urteil ist aus Sicht des Autor gerecht, sofern man den Niederschlag gegen Airich in der dritten Runde nicht als solchen wertet. Andernfalls hätte der Ukrainer Mazikin einen hauchdünnen Punktsieg verdient gehabt. Konstantin Airichs Aufstiegsambitionen haben mit diesem Kampf einen Dämpfer erhalten. Oftmals aber geht man aus solchen Kämpfen gestärkt hervor, da man zur Korrektur seiner Fehler gezwungen wird.  

Offizielles Urteil: unentschieden


4. Kampf: Selcuk Aydin vs. Fakhad Bakhirov, Superweltergewicht, angesetzt auf acht Runden

Im nächsten Kampf stieg die Stimmung in der Halle rapide an, boxte doch die türkische Hoffnung im Weltergewicht Selcuk Aydin (Foto links), auch bekannt als "Mini-Tyson". Jedoch hatte es der gut austrainierte Mann aus Trabzon mit seinem Gegner Fakhad Bakhirov absolut nicht leicht. Der Usbeke entpuppte sich als ausgebuffter Ringfuchs, der mit vielen Wassern gewaschen war. In Rechtsauslage boxend und mit deutlichen Reichweitenvorteilen ausgestattet, machte er dem türkischen Favoriten das Leben nicht einfach und entwischte ein ums andere mal dessen flinken Attacken. Klar der russischen Boxschule angehörend, boxte der 35-jährige Usbeke, dem die harte usbekische Steppe ins markante Gesicht geschrieben stand, sehr solide, schnell im aufrechten Rückwärtsgang und zeigte sich daneben als eisenharter Knochen, der sich durch wilde Attacken des Türken schlichtweg nicht aus dem Konzept bringen ließ.
Jedoch boxte der ungeschlagene Aydin gut und konstant genug, um die Mehrheit auf den Punktrichterzetteln für sich zu gewinnen. Der Autor wertete den Kampf 77-75 für Selcuk Aydin, den solche Kämpfe wie an diesem Abend nur voran bringen können.  
Großen Respekt gebührt daneben aber auch dem Usbeken Bakhirov (Foto rechts) für seine couragierte Leistung.  

Offizielles Urteil: Sieger einstimmig
nach Punkten Selcuk Aydin


5. Kampf: Sinan Samil Sam vs. Ratko Draskovic, WBC-Mittelmeer-Meisterschaft im Schwergewicht, angesetzt auf zwölf Runden

Im nun folgenden auf zwölf Runden angesetzten Kampf ging es zwar um den einzigen Titel an diesem Abend, jedoch konnte dieser Kampf um die WBC-Mittelmeer-Meisterschaft im Schwergewicht nicht die dementsprechenden Erwartungen erfüllen. Sinan Samil Sam stieg unaustrainiert gegen seinen Gegner Ratko Draskovic in den Ring, der außer eines Kampfes im Februar diesen Jahres, seit vier Jahren nicht mehr im Ring stand. Dementsprechend einseitig verlief der Kampf, in dem Sam seinen Gegner sehr früh attackieren konnte und ihn so stark in Bedrängnis bringen konnte, dass dieser es vorzog lieber früher als später die Segel zu streichen.  
Sieger durch TKO in der zweiten Runde war Sinan Samil Sam bei dem man im Moment leider nicht zwingend das Gefühl bekommt, dass er noch Mal ganz oben angreifen will.

Offizielles Urteil: Sieger durch technischen KO in Runde zwei Sinan Samil Sam


6. Kampf: Kai Kurzawa vs. Armin Dollinger, Cruisergewicht, angesetzt auf acht Runden  

Neben der Überraschung außerhalb des Rings durch die Anwesenheit Roy Jones´, fand an diesem Abend auch im Ring eine Überraschung statt. Der Lokalmatador Armin Dollinger (Foto) versetzte der Profikarriere des ehemals als vielversprechendes Talent angesehenen Kai Kurzawa wohl das endgültige Ende. Nachdem Kurzawa bereits alle drei größeren Kämpfe seiner Karriere in der letzten Zeit verlor, wollte man ihm seitens Arena Box-Promotion mit einem Kampf gegen den zwar ungeschlagenen, aber nicht unbedingt zur Creme de la Creme des Boxsports zählenden Dollinger eine Chance zur Profilierung geben. Anfangs sah es auch ganz danach aus, als könne Kurzawa diese Chance nutzen. Zeigte er doch seine klare technische Überlegenheit und Schnelligkeit. Vollkommen überraschend kam jedoch ein rechter Haken des Münchners Dollinger in der zweiten Runde, der den Mann aus Schwedt an der Oder schwer anklingelte. Seine Chance witternd setzte der von Hartmut Schröder trainierte München aus dem Wiking Box-Team brachial nach und setzte vier, fünf klare Treffer, die den Ostdeutschen stehend KO ins Seil taumeln ließen. Der Ringrichter zählte überhaupt nicht an und nahm Kurzawa sehr zu Freude der anwesenden Fangemeinde Dollingers sofort aus dem Kampf. Dollinger konnte den größten Erfolg seiner Profikarriere feiern und darf möglicherweise in Zukunft auf größere Kämpfe hoffen.  

Offizielles Urteil: Sieger durch technischen KO in Runde zwei Armin Dollinger


7. Kampf: Odlanier Solis vs. Cisse Salif, Schwergewicht, angesetzt auf acht Runden  

Sportlich steuerte der Abend nun seinem Höhepunkt zu. Der dreimalige Amateur-Weltmeister und Olympiasieger von Athen im Superschwergewicht, Odlanier Solis aus Kuba, stellte sich seiner bis dato vielleicht schwersten Aufgabe. Der grundsolide boxende und hart schlagende Eisenschädel Cisse Salif aus Mali in Afrika, der seinerseits David Tua schon am Rande der Niederlage hatte, zeigte sich von Anfang an sehr cool und bezüglich der ihm bevorstehenden Aufgabe nicht sonderlich beängstigt. Zwar stellte sich zwischen den beiden Kontrahenten sehr schnell ein Klassenunterschied in Schlagschnelligkeit, Beinarbeit und Oberkörperbewegung zu Gunsten des Kubaners ein, jedoch gelang es dem haushohen Favoriten trotz vieler klarer Aktionen mit teilweise vierfachen Kombinationen nicht, seinen Gegner so hart zu treffen, dass dieser in wirklich ernsthafte Bedrängnis kam.
Nichtsdestotrotz war die boxerische Leistung des Olympiasiegers (Foto links) für seinen erst achten Profikampf erstklassig und klar zukunftsträchtig. Allerdings muss Odlanier Solis noch daran arbeiten seinen Amateurstil nach und nach abzulegen und weniger, dafür aber explosiver zu schlagen. Das Urteil des Kampfes war bloße Formsache. Solis gewann auf allen Punktzetteln mit 80:72.  

Offizielles Urteil: Sieger einstimmig nach Punkten Odlanier Solis


8. Kampf: Markus Beyer vs. Murat Mahmudov, Halbschwergewicht, angesetzt auf acht Runden  

Im Hauptkampf des Abends kam es zum Comeback des Erlabrunners Markus Beyer, der seit seiner KO-Niederlage gegen Mikkel Kessler im November 2006 nicht mehr im Ring stand. Dementsprechend rostig wirkte der Rechtsausleger gegen seinen harmlosen Gegner Murat Mahmudov aus Dagestan, der kaum nennenswerte Aktionen zu bieten hatte. Das Distanzgefühl Beyers war nur marginal vorhanden und nur selten setzte er gegen seinen Gegner zwingend nach. In einem an Höhepunkten armen Kampf siegte Beyer schließlich nach acht Runden ungefährdet über die Punktezettel.

Offizielles Urteil: Sieger einstimmig nach Punkten Markus Beyer

Jedoch sollte sich Beyer in einer solchen Form nicht dem beobachtenden Roy Jones jr. gegenüberstellen, der im Interview meinte, dass er eine Tour durch die europäischen Boxringe anstrebe, sofern die Gage stimme.  

Dies scheint auch nicht verwunderlich, konnte er bei seinem letzten Kampf im Januar diesen Jahres in den USA nicht mehr so viele Leute in die Halle oder vor den Fernsehschirm ziehen, als dies in seiner Hochphase der Fall war. Ob dies zumindest in Deutschland anders sein wird, ist nicht zwingend zu bejahen. Ein Journalist einer sehr großen deutschen Tageszeitung meinte zum Autor fragend: "Da soll heut` irgend so ein Ami da sein. Wissen sie wer das ist?"


Samstag 15. März 2008

 
     

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