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Dunaway eine Nummer zu klein für Halmich


von Sebastian Gutknecht und Patrick Haas



Zum zweiten Mal innerhalb von nur drei Monaten verteidigte Regina Halmich (auf Foto oben rechts) ihren WIBF-Fliegengewichtstitel in der Magdeburger Bördelandhalle. Gegnerin war die erst 20-jährige Amerikanerin Hollie Dunaway (auf Foto oben links). In einem weiteren Kampf setzte der Ukrainer Sergei Dzindziruk (BP-Nr. 11) seinen Europameistertitel gegen den Franzosen Jimmy Colas aufs Spiel.

1. Kampf: Malik Dziarra vs. Azedine Djerrari, Supermittelgewicht, sechs Runden

Vor 20 hartgesottenen Boxfreunden, Journalisten, Familienangehörigen und dem Hallenpersonal war es Malik Dziarra (Foto) vergönnt, den Boxabend in der Börde einzuläuten. Er besiegte den 35-jährigen Algerier Azedine Djerrari durch technischen KO in der vierten Runde.

Der Profi vom Magdeburger SES-Boxstall kontrollierte den Kampf von der Ringmitte aus. Besonderen Wert legte Malik D. auf eine konstante Körperattacke. Der offensichtlich masochistisch veranlagte Algerier fand Gefallen an den harten Treffern des gebürtigen Weißrussen und forderte mit einer eindeutigen Geste Nachschlag. Nach weiteren harten Treffern auf die kurzen Rippen schien sein Bedarf an Schmerzen allerdings gedeckt und so gab die Ecke den Kampf zu Beginn der vierten Runde auf.

2. Kampf: Karoly Balzsay vs. Willie McDonald, Supermittelgewicht, sechs Runden

Wenn Old (Willie) McDonald eine gutgehende Farm hätte, müsste er sich mit 41 Jahren vielleicht nicht mehr durch Boxringe quälen, aber so hält der Amerikaner seine müden Knochen jedem willigen Jungprofi hin. Karoly Balzsay nahm die „Herausforderung“ dankend an. Drei Minuten gefälliges Boxen, eine schnelle linke Gerade und ein paar Körpertreffer präsentierte der ungarische Rechtsausleger dem Publikum in der ersten Runde.

Besonders die Körpertreffer hatten Old McDonald wohl schwer zugesetzt, so dass er in der Ringpause zur zweiten Runde nach einem Hustenanfall aufgab. Sieger durch technischen KO in Runde zwei: Karoly Balzsay.

3. Kampf: Alesia Graf vs. Oksana Vasiljeva, Bantamgewicht, sechs Runden

Als nächstes traten nun die ersten beiden Damen in den Ring. Universum-Talent Alesia Graf sollte ihr Können gegen Oksana Vasiljeva unter Beweis stellen sollte. Dass die starke Russin mit ihren fünf Siegen aus den ersten sechs Kämpfen ein deutlicher Sprung in der Qualität der Gegnerinnen Grafs war, zeigte sich spätestens in Runde vier, als Vasiljeva völlig unbeeindruckt von den wie immer technisch sauberen Aktionen der Deutschen den Schlagabtausch suchte.

Bestimmte Graf noch die Anfangsphase mit dem Jab und ihrem enormen Schlagrepertoire, so konnte die russische Kontrahentin die zweite Kampfeshälfte mit hoher Schlagfrequenz und vor allem ihrer druckvollen kämpferischen Art zu boxen durchaus ausgeglichen gestalten.

Aufgrund der klareren Treffer und der besseren Anfangsphase konnte sich die gebürtige Weißrussin dennoch relativ eindeutig durchsetzen, auch wenn einer der Punktrichter den Kampf etwas enger sah.

59:57, 57:57 und 60:55 lauteten die Wertungen und somit gewinnt Alesia Graf, für die als nächstes bereits ein Weltmeisterschaftskampf anstehen soll, per Mehrheitsentscheid auch ihren zehnten Profikampf.

4. Kampf: Dirk Dzemski vs. Sylvestre Marianini, Mittelgewicht, sechs Runden


Im vierten Fight des Abends stand nun Rehabilitation auf dem Programm und zwar für Dirk Dzemski (Foto) vom SES-Boxstall, der hatte seinen letzten Kampf nach verletzungsbedingter Aufgabe verloren und war nun nach fast genau neun Monaten wieder im Ring. Dem Deutschen merkte man gegen den als Aufbaugegner einzuordnenden Sylvestre Marianini noch einigen Ringrost an. Vor allem an der Deckung des 32-jährigen haperte es noch, nachdem er den Franzosen an den Seilen stellen konnte und mit schönen Aktionen zum Körper bearbeitete, sich aber im Gegenzug direkt einige Kopftreffer einfing.
Folgerichtig agierte Dzemski fortan vorsichtiger und erboxte sich gegen den hauptsächlich mit wilden Schwingern operierenden Marianini einen ungefährdeten einstimmigen Punktsieg.

60:54, 60:54 und 60:55 lauteten die Wertungen des Kampfgerichts.

5. Kampf: Michel Trabant vs. Abdoulaye Thiam, Weltergewicht, acht Runden

Ebenfalls ein wenig Wiedergutmachung für seine zuletzt nicht vollends überzeugenden Vorstellungen wollte im fünften Kampf der Veranstaltung Michel Trabant (auf Foto links) betreiben. Der Berliner, der mit seinen erst 26 Jahren bereits 42 Profikämpfe absolviert hat, traf dazu auf den vier Jahre älteren, aber 29 Kämpfe weniger erfahrenen Abdoulaye Thiam (auf Foto rechts) aus Frankreich. Bis in die vierte Runde verlief auch alles nach Plan für den Universum-Boxer, der die Anfangsphase ohne große Höhepunkte zu setzen bestimmte.

Hier fing er sich dann eine krachende Linke des Franzosen ein, nachdem er sich leichtsinnigerweise dazu hinreißen ließ, Mätzchen zu machen und die Deckung fallen zu lassen. Im weiteren Kampfverlauf brachte der jetzt deutlich aktivere Thiam den Deutschen einige Male in Bedrängnis. Mitte des siebten Durchgangs musste er einen kurzen linken Haken Trabants einstecken, dieser war jedoch selbst zu müde, um den Franzosen zu Boden zu schicken. Aufgrund dieser Aktion sowie der guten ersten Runden gewann Trabant letztlich doch einstimmig nach Punkten.

78:75, 78:74 und 78:74 lautete die Wertung des Kampfgerichts.

6. Kampf: Sergei Dzindziruk vs. Jimmy Colas, Superweltergewicht, zwölf Runden

Eine souveräne Vorstellung lieferte Europameister Sergei Dzindziruk (BP-Nr. 11) gegen den französischen Herausforderer Jimmy Colas ab. So setzte er sich am Ende klar nach Punkten (119:108, 117:111, 118:109) durch. Ein in der Höhe angemessenes Ergebnis, das den Bemühungen des Franzosen nicht ganz gerecht wurde, doch der ökonomisch boxende Ukrainer aus dem Universum Boxstall war fast jede Runde den entscheidenden Tick besser.

Während der kleinere Colas über den ganzen Kampf versuchte, Druck aufzubauen, konzentrierte sich Dzindziruk auf sein bekanntes Konterboxen. Die Einzeltreffer des Franzosen mit dem linken Haken und der rechten Geraden beantwortete der 29-jährige Titelverteidiger zumeist mit einer eigenen Schlagserie. Eine solche Serie führte dann auch zum ersten Niederschlag in der achten Runde. Ein Jab gefolgt von einem linken Haken zum Körper, der Colas sichtlich mitnahm, und letztendlich eine Kombination rechter Haken, linker Aufwärtshaken, rechter Haken überzeugten den Herausforderer auf's Knie zu gehen, um sich anzählen zu lassen.

Trotz eines zweiten Niederschlags in Runde elf nach einem krachenden linken Aufwärtshaken, der zu einer blutenden Nase bei Colas führte, schaffte es der Franzose über die volle Distanz. Es blieb der einzige Mangel aus Sicht des Europameisters, wenn man davon absieht, dass Dzindziruk seinen kleineren Gegner nur selten auf Distanz halten konnte. Ein konsequenter durchgezogener Jab hätte Abhilfe schaffen können, aber Dzindziruk schien auch mit dem Duell Fuß an Fuß zufrieden.

Nun heißt es für Rechtsausleger Dzindziruk weiter auf seine WM-Chance zu warten. Gegner wäre höchstwahrscheinlich ein weiterer Rechtsausleger, der WBO-Weltmeister aus Puerto Rico Daniel Santos (BP- Nr. 2).

7. Kampf: Robert Stieglitz vs. Lawrence Chapman, Supermittelgewicht, zwölf Runden

Robert Stieglitz (BP-Talent, auf Foto rechts) hat einen großen Vorteil gegenüber anderen Talenten. Trotz eines kleineren Promoters „Sports Events Steinforth“ (SES) konnte er sich bisher regelmäßig einem breiten Fernsehpublikum im Deutschen Sportfernsehen (DSF) präsentieren. Ironie des Schicksals, dass Stieglitz sich gerade den Kampf gegen Lawrence Chapman (auf Foto links) aussuchte, um seine stagnierende Entwicklung mit einer beeindruckenden Leistung voranzutreiben. Der Kampf, der die lethargischen Zuschauer aus ihrem Dornröschenschlaf wachküsste, wurde nur mit einer mehrsekündigen Zusammenfassung im ZDF bedacht.

In den vorangegangen Kämpfen hatte Stieglitz immer wieder mit denselben Problemen zu kämpfen. Er brachte seinen eigenen Jab nicht konsequent und offenbarte einige Deckungslücken. Als Folge musste er beim Überbrücken der Distanz häufig den gegnerischen Konter schlucken. Eine Tatsache, die gegen schwächere Konkurrenz in der Aufbauphase kaum ins Gewicht fällt, aber langfristig der Gesundheit und dem großen Erfolg wenig zuträglich ist. Um so erfreulicher war es zu beobachten, dass Stieglitz an seinen Schwächen gearbeitet hat und gegen den erfahrenen Amerikaner Lawrence Chapman sehr konzentriert begann. Trotz eines nicht unerheblichen Größen- und Reichweitennachteils schaffte er es problemlos, hinter einer zweifach geschlagenen Führhand die Distanz zu überbrücken, um dann mit schnellen Händen zum Körper und Kopf zu punkten. Damit war der Kampfverlauf etabliert. Stieglitz pendelte mehr im Oberkörper, hielt die Deckung zusammen, und wenn Chapman selbst die Initiative übernahm, konterte Stieglitz mit einer schnellen Rechten über den langsamen Jab des Amerikaners. Nur die mangelnde Schlagkraft und stellenweise fehlende Präzision verhinderten ein frühes Ende.

Nach sieben einseitigen Runden zeigte Chapman dann endlich einen seiner berüchtigten Haltegriffe, die ihm gegen Antwun Echols (BP-Nr. 11) eine frühe Disqualifikation einbrachten. Nach einem Clinch verlor Stieglitz das Gleichgewicht. Er lehnte sich in Chapman hinein, der ihn daraufhin mit sich zu Boden zog. Nach Auflösung des Boxerknäuls mimte der aus Los Angeles stammende Chapman auf dem Rücken liegend den sterbenden Schwan. Das Publikum fand die schauspielerische Leistung wenig Oscar-reif und quittierte die Vorstellung mit lautstarken Buhrufen, die sich kurze Zeit später in rhythmisches Klatschen und Anfeuerungsrufe für den Lokalmatador verwandelten. So hatte Chapman wenigstens das Publikum zum Leben erweckt und ein sichtlich animierter Stieglitz setzte zum Schlussspurt an.

In Runde elf nahm der Wahl-Magdeburger das Visier runter, um das vorzeitige Ende zu suchen. Zwar musste er dabei vereinzelte Treffer kassieren, doch nach einer schönen Serie mit zwei linken Geraden, gefolgt von einer Rechts-links-rechts-Kombination war es Chapman, der zu Boden musste. Wenig später rasselten beide Boxer mit den Köpfen aneinander und Chapman ging zum zweiten Mal zu Boden. Das ungerechtfertigte Anzählen durch Ringrichter Arno Pokrandt schien für den US-Boy zuviel des Guten. Er hatte seine Ausrede und den Ausweg gefunden. In der Ringpause zur zwöften Runde gab er hoffnungslos zurückliegend auf.

Robert Stieglitz durfte dagegen rundum zufrieden sein. Speziell in der Defensive zeigte er eine deutliche Leistungssteigerung gegenüber den letzten Kämpfen. Die positiven Reaktionen des Publikums am Ende dürften Promoter Ulf Steinforth ebenfalls ein Lächeln auf die Lippen gezaubert haben.

8. Kampf: Regina Halmich vs. Hollie Dunaway, Fliegengewicht, zehn Runden

Zum Abschluss betrat dann endlich Regina Halmich (Foto) die gut gefüllte, aber nicht ausverkaufte Halle und der inoffiziellen „Nachmieterin“ von Sven Ottke wurde, wie auch schon beim letzten Mal, ein würdiger Empfang bereitet. Unter tosendem Applaus marschierte eine konzentriert wirkende Titelverteidigerin in den Ring.
Herausforderin um ihren WIBF-Titel im Fliegengewicht war Hollie Dunaway aus den USA. Die erst 20-jährige hatte zuletzt vor fünf Monaten noch um die sogenannte Minimumgewichtsweltmeisterschaft geboxt und für diesen Kampf ganze sechs Kilogramm zugelegt.

Zumindest in der ersten Runde konnte die quirlige Dunaway das noch zu ihrem Vorteil nutzen, indem sie sich auf schnellen Beinen bewegte, kein festes Ziel bot und ihre unorthodox anmutenden Haken über die Außenbahn ins Ziel brachte. Die körperliche Unterlegenheit sowie die fehlende technische Reife bei der Schlagausführung wurden der jungen Amerikanerin aber in den nächsten Runden zum Verhängnis. Verliefen die zweite und dritte Runde noch relativ ruhig, so musste sie in Durchgang vier und fünf eine Vielzahl harter Treffer zum Kopf nehmen. In der fünften Runde verlor sie dabei sogar das Mundstück und wirkte, nachdem sie immer wieder die Linke Halmichs über die Außenbahn kassierte, schwer mitgenommen. Trotzdem reckte sie zur Rundenpause immer kämpferisch die Faust in die Luft, egal wieviel sie zuvor einstecken musste.

In den Runden danach artete der Kampf zum Mismatch aus, da Dunaway mit ihren immer langsamer werdenden wilden Haken über außen zunehmend ungefährlicher wurde, zumal sich die Weltmeisterin schon von Beginn von der Schlagkraft der Amerikanerin völlig unbeeindruckt zeigte. Aufgrund ihrer Schlagtechnik die Innenbahn völlig ungedeckt lassend, geriet die junge Dame aus Arkansas in der zehnten Runde noch einmal richtig in Bedrängnis, nachdem sie wiederum eine Vielzahl harter Kopftreffer einstecken musste. Konditionell ebenfalls am Ende hatte sie es nur ihrem enormen Kämpferherz und der fehlenden Schlagkraft Halmichs zu verdanken, dass sie über die angesetzten zehn Runden kam.

Am Ende beklatschten die Magdeburger Fans zum zweiten Mal in Folge eine dominante Vorstellung. Nach elf Jahren als Profi und fast 40 Kämpfen als Weltmeisterin wünscht sich trotzdem so mancher Halmich-Fan, auch mal eine Verbesserung in der Defensivleistung oder eine Schlagvariante, die über die Links-Rechts-Kombination hinaus geht, zu bestaunen.

99:91, 99:91 und 98:92 lautete das Urteil des Kampfgerichts, die Autoren dieses Berichtes werteten den Kampf 99:91.

In ihrem nächsten Kampf will Regina Halmich nun das „Rematch“ gegen Elena Reid (Foto) in Angriff nehmen, nachdem der erste Kampf mit einem sehr schmeichelhaften Unentschieden für Halmich endete – sportlich fair zwar, aber vielleicht nicht mehr mit der Brisanz, den ein direkter Rückkampf gehabt hätte, nachdem Reid erst kürzlich durch TKO gegen die relativ unbekannte Alicia Ashley unterlag (BoxingPress berichtete).

Montag, 18. April 2005


 
     

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