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Zum zweiten Mal innerhalb von nur drei Monaten verteidigte Regina
Halmich (auf Foto oben rechts) ihren WIBF-Fliegengewichtstitel
in der Magdeburger Bördelandhalle. Gegnerin war die erst 20-jährige
Amerikanerin Hollie
Dunaway (auf Foto oben links). In einem weiteren Kampf setzte
der Ukrainer Sergei
Dzindziruk (BP-Nr. 11) seinen Europameistertitel gegen
den Franzosen Jimmy
Colas aufs Spiel.
1. Kampf: Malik
Dziarra vs. Azedine
Djerrari, Supermittelgewicht, sechs Runden
Vor
20 hartgesottenen Boxfreunden, Journalisten, Familienangehörigen
und dem Hallenpersonal war es Malik
Dziarra (Foto) vergönnt, den Boxabend in der Börde einzuläuten.
Er besiegte den 35-jährigen Algerier Azedine
Djerrari durch technischen KO in der vierten Runde.
Der Profi vom Magdeburger SES-Boxstall kontrollierte den Kampf von der
Ringmitte aus. Besonderen Wert legte Malik D. auf eine konstante Körperattacke.
Der offensichtlich masochistisch veranlagte Algerier fand Gefallen an
den harten Treffern des gebürtigen Weißrussen und forderte
mit einer eindeutigen Geste Nachschlag. Nach weiteren harten Treffern
auf die kurzen Rippen schien sein Bedarf an Schmerzen allerdings gedeckt
und so gab die Ecke den Kampf zu Beginn der vierten Runde auf.
2. Kampf: Karoly
Balzsay vs. Willie
McDonald, Supermittelgewicht, sechs Runden
Wenn Old (Willie)
McDonald eine gutgehende Farm hätte, müsste er sich
mit 41 Jahren vielleicht nicht mehr durch Boxringe quälen, aber so
hält der Amerikaner seine müden Knochen jedem willigen Jungprofi
hin. Karoly
Balzsay nahm die Herausforderung dankend an. Drei
Minuten gefälliges Boxen, eine schnelle linke Gerade und ein paar
Körpertreffer präsentierte der ungarische Rechtsausleger dem
Publikum in der ersten Runde.
Besonders die Körpertreffer hatten Old McDonald wohl schwer zugesetzt,
so dass er in der Ringpause zur zweiten Runde nach einem Hustenanfall
aufgab. Sieger durch technischen KO in Runde zwei: Karoly Balzsay.
3. Kampf: Alesia Graf vs. Oksana
Vasiljeva, Bantamgewicht, sechs Runden
Als nächstes traten nun die ersten beiden Damen in den Ring. Universum-Talent
Alesia
Graf sollte ihr Können gegen Oksana
Vasiljeva unter Beweis stellen sollte. Dass die starke Russin
mit ihren fünf Siegen aus den ersten sechs Kämpfen ein deutlicher
Sprung in der Qualität der Gegnerinnen Grafs war, zeigte sich spätestens
in Runde vier, als Vasiljeva völlig unbeeindruckt von den wie immer
technisch sauberen Aktionen der Deutschen den Schlagabtausch suchte.
Bestimmte Graf noch die Anfangsphase mit dem Jab und ihrem enormen Schlagrepertoire,
so konnte die russische Kontrahentin die zweite Kampfeshälfte mit
hoher Schlagfrequenz und vor allem ihrer druckvollen kämpferischen
Art zu boxen durchaus ausgeglichen gestalten.
Aufgrund der klareren Treffer und der besseren Anfangsphase konnte sich
die gebürtige Weißrussin dennoch relativ eindeutig durchsetzen,
auch wenn einer der Punktrichter den Kampf etwas enger sah.
59:57, 57:57 und 60:55 lauteten die Wertungen und somit gewinnt Alesia
Graf, für die als nächstes bereits ein Weltmeisterschaftskampf
anstehen soll, per Mehrheitsentscheid auch ihren zehnten Profikampf.
4. Kampf: Dirk
Dzemski vs. Sylvestre
Marianini, Mittelgewicht, sechs Runden
Im
vierten Fight des Abends stand nun Rehabilitation auf dem Programm und
zwar für Dirk
Dzemski (Foto) vom SES-Boxstall, der hatte seinen letzten Kampf
nach verletzungsbedingter Aufgabe verloren und war nun nach fast genau
neun Monaten wieder im Ring. Dem Deutschen merkte man gegen den als Aufbaugegner
einzuordnenden Sylvestre
Marianini noch einigen Ringrost an. Vor allem an der Deckung des
32-jährigen haperte es noch, nachdem er den Franzosen an den Seilen
stellen konnte und mit schönen Aktionen zum Körper bearbeitete,
sich aber im Gegenzug direkt einige Kopftreffer einfing.
Folgerichtig agierte Dzemski fortan vorsichtiger und erboxte sich gegen
den hauptsächlich mit wilden Schwingern operierenden Marianini einen
ungefährdeten einstimmigen Punktsieg.
60:54, 60:54 und 60:55 lauteten die Wertungen des Kampfgerichts.
5. Kampf: Michel
Trabant vs. Abdoulaye
Thiam, Weltergewicht, acht Runden
Ebenfalls
ein wenig Wiedergutmachung für seine zuletzt nicht vollends überzeugenden
Vorstellungen wollte im fünften Kampf der Veranstaltung Michel
Trabant (auf Foto links) betreiben. Der Berliner, der mit
seinen erst 26 Jahren bereits 42 Profikämpfe absolviert hat, traf
dazu auf den vier Jahre älteren, aber 29 Kämpfe weniger erfahrenen
Abdoulaye
Thiam (auf Foto rechts) aus Frankreich. Bis in die vierte Runde
verlief auch alles nach Plan für den Universum-Boxer, der die Anfangsphase
ohne große Höhepunkte zu setzen bestimmte.
Hier fing er sich dann eine krachende Linke des Franzosen ein, nachdem
er sich leichtsinnigerweise dazu hinreißen ließ, Mätzchen
zu machen und die Deckung fallen zu lassen. Im weiteren Kampfverlauf brachte
der jetzt deutlich aktivere Thiam den Deutschen einige Male in Bedrängnis.
Mitte des siebten Durchgangs musste er einen kurzen linken Haken Trabants
einstecken, dieser war jedoch selbst zu müde, um den Franzosen zu
Boden zu schicken. Aufgrund dieser Aktion sowie der guten ersten Runden
gewann Trabant letztlich doch einstimmig nach Punkten.
78:75, 78:74 und 78:74 lautete die Wertung des Kampfgerichts.
6. Kampf: Sergei
Dzindziruk vs. Jimmy
Colas, Superweltergewicht, zwölf Runden
Eine souveräne Vorstellung lieferte Europameister Sergei
Dzindziruk (BP-Nr. 11) gegen den französischen Herausforderer
Jimmy
Colas ab. So setzte er sich am Ende klar nach Punkten (119:108,
117:111, 118:109) durch. Ein in der Höhe angemessenes Ergebnis, das
den Bemühungen des Franzosen nicht ganz gerecht wurde, doch der ökonomisch
boxende Ukrainer aus dem Universum Boxstall war fast jede Runde den entscheidenden
Tick besser.
Während der kleinere Colas über den ganzen Kampf versuchte,
Druck aufzubauen, konzentrierte sich Dzindziruk auf sein bekanntes Konterboxen.
Die Einzeltreffer des Franzosen mit dem linken Haken und der rechten Geraden
beantwortete der 29-jährige Titelverteidiger zumeist mit einer eigenen
Schlagserie. Eine solche Serie führte dann auch zum ersten Niederschlag
in der achten Runde. Ein Jab gefolgt von einem linken Haken zum Körper,
der Colas sichtlich mitnahm, und letztendlich eine Kombination rechter
Haken, linker Aufwärtshaken, rechter Haken überzeugten den Herausforderer
auf's Knie zu gehen, um sich anzählen zu lassen.
Trotz eines zweiten Niederschlags in Runde elf nach einem krachenden linken
Aufwärtshaken, der zu einer blutenden Nase bei Colas führte,
schaffte es der Franzose über die volle Distanz. Es blieb der einzige
Mangel aus Sicht des Europameisters, wenn man davon absieht, dass Dzindziruk
seinen kleineren Gegner nur selten auf Distanz halten konnte. Ein konsequenter
durchgezogener Jab hätte Abhilfe schaffen können, aber Dzindziruk
schien auch mit dem Duell Fuß an Fuß zufrieden.
Nun heißt es für Rechtsausleger Dzindziruk weiter auf seine
WM-Chance zu warten. Gegner wäre höchstwahrscheinlich ein weiterer
Rechtsausleger, der WBO-Weltmeister aus Puerto Rico Daniel
Santos (BP- Nr. 2).
7. Kampf: Robert
Stieglitz vs. Lawrence
Chapman, Supermittelgewicht, zwölf Runden
Robert
Stieglitz (BP-Talent, auf Foto rechts) hat einen großen
Vorteil gegenüber anderen Talenten. Trotz eines kleineren Promoters
Sports Events Steinforth (SES) konnte er sich bisher regelmäßig
einem breiten Fernsehpublikum im Deutschen Sportfernsehen (DSF) präsentieren.
Ironie des Schicksals, dass Stieglitz sich gerade den Kampf gegen Lawrence
Chapman (auf Foto links) aussuchte, um seine stagnierende Entwicklung
mit einer beeindruckenden Leistung voranzutreiben. Der Kampf, der die
lethargischen Zuschauer aus ihrem Dornröschenschlaf wachküsste,
wurde nur mit einer mehrsekündigen Zusammenfassung im ZDF bedacht.
In den vorangegangen Kämpfen hatte Stieglitz immer wieder mit denselben
Problemen zu kämpfen. Er brachte seinen eigenen Jab nicht konsequent
und offenbarte einige Deckungslücken. Als Folge musste er beim Überbrücken
der Distanz häufig den gegnerischen Konter schlucken. Eine Tatsache,
die gegen schwächere Konkurrenz in der Aufbauphase kaum ins Gewicht
fällt, aber langfristig der Gesundheit und dem großen Erfolg
wenig zuträglich ist. Um so erfreulicher war es zu beobachten, dass
Stieglitz an seinen Schwächen gearbeitet hat und gegen den erfahrenen
Amerikaner Lawrence Chapman sehr konzentriert begann. Trotz eines nicht
unerheblichen Größen- und Reichweitennachteils schaffte er
es problemlos, hinter einer zweifach geschlagenen Führhand die Distanz
zu überbrücken, um dann mit schnellen Händen zum Körper
und Kopf zu punkten. Damit war der Kampfverlauf etabliert. Stieglitz pendelte
mehr im Oberkörper, hielt die Deckung zusammen, und wenn Chapman
selbst die Initiative übernahm, konterte Stieglitz mit einer schnellen
Rechten über den langsamen Jab des Amerikaners. Nur die mangelnde
Schlagkraft und stellenweise fehlende Präzision verhinderten ein
frühes Ende.
Nach sieben einseitigen Runden zeigte Chapman dann endlich einen seiner
berüchtigten Haltegriffe, die ihm gegen Antwun
Echols (BP-Nr. 11) eine frühe Disqualifikation einbrachten.
Nach einem Clinch verlor Stieglitz das Gleichgewicht. Er lehnte sich in
Chapman hinein, der ihn daraufhin mit sich zu Boden zog. Nach Auflösung
des Boxerknäuls mimte der aus Los Angeles stammende Chapman auf dem
Rücken liegend den sterbenden Schwan. Das Publikum fand die schauspielerische
Leistung wenig Oscar-reif und quittierte die Vorstellung mit lautstarken
Buhrufen, die sich kurze Zeit später in rhythmisches Klatschen und
Anfeuerungsrufe für den Lokalmatador verwandelten. So hatte Chapman
wenigstens das Publikum zum Leben erweckt und ein sichtlich animierter
Stieglitz setzte zum Schlussspurt an.
In
Runde elf nahm der Wahl-Magdeburger das Visier runter, um das vorzeitige
Ende zu suchen. Zwar musste er dabei vereinzelte Treffer kassieren, doch
nach einer schönen Serie mit zwei linken Geraden, gefolgt von einer
Rechts-links-rechts-Kombination war es Chapman, der zu Boden musste. Wenig
später rasselten beide Boxer mit den Köpfen aneinander und Chapman
ging zum zweiten Mal zu Boden. Das ungerechtfertigte Anzählen durch
Ringrichter Arno Pokrandt schien für den US-Boy zuviel des
Guten. Er hatte seine Ausrede und den Ausweg gefunden. In der Ringpause
zur zwöften Runde gab er hoffnungslos zurückliegend auf.
Robert Stieglitz durfte dagegen rundum zufrieden sein. Speziell in der
Defensive zeigte er eine deutliche Leistungssteigerung gegenüber
den letzten Kämpfen. Die positiven Reaktionen des Publikums am Ende
dürften Promoter Ulf Steinforth ebenfalls ein Lächeln
auf die Lippen gezaubert haben.
8. Kampf: Regina
Halmich vs. Hollie
Dunaway, Fliegengewicht, zehn Runden
Zum
Abschluss betrat dann endlich Regina
Halmich (Foto) die gut gefüllte, aber nicht ausverkaufte
Halle und der inoffiziellen Nachmieterin von Sven Ottke
wurde, wie auch schon beim letzten Mal, ein würdiger Empfang bereitet.
Unter tosendem Applaus marschierte eine konzentriert wirkende Titelverteidigerin
in den Ring.
Herausforderin um ihren WIBF-Titel im Fliegengewicht war Hollie
Dunaway aus den USA. Die erst 20-jährige hatte zuletzt vor
fünf Monaten noch um die sogenannte Minimumgewichtsweltmeisterschaft
geboxt und für diesen Kampf ganze sechs Kilogramm zugelegt.
Zumindest in der ersten Runde konnte die quirlige Dunaway das noch zu
ihrem Vorteil nutzen, indem sie sich auf schnellen Beinen bewegte, kein
festes Ziel bot und ihre unorthodox anmutenden Haken über die Außenbahn
ins Ziel brachte. Die körperliche Unterlegenheit sowie die fehlende
technische Reife bei der Schlagausführung wurden der jungen Amerikanerin
aber in den nächsten Runden zum Verhängnis. Verliefen die zweite
und dritte Runde noch relativ ruhig, so musste sie in Durchgang vier und
fünf eine Vielzahl harter Treffer zum Kopf nehmen. In der fünften
Runde verlor sie dabei sogar das Mundstück und wirkte, nachdem sie
immer wieder die Linke Halmichs über die Außenbahn kassierte,
schwer mitgenommen. Trotzdem reckte sie zur Rundenpause immer kämpferisch
die Faust in die Luft, egal wieviel sie zuvor einstecken musste.
In den Runden danach artete der Kampf zum Mismatch aus, da Dunaway mit
ihren immer langsamer werdenden wilden Haken über außen zunehmend
ungefährlicher wurde, zumal sich die Weltmeisterin schon von Beginn
von der Schlagkraft der Amerikanerin völlig unbeeindruckt zeigte.
Aufgrund ihrer Schlagtechnik die Innenbahn völlig ungedeckt lassend,
geriet die junge Dame aus Arkansas in der zehnten Runde noch einmal richtig
in Bedrängnis, nachdem sie wiederum eine Vielzahl harter Kopftreffer
einstecken musste. Konditionell ebenfalls am Ende hatte sie es nur ihrem
enormen Kämpferherz und der fehlenden Schlagkraft Halmichs zu verdanken,
dass sie über die angesetzten zehn Runden kam.
Am Ende beklatschten die Magdeburger Fans zum zweiten Mal in Folge eine
dominante Vorstellung. Nach elf Jahren als Profi und fast 40 Kämpfen
als Weltmeisterin wünscht sich trotzdem so mancher Halmich-Fan, auch
mal eine Verbesserung in der Defensivleistung oder eine Schlagvariante,
die über die Links-Rechts-Kombination hinaus geht, zu bestaunen.
99:91, 99:91 und 98:92 lautete das Urteil des Kampfgerichts, die Autoren
dieses Berichtes werteten den Kampf 99:91.
In
ihrem nächsten Kampf will Regina Halmich nun das Rematch
gegen Elena
Reid (Foto) in Angriff nehmen, nachdem der erste Kampf
mit einem sehr schmeichelhaften Unentschieden für Halmich endete
sportlich fair zwar, aber vielleicht nicht mehr mit der Brisanz,
den ein direkter Rückkampf gehabt hätte, nachdem Reid erst kürzlich
durch TKO gegen die relativ unbekannte Alicia
Ashley unterlag (BoxingPress berichtete).
Montag,
18. April 2005
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