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Abdulaev besiegt Godoy
- Der Bericht
Bericht von Peter Selzer

Am
Dienstag kam es in der wunderschönen Reithalle des Maritim-Hotels
in Stuttgart zu einer wirklich sehenswerten Veranstaltung des von Dietmar
Poszwa geführten Boxstalls spotlight. Die Veranstaltung begann
schon um 18.00 Uhr, also vier Stunden bevor der Fernsehzuschauer den Worten
Werner Kastors im Rahmen der Live-Übertragung bei Eurosport
lauschen konnte. Der Unterschied solcher Kleinringveranstaltungen liegt
darin, dass es, im Gegensatz zu den Großveranstaltungen, keinen
merklicher Unterschied bei der Zuschauerzahlen zwischen Vorkämpfen
und Hauptkämpfen gibt. Der echte Boxfan will eben gutes Boxen sehen
und nicht nur die großen Namen der Zunft.
Erster Kampf des Abends: Ina
Menzer gegen Julia
Kilikova im Superfedergewicht.
Die deutsche Boxerin kam zu einem vorzeitigen Sieg in Runde drei gegen
die weiterhin sieglose Kämpferin aus der Ukraine.
Zweiter Kampf: Gusmyl
Perdomo gegen Thierry
Karl im Super-Mittelgewicht.
Im Duell dieser beiden bisher unbesiegten Boxer musste der Franzose Karl
seine erste Niederlage nach Punkten hinnehmen.
Dritter Kampf: Ali
Ahraoui gegen Cenk Ulug
im Super-Federgewicht.
Dies war der einzige Kampf des Abends, an dem der Gegner des Heimboxers
sichtlich überfordert war. Der in Wiesbaden lebende Ahraoui beherrschte
seinen Gegner nach allen Regeln der Kunst, bis dessen Ecke in der zweiten
Runde nach dem zweiten Niederschlag das Handtuch warf.
Vierter Kampf: Rashad
Ismayilov gegen Renan
Acosta, IBF-Junioren-Weltmeisterschaft im Super Federgewicht.
Dieser Kampf endete mit einer Überraschung. Der in Berlin lebende
deutsche Titelverteidiger Ismayilov war gegen seinen ungemein variabel
boxenden Gegner aus Panama über fast die gesamte Distanz unterlegen.
Rashad
Ismayilov wirkte
schon ab der vierten Runde völlig kraftlos, selbst die fast schon
verzweifelten Zurufe seiner Betreuer (Denk´ an Deine Familie)
konnten, trotz seiner dann vorgeführten Verzweifelungsangriffe, nichts
an der eindeutigen Punktniederlage ändern. Während die beiden
Punktrichter André van Grootenbruel und Alain Hemeleers
den Herausforder bei der Punktvergabe mit acht bzw. vier Punkten in
Front sahen, wollte Walfried Rollert die deutsche Ecke wohl nicht
gänzlich frustrieren und wertete den Kampf unentschieden. Der BoxingPress-Punktzettel
wies ein 98:93 für den Mann aus Panama aus.
Fünfter Kampf: Silke
Weickenmeier gegen Jayla
Ortiz, WIBF-Weltmeisterschaft im Federgewicht.
Die
Optik der Gastboxerin aus den USA zu beschreiben fällt recht schwer.
Der erste Eindruck erschreckte, Ortiz sah völlig untrainiert aus
und vermittelte nicht das Gefühl, es stehe eine Profisportlerin im
Ring. Eher glaubte der geneigte Betrachter, man habe eine Hilfsarbeiterin
von einer Großbaustelle in Bad Cannstatt in den Ring geschickt.
Doch dieser erste Eindruck täuschte. Nach einer ereignisarmen ersten
Runde war die Amerikanerin sichtlich bemüht, den Kampf zu bestimmen
und ging fast unentwegt nach vorne. Allerdings bereitete sie ihre Angriffe
nicht sorgsam vor, so dass die Weltmeisterin fast jeden Angriff schnell
kontern konnte und fast immer eine Kombination mehr an die Frau bringen
konnte. Die attraktive Brünette hatte mit ihrer gewählten Taktik
den Kampf fest im Griff und behielt auch bei den überhasteten und
damit einhergehend unsauberen Angriffe gegen Ende des Kampfes den Überblick.
Heraus kam ein eindeutiger Punktsieg für die Frau aus Speyer. Anzumerken
ist noch, dass Silke
Weickenmeier (Foto
oben) ihre Boxhandschuhe versteigerte und der Erlös den Opfern
der Flutkatastrophe in Südostasien zukommen ließ.
Sechster Kampf: Alesia
Graf gegen Oksana
Romanova im Bantangewicht.
Wer Alesia
Graf noch nicht im Ring gesehen hat, der sollte die nächste
Gelegenheit nutzen! Diese junge Boxerin ist schlicht phänomenal.
Sie verfügt über technische Fertigkeiten, die ihresgleichen
suchen. Graf boxt wie ein Mann. Beinarbeit, Schlagvariationen und insbesondere
die linke Führhand sind fast perfekt. Die sechs Runden gegen die
wahrlich nicht schlechte Gegnerin aus der Ukraine waren Werbung für
das Frauenboxen. Universum-Box-Promotion hat mit der Verpflichtung der
jungen Frau aus Stuttgart einen Glücksgriff getan. Die Nachfolgerin
für Regina
Halmich ist zweifelsfrei gefunden und man kann mit Sicherheit
davon ausgehen, dass diese Nachfolgerin nicht so oft auf die Hilfe der
Punktrichter angewiesen sein wird, um im Medieninteresse zu bleiben. Fast
überflüssig zu erwähnen, dass Alesia Graf jede Runde ihres
Kampfes gewann.
Siebter Kampf: Andreas
Kotelnik gegen Marcelo
Gonzalo Saucedo.
Hier
trafen zwei Boxer aufeinander, die den völlig gleich Stil boxen:
Schnelle Kombinationen aus einer sicheren Deckung heraus. Der Unterschied
war aber, dass Andreas
Kotelnik (auf Foto rechts)
einfach alles eine Klasse besser kann. Trotzdem musste man vor dem Mann
aus Argentinien den Hut ziehen, bis zum letzten Gongschlag wollte er sich
nicht mit einer Niederlage abfinden und ließ Kotelnik keine Ruhepause.
Nach Ende dieses guten Kampfes verbeugte Saucedo sich ehrfürchtig
vor seinem Gegner und anerkannte dessen Klasse. Klarer Punktsieg für
den Schützling von Klaus-Peter Kohl.
Achter Kampf: Willy
Blain gegen Ivo
Golakov im Super-Federgewicht.
Was soll man noch zu Willy
Blain sagen? Der Mann kann wirklich boxen, aber ihm fehlt in erschreckender
Weise die Schlaghärte. Sein völlig überforderter Gegner
quittierte selbst die härtesten Treffer nur mit einem Lächeln.
Ob der französische Amateur-Weltmeister im Profisport etwas erreichen
kann? Gut, es gab da mal einen gewissen Sven Ottke, dem es ohne
Schlagkraft gelang, Weltmeister zu werden. Auf einen ähnlichen Weg
sollte man bei dem dunkelhäutigen Franzosen aber besser nicht wetten.
Ungeachtet dessen ein klarer Punktsieg für den Eurofighter.
Neunter Kampf: Lukas
Wilaschek gegen Christophe
Karagoz im Super-Mittelgewicht.
Zu Beginn der ersten Runde war der französische Gastboxer noch guten
Mutes, den ehemaligen Kadettenmeister aus Deutschland zu fordern. Diese
Ambitionen fielen jedoch zusammen mit dem Boxer nach einer rechten Gerade
in den Ringstaub. Zwar konnte sich Karagoz noch einmal aufrappeln, wurde
jedoch bei dem nächsten Schlaghagel aus dem Kampf genommen. Sichtlich
enttäuscht und noch benommen beantwortete er die Frage seines Betreuers
Ca va? auch nicht mehr. Erstrundensieg im vierten Kampf für
Lukas
Wilaschek.
Zehnter Kampf: Mahamat
Abdulaev (BP-Nr.
18, auf Foto unten rechts) gegen
Juan
Alberto Godoy, WBO Intercontinental-Meisterschaft im Super-Leichtgewicht.
Dem
Argentinier gelang es, die ersten beiden Runden den Kampf relativ offen
zu gestalten. Technisch konnte er mit dem Olympiasieger aus Usbekistan
mithalten, nur ist dessen Schlaghärte viel stärker einzuschätzen.
Die Zuschauer, die unmittelbar am Ring saßen, konnten den gewaltigen
Unterschied nicht nur sehen, sondern auch sehr gut hören. Bei jedem
Schlag des ehemaligen Vorzeigeamateurs dachte man, sein Gegner müsse
zu Boden. Doch dieser schien zunächst unbeeindruckt und kämpfte
tapfer mit. Doch dann kam doch das vorzeitige Ende in Runde drei. Nach
einem kurzen linken Haken zum Körper zog Godoy die Deckung herunter,
was
Abdulaevsouverän
ausnutze und den Kampf mit einem rechten Cross beendete.
Donnerstag,
17. Februar 2005
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