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Abraham und Hartmann
siegreich

von Frank Bleydorn


Der 26-jährige Arthur Abraham (Foto, BP-Nr. 4) bleibt IBF-Weltmeister im Mittelgewicht. Der Schützling von Trainer Ulli Wegner besiegte am Samstag in der EWE ARENA in Oldenburg den Australier Shannan Taylor deutlich nach Punkten (120:107, 120:107 und 120:106). Im Kampf um die WIBF-Weltmeisterschaft im Junior-Mittelgewicht setzte sich die Titelverteidigerin Heidi Hartmann gegen Borislava Goranova durch. Die Lokalmatadorin lag auf den Wertungszetteln der Punktrichter nach zehn Runden mit 100:92, 100:91 und 100:90 vorne. Insgesamt standen in der Weser-Ems-Metropole acht Kampfpaarungen auf dem Programm.


1. Kampf: Aleksejs Kosobokovs vs. Yoan Pablo Hernandez, Cruisergewicht, angesetzt auf sechs Runden

Aleksejs Kosobokovs aus Lettland und der Rechtsausleger Yoan Pablo Hernandez standen sich bereits zum zweiten Mal innerhalb von vier Monaten im Ring gegenüber. Beim ersten Aufeinandertreffen im Dezember in Leipzig war dem Kubaner nach zwei Runden ein umstrittener Disqualifikationssieg zugesprochen worden. Ringrichter Klaus Griesel hatte auch in der Neuauflage des Ringgefechtes keine leichte Aufgabe, denn beide Kontrahenten kämpften mit Haken und Ösen. Hierbei erwischte Hernandez den besseren Auftakt. Mit der rechten Führhand erarbeitete sich der 21-Jährige leichte Vorteile. Im Laufe der ersten Runde stellte der Schützling von Trainer Ulli Wegner seinen Gegner mit rechten und linken Haken an den Ringseilen. Zudem konterte Hernandez seinen Widersacher mit einer harten Linken effektiv aus. Ab dem zweiten Durchgang wurde der Fight zwar zerfahrener, trotzdem lieferten sich die Konkurrenten mehrfach einen offenen Schlagabtausch. Kosobokovs versuchte bis zum Ende einige Male mit überfallartigen Einzelaktionen zum Erfolg zu kommen, doch der Sieg von Yoan Pablo Hernandez geriet dabei nicht in Gefahr.

Offizielles Urteil: Sieger einstimmig nach Punkten Yoan Pablo Hernandez


2. Kampf: Stjepan Bozic vs. David Gogiya, Supermittelgewicht, angesetzt auf acht Runden

Vor dem Ringgefecht gegen David Gogiya liebäugelte der WBF-Titelträger Stjepan Bozic offenbar mit einem Vertrag bei Sauerland Event. Doch seine überraschende Punktniederlage (75:77, 75:76 und 76:76) gegen den Georgier Gogiya machte dem Kroaten einen Strich durch die Rechnung. In dem abwechslungsreichen Kampf begann Gogiya mit der linken Führhand aggressiv und drängte seinen Gegner mehrfach zurück. In der zweiten Runde traf der 30-Jährige zweimal hintereinander hart mit der Rechten. Der angeschlagen wirkende Bozic drehte sich ab und wurde von Ringrichter Erich Straub angezählt. Mit schnellen Händen versuchte der Kroate in der Folge mehr Druck auszuüben. Da er allerdings in der Deckung sehr offen agierte, fanden die präzisen Treffer seines Gegners immer wieder ihr Ziel. In der vierten Runde kassierte Bozic nach einem unabsichtlichen Kopfstoß einen Cut am rechten Auge. Sichtlich überrascht drehte sich der 31-Jährige erneut ab. Da der Ringrichter zuvor keine unfaire Aktion erkennen konnte, zählte er den Kroaten noch einmal im Stehen an. Ab dem fünften Durchgang bekam der WBF-Titelträger das Geschehen besser in den Griff. Er war jedoch nicht in der Lage, sich klare Vorteile zu erkämpfen. In der Schlussphase bestimmte Bozic zwar das Tempo, doch seine Bemühungen reichten nicht aus, um Gogiya den Sieg noch streitig zu machen.

Offizielles Urteil: Sieger nach Punkten David Gogiya


3. Kampf: Cisse Salif vs. Henry Akinwande, IBF-Intercontinental Meisterschaft im Schwergewicht, angesetzt auf zwölf Runden

Das Duell zwischen dem früheren WBO-Weltmeister Henry Akinwande (Foto, BP-Nr. 20) und seinem Kontrahenten Cisse Salif riss die Zuschauer in der EWE ARENA nicht von ihren Sitzen. Zwar engte der Herausforderer von der Ringmitte aus agierend immer wieder die Laufwege des 40-jährigen IBF-Intercontinental-Champions ein, doch gefährlich stellen konnte er den Nigerianer zu keiner Zeit. Akinwande wartete hingegen auf sich bietende Lücken und nutzte diese meist mit seiner Linken effektiv aus. In der dritten Runde schickte der bei diesem Kampf von Georg Bramowski gecoachte Schwergewichtler seinen 34-jährigen Kontrahenten mit einem rechten Haken zum Kopf zu Boden. Danach verlief der Fight eher unspektakulär. Akinwande präsentierte sich in dem sehr tempoarmen Ringgefecht jedoch deutlich effektiver. Da Salif den routinierten Gegner auch im Schlussdurchgang nicht mehr gefährlich werden konnte, lag dieser am Ende auf den Wertungszetteln der Punktrichter deutlich mit 118:109, 119:108 und 116:110 vorne.

Offizielles Urteil: Sieger einstimmig nach Punkten Henry Akinwande


4. Kampf: Borislava Goranova vs. Heidi Hartmann, WIBF-Weltmeisterschaft im Junior-Mittelgewicht, angesetzt auf zehn Runden

Erheblich interessanter verlief aus Oldenburger Sicht der Fight zwischen WIBF-Weltmeisterin Heidi Hartmann und der Bulgarin Borislava Goranova. Die 34-jährige Lokalmatadorin präsentierte sich hierbei von Beginn an überlegen. In der mit 4.000 Zuschauern ausverkauften EWE ARENA drängte sie die Herausforderin mit der linken Führhand immer wieder zurück und lauerte auf Möglichkeiten, mit der rechten Schlaghand zum Erfolg zu kommen. Doch auch Goranova zeigte sich zwischenzeitlich gefährlich. Mit der Linken konterte die 27-Jährige ihre an Reichweite überlegene Kontrahentin in der Anfangsphase zweimal geschickt aus. Insgesamt agierte die Athletin aus Sofia jedoch zu verhalten, um die Titelverteidigerin ernsthaft in Gefahr zu bringen. So brachte Hartmann ihre Gegnerin zum Ende der dritten Runde mit schnellen linken und rechten Haken in starke Bedrängnis. In Durchgang vier schlug eine schmerzende Linke mitten im Gesicht der für ihre Nehmerqualitäten bekannten Herausforderin ein. Die WIBF-Weltmeisterin dominierte das Geschehen auch in der Folge. In der achten Runde schüttelte eine rechte Gerade der Lokalmatadorin die Konkurrentin noch einmal kräftig durch. Der klare Punktsieg (100:90, 100:91 und 100:92) der von Ulli Wegner betreuten Kämpferin geriet bis zum Ende des Fights nicht in Gefahr.

Offizielles Urteil: Siegerin einstimmig nach Punkten Heidi Hartmann


5. Kampf: Richard Bango vs. Alexander Povetkin, Schwergewicht, angesetzt auf sechs Runden

Zu den Highlights des Abends gehörte der Schwergewichtsfight zwischen dem 37-jährigen Nigerianer Richard Bango und dem Russen Alexander Povetkin (Foto). Schon die ersten Minuten des Kampfes verliefen sehr abwechslungsreich. Bango setzte zunächst auf seine Linke. Doch sein von Valeri Betow gecoachter Konkurrent hielt konsequent mit linken Haken dagegen. Mit zwei rechten Geraden riss der Olympiasieger aus dem Jahre 2004 das Geschehen zum Ende der ersten Runde an sich und drängte Bango mit harten Händen in die Ringecke zurück. Im zweiten Durchgang schüttelte eine Links-rechts-Kombination des Russen den Gegner kräftig durch. Doch auch Bango blieb gefährlich und kam mit rechten Haken zum Körper zu guten Aktionen. Trotzdem sorgte Povetkin noch in der zweiten Runde für die Entscheidung: Der Russe traf seinen Widersacher zunächst mit einer Schlagkombination, ehe eine Linke zum Kopf den Schwergewichtler aus Nigeria zu Boden schickte. Ringrichter Klaus Griesel zählte Bango, der aus Sicht des Autors rechtzeitig wieder auf den Beinen war, daraufhin ein wenig übereilt nach zwei Minuten und 20 Sekunden aus.

Offizielles Urteil: Sieger durch KO in der zweiten Runde Alexander Povetkin


6. Kampf: Adam Vella vs. Marcen Gierke, Superweltergewicht, angesetzt auf sechs Runden

Einen Achtungserfolg verbuchte der Berliner Marcen Gierke gegen den zuvor in 14. Profikämpfen ungeschlagenen Australier Adam Vella. Zwar wirkte der 27-jährige Athlet aus Down Under mit seiner Führhand zu Beginn des Fights aktiver, doch sein Kontrahent stellte sich immer besser auf den Gegner ein. So drängte Gierke den bis dahin überlegenen Vella Ende der dritten Runde erstmals an die Seile zurück und kam mit seinen Hakenserien zu guten Aktionen. In der Folge entwickelte sich ein unterhaltsamer und packender Schlagabtausch zwischen den beiden Kontrahenten, in dem sich der 22-jährige Berliner mit hängender Deckung mehrfach als "Showman" präsentierte. Die engagierte Leistung Gierkes wurde auch von den Punktrichtern honoriert. Sie sahen ihn knapp, aber einstimmig als Sieger. Das Urteil war aufgrund des Unterhaltungswertes zwar vertretbar, doch es dürfte aufgrund der größeren Aktivität von Vella zumindest als umstritten gelten.

Offizielles Urteil: Sieger einstimmig nach Punkten Marcen Gierke


7. Kampf: Lee Swaby vs. Marco Huck, Cruisergewicht, angesetzt auf acht Runden

Auch der Brite Lee Swaby konnte den 21-jährigen Cruisergewichtler Marco Huck (Foto, BP-Nr. 20) nicht stoppen. Der Athlet aus Lincoln unterlag dem Schützling von Trainer Ulli Wegner vorzeitig. Dabei hatte Huck zunächst Probleme, gegen den defensiv starken Rechtsausleger aus England in den Kampf zu finden. Swaby schien anfangs mit seiner Führhand agierend aktiver. Doch Ende des ersten Durchgangs verstärkte der in Bielefeld aufgewachsene Huck den Druck und drängte seinen Gegner mit harten Händen in die Ringecke zurück. Ende der zweiten Runde attackierte Huck den 29-jährigen Swaby mit harten linken und rechten Händen an den Ringseilen. Doch der Brite konterte mit einer präzisen Rechten ans Kinn seines Widersachers. In der Folge bekam Marco Huck das Geschehen mit seinen explosiv wirkenden Aktionen besser in den Griff. Trotz vereinzelter Angriffsbemühungen geriet Swaby ab der fünften Runde immer wieder unter starken Druck. Dabei brachte Huck erneut seine harten Hände ins Ziel. Zu Beginn der siebten Runde signalisierte der Brite seine Aufgabe. Neben den Treffern des Gegners machte dem Rechtsausleger offenbar eine Schulterverletzung zu schaffen.

Offizielles Urteil: Sieger durch TKO in der siebten Runde Marco Huck


8. Kampf: Shannan Taylor vs. Arthur Abraham, IBF-Weltmeisterschaft im Mittelgewicht, angesetzt auf zwölf Runden

Nachdem Arthur Abraham (Foto) im Dezember vergangenen Jahres in Leipzig gegen Kingsley Ikeke (BP-Nr. 9) mit einem KO-Erfolg in der fünften Runde den IBF-Thron erobert hatte, folgte in Oldenburg die erste Titelverteidigung des 26-jährigen Armeniers. Von Beginn an ließ der IBF-Champion nur wenig Zweifel an einem Sieg gegen den australischen Herausforderer Shannan Taylor aufkommen. Denn der Schützling von Trainer Ulli Wegner präsentierte sich den Zuschauern mit einer soliden linken Führhand. Darüber hinaus nahmen die harten linken und rechten Körperhaken des IBF-Weltmeisters seinem Kontrahenten immer wieder die Luft. Der Herausforderer machte erstmals in der zweiten Runde auf sich aufmerksam, als er ein Nachschlagen Abrahams mit einem von Ringrichter Wayne Kelly nicht geahndeten Kopfstoß beantwortete. Aus boxerischer Sicht fehlten dem von Coach Lee Carr betreuten Athleten jedoch die Mittel, um dem Gegner gefährlich zu werden. Im sechsten Durchgang kassierte der Australier zudem eine Verwarnung wegen Tiefschlags. So steuerte Arthur Abraham einem ungefährdeten Punktsieg (120:107, 120:107 und 120:106) entgegen, der auch in der Schlussphase trotz nachlassender Kraft nicht mehr in Gefahr geriet. Zwar drängte Taylor den Titelverteidiger in der letzten Runde noch einmal an die Seile zurück, doch die Angriffsbemühungen des 33-Jährigen verpufften.

Offizielles Urteil: Sieger einstimmig nach Punkten Arthur Abraham

Dienstag, 07. März 2006

 
     

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