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Firat Arslan vs. Darnell Wilson
- Der Bericht
Bericht von Uwe Betker
Fotos von Lena Freihalter und Claudius Schell

Nachdem
Firat Arslan (Foto) im November letzten Jahres Virgil
Hill den Weltmeistergürtel der WBA im Cruisergewicht abgenommen
hatte, sollte er, quasi in seiner Heimat, diesen Titel nun freiwillig
gegen Darnell Wilson verteidigen. In der mit 5.200 Zuschauern
gefüllten Hanns-Martin-Schleyer-Halle fanden neun Kämpfe statt,
deren Höhepunkt diese Titelverteidigung war.
1. Kampf: Asiye Özlem Sahin vs. Natalya Bermas, Junior Fliegengewicht,
angesetzt auf vier Runden
Özlem
Sahin (5-0-0, 3 KOs) (auf Foto rechts) errang vor heimischem
Publikum einen souveränen Sieg über Natalya Bermas
(0-1-0) (auf Foto links) aus der Ukraine. Die eigentlich im Bantamgewicht
boxende Bermas war zuvor mit der starken Derya Torun,
die bis vor kurzem bei Arena unter Vertrag stand, über sechs Runden
gegangen. Sahin setzte von Anfang an ihre erheblich größere
Gegnerin unter Druck und trieb sie vor sich her. Immer wieder kam sie
mit Kombinationen zu Kopf und Körper durch. Dementsprechend eindeutig
war dann auch das Punkturteil. Mit diesem Sieg untermauerte "Sugar"
Sahin ihren Status als eines der größten Talente im deutschen
Frauenboxen. Es wäre für Veranstalter nun an der Zeit, ihr schwerere
Gegnerinnen vorzusetzten und ihre Kampfdistanz zu verlängern.
Offizielles Urteil: Einstimmige Siegerin nach Punkten (40:36, 40:36, 39:37)
Özlem Sahin
2. Kampf: Jefferson Montanez vs. Vadim Chromich, Halbschwergewicht,
angesetzt auf vier Runden
Der Kampfrekord des ungeschlagenen Jefferson Montanez (3-0-0,
2 KOs) aus Venezuela sollte weiter ausgebaut werden. Daher setzte man
ihm Vadim Chromich (1-1-0, Kos 1) aus Litauen vor. Montanez
begann relativ stark und druckvoll, war aber dabei immer zu ungenau. In
den folgenden Runden wurden die technischen Mängel dann immer deutlicher
und die von weit hergeholten Schwinger trafen überhaupt nicht mehr.
Dafür fand der technisch auch nicht überragende Chromich immer
besser in den Kampf und konterte Montanez ein ums andere Mal schön
aus. Am Ende konnte Montanez mit dem Punkturteil sehr zufrieden sein.
Offizielles Urteil: Mehrheitsentscheidung: Unentschieden (38:38, 38:38,
39:37 für Montanez)
3. Kampf:
Juan Ruiz vs. Semens Moroshek, Super Weltergewicht,
angesetzt auf vier Runden
Auch im dritten Kampf des Abends sollte der Kampfrekord eines ungeschlagenen
Boxers aus Venezuela ausgebaut werden. Juan Ruiz (3-0-0,
2 KOs), der den Kampfnamen "El Nino" führt, boxte gegen
den Letten Semens Moroshek (1-2-1, 0 KOs). Ruiz boxte
wie jemand, der zu viele Videos von Naseem Hamed und
Roy Jones Jr. gesehen hat. Moroshek war aber zu limitiert, um
dem "Jungen" aufzeigen zu können, dass Ruiz nicht das ist,
wofür er sich hält.
Offizielles Urteil: Einstimmiger Sieger nach Punkten (39:37, 40:36, 40:37)
Juan Ruiz
4. Kampf:
Nehomar Cermeno vs. Marco Antonio Hernandez, Bantamgewicht, angesetzt
auf zehn Runden
Und noch mal gab es einen ungeschlagenen Boxer aus Venezuela zu bewundern.
Nehomar Cermeno (14-0-0, 9 KOs), der bereits im November
im Vorprogramm einer Universum-Veranstaltung boxte, traf auf den Mexikaner
Marco Antonio
Hernandez (13-4-1, 8 KOs). Untypisch für süd-
bzw. mittelamerikanische Boxer bevorzugten beide die lange Distanz, sie
mieden den Infight, und Haken schlugen sie auch eher selten. Cermeno kontrollierte
den Kampf und Hernandez hielt dagegen. Eine Cutverletzung von Hernandez
in der neunten und der Schlussspurt der beiden in der letzten Runde waren
die Höhepunkte des Kampfes. Es ist zu vermuten, dass wir Cermeno
als Gegner für WBA-Weltmeister Wladimir Sidorenko
wiedersehen werden.
Offizielles Urteil: Einstimmiger Sieger nach Punkten (99:91, 99:93, 97:93)
Nehomar Cermeno
5. Kampf: Marcel Meyerdiercks vs. Peter Balazs, Federgewicht,
angesetzt auf vier Runden
Gegner
des ungeschlagenen Marcel Meyerdiercks (7-0-0; 3 KOs)
(auf Foto rechts) war ein Boxer, der noch keinen seiner 19 Kämpfe
gewinnen konnte. Um genau zu sein: Der Slowake Peter Balazs (auf
Foto links) verlor 18-mal und davon 14-mal
vorzeitig. In den ersten zwei Runden nahm Balazs ein ums andere Mal Volltreffer
und zuckte nicht mit der Wimper. In der dritten Runde ging er wohl mehr
aus Erschöpfung als durch Schlagwirkung zu Boden und wurde ausgezählt.
Offizielles Urteil: Sieger durch KO in Runde 3 (2:45 min) Marcel Meyerdiercks
6. Kampf: Alesia Graf vs. Rosillette Dos Santos, GBU/WIBF-Weltmeisterschaft
im Junior Bantamgewicht, angesetzt auf zehn Runden
Die
Titelverteidigerin Alesia Graf (20-1-0, 8 KOs) (auf
Foto rechts) zeigte eine sehr gute Leistung gegen die Brasilianerin
Rosillette
Dos Santos (10-2-0, 7 KOs) (auf
Foto links). Die Stuttgarterin schlug von
Beginn an ein hohes Tempo an und kam mehrfach mit harten Rechten durch.
Im zweiten Durchgang des hart umkämpften Duells kämpfte Dos
Santos zurück, musste aber in der zweiten Hälfte viele schwere
Treffer nehmen. Sie fing an, aus der Nase zu bluten. In der dritten Runde
setzte sich wieder mehr die boxerische Klasse der Titelverteidigerin durch,
die dann aber in der nächsten Runde die Entscheidung suchte, überhastet
und die Führhand vernachlässigend. Im fünften Durchgang
schlug sie wieder linke Graden. Eine Linke und eine Rechte, die voll trafen,
und eine weitere Linke veranlassten den Ringrichter André van Grootenbruel
aus Belgien, die tapfere Dos Santos etwas zu früh aus dem Kampf zu
nehmen.
Offizielles Urteil: Sieger durch TKO in Runde 5 (1:32 min) Alesia Graf
7. Kampf: Markus Tomala vs. Remigijus Ziausys, Schwergewicht,
angesetzt auf vier Runden
Der
Jungprofi Markus
Tomala (1-0-0, 1 KO) (auf Foto rechts) zeigte
gute boxerische Anlagen. Er steht aber erst ganz am Anfang seiner Profikarriere.
Immer wieder ließ er Remigijus
Ziausys (4-10-0, 3 KOs) (auf
Foto links) aus Litauen, wenn er ihn gestellt
hatte, wieder heraus. Auch im Infight war er zu inaktiv. In der letzten
Runde zeigte er auch konditionelle Mängel, die aber verständlich
sind, weil er kurzfristig einsprang. Dennoch bestanden an einem Sieg für
Tomala zu keinem Zeitpunkt Zweifel.
Offizielles Urteil: Einstimmiger Sieger nach Punkten (40:37, 40:36, 40:36)
Markus Tomala
8. Kampf: Firat Arslan vs. Darnell Wilson, WBA Weltmeisterschaft
im Cruisergewicht, angesetzt auf zwölf Runden
Es
ist schon erstaunlich, dass Firat Arslan (28-3-1, 18
KOs) (auf Foto rechts) in seiner ersten und freiwilligen Titelverteidigung
einen solch schweren und gefährlichen Gegner wie Darnell
Wilson (23-6-3, 20 KOs) (auf Foto links) akzeptierte.
Der US-Amerikaner Wilson, die Nummer 14 der WBA, nennt sich selber "Ding-A-Ling".
Im Vorfeld sagte er: "Ich treffe dich, ich läute deine Glocke
und schlage dich K.o.!" Und seine KO-Rate gab ihm bisher recht.
Arslan behauptete von Anfang an die Ringmitte. Von hier aus beherrschte
er das Geschehen in dem sehr schnell geführten und spannenden Kampf.
Entscheidend für den Erfolg von Arslan war die exzellente Deckung.
Kaum ein Schlag von Wilson kam durch. Arslan hingegen punktete kontinuierlich.
Im Verlauf des Kampfes baute Wilson konditionell immer mehr ab. Hinzu
kam offensichtlich Frustration. Er blieb jedoch bis zur letzten Sekunde
gefährlich und suchte seine Chance. Allerdings fand er keine Mittel,
die Deckung des Rechtsauslegers zu knacken. Arslan zeigte einen großen
Kampf und bewies, dass er ein ganz Großer in seiner Gewichtsklasse
ist.
Offizielles Urteil: Einstimmiger Sieger nach Punkten (117:111, 117:111,
117:111) Firat Arslan
9. Kampf: Alexander Dimitrenko vs. Derric Rossy, WBA Intercontinentalmeisterschaft
im Schwergewicht, angesetzt auf zwölf Runden
Der
in Deutschland boxende Ukrainer Alexander
Dimitrenko (27-0-0, 17 KOs) (auf Foto links),
Sascha genannt, verteidigte zum siebten Mal seinen Inter-Conti-Titel der
WBO. Sein Gegner Derrick Rossy (18-1-0, 10 KOs) (auf
Foto rechts) aus Puerto Rico hatte zwar
keine reelle Chance gegen den Ausnahmeathleten Dimitrenko. Dennoch wollte
er nicht kampflos aufgeben. Dies wiederum missfiel Dimitrenko offensichtlich.
In der zweiten Runde markierte er nach einem klaren und schönen Körpertreffer
einen Tiefschlag. Als ihm der Ringrichter unmissverständlich zu verstehen
gab, dass es kein Tiefschlag war, war auch der vor Schmerz fast überwältigte
Dimitrenko sofort wieder putzmunter. Dass er später auch noch aus
der Nase blutete, verbesserte seine Laune nicht. In der vierten Runde
brachte er dann doch seinen Gegner zu Boden. Nur wandte er hierfür
einen Catchergriff an. Im fünften Durchgang schaffte er es dann endlich
mit boxerischen Mitteln. Eine schöne Rechts-links-Kombination schickte
Rossy zu Boden. Ein linker Wischer und Rossy lag erneut auf den Bretter.
Wenige Schläge später hatte der Ringrichter ein Einsehen und
stoppte den Kampf.
Offizielles Urteil: Sieger durch TKO in Runde 5 (2:58 min) Alexander Dimitrenko
Dienstag,
06. Mai 2008
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