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Bell vereinigt
Cruisergewichts-Titel
von Benni Vivacqua
Im New Yorker Madison Square Garden trafen am Samstagabend der französische
WBA- und WBC-Weltmeister im Cruisergewicht, Jean
Marc Mormeck (BP-Nr. 1) und der Champion der IBF,
der Jamaikaner O´Neil
Bell (BP-Nr. 5), aufeinander. Der Kampf, in dem
der erste Dreifach- Titelträger dieser Gewichtsklasse seit Evander
Holyfield ermittelt werden sollte, übertraf sogar noch die hohen
Erwartungen und dürfte die beste Auseinandersetzung im Cruisergewicht
gewesen sein seit dem Kampf von James
Toney (BP-Nr. 2 im Schwergewicht) gegen Vassily
Jirov im April 2003.
Beide Boxer, eigentlich als Spätstarter bekannt, legten vom ersten
Gongschlag an ein sehr hohes Tempo vor. Überraschend folgte Bell
seiner vor dem Kampf angekündigten Strategie nicht und begab sich
in den von Mormeck favorisierten Infight. Der 33-jährige Franzose
setzte dabei die härteren Treffer, doch Bell erarbeitete sich durch
eine enorm hohe Schlagfrequenz leichte Vorteile. Im zweiten Durchgang
war es Mormeck, der seinen Gegner mit brutalen Körper- und Aufwärtshaken
beeindruckte. Eine dieser Schläge ließ den Mundschutz Bells
in hohem Bogen in die Zuschauerreihen fliegen. Der 31-Jährige ließ
sich zu oft an den Seilen stellen und gab aufgrund Mormecks Wirkungstreffer
die Runde trotz seiner eigenen hohen Aktivität ab. Runde drei folgte
dem gleichen Muster. Der 1,87 Meter große Bell verzichtete auf seine
Reichweitenvorteile gegenüber seinem sieben Zentimeter kleineren
Kontrahenten und versuchte, im Infight Wirkungstreffer zu setzen. Mormeck
konterte jedoch immer wieder effektiv und kam mit sehr harten Treffern
ins Ziel. Kurz vor Ende der Runde schien Bell nach mehreren harten Kopfhaken
gar angeschlagen. Mormeck schien auch in Runde vier den Kampf unter Kontrolle
zu haben und sicherte sich durch harte Kombinationen zu Körper und
Kopf auch diese Runde.
Im
fünften Durchgang änderte Bell endlich seine erfolglose Taktik.
Der Jamaikaner arbeitete nun mit dem Jab, bewegte sich mehr und versuchte,
den vorwärts marschierenden Mormeck (Foto links) mit rechten
Geraden und Aufwärtshaken abzufangen. Zwar kam dieser immer noch
mit einzelnen harten Treffern ins Ziel, doch schlug er nun auch viel ins
Leere. Nach der Hälfte der Runde setzte Bell einen sehr harten rechten
Körpertreffer, gefolgt von einem Tiefschlag in die Leistengegend.
Mormeck ging auf die Knie und nahm das Recht, sich fünf Minuten zu
erholen, unverständlicherweise nicht wahr. Im sechsten Durchgang
schien der Kampf dann zu kippen. Der auf den Punktezetteln führende
Mormeck atmete tief mit offenem Mund und wirkte erschöpft. Freiwillig
begab er sich an die Seile und forderte Bell zum Schlagabtausch auf. Dieser
bearbeitete weiter den Körper des Franzosen, der darauf zunehmend
allergisch reagierte, worauf die Ecke des Jamaikaners ihren Schützling
in der Rundenpause auch hinwies. Entsprechend ließ der in Atlanta,
Georgia, lebende Athlet in Runde sieben Kombinationen zum Körper
des nun sehr müde wirkenden Mormeck folgen, der mit wütenden
Gegenangriffen antwortete. Nach einem Trennkommando des Ringrichters wirkte
der Franzose einen Moment lang unkonzentriert und kassierte nach 1:10
Minuten eine harte Rechte an die Schläfe, die ihn auf staksigen Beinen
durch den Ring torkeln ließ. Bell setzte nach und ließ für
den Rest der Runde eine Vielzahl harter Treffer folgen, die der mit unglaublichen
Nehmerfähigkeiten ausgestattete Mormeck irgendwie verdaute.
Der IBF-Champion versuchte den angeschlagenen Mormeck im achten Durchgang
auszuknocken und gab für dieses Vorhaben sein kluges Boxen aus der
Halbdistanz auf. Prompt kam der in Guadeloupe geborenen “Marksman“
zurück in den Kampf sicherte sich durch eine große Energieleistung
diesen Durchgang. In Runde neun variierte Bell wieder sehr schön
zu Kopf und Körper und setzte wesentlich mehr Treffer als ein Gegner,
der aber mit harten Einzelschlägen gefährlich blieb. Nach wenigen
Sekunden der zehnten Runde war dann jedoch offensichtlich, dass Mormeck
sein Pulver verschossen hatte. Der ohnehin nicht für seine Konditionsstärke
bekannte Weltmeister stand mit weit offenem Mund an den Seilen und brachte
außer kraftlos herausgeschobenen Händen nichts mehr zustande.
Nach einem Schlaghagel kurz vor Rundenende musste Mormeck dann erstmals
in seiner Karriere zu Boden und wurde von Ringrichter Wayne Kelly
nach 2:50 Minuten ausgezählt. Insgesamt schien Mormeck ursächlich
mehr an seiner Konditionsschwäche als an seinem Gegner gescheitert
zu sein, der doch jedoch eine sehr starke Vorstellung ablieferte.
Beide Boxer äußerten sich nach dem Kampf sehr respektvoll übereinander
und stellten ein Rematch in Aussicht, welches die Boxfans in aller Welt
sehr begrüßen würden.
Sonntag,
08.Januar 2006
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