| |
WBC-Weltmeister Markus
Beyer (BP-Nr. 4, Foto oben) verteidigte am Samstag
seinen Titel gegen den Italiener Alberto
Colajanni. Im mit 3.500 Zuschauern ausverkauften Berliner
Tempodrom setzte sich der deutsche Supermittelgewichtler mit einem technischen
KO-Erfolg in der zwölften Runde durch. Sein Teamgefährte Cengiz
Koc unterlag im Kampf um die Europameisterschaft im Schwergewicht.
Gegen den Titelverteidiger Paolo
Vidoz kassierte der Lokalmatador eine einstimmige Punktniederlage.
Insgesamt standen in Berlin sechs Kämpfe auf dem Programm.
1. Kampf: Manuel
Charr vs. Stefan
Baumann, Schwergewicht, angesetzt auf vier Runden
Wenig Mühe hatte der gebürtige Libanese Manuel
Charr in seinem Fight gegen Stefan
Baumann. Bereits nach wenigen Sekunden sorgte ein Volltreffer
des 21-jährigen Schützlings von Trainer Ulli Wegner für
die Entscheidung: Ein linker Haken des in Berlin trainierenden Schwergewichtlers
schlug am Kopf seines Kontrahenten aus Dresden, der in dieser Situation
quasi ohne jegliche Deckung agierte, ein. Baumann ging zu Boden und Ringrichter
Ingo Barrabas zählte den von Werner Papke gecoachten
Athleten nach nur 38 Sekunden der ersten Runde aus. Auch nach dem Kampfabbruch
hatte der angeschlagene Baumann zunächst Probleme, sich auf den Beinen
zu halten.
Offizielles Urteil: Sieger durch KO in der ersten Runde Manuel Charr
2. Kampf: René
Dettweiler vs. Gene
Pukall, Schwergewicht, angesetzt auf acht Runden
Der 22-jährige Rechtsausleger René
Dettweiler versuchte gegen Gene
Pukall von der ersten Sekunde an, von der Ringmitte Druck
auszuüben. Mit der Führhand erarbeitete sich der von Manfred
Wolke trainierte Athlet Vorteile. Nach einem linken Leberhaken des in
Frankfurt (Oder) lebenden Schwergewichtlers ging Pukall zu Boden. Ringrichter
Leszek Jankowiak zählte den 31-jährigen Berliner daraufhin
nach einer Minute und 57 Sekunden aus.
Offizielles Urteil: Sieger durch KO in der ersten Runde René Dettweiler
3. Kampf: Zaurbek
Baysangurov vs. John
Chibuta, IBF-Junioren-Weltmeisterschaft im Superweltergewicht, angesetzt
auf zehn Runden
Der 20-jährige IBF-Junioren-Weltmeister Zaurbek
Baysangurov setzte seine Erfolgsserie im Berliner Tempodrom
fort. Sein Gegner, der deutlich ältere John
Chibuta, präsentierte sich jedoch keinesfalls als Fallobst.
Der Athlet aus Sambia wirkte zu Beginn mit seinen schnellen Händen
aktiver. Die Aktionen Baysangurovs waren jedoch effektiver. Der in Moskau
lebende Superweltergewichtler verbuchte mit harten linken Haken zum Körper
und mit der rechten Schlaghand in den ersten Runden die besseren Treffer
für sich. Ab der vierten Runde setzte der IBF-Junioren-Champion häufiger
auf seine linke Führhand und drängte seinen Konkurrenten gleich
mehrfach an die Ringsseile zurück. In Durchgang acht zahlte sich
der Druck erstmals aus. Chibuta wurde von Ringrichter Klaus Griesel
im Stehen angezählt. In der neunten Runde attackierte Baysangurov
seinen Kontrahenten erneut mit harten Treffern, so dass der Referee den
angeschlagenen Athleten aus Sambia noch einmal anzählte. Nach zwei
Minuten und 23 Sekunden brach der Ringrichter den Fight nach weiteren
Aktionen des IBF-Junioren-Weltmeisters folgerichtig ab.
Offizielles Urteil: Sieger durch TKO in der neunten Runde Zaurbek Baysangurov
4. Kampf: Cengiz
Koc vs. Paolo
Vidoz, Europameisterschaft im Schwergewicht, angesetzt auf zwölf
Runden
Der Italiener Paolo
Vidoz verteidigte den EM-Gürtel im Schwergewicht gegen
den 28-jährigen Cengiz
Koc in überzeugender Manier. Zwar gestaltete der von
Ulli Wegner trainierte Herausforderer das Ringgefecht in der
Anfangsphase mit der Führhand und linken Haken auf den Körper
ausgeglichen, doch der Titelverteidiger aus Gorizia zeigte sich hervorragend
auf die Aktionen des Gegners eingestellt. Der Schützling von Coach
Sumbu Kalambai suchte ab der dritten Runde immer häufiger
den Infight und brachte dabei zahlreiche linke und rechte Aufwärtshaken
ins Ziel. Zwar hielt der Lokalmatador im vierten Durchgang noch einmal
mit gefährlichen Links-rechts-Kombinationen an den Ringseilen dagegen,
doch in der Folge war es Vidoz, der erneut zu glänzen verstand. Der
Europameister wirkte bei seinen Aktionen gefährlicher und effektiver.
Erst ab der elften Runde fand Koc wieder besser in den Kampf. Zwar erboxte
sich der in Berlin lebende Schwergewichtler in der Schlussphase mit explosiven
Schlagkombinationen Vorteile, doch den klaren Punktsieg seines inzwischen
konditionell abbauenden Konkurrenten brachte er nicht mehr in Gefahr.
Der Europameister Paolo Vidoz lag nach zwölf Runden mit 117:112,
117:112 und 116:112 verdient auf den Wertungszetteln der Punktrichter
vorne.
Offizielles Urteil: Sieger einstimmig nach Punkten Paolo Vidoz
5. Kampf: Marco
Huck vs. Claudio
Rasco, Cruisergewicht, angesetzt auf acht Runden
Der in Bielefeld aufgewachsene Cruisergewichtler Marco
Huck begann im Aufeinandertreffen gegen Claudio
Rasco überlegen. Mit der Führhand bereitete er
seine Aktionen zunächst geduldig vor, um mit linken und rechten Haken
zum Kopf und auf den Körper zum Erfolg zu kommen. Sein 27-jähriger
Kontrahent versuchte in der Anfangsphase, mit schnellen Schlagserien dagegen
zu halten. Ab der zweiten Runde wurde das Aufeinandertreffen zerfahrener.
Rasco erwies sich als ausgebufft. Der in Toronto lebende Athlet tauchte
mit seinem Kopf immer wieder geschickt nach rechts ab, so dass die Schlaghand
seines 21-jährigen Konkurrenten nur selten ihr Ziel fand. Zudem klammerte
der Rumäne sehr häufig, wenn er unter Druck geriet. In erster
Linie waren es Aufwärtshaken von Marco Huck, die den in Toronto lebenden
Gegner vor Probleme stellten. Im vierten Durchgang sprach Ringrichter
Klaus Griesel eine Verwarnung gegen Rasco aus. Der von Adrian
Teodorescu gecoachte Athlet hatte zuvor immer wieder mit sehr
tiefem Kopf agiert. Im sechsten Durchgang platzierte Huck mit einer Linken
aus der Distanz heraus einen harten Treffer. Er setzte sofort nach, so
dass der Ringrichter seinen Gegner im Stehen anzählte. Nach einem
rechten Aufwärtshaken an den Seilen schritt der Referee wenig später
erneut zur Tat und zählte Rasco an. In der siebten Runde sorgte der
bei diesem Kampf von Georg Bramowski gecoachte Huck gegen
den inzwischen erschöpft wirkenden Gegner für klare Verhältnisse.
Er traf ihn zunächst mit einigen Händen an den Ringseilen, ehe
eine schwere Rechte zum vorzeitigen Ende des Kampfes führte und der
Ringrichter Rasco nach zwei Minuten und 15 Sekunden auszählte.
Offizielles Urteil: Sieger durch KO in der siebten Runde Marco Huck
6. Kampf: Markus Beyer vs. Alberto Colajanni, WBC-Weltmeisterschaft
im Supermittelgewicht, angesetzt auf zwölf Runden
Im Hauptkampf der Sauerland-Boxveranstaltung vom letzten Samstag trafen
der WBC-Weltmeister Markus
Beyer (BP-Nr. 4, Foto oben) und sein Herausforderer
Alberto
Colajanni aus Italien im Supermittelgewicht aufeinander.
Es handelte sich dabei um eine freiwillige Titelverteidigung. Das Management
von Beyer konnte also selbst auswählen, welcher Boxer aus der Rangliste
den Champion herausfordern darf. Entsprechend viel oder wenig konnte man
also von der Wertigkeit und Stärke des Gegners erwarten. Jeder Weltmeister
gönnt sich zwar hin und wieder einen scheinbar leichteren Herausforderer
mit gutem Kampfrekord, doch zugegeben, in deutschen Landen passiert das
bei den Meistern und nationalen Zugpferden ein wenig öfter als beispielsweise
in den Vereinigten Staaten.
Dennoch ist ein Weltmeisterschaftskampf nie einfach und ein Selbstläufer
für einen Champion. Ein Restrisiko bleibt immer bestehen und Colajanni
war bisher immerhin ungeschlagen und in Meisterschaftskämpfen nicht
ganz unerfahren. Mehrfach hatte er die nationalen Meisterschaften gewonnen
und er galt im Vorfeld als technisch versierter und unbequemer Boxer mit
guter Beinarbeit und Vorteilen bei der Größe und Reichweite,
allerdings dafür mit wenig Schlagkraft.
Und Beyer löste seine Aufgabe souverän und eindrucksvoll, wie
man es von einem echten Champion erwartet. Er machte Druck, fintierte,
lauerte, wartete auf seine Chance und schlug gnadenlos zu, als sich eine
Lücke in der Deckung seines Gegners bot. Eine harte Schlaghand auf
der Innenbahn und der Italiener landete auf den Brettern. Colajanni stand
noch einmal auf, doch Beyer setzte entschlossen nach und ein zweiter Niederschlag
bedeutete das Ende der italienischen Titelhoffnungen. Dumm nur, dass es
ganze zwölf Runden dauerte, bis es zu diesem Szenario kam.
Nach dem Motto „Lola rennt“ suchte der Italiener nämlich
von Anfang an sein Heil in der Defensive und blieb Runde für Runde
auf der Flucht bzw. auf der Distanz mit seiner linken Führhand und
schnellen Beinen. „Sind Sie auch froh, dass jetzt die Fäuste
Musik machen?“, fragte der Ringansager nach einigen Pannen in der
Vorpräsentation des Kampfes (Tonstörung bei der aufgewärmten
Einmarschmusik, verspäteter Walk-In von Beyer etc.). Leider machten
die Fäuste keine Musik, höchstens nur einen traurigen Blues,
noch dazu von weißen Europäern vorgetragen.
Die Weltmeisterschaft war arm an Höhepunkten und Runde für Runde
verlief nach demselben Muster. Beyer dominierte die Auseinandersetzung,
machte Druck mit ein, zwei Händen, versäumte es aber, seinen
flüchtenden Gegner zu stellen und beschränkte sich auf wenige
Angriffsaktionen. Der Deutsche kam zwar gelegentlich gut durch, aber es
fehlte die Treffergenauigkeit und die Variabilität bei der Arbeit
zum Kopf und Körper des Kontrahenten. In der vierten Runde machte
Colajanni zum ersten Male mit dem Ringboden Bekanntschaft, als er nach
Streifschlägen die Balance verlor. Dennoch schien er vom Weltmeister
derart beeindruckt, dass er während der gesamten Distanz nur sehr
wenige Angriffe zeigte, die wirkungslos blieben oder die der Champion
sofort unterband und mit Konteraktionen beantwortete.
Langer K(r)ampf, kurzer Sinn: Markus Beyer hat getan, was er tun musste.
Nicht weniger, aber auch nicht mehr. Er ging keinerlei Risiko ein, beschränkte
sich aufs Punkten und zog seine Sicherheitstaktik konsequent durch, was
zumindest für sein Durchhaltevermögen und seine Erfahrung spricht.
Für die Zukunft war diese Vorstellung im Hinblick auf bessere und
stärkere Gegner wenig aussagekräftig. Wahre und würdige
Herausforderer suchen schon mal den Fight und da muss bzw. kann Beyer
natürlich mehr zeigen, als sich bloß auf das taktische Minimalprinzip
zu verlassen. Was dem Deutschen allerdings zur Weltklasse fehlt und abgeht,
das ist der berühmte dritte Schlag in einer Angriffsaktion. Er bereitet
seine Angriffe mit Finten und der Führhand richtig vor, setzt dann
mit der Schlaghand und den Beinen gut nach, doch dann kommt meistens nichts
mehr von ihm und er bricht die Aktionen ab, geht auf Nummer sicher. Das
ist das entscheidende Manko, das man ihm vorwerfen kann, doch solange
er damit seine Kämpfe gewinnt, gibt ihm der Erfolg Recht. Ob er sich
damit bei den Boxfans auf Dauer allerdings Freunde macht, bleibt die andere
Frage.
Fazit: Eine ausreichende Leistung von Beyer in einem wenig ansehnlichen
Kampf, die aber noch zu einem Knockoutsieg reichte. Eine kleine Versöhnung,
wenigstens.
Montag,
30. Januar 2006
|
|