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Beyer bleibt Weltmeister

von Frank Bleydorn und Wolfgang Oswald



WBC-Weltmeister Markus Beyer (BP-Nr. 4, Foto oben) verteidigte am Samstag seinen Titel gegen den Italiener Alberto Colajanni. Im mit 3.500 Zuschauern ausverkauften Berliner Tempodrom setzte sich der deutsche Supermittelgewichtler mit einem technischen KO-Erfolg in der zwölften Runde durch. Sein Teamgefährte Cengiz Koc unterlag im Kampf um die Europameisterschaft im Schwergewicht. Gegen den Titelverteidiger Paolo Vidoz kassierte der Lokalmatador eine einstimmige Punktniederlage. Insgesamt standen in Berlin sechs Kämpfe auf dem Programm.


1. Kampf: Manuel Charr vs. Stefan Baumann, Schwergewicht, angesetzt auf vier Runden

Wenig Mühe hatte der gebürtige Libanese Manuel Charr in seinem Fight gegen Stefan Baumann. Bereits nach wenigen Sekunden sorgte ein Volltreffer des 21-jährigen Schützlings von Trainer Ulli Wegner für die Entscheidung: Ein linker Haken des in Berlin trainierenden Schwergewichtlers schlug am Kopf seines Kontrahenten aus Dresden, der in dieser Situation quasi ohne jegliche Deckung agierte, ein. Baumann ging zu Boden und Ringrichter Ingo Barrabas zählte den von Werner Papke gecoachten Athleten nach nur 38 Sekunden der ersten Runde aus. Auch nach dem Kampfabbruch hatte der angeschlagene Baumann zunächst Probleme, sich auf den Beinen zu halten.

Offizielles Urteil: Sieger durch KO in der ersten Runde Manuel Charr


2. Kampf: René Dettweiler vs. Gene Pukall, Schwergewicht, angesetzt auf acht Runden

Der 22-jährige Rechtsausleger René Dettweiler versuchte gegen Gene Pukall von der ersten Sekunde an, von der Ringmitte Druck auszuüben. Mit der Führhand erarbeitete sich der von Manfred Wolke trainierte Athlet Vorteile. Nach einem linken Leberhaken des in Frankfurt (Oder) lebenden Schwergewichtlers ging Pukall zu Boden. Ringrichter Leszek Jankowiak zählte den 31-jährigen Berliner daraufhin nach einer Minute und 57 Sekunden aus.

Offizielles Urteil: Sieger durch KO in der ersten Runde René Dettweiler


3. Kampf: Zaurbek Baysangurov vs. John Chibuta, IBF-Junioren-Weltmeisterschaft im Superweltergewicht, angesetzt auf zehn Runden

Der 20-jährige IBF-Junioren-Weltmeister Zaurbek Baysangurov setzte seine Erfolgsserie im Berliner Tempodrom fort. Sein Gegner, der deutlich ältere John Chibuta, präsentierte sich jedoch keinesfalls als Fallobst. Der Athlet aus Sambia wirkte zu Beginn mit seinen schnellen Händen aktiver. Die Aktionen Baysangurovs waren jedoch effektiver. Der in Moskau lebende Superweltergewichtler verbuchte mit harten linken Haken zum Körper und mit der rechten Schlaghand in den ersten Runden die besseren Treffer für sich. Ab der vierten Runde setzte der IBF-Junioren-Champion häufiger auf seine linke Führhand und drängte seinen Konkurrenten gleich mehrfach an die Ringsseile zurück. In Durchgang acht zahlte sich der Druck erstmals aus. Chibuta wurde von Ringrichter Klaus Griesel im Stehen angezählt. In der neunten Runde attackierte Baysangurov seinen Kontrahenten erneut mit harten Treffern, so dass der Referee den angeschlagenen Athleten aus Sambia noch einmal anzählte. Nach zwei Minuten und 23 Sekunden brach der Ringrichter den Fight nach weiteren Aktionen des IBF-Junioren-Weltmeisters folgerichtig ab.

Offizielles Urteil: Sieger durch TKO in der neunten Runde Zaurbek Baysangurov


4. Kampf: Cengiz Koc vs. Paolo Vidoz, Europameisterschaft im Schwergewicht, angesetzt auf zwölf Runden

Der Italiener Paolo Vidoz verteidigte den EM-Gürtel im Schwergewicht gegen den 28-jährigen Cengiz Koc in überzeugender Manier. Zwar gestaltete der von Ulli Wegner trainierte Herausforderer das Ringgefecht in der Anfangsphase mit der Führhand und linken Haken auf den Körper ausgeglichen, doch der Titelverteidiger aus Gorizia zeigte sich hervorragend auf die Aktionen des Gegners eingestellt. Der Schützling von Coach Sumbu Kalambai suchte ab der dritten Runde immer häufiger den Infight und brachte dabei zahlreiche linke und rechte Aufwärtshaken ins Ziel. Zwar hielt der Lokalmatador im vierten Durchgang noch einmal mit gefährlichen Links-rechts-Kombinationen an den Ringseilen dagegen, doch in der Folge war es Vidoz, der erneut zu glänzen verstand. Der Europameister wirkte bei seinen Aktionen gefährlicher und effektiver. Erst ab der elften Runde fand Koc wieder besser in den Kampf. Zwar erboxte sich der in Berlin lebende Schwergewichtler in der Schlussphase mit explosiven Schlagkombinationen Vorteile, doch den klaren Punktsieg seines inzwischen konditionell abbauenden Konkurrenten brachte er nicht mehr in Gefahr. Der Europameister Paolo Vidoz lag nach zwölf Runden mit 117:112, 117:112 und 116:112 verdient auf den Wertungszetteln der Punktrichter vorne.

Offizielles Urteil: Sieger einstimmig nach Punkten Paolo Vidoz


5. Kampf: Marco Huck vs. Claudio Rasco, Cruisergewicht, angesetzt auf acht Runden

Der in Bielefeld aufgewachsene Cruisergewichtler Marco Huck begann im Aufeinandertreffen gegen Claudio Rasco überlegen. Mit der Führhand bereitete er seine Aktionen zunächst geduldig vor, um mit linken und rechten Haken zum Kopf und auf den Körper zum Erfolg zu kommen. Sein 27-jähriger Kontrahent versuchte in der Anfangsphase, mit schnellen Schlagserien dagegen zu halten. Ab der zweiten Runde wurde das Aufeinandertreffen zerfahrener. Rasco erwies sich als ausgebufft. Der in Toronto lebende Athlet tauchte mit seinem Kopf immer wieder geschickt nach rechts ab, so dass die Schlaghand seines 21-jährigen Konkurrenten nur selten ihr Ziel fand. Zudem klammerte der Rumäne sehr häufig, wenn er unter Druck geriet. In erster Linie waren es Aufwärtshaken von Marco Huck, die den in Toronto lebenden Gegner vor Probleme stellten. Im vierten Durchgang sprach Ringrichter Klaus Griesel eine Verwarnung gegen Rasco aus. Der von Adrian Teodorescu gecoachte Athlet hatte zuvor immer wieder mit sehr tiefem Kopf agiert. Im sechsten Durchgang platzierte Huck mit einer Linken aus der Distanz heraus einen harten Treffer. Er setzte sofort nach, so dass der Ringrichter seinen Gegner im Stehen anzählte. Nach einem rechten Aufwärtshaken an den Seilen schritt der Referee wenig später erneut zur Tat und zählte Rasco an. In der siebten Runde sorgte der bei diesem Kampf von Georg Bramowski gecoachte Huck gegen den inzwischen erschöpft wirkenden Gegner für klare Verhältnisse. Er traf ihn zunächst mit einigen Händen an den Ringseilen, ehe eine schwere Rechte zum vorzeitigen Ende des Kampfes führte und der Ringrichter Rasco nach zwei Minuten und 15 Sekunden auszählte.

Offizielles Urteil: Sieger durch KO in der siebten Runde Marco Huck


6. Kampf: Markus Beyer vs. Alberto Colajanni, WBC-Weltmeisterschaft im Supermittelgewicht, angesetzt auf zwölf Runden

Im Hauptkampf der Sauerland-Boxveranstaltung vom letzten Samstag trafen der WBC-Weltmeister Markus Beyer (BP-Nr. 4, Foto oben) und sein Herausforderer Alberto Colajanni aus Italien im Supermittelgewicht aufeinander. Es handelte sich dabei um eine freiwillige Titelverteidigung. Das Management von Beyer konnte also selbst auswählen, welcher Boxer aus der Rangliste den Champion herausfordern darf. Entsprechend viel oder wenig konnte man also von der Wertigkeit und Stärke des Gegners erwarten. Jeder Weltmeister gönnt sich zwar hin und wieder einen scheinbar leichteren Herausforderer mit gutem Kampfrekord, doch zugegeben, in deutschen Landen passiert das bei den Meistern und nationalen Zugpferden ein wenig öfter als beispielsweise in den Vereinigten Staaten.

Dennoch ist ein Weltmeisterschaftskampf nie einfach und ein Selbstläufer für einen Champion. Ein Restrisiko bleibt immer bestehen und Colajanni war bisher immerhin ungeschlagen und in Meisterschaftskämpfen nicht ganz unerfahren. Mehrfach hatte er die nationalen Meisterschaften gewonnen und er galt im Vorfeld als technisch versierter und unbequemer Boxer mit guter Beinarbeit und Vorteilen bei der Größe und Reichweite, allerdings dafür mit wenig Schlagkraft.

Und Beyer löste seine Aufgabe souverän und eindrucksvoll, wie man es von einem echten Champion erwartet. Er machte Druck, fintierte, lauerte, wartete auf seine Chance und schlug gnadenlos zu, als sich eine Lücke in der Deckung seines Gegners bot. Eine harte Schlaghand auf der Innenbahn und der Italiener landete auf den Brettern. Colajanni stand noch einmal auf, doch Beyer setzte entschlossen nach und ein zweiter Niederschlag bedeutete das Ende der italienischen Titelhoffnungen. Dumm nur, dass es ganze zwölf Runden dauerte, bis es zu diesem Szenario kam.

Nach dem Motto „Lola rennt“ suchte der Italiener nämlich von Anfang an sein Heil in der Defensive und blieb Runde für Runde auf der Flucht bzw. auf der Distanz mit seiner linken Führhand und schnellen Beinen. „Sind Sie auch froh, dass jetzt die Fäuste Musik machen?“, fragte der Ringansager nach einigen Pannen in der Vorpräsentation des Kampfes (Tonstörung bei der aufgewärmten Einmarschmusik, verspäteter Walk-In von Beyer etc.). Leider machten die Fäuste keine Musik, höchstens nur einen traurigen Blues, noch dazu von weißen Europäern vorgetragen.

Die Weltmeisterschaft war arm an Höhepunkten und Runde für Runde verlief nach demselben Muster. Beyer dominierte die Auseinandersetzung, machte Druck mit ein, zwei Händen, versäumte es aber, seinen flüchtenden Gegner zu stellen und beschränkte sich auf wenige Angriffsaktionen. Der Deutsche kam zwar gelegentlich gut durch, aber es fehlte die Treffergenauigkeit und die Variabilität bei der Arbeit zum Kopf und Körper des Kontrahenten. In der vierten Runde machte Colajanni zum ersten Male mit dem Ringboden Bekanntschaft, als er nach Streifschlägen die Balance verlor. Dennoch schien er vom Weltmeister derart beeindruckt, dass er während der gesamten Distanz nur sehr wenige Angriffe zeigte, die wirkungslos blieben oder die der Champion sofort unterband und mit Konteraktionen beantwortete.

Langer K(r)ampf, kurzer Sinn: Markus Beyer hat getan, was er tun musste. Nicht weniger, aber auch nicht mehr. Er ging keinerlei Risiko ein, beschränkte sich aufs Punkten und zog seine Sicherheitstaktik konsequent durch, was zumindest für sein Durchhaltevermögen und seine Erfahrung spricht. Für die Zukunft war diese Vorstellung im Hinblick auf bessere und stärkere Gegner wenig aussagekräftig. Wahre und würdige Herausforderer suchen schon mal den Fight und da muss bzw. kann Beyer natürlich mehr zeigen, als sich bloß auf das taktische Minimalprinzip zu verlassen. Was dem Deutschen allerdings zur Weltklasse fehlt und abgeht, das ist der berühmte dritte Schlag in einer Angriffsaktion. Er bereitet seine Angriffe mit Finten und der Führhand richtig vor, setzt dann mit der Schlaghand und den Beinen gut nach, doch dann kommt meistens nichts mehr von ihm und er bricht die Aktionen ab, geht auf Nummer sicher. Das ist das entscheidende Manko, das man ihm vorwerfen kann, doch solange er damit seine Kämpfe gewinnt, gibt ihm der Erfolg Recht. Ob er sich damit bei den Boxfans auf Dauer allerdings Freunde macht, bleibt die andere Frage.

Fazit: Eine ausreichende Leistung von Beyer in einem wenig ansehnlichen Kampf, die aber noch zu einem Knockoutsieg reichte. Eine kleine Versöhnung, wenigstens.

Montag, 30. Januar 2006

 
     

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