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Markus Beyer vs. Danny Green II
- Der Vorbeicht


Die "Grüne Hölle" kommt nach Zwickau

von Wolfgang Oswald



Geschlagen. Gezeichnet. Gewonnen. Der WBC-Weltmeister im Supermittelgewicht Markus Beyer (BP-Nr. 10, auf Foto oben links) musste 2003 den Mythos "Grüne Hölle" vom Nürburgring am eigenen Leib erfahren. Wie ein vielgliedriges Ungeheuer musste ihm der Herausforderer Danny Green (BP-Nr. 3, auf Foto oben rechts) vorgekommen sein und die Hölle in Form von "Green Machine" soll den Champion noch einmal beim lang erwarteten Rematch am 12.03.2005 in der Stadthalle von Zwickau bei seiner Pflichtverteidigung des WBC-Titels erwarten (die ARD überträgt live ab 22.40 Uhr).

1. Die Akteure der Auseinandersetzung


Der Weltmeister:

Beyer ist 33 Jahre alt und kam als Jugendlicher über seinen Vater (Exboxer und Trainer) mit dem Boxen in Berührung. Der Anfang einer erfolgreichen Boxkarriere im Amateur- und Profibereich war gemacht. Heute ist der Deutsche dreimaliger Weltmeister und hat mit seiner Freundin Daniela Haak (Sängerin und Designerin) die Agentur "12Rounds" gegründet.

Der Herausforderer:

Green ist 31 Jahre alt und begann erst mit 20 Jahren zu boxen. Er ist verheiratet, hat eine Tochter und stammt aus einer Familie mit vier Geschwistern. Als Jugendlicher spielte er Football und mit 18 Jahren überredete ihn sein Bruder zum Kampfsport. Auch wenn ihm noch der WM-Titel zur Krönung seiner Karriere fehlt, bereut hat "Green Machine" seinen Schritt von damals noch nicht.

2. Die Geschichte zum Fight

Sie begann im August 2003 am Nürburgring, als Markus Beyer seinen WBC-Titel im Supermittelgewicht gegen den Australier Danny Green verteidigte. Es wurde ein blutiges Gefecht. Green startete stark, schickte den Deutschen zweimal auf die Bretter. Beyers Gesicht war gezeichnet, ein Cut hatte sich geöffnet, doch der finale Treffer wollte dem Herausforderer nicht gelingen. Im Gegenteil: Beyer erholte sich, kam zurück in den Kampf und setzte einige gute Treffer. Die Auseinandersetzung wurde verbissener. Die Kontrahenten prallten mit den Köpfen aufeinander und der Ringrichter machte alles andere als eine souveräne Figur. Beyer klammerte, Green setzte seinen Kopf ein und dem Unparteiischen war die Kontrolle entglitten. Plötzlich war der Fight unterbrochen, Green wegen mehrerer Unsportlichkeiten verwarnt und mit Punktabzug bestraft, Beyer wegen der Cuts am Auge und dem blutüberströmten Gesicht nicht mehr kampffähig und seinen Titel darum schon fast los, als es am Ring heftige Diskussion unter den Offiziellen gab. Am Ende verkündete das überforderte Kampfgericht die Disqualifikation und Beyer durfte seinen Titel behalten.

Auch nach dieser Weltmeisterschaft gingen die Diskussionen bei den Boxexperten noch lange heftig weiter. Die Zeitlupen bewiesen zwar, dass Green unfair seinen Kopf eingesetzt hatte, doch die Art und Weise der Disqualifikation und das Unvermögen der Offiziellen hinterließen einen faden Beigeschmack. Mit „Old School Style“ versuchte Green seine Kopfstöße zu rechtfertigen und war sich keiner Schuld bewusst. Man sollte allerdings dazu sagen, dass Green als Amateur den europäischen Boxstil von Bodo Andreas (ehemaliger DDR-Boxer und Boxcoach des australischen Nationalteam) gelehrt bekam und eigentlich wissen musste, wie man in Deutschland „Boxen“ definiert und was man sich dort erlauben kann und was nicht.

Für genug Zündstoff ist also im Rematch zwischen den beiden Boxern gesorgt. Zumal Green dem Weltmeister auch für Zwickau die "Grüne Hölle" im Ring verspricht.

3. Die physischen Attribute der Fighter:

Der Australier ist größer als der Champion und geht auch mit der längeren Reichweite in die Auseinandersetzung. Bei seinem ersten Amateurkampf war Green schon 20 Jahre alt, während der Deutsche schon als Jugendlicher mit dem Amateurboxsport angefangen, über 200 Fights und damit dreimal so viel Kämpfe wie der Herausforderer bestritten hat. Beide sind ungefähr gleich alt, aber die größere körperliche Frische und Stärke dürfte beim Mann aus „Down Under“ liegen, dem in der Zeit als Berufsboxer erheblich weniger bestrittene Runden in den Knochen stecken.

4. Die „Waffen“ der Fighter im Ring:

Der Rechtsausleger Beyer ist ein ausgezeichneter Konterboxer mit einer harten Schlaghand und einem guten Auge. Er boxt schnell und beweglich, verliert oder verschläft allerdings hin und wieder die taktische Marschroute und agiert zu zögerlich bei seinen Aktionen. Boxerisch hat er vieles drauf und er hat viel Schlagkraft. Seine spektakulären Kracher gegen Richie Woodhall, Leif Keiski oder Cristian Sanavia (BP-Nr. 20) waren keine Zufallsprodukte, doch leider schaffte es der Weltmeister bisher nicht oft genug, diese Stärke abzurufen.

Green dagegen ist Normalausleger und sucht gerne den Angriff. Er arbeitet mit langen Händen und gilt ebenfalls als sehr schlagstark, was seine eindrucksvolle Knockoutbilanz unterstreicht. Allerdings agiert er gelegentlich zu ungestüm, legt ein zu hohes Tempo vor und scheint kein „geborener Taktiker“ zu sein.

5. Der Kampf im Kopf:

Beyer braucht einen Psychologen um in den Ring zu steigen, ich brauche einen um wieder herauszukommen.

Danny Green redet sich stark, doch inzwischen erfuhr auch er von seinen mentalen Schwächen. Seine Unbekümmertheit vor dem ersten Beyer-Kampf ist verschwunden und vielleicht fordert der hohe Erwartungsdruck nun seinen Tribut. Die Hitzköpfigkeit und Wut gegen Beyer, die Dehydration und der anschließende Krankenhausaufenthalt nach dem Sieg über Sean Sullivan sowie der Bodenbesuch bei Omar Eduardo Gonzalez, solche Sachen gehen selbst an „Green Machine“ nicht spurlos vorüber. Dazu die lebende Boxlegende Jeff Fenech im Rücken in seiner Ecke, die unter Umständen zu viel von sich selbst auf ihren Schützling projiziert. Fenech war ein großer Boxer, doch es ist gut möglich, dass er zu wenig von Greens Stärken herausarbeitet, sondern in ihm etwas sieht und sucht, was gar nicht richtig zu dem Herausforderer passt. Es muss einen Grund haben, warum ein Trainer einen Mittelgewichtler gegen einen Schwergewichtler wie James Toney im Gym in ein hartes Sparring schickte. Die Frage bleibt, war das ein gutes Mittel zum Zweck oder ein schlechtes?

Beyer dagegen verdrängt seine mentalen Probleme inzwischen nicht mehr. Er gibt offen zu, dass er psychologische Hilfe bei der Vorbereitung in Anspruch nimmt und darin zeigt sich wahre Stärke und Mut. Was viele übersehen: Beyer hat Herz und er kämpft gegen seine Schwächen an, stellt sich ihnen immer wieder. Er musste viele Rückschläge während seiner Karriere verdauen. Die Knockoutniederlage in der ersten Runde bei Olympia 1992 gegen den Kubaner Juan Lemus, der Verlust der WM-Krone 2000 durch KO gegen Glenn Catley oder die zauderlichen Boxleistungen gegen Cristian Sanavia und andere Gegner. Oft musste er mit Kritik leben, sich als "Psycho-Beyer" titulieren lassen und im Schatten von Sven Ottke (Foto) leben. Aber er kam immer wieder mit Siegen zurück. Er fightet mit sich und kennt seine Schwächen, akzeptiert sie und das ist vielleicht der entscheidende Trumpf gegen den Australier, der sich eine Spur zuviel um die Person Beyer zu kümmern scheint, statt um die Person Green.

6. Die mögliche Kampftaktik der Boxer:

Beyer zeigte in seinem letzten Kampf gegen Yoshinori Nishizawa teilweise sehr gute Aktionen und stoppte seinen Gegner einige Male mit sehr guten Körpertreffern, die dem Japaner sichtlich die Luft raubten. Aus Amateurtagen ist bekannt, dass Green sehr anfällig für Körpertreffer ist. So haben solche Schläge beispielsweise bei der Olympiade 2000 zu seinem vorzeitigen Ausscheiden geführt und es ist sehr wahrscheinlich, dass er bei weitem nicht so viel am Körper verträgt wie Nishizawa.

Der Weltmeister muss auch ständig in Bewegung bleiben und gegen Green seine bessere Schnelligkeit und seine Erfahrung über die gesamte Distanz ausspielen. Aufpassen muss er vor allem auf die lange Schlaghand des Australiers und er darf sich keine Schwächen in seiner Deckung und seinem Defensivverhalten erlauben. Ansonsten kommt der Heimvorteil und der Stil seines Gegners ihm bei seiner eigenen Kampfweise sehr entgegen. Vorausgesetzt, ihm gelingt es seine Nerven zu bewahren und er „verschenkt“ keine Runden wegen zuwenig Aktivität.

Green dagegen befindet sich ein wenig im Zwiespalt. Auf der einen Seite wäre ein aggressiver und druckvoller Start sinnvoll, um in Beyer die Niederschläge vom ersten Aufeinandertreffen wachzurufen und den Deutschen zu „verkrampfen“, ihn gar nicht erst in den Kampf kommen zu lassen. Auf der anderen Seite gerät er hier selbst in Gefahr zu „verkrampfen“, sich zu verausgaben oder in einen Konter zu laufen.

Im Gym hat Green dennoch den Ernstfall geprobt und ist die gesamte Distanz im Sparring gegangen. Doch je länger der Kampf dauert, desto wahrscheinlicher ist ein möglicher Einbruch von Green. Sein „harter“ Stil ist sehr kraft- und konditionsraubend. Nicht zu vergessen, der mentale Aspekt und im Hintergrund der Heimvorteil von Beyer und dessen möglicher Championbonus auf den Punktezetteln.

Der Mann aus „Down Under“ ist letztlich dazu gezwungen, mehr zu machen und die Offensive zu suchen, auch wenn ein Kampf aus der langen Distanz mit der Führhand und 1,2-Kombinationen gegen Beyer besser für ihn wäre. Die Frage ist nur, ob Green so eine Taktik überhaupt umsetzen und sein Temperament in diesem emotionsgeladenen Aufeinandertreffen soweit zügeln kann. Zudem ist sein Coach Jeff Fenech (Foto) zwar eine lebende Boxlegende, doch nicht besonders bekannt für seine „Coolness", denn auch er hatte schon als aktiver Boxer mit einer kontroversen Entscheidung gegen sich zu kämpfen.

7. Die Prognose des Autors zum Kampfverlauf

Es sprechen sicher einige Dinge für einen unspektakulären Kampfverlauf und ein taktisch geprägtes Gefecht von beiden Seiten, das über die ganze Distanz geht. Dennoch liegt ein gewisser Funke in der Luft, der leicht entzündbar ist. Spätestens wenn den Ecken der ungefähre Punktestand signalisiert wird und Beyer in den Kampf gefunden hat, müsste Greens Temperament erneut durchschlagen. Beide Boxer haben genug Potential für einen vorzeitigen Sieg, doch Beyer hat in seinen letzten beiden Kämpfen psychisch mehr überzeugt als „Green Machine“. Die Chancen stehen daher gut, dass ihm ein Konter gelingt und der Herausforderer vorzeitig bezwungen und selbst die "Grüne Hölle" am eigenen Leib erfahren wird.
Donnerstag, 10. März 2005

 
     

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