| |
Markus Beyer vs. Danny Green II
- Der Bericht
von Thorsten Fritsche
Am Samstag stand für den WBC-Weltmeister im Supermittelgewicht, Markus
Beyer (BP-Nr. 10, auf Foto links), in der Stadthalle
Zwickau die wohl schwerste Titelverteidigung in seiner bisherigen Karriere
an. Rund 19 Monate nach seinem umstrittenen Sieg durch Disqualifikation
gegen Danny
Green (BP-Nr. 3, auf Foto rechts) musste er sich dem schlagstarken
Australier, der in der Zwischenzeit den Titel des Interims-Weltmeisters
errungen hatte, zum zweiten Mal stellen. Man durfte gespannt sein, wie
der 33-jährige Titelverteidiger, der im ersten Kampf in den beiden
ersten Runden je einmal zu Boden musste und von sich selbst schwer enttäuscht
war, diese Aufgabe lösen würde, zumal im Vorfeld viele Experten
und Boxfans auf einen vorzeitigen Sieg Greens tippten. Darüber hinaus
war die Frage, ob das Gefecht dieses Mal sauber und fair über die
Bühne gehen würde.
Wie
zu erwarten, war es der 32-jährige Boxer aus Sydney, der von Beginn
an den Vorwärtsgang suchte, auch wenn er verhaltener startete als
im ersten Duell und sich seine Kraft offensichtlich einzuteilen versuchte.
Beyer beschränkte sich darauf, geschlossen zu bleiben und gelegentliche
Konter zu schlagen. Auch wenn der Boxer aus Erlabrunn vor allem zum Körper
immer wieder durchkam, war es Green (Foto), der sich die erste
Runde aufgrund seiner deutlich höheren Aktivität sicherte, auch
wenn längst nicht alle seine Schläge ihr Ziel fanden. Erst zum
Ende der zweiten Runde erhöhte der Weltmeister seine Schlagfrequenz
und hielt jetzt deutlich besser dagegen. Offensichtlich dadurch gefestigt,
dieses Mal die Eröffnungsrunden schadlos überstanden zu haben,
traf Beyer in Durchgang drei immer häufiger sein Ziel, während
die Angriffsbemühungen des Australiers nun uneffektiver wurden. Er
beschränkte sich zumeist auf Einzelschläge und brachte die Führhand
oft als linke Haken, die Beyer regelmäßig mit seiner geschlossenen
Deckung abfing. Erst im folgenden Durchgang fand die Green Machine
die Distanz für ihre Schläge besser und kam mehrmals gut durch.
Im Laufe der Runden entwickelte sich ein spannender und enger Fight, in
dem die Rollen zwischen dem Weltmeister als Konterboxer und dem Herausforderer
als Angreifer klar verteilt waren, doch der Vorteil beständig wechselte.
Während Beyer (Foto) im fünften Durchgang seine beste
Runde hatte, als er seinen Kontrahenten regelmäßig auskonterte
und ihm kaum ein Ziel bot, war es wieder Green, der den sechsten Durchgang
bestimmte. In der siebten Runde hinein, schien bei Beyer der Faden gerissen
zu sein und er agierte zu statisch, was Green für Treffer nutzte.
Doch in der zweiten Hälfte der Runde kam der Titelverteidiger mit
der linken Schlaghand voll durch, so dass der Mundschutz des Australiers
durch den Ring flog.
Danach
fand der Mann aus dem Sauerland-Boxstall wieder in den Kampf zurück
und konnte sämtliche der nachfolgenden Runden bis einschließlich
der Elften mehr oder weniger klar für sich entscheiden. Der Schützling
von Trainer Ulli Wegner bewegte sich nun wieder besser, wodurch
die allmählich langsamer werdenden Schläge seines Kontrahenten
zusehends häufiger zu kurz kamen oder in der Deckung landeten, während
Beyer selbst immer wieder Treffer zu Kopf und Körper anbringen konnte.
Es hatte in der vorletzten Runde sogar kurzeitig den Anschein, als hätte
der Titelverteidiger mit einem linken Haken seinen Gegner beeindruckt,
als Green kurz einknickte.
In Runde neun gab es die einzige unschöne Szene des ansonsten recht
sauber geführten Gefechts, als Green den Weltmeister im Clinch mit
einem Kopfstoß seitlich an der Stirn traf. Der aufmerksame Ringrichter
Laurence Cole hatte dies jedoch gesehen und ermahnte Green sofort.
Zum Glück blieb diese Aktion ohne weitere Folgen für beide Beteiligten.
Vor
Beginn des zwölften und letzten Durchgangs schien es so, als könne
Green den Kampf nur noch durch einen KO für sich entscheiden. Auch
Jeff Fenech (Foto), der Trainer des Australiers, forderte
mehrere harte Treffer seines Schützlings hintereinander. Ulli Wegner
hingegen ermahnte Beyer, sich keine Konzentrationsschwäche zu leisten.
In der Vergangenheit war die letzte Runde eines Kampfes für den psychisch
als wackelig geltenden Athleten nicht selten dramatisch verlaufen. So
auch dieses Mal. Nur wenige Augenblicke nach dem Gong kam Green mit einer
rechten Geraden, über Beyers Linke hinweg geschlagen, voll durch
und klingelte den Weltmeister stark an. Green reagierte sofort und konnte
in einem Schlaghagel einen linken Haken anbringen, der Beyer Richtung
Ringseile beförderte. Viel zu überstürzt nachsetzend, rempelte
der Australier, vom Schwung des eigenen Angriffs selbst stürzend,
Beyer in die Seile. Ringrichter Cole wertete dies trotzdem völlig
zu Recht als Niederschlag. Mit zwei verbliebenen Minuten in der Runde
und auf wackeligen Beinen konnte Beyer den Kampf fortsetzen und musste
weiterhin Treffer nehmen, auch wenn es ihm mehrfach gelang, seinen Gegner
zu klammern. Der Herausforderer
verlor während einer dieser Klammeraktionen Mitte der Runde versehentlich
seinen Mundschutz, was dem Weltmeister eine willkommene Verschnaufpause
verschaffte. Als das Gefecht fortgesetzt wurde, schien Beyer wieder einigermaßen
klar zu sein und er kam auch selbst noch ein paar Mal mit eigenen, wenn
auch kraftlosen Schlägen durch. Schließlich konnte er sich
noch über die Zeit retten.
Am Ende reichte es für Markus Beyer noch knapp über eine Mehrheitsentscheidung
nach Punkten zur Titelverteidigung. Während ein Punktrichter den
Kampf 114:114 unentschieden gab, sahen seine beiden Kollegen den dreimaligen
Weltmeister mit 114:113 und 115:112 vorn. Während Beyer sichtbar
glücklich und erleichtert über den knappen aber verdienten Sieg
war, zeigte sich Green als fairer Verlierer, indem er seinem Gegner in
einer sportlichen Geste gratulierte und im nachfolgenden Interview die
Niederlage eingestand.
Sonntag,
13. März 2005
|
|