IFCO-Kampfabend
in Berlin - Thiele und Osie erfolgreich
Berichte, Interviews und Fotos von M.
Kurt Saygin
Seit Samstag,
dem 13.04.2002 hat Deutschland zwei "Weltmeister" mehr. An diesem
Tag kämpften bei dem von Eva Rolle veranstalteten Box-Event
in der Berliner Rathenau-Halle der Deutsche Danny
Thiele und der gebürtige Liberianer Manuel
Lee Osie um die vakanten Weltmeistertitel des WBB-Verbandes
im Mittel- und Cruisergewicht.
An diesem
Abend traten in erster Linie die Kämpfer der von Eva Rolle gemanagten
IFCO-Boxpromotion
(International Fight Club Organisation) in den Ring. Rolle hat, wie wohl
jeder ambitionierter Box-Promoter, Ambitionen auf große Boxvents
im internationalen Rahmen. Beispielsweise ist ein Event mit Wladimir Klitschko
und Mike Tyson in Dubai in Planung (siehe morgiges Exklusiv-Interview
mit Eva Rolle). Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg und der Kampfabend
in Berlin war ein erster Schritt in die richtige Richtung.
Abgesehen
von den durchgehend auf hohem technischen Niveau geführten Kämpfen
konnte sich auch die anwesende Prominenz durchaus sehen lassen. Neben
Schauspieler Ben Becker und Willi "de Ox" Fischer
(Foto) waren auch der letzte Gegner von Andy Liebing, der sympathische
Atilla Kiss, der Schauspieler Jan-Josef Liefers und die
Berliner Pop-Band Bonaparte, die an diesem Abend mit einer Live-Performance
eines deutschsprachigen Box-Songs auftrat, anwesend.
Die Kampfergebnisse
im Einzelnen:
Im Halbweltergewicht
siegte der IFCO-Neuzugang Frank
"little Tyson" Oppong (7-0-1), der von Universum-Trainer
Fritz Sdunek persönlich empfohlen wurde, in einem mitreissenden
Kampf über vier Runden gegen den Russen Vladimir
Koreny nach Punkten. Bereits in der ersten Runde gab es zwei Niederschläge
des starken Oppong, der zwar über eine halbweltergewichts-untypische
Körperkraft verfügt, jedoch an seiner Technik noch zu feilen
hat. Die kraftvollen Schläge kamen etwas ungestüm und nicht
sauber genug. Dennoch konnte der 19-Jährige an diesem Abend einiges
an Aufmerksamkeit auf sich ziehen und sich für weitere Kämpfe
empfehlen.
Im Leichtgewicht
trafen Anton
Glovak und Kevin
Wieding in einem auf sechs Runden angesetzten Kampf aufeinander.
In dem technisch guten und über weite Strecken ausgeglichenen Kampf
siegte Wieding von Lichtenberg-Boxpromotion (Berlin) verdient nach Punkten.
Ebenfalls im Leichtgewicht siegte der Berliner Boxer Thomas
Lesnik über gegen den Slowaken Peter
Batora, den Lesnik bereits im Jahr 2000 vorzeitig bezwang. Der
Kampf verlief über weite Strecken relativ ausgeglichen und wurde
in erster Linie über Geraden aus der Distanz geführt. Sowohl Wieding als
auch Lesnik werden vom Berliner Trainer Werner Papke betreut und gelten
als sehr talentiert. "In meiner 40-jährigen Laufbahn habe ich noch
nie solche Talente gehabt. Vor allem Thomas," schwärmt Papke.
In einem
technisch sehr guten Kampf traf mit Arthur
Novak ein weiteres Berliner Jungtalent auf einen sehr interessanten
Gast aus Russland. Juri
Saizew soll -so hieß es- als Amateur in 80 Kämpfen
80 Siege errungen haben und war Russischer Meister der Amateure im Weltergewicht.
Auch wenn der Gastboxer aus Russland offensichtlich die bessere Boxschule
genossen hatte, fehlte ihm am Ende doch etwas der Biss und die Kondition.
Arthur Novak gewann diesen Kampf nach sechs Runden aufgrund seiner besseren
Kondition und der im Finish klareren Treffer verdient nach Punkten.
Es folgte
die auf 12 Runden angesetzte WBB-WM im Mittelgewicht zwischen Danny
Thiele und dem dunkelhäutigen Österreicher Gotthard
Hinteregger.
In der ersten
Phase dominierte der amtierende Internationale Österreichische Meister
über den zweimaligen Ex-Meister und U-21 Weltmeister Danny Thiele
(16-8-5). Thiele fand trotz seiner physischen Überlegenheit kein
rechtes Mittel gegen den intelligent und schnell agierenden Österreicher,
der immer wieder saubere Geraden und Links-Rechts-Kombinationen aus der
Distanz ins Ziel bringen konnte. In der fünften Runde sah es kurzfristig
nach einem KO für Hinteregger aus, der den Lokalmatador in dieser
Runde zweimal deutlich anklingeln konnte.
In der zweiten
Hälfte des Kampfes konnte Hinteregger seinen starken Anfang
jedoch nicht fortsetzen. Der 25-jährige Berliner gewann immer mehr
Oberwasser, setzte den Gast aus Österreich stark unter Druck und
konnte die darauffolgenden Runden für sich verbuchen. In
der Endphase des Kampfes gab der Gastboxer noch einmal richtig Gas, wobei
die letzten beiden Runden zwar temporeich, aber dennoch recht ausgeglichen
verliefen.
Auf dem BP-Punktzettel
wäre der Kampf unentschieden ausgegangen, jedoch werteten die Punktrichter
115:113, 116:114 und 117:111 und kürten Danny Thiele einstimmig
zum Sieger, woraufhin der Gast aus Österreich wutentbrannt die Halle
verließ. Die Reaktionen des Publikums auf diese Entscheidung fielen
unterschiedlich aus. Im
anschliessenden BP-Interview machten Hinteregger und sein Trainer
ihrer Wut Luft...
Den zweiten
Hauptkampf des Abends bestritten Zsoltan
Beres und Manuel
Lee Osie um die WBB-WM im Cruisergewicht. Angesetzt
war das Duell auf 12 Runden.
Der
ungleiche Kampf verlief vom Anfang bis zum Ende wenig gesundheitsfördernd
für den Gast aus Ungarn. Der Bronzemedaillegewinner der Olympiade
in Barcelona, Zsoltan Beres (15-11-0), hatte dem starken Osie
(Foto) nichts, aber auch gar nichts ausser seiner Nehmerfähigkeit
entgegenzusetzen. Der Liberianer, der Siege über Markus Bott
und Jean-Marc Mormeck in seinem Rekord aufzuweisen hat, konnte
sämtliche der acht Runden, die der Kampf andauerte, für sich
verbuchen und sein gesamtes Schlagrepertoire anwenden. Beres, der über
erstaunliche Nehmerfähigkeiten verfügte, kassierte Kopf- und
Körperhaken, Uppercuts und Links-Rechts-Kombinationen. Dem Ungar
war bis dahin jedoch zu keinem Zeitpunkt Schlagwirkung anzumerken.
Erst in der
achten Runde, in der Beres kein Gegenmittel gegen eine ganze Serie von
Uppercuts fand, wurde er erst einmal stehend an- und beim zweiten Mal
ausgezählt. Der Sieger durch KO nach 2:58 in der achten Runde hiess
verdient Lee Manuel Osie. Der 33-Jährige darf sich nun Hoffnungen
auf weitere lukrative Zahltage machen.
Damit endete
der unterhaltsame IFCO-Kampfabend in Berlin. Alle Akteure zeigten großes
sportliches Engagement und technisches Können. Insbesondere Lee Manuel
Osie wusste zu überzeugen. Im Rahmenprogramm des Abends allerdings
trafen die heimischen Boxer auf Herausforderer mit größtenteils
desaströsen Kampfrekorden. Um die Berliner Talente langsam an größere
Aufgaben heranzuführen, bedarf es in Zukunft sicherlich stärkerer
Gegner im Ring.
Am Ende des
IFCO-Kampfabends in Berlin hatte BoxingPress die Gelegenheit, ein Interview
mit Organisatorin Eva Rolle zu führen. Die exzentrische Promoterin
mit der berühmten "Berliner Schnauze" ließ sich nicht zweimal bitten
und zog verbal kräftig vom Leder...
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