Dirk
Dzemski dreifacher Gürtelträger - SES-Kampfabend in Ilsenburg
von Arne Leyenberg , Fotos:
box-web.de
Dirk
Dzemski und seine Stallgefährten Lukas
Konecny, Malik
Dziarra und Robert
Stieglitz vom Sport Events Steinforth (SES) Boxstall bleiben weiter
ungeschlagen. Konecny konnte sich in Ilsenburg mit einem vorzeitigen Sieg
über Artur Drinaj die internationale Meisterschaft im Halbmittelgewicht
sichern. Den Hauptkampf des Abends in der Ilsenburger Harzlandhalle bestritt
Dzemski gegen Orhan
Ajvazoski aus Bielefeld. Dabei ging es im Mittelgewicht um die
deutsche, die internationale deutsche und die internationale Meisterschaft
des Verbandes NBA. Mit einem Abbruchsieg in der dritten Runde empfahl
sich Dzemski für höhere Aufgaben.
Ulf Steinforth
muss ein aufmerksamer Mensch sein. Beim Besuch einer Veranstaltung des
Magdeburger Promoters kann man sich nur unschwer des Eindrucks erwehren,
hier hat jemand vom Beobachten der Konkurrenz gelernt. Zum zehnten Male
trat Steinforth in der Ilsenburger Harzlandhalle als Veranstalter auf
und doch ist die Bezeichnung "Kleinringveranstaltung" schon
lange nicht mehr zeitgemäß.
Dass die
Inszenierungen des Fernsehsenders RTL in den neunziger Jahren dem Faustkampf
zu neuer Popularität verhalfen, dürfte dem SES-Macher nicht
entgangen sein. So bekamen die knapp 2000 Zuschauer geboten, was man von
den großen Boxveranstaltungen in Deutschland seit der "Ära
Henry Maske" schon gewohnt ist: Kämpfe und Show.
Den Einmarsch
des Hauptakteurs Dzemski untermalte ein Feuerwerk, während die Rockband
"Eisleben" in bester Rammstein-Manier den Song "Tanz die
Illusion" intonierte. Den ganzen Abend schon waren auf den zwei aufgehängten
Leinwänden eigens produzierte Trailer und Computeranimationen geflimmert,
welche die von Steinforth beschäftigten Boxer und Trainer porträtierten.
Per Newsticker und Fotos konnten die sechs Kämpfe des Abends live
auf der SES-Homepage verfolgt werden. Runde für Runde wurde dokumentiert.
Der Lamettaregen nach der Siegerehrung und der zur Mitte der Veranstaltung
eingeschobene Showteil von zehnminütiger Länge erscheinen da
schon gar nicht mehr erwähnenswert.
Wohin der
ganze Aufwand führen soll, ist klar: "Wir wollen ins Live-Geschäft,"
sagt Steinforth. Gerade jetzt, wo der Faustkampf in Deutschland bald vollständig
im öffentlich-rechtlichen Fernsehen stattfindet und die privaten
Sender für Verhandlungen offen wären. "Es gibt konkretes
Interesse," hält sich Steinforth zwar noch bedeckt. Jean-Marcel
Nartz jedoch, Matchmaker in Diensten der Sauerland Promotion und SES,
legt da eine ganz andere Bescheidenheit an den Tag: "Sauerland
ist 62 Jahre alt, Ulf Steinforth noch keine vierzig. SES gehört die
Zukunft." Dass Show jedoch nicht alles ist, scheint Steinforth
zu wissen: "Der sportliche Wert muss stimmen." Kurz zuvor
hatte dieser bei seinen Schützlingen gestimmt.
Im
ersten Kampf des Abends im Halbschwergewicht traf der Magdeburger Robert
Stieglitz auf Laszlo Dolges aus Ungarn. Erst im Februar
dieses Jahres hatten die beiden miteinander im Ring gestanden. Damals
hatte Stieglitz durch Technischen K.o. in der dritten Runde gewonnen.
In Ilsenburg sollte es nicht anders sein. Stieglitz beherrschte dank seiner
linken Führungshand das Duell von Beginn an. Nach mehreren harten
Treffern in der dritten Runde flog das Handtuch zum Zeichen der Aufgabe
aus der Ecke des Ungarn, gleichzeitig mit dem Abbruch durch Ringrichter
Andreas Schweiger. Mehr Mühe als mit seinem Gegner hatte der
20 Jahre alte Stieglitz mit der verbalen Aufarbeitung seiner Leistung:
"Ein guter Kampf, so geht es weiter," sagte der Russlanddeutsche
mit starkem Akzent.
Ismaylov
Rashad aus Leipzig hatte ebenso wenig Mühe mit seinem Gegner.
Das Aus kam für Zsolt Toth bereits in der zweiten Runde. Nach
einer Kombination Rashads zu Kopf und Körper gaben die Verantwortlichen
in der Ecke des Ungarn das ungleiche Duell auf.
Ein
weiterer Magdeburger, Malik
Dziarra, traf im dritten Kampf des Abends auf den ehemaligen internationalen
deutschen Meister Isidore Janvier. Janvier, einer dieser Boxer,
die man aufgrund ihrer Kampfesführung als "Stinker" bezeichnet,
war im Dezember 2001 mit Dirk Dzemski über die volle Distanz von
zwölf Runden gegangen und hatte dem Dessauer dabei einige Probleme
bereitet. Dziarra hatte sich daraufhin Janvier als nächsten Gegner
gewünscht. Ein vorzeitiger Sieg war jedoch auch ihm nicht vergönnt.
Janvier, den Steinforth als "Antiboxer" bezeichnete, verstand
es, den Kampf immer wieder durch Klammern und Halten zu unterbinden und
somit auch brenzlige Situationen zu überstehen. Dziarra sprach somit
im Anschluss auch von einem "unbequemen Gegner", den er allerdings
deutlich nach Punkten bezwang. Immer wieder traf der schnelle und aggressive
Dziarra mit dem linken Haken.
Nach Dziarra
stieg ein weiteres junges Talent des SES-Teams in den Ring. Lukas
Konecny forderte Titelverteidiger Artur Drinaj im Kampf
um die internationale deutsche Meisterschaft im Halbmittelgewicht. Bereits
in der ersten Runde kam es zu offenen Schlagabtäuschen. Der in der
Vergangenheit oftmals zu verspielte Konecny präsentierte sich äußerst
konzentriert und öffnete beim für Cuts anfälligen Drinaj
schon im zweiten Durchgang einen Riss über dem rechten Auge. Drinaj
landete gute Körpertreffer. Als ihn Konecny jedoch in der dritten
Runde an den Seilen gestellt hatte und er schwere Treffer zum Kopf hatte
hinnehmen müssen, brach Ringrichter Manfred Küchler das
Duell ab. Als der Berliner Drinaj schon längst zum Nähen seines
Cuts im Krankenhaus war, bescheinigte der Sieger ihm "ein schwerer
Gegner" gewesen zu sein. Trainer Werner Kirsch befand die
Leistung seines Schützlings Konecny, der nun in neun Kämpfen
ungeschlagen ist, für "großartig".
Jürgen
Hartenstein, der ehemalige Deutsche Meister, unterlag im fünften
Kampf des Abends dem Österreicher Stephen Goma nach Punkten.
Der Rechtsausleger Hartenstein, versuchte das Duell aus der Distanz zu
bestimmen. Allzu oft blieb er jedoch in der Nahdistanz stehen, ließ
sich zu oft auf den Infight ein. Der ehemalige Herausforderer um die Europameisterschaft
Hartenstein, dessen körperliche Verfassung man vorbehaltlos als "untrainiert"
bezeichnen konnte, rettete sich mit letzter Kraft über die Distanz.
Schließlich
traf Dirk
Dzemski im Hauptkampf des Abends auf den deutschen Meister
Orhan
Ajvazoski (Foto). Da Dzemski die Titel des internationalen
deutschen Meisters und des NBA-Intercontinental Champions trägt,
standen alle drei Titel auf dem Spiel. Bereits in der dritten Runde kam
das Aus für Ajvazoski. Nach einer ansatzlosen linken Schlaghand hatte
der Bielefelder das erste Mal zu Boden gemusst, nach zwei weiteren Linken
brach Ringrichter Arno Pokrandt den Kampf ab. Zuvor hatte der kleinere
Ajvazoski erfolglos versucht, im Infight seine Haken schlagen zu können.
Dzemski
hatte, beweglich auf den Beinen, das Gefecht aus der Distanz bestimmt.
"Ich wusste, dass es ein harter Gegner wird, dass er pausenlos
nach vorne kommt," sagte Dzemski. "Aber die Taktik ist
super aufgegangen. Der Trainer sagte, ich solle die Linke mal reinschlagen,
wenn er mit der Rechten kommt, so hat es geklappt. Ich konnte ihn mir
ausgucken." Ajvazoski verkündete, sich seiner Sache "zu
sicher" gewesen zu sein. "Ich habe nicht aufgepasst und dann
ist es passiert. Aber das ist eben Boxen, ein Schlag und dann kann es
vorbei sein."
Für
Dirk Dzemski ist es noch lange nicht vorbei. Nun soll die "Weltmeisterschaft"
der NBA folgen. "Wir wollen die WM," forderte Trainer
Kirsch. Promoter Steinforth gab bekannt, "mehrere tolle Angebote"
vorliehen zu haben. "Wir kriegen große Kämpfe mit Dirk.
Es wird eine nächste Steigerungsform geben," sagte er, während
sich Dzemski in das goldene Buch der Stadt Ilsenburg eintrug. Damit war
Bürgermeister Wilfried Obermüller auf der Pressekonferenz
erschienen, um sich den Eintrag des "zukünftigen Weltmeisters"
zu sichern.
Artig setzte
Dzemski seine Unterschrift auf das Papier und verschwand zur Dopingprobe.
Und mit ihm der Tross der "SES-Familie". Denn "Dirk
hat für das ganze SES-Team gewonnen," verkündete Steinforth.
"Wir beziehen alle mit ein, das ist unser Erfolgskonzept."
Auch Malik Dziarra hatte sich nach einer "verbalen Entgleisung"
sofort entschuldigt und verbessert. "Es war ein harter Kampf gegen
Janvier, aber Hauptsache, ich habe gewonnen...- Wir haben natürlich
gewonnen." So etwas kommt eben in den besten Familien vor.
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