Dzemski
verteidigt NBA-Titel erfolgreich- SES-Kampfabend in Magdeburg
von Arne Leyenberg , Fotos:
box-web.de
Dirk
Dzemski (Foto) bleibt NBA-Titelträger im Mittelgewicht.
Er verteidigte am Samstag in Magdeburg mit einem einstimmigen Punktsieg
über den Südafrikaner John
Tshabalala seinen im Juni dieses Jahres gewonnenen Gürtel
zum ersten Mal. Im Rahmenprogramm siegte Lucas
Konecny im Kampf um die NBA-Intercontinental-Meisterschaft über
Khoren
Gevorgyen und Malik
Dziarra konnte Lloyd
Bryan vorzeitig bezwingen.
Auf
den Plakaten an Magdeburgs Straßen thronte Dirk Dzemski. Damit befand
sich der Boxer in bester Gesellschaft. Zwischen all den Gesichtern und
Slogans, der um die Wählergunst konkurrierenden Politiker und Parteien.
"Wählt Dzemski!", schien das Plakat dem Betrachter mitteilen
zu wollen. Dabei wirkte der finster dreinblickende junge Mann mit den
erhobenen Fäusten beinahe befremdlich zwischen all den anzugtragenden
Herren, deren Lächeln Seriosität und Kompetenz ausstrahlen wollten.
Dzemski fiel auf. Und das mit Absicht. Hatte doch sein Promoter, Ulf
Steinforth, einen großen Schritt gewagt. Dzemski als Hauptkämpfer
in der Bördelandhalle. Eine Halle, die sonst regelmäßig
IBF-Weltmeister Sven Ottke füllt, die er einst als sein Wohnzimmer
bezeichnete. Wer wagt, gewinnt, hatte sich Steinforth gesagt und dem als
fachkundig bekannten Magdeburger Boxpublikum eine "NBA-Weltmeisterschaft"
mit Dzemski als Hauptkämpfer angeboten. Und damit sollte er Recht
behalten.
Rund 5000
Zuschauer hatten sich am Samstagabend für Dzemski und für einen
Besuch in der Bördelandhalle entschieden. Und hatten die Arena nach
zehn guten Kämpfen doch mit Unmut verlassen. Diesem hatten sie zuvor
mit einem gellenden Pfeifkonzert Luft gemacht. Nicht, weil der Sieger
Dzemski hieß und das etwa zu Unrecht. Nein, weil der Magdeburger
den Kampf so gewonnen hatte, wie es niemand erwartet hatte und wohl auch
niemand sehen wollte.
Der sonst
so mutige Dzemski, bekannt für spektakuläre Kämpfe, für
Geben und Nehmen, hatte verhalten geboxt. Sich auf das Nötigste beschränkt
und sich zuletzt auf einen sicheren Vorsprung auf den Zetteln der Punktrichter
verlassen und in den letzten Runden nichts mehr riskiert. Das, was Sven
Ottkes Kampfstil auszeichnet und ihn zum Helden des Magdeburger Publikums
gemacht hat, bescherte Dzemski ein Pfeifkonzert. "Ich kann diese
schlimmen Pfiffe nicht verstehen," sagte dieser nach dem Kampf,
"ich bin ein bisschen traurig." Auch wenn er einräumen
musste: "Hätte ich die letzten Runden noch mal mehr durchgezogen,
hätte ich durch K.o. gewinnen können."
Für
Dzemski mag erschwerend hinzugekommen sein, dass ihm mit John
Tshabalala nicht der ursprünglich vorgesehene Herausforder
gegenüberstand. Sean Sullivan war beim Sparring das Trommelfell
geplatzt, so dass der Neuseeländer den Kampf um die NBA-WM hatte
absagen müssen. Erst wenige Tage vor dem Kampf hatte Dzemski von
Tshabalala als neuem Gegner erfahren und umgekehrt.
Matchmaker
Jean-Marcel Nartz hatte den Südafrikaner aus einem Duell um
die Afrika-Meisterschaft am selben Wochenende herausgekauft. Für
den Titelverteidiger daher "ein Ausweichgegner, aber kein Opfer."
Denn auch Tshabalala hatte seine Momente während der zwölf Runden.
Einige Male hatte er Dzemski, der die Ringmitte behauptete, klar getroffen
und in Bedrängnis bringen können. Doch Tshabalalas Kampfrekord
mit vier K.o.`s bei 13 Siegen hatte ihn nicht gerade als Puncher ausgewiesen.
Dzemski tat wenig, aber es reichte. Seine Schläge waren explosiv,
schnell und präzise.
Die
Punktrichter Walfried Rollert und Artur Ellensohn hatten
den Titelverteidiger nach zwölf Runden jeweils mit 117:111 Punkten
vorne, Dieter Preuss gar mit 118:110. Damit schadeten sie dem Mann,
dem sie eigentlich helfen wollten. Das Magdeburger Publikum reagierte
angesichts der Deutlichkeit des Urteils mit Pfiffen. Noch im Ring sagte
der Sieger: "Das Urteil ist vielleicht zu hoch. Aber dafür
kann ich nichts, das ist nicht meine Schuld. Und Sullivan wäre ein
Gegner gewesen, der Druck macht und immer nach vorne geht. Der will gewinnen
und nicht nur weglaufen." Auf der anschließenden Pressekonferenz
gab Dzemski-Trainer Werner Kirsch zu, von Tshabalala genarrt worden
zu sein. Dieser hätte beim Pressetraining die Rechte als Führungshand
benutzt, so dass man fälschlicherweise einen Rechtsausleger erwartet
hätte. "Das hat er aber ziemlich gut gemacht," sagte
Kirsch. "Der hat uns verarscht."
Im zweiten
Hauptkampf des Abends kam es zu einem Stall-Duell. Lucas
Konecny von "Sport Events Steinforth" traf auf Khoren
Gevorgyen (alias Koren Gevor) von der Hamburger "Universum
Box-Promotion". Im Fight der beiden ungeschlagenen Halbmittelgewichtler
ging es um den vakanten NBA-Intercontinental-Titel und Konecnys Internationalen
Deutschen Meistergürtel.
Konecny
begann den Kampf offensiv und versuchte von Beginn an mit harten Kombinationen
zu treffen. "Immer wenn er die Pausen braucht, dann bist du da,"
rief Trainer Thorsten Schmitz seinem Schützling Gevorgyen
zu. Der Rechtsausleger spielte mit dem Jab und war aktiver. Konecny verließ
sich auf das Schlagen von explosiven und harten Kombinationen. Damit konnte
er die ersten Runden für sich entscheiden, im vierten Durchgang brachte
er einen harten rechten Aufwärtshaken ins Ziel. Konecnys Kampfstil
kostete jedoch deutlich mehr Kraft und das machte sich bemerkbar. Gevorgyen
wurde aktiver und punktete. Bis in der sechsten Runde beide Boxer mit
den Köpfen zusammenstiessen.
"Ich
mache einen Schritt nach vorne und er auch," beschrieb Konecny,
was Ringrichter Brian Garry als unabsichtlichen Kopfstoß
wertete. Dieser hatte jedoch eine klaffende Wunde an Gevorgyens rechtem
Auge hinterlassen. In der Pause zur siebten Runde entschied Ringärztin
Marianne Banse auf Abbruch des Kampfes. Wie zumeist in solchen
Fällen üblich, besagt auch das Regelbuch der NBA, dass die bis
zu diesem Zeitpunkt von den Juroren notierten Punkte über Sieger
und Verlierer zu entscheiden haben.
Punktrichter
Walfried Rollert hatte nach sechs Runden Konecny mit 60:54 Punkten
vorne, Dieter Preuss wertete 58:58 unentschieden und Artur Ellensohn
59:55 für Konecny. Konecny bleibt weiter ungeschlagen und hat für
Promoter Steinforth ausgeglichen. "Jetzt, nach der Niederlage
von Rene Monse gegen Luan Krasniqi, steht es 1:1 gegen Universum,"
freute sich Steinforth. Schmitz sagte in Abwesenheit seines Schützlings,
der zum Nähen der Platzwunde ins Krankenhaus gebracht worden war:
"Für mich war der Kampf ausgeglichen, in den ersten drei
Runden gab es Vorteile für Herrn Konecny, dann kam aber Koren. Man
sagt ja immer, Boxer sollen den Kampf mit dem Kopf führen, das wurde
diesmal aber wohl falsch verstanden."
Zuvor hatte
bereits Malik
Dziarra einen weiteren wichtigen Sieg verbuchen können. Der
Magdeburger besiegte in seinem erst zehnten Profikampf Lloyd
Bryan durch Technischen K.o. in der fünften Runde.
Bryan war im März 2000 mit Sven Ottke im Kampf um die IBF-Weltmeisterschaft
im Supermittelgewicht über die volle Distanz von zwölf Runden
gegangen. Danach hatte der Jamaikaner jedoch keinen seiner sechs folgenden
Kämpfe mehr gewinnen könnten und unterlag u.a. gegen Markus
Beyer nach Punkten.
Dziarra
diktierte den Kampf mit seiner Linken, der linke Jab und der linke Haken
trafen immer wieder ihr Ziel. In der dritten Runde begann Dziarra auch
die rechte Schlaghand der guten Vorbereitung durch den Jab folgen zu lassen.
In der fünften Runde stellte er Bryan an den Seilen und traf beinahe
nach Belieben. Ringrichter Walfried Rollert nahm den Jamaikaner ohne Anzählen
aus dem Kampf.
Bryan sagte
nach dem Duell, er traue dem äußerst talentierten Dziarra zu,
Weltmeister zu werden. Vergleiche zwischen dem SES-Boxer und den zwei
Deutschen in seinem Kampfrekord wollte er jedoch nicht anstellen. "Gegen
Ottke und Beyer war ich vorbereitet. Gegen Dziarra nicht. Ich musste Gewicht
machen und habe deshalb nicht viel von mir selbst erwartet. Aber Dziarra
ist wirklich gut, er kann ganz nach oben kommen, wenn man ihm Zeit gibt."
Der Boxabend
in der Magdeburger Bördelandhalle hatte mit einer Überraschung
begonnen. Der Berliner Thomas
Lesnik, ungeschlagen in neun Kämpfen und seit kurzem bei
"Universum Box-Promotion" unter Vertrag, verlor seinen Kampf
im Leichtgewicht gegen den Tschechen Michal Durovic. Durovic war
der aktivere Mann, schlug zu Kopf und Körper und landete die härteren
Kombinationen. Der von Thorsten Schmitz trainierte Lesnik boxte passiv,
verhalten und ließ sich auskontern. Nach sechs Runden hieß
der einstimmige Punktsieger Michal Durovic.
Auf den 19
Jahre alten Lesnik folgte der 17-jährige Ilian
Ares aus Berlin. Ares, in zwei Kämpfen ungeschlagen, machte
seine Aufgabe besser und schlug Gegner Soja Marcim in der dritten
Runde KO. Ares, in der Ecke betreut von Werner Papke und Europameister
Michel Trabant, spielte seine körperliche Überlegenheit
aus. Mit explosiven Kombinationen zu Kopf und Körper punktete er.
Im dritten Durchgang traf er mit einem Leberhaken. "Der war drauf,"
rief Trabant und Ares setzte nach. Nach einem kurz darauf folgenden Niederschlag
zählte Ringrichter Artur Ellensohn den Tschechen aus.
Den dritten
Kampf des Abends bestritten der Berliner Sedar
Akova und der Tscheche Rudolf Murko im Cruisergewicht.
Akova, mit großem Fanclub angereist, hatte seine Mühe mit Murko.
Er tat wenig, aber genug, um das Duell zu gewinnen. Nach vier Runden hieß
der Punktsieger Sedar Akova.
Leichtgewichtler
Kevin
Wieding, ebenfalls neuerdings bei "Universum Box-Promotion"
unter Vertrag, hatte kein leichtes Spiel mit Milan Prochazka. Der
Kampf wurde unsauber geführt, war geprägt von Tiefschlägen,
Kopfstößen, Klammern und Innenhänden. Doch dem Berliner
gelang es, phasenweise die Übersicht zu behalten und gelegentlich
klare Treffer zu landen. Zumeist standen die Boxer Fuß an Fuß
und ihre Schläge landeten auf den Deckungen. "Geh raus, bringt
doch nichts, das kostet zu viel Kraft," rief Trainer Schmitz
seinem Schützling Wieding zu, was dieser jedoch nur selten beherzigte.
Christophe
Carlier hieß der Sieger des sechsten Kampfes. Der Franzose punktete
über vier Runden den Berliner Nijaz Salcic aus. Carlier war
deutlich die größere Erfahrung anzumerken. Der Franzose stand
bereits 26 mal im Ring, während Salcic erst drei Profikämpfe
bestritten hatte. Rechstausleger Carlier diktierte das Tempo und traf
mit schnellen Händen.
Wenig
Mühe hatte der Magdeburger Robert
Stieglitz mit Talal Santiago aus den Niederlanden.
Santiago war gewillt, lediglich über die Runden zu kommen. Stieglitz
verhinderte dies mit harten Kombinationen in der dritten Runde. Gleichzeitig
mit dem Abbruch durch Ringrichter Walfried Rollert, flog das Handtuch
zum Zeichen der Aufgabe aus der Ecke Santiagos. Stieglitz sagte nach dem
Duell: "Ich war sehr gut vorbereitet auf diesen Kampf. Ich freue
mich, dass ich so gut boxen kann."
Und schließlich
siegte im Mittelgewicht der Greifswalder Sebastian Sylvester im
Mittelgewicht über den Polen Mateosz Lorek. Bereits in der
ersten Runde hatte Lorek von Ringrichter Artur Ellensohn stehend angezählt
werden müssen. In der dritten Runde kam nach einer rechten Geraden
das Aus für den Polen.
Hinweis:
Der Fernsehsender B.TV zeigt am kommenden Samstag, dem 28.
September, ab 22.15 Uhr die Kämpfe der SES-Veranstaltung aus Magdeburg.
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