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Buchvorstellung:
Boxbücher 2004: Der Rückblick
von
Dr. Manfred Luckas
Das
Jahr 2004 hat nicht nur große Kämpfe gesehen, sondern auch
boxliterarisch so viele Höhepunkte zu bieten wie lange nicht
mehr. Der Faustkampf liegt, zumindest bei den Lesern, voll im Trend,
und dies ist wahrlich kein schlechtes Zeichen. Gehen wir also mit
den Box-Büchern dieses Jahres in den Clinch und freuen uns schon
jetzt auf die mit Sicherheit noch höhere Schlagfrequenz im Schmeling-Jahr
2005.
Dienstag,
20. Dezember 2004
Vitali
und Wladimir Klitschko: Unter Brüdern
Sie war längst überfällig, die Lebensgeschichte der
boxenden Brüder aus der Ukraine. Nun haben sie sich endlich,
zusammen mit Fred Sellin, der schon Größen
wie Heinz Rühmann und Boris Becker literarisch verewigt hat,
dazu durchgerungen. Natürlich heißt das Buch "Unter
Brüdern". Dabei werden die bei allem Gleichklang doch verschiedenen
Charaktere - der ernsthafte, ältere Vitali und
der schelmische, jüngere Wladimir – gut
herausgearbeitet. Erstaunlich ist, dass der Faustkampf über weite
Strecken des Buches kaum Erwähnung findet, im ersten Drittel
im Grunde genommen gar nicht. Ist aber auch nicht schlimm, denn die
Erzählungen aus der sowjetischen Kindheit sind spannend genug.
Die strenge Erziehung, die Figur des militärisch geprägten
Vaters und Namen wie Sojus, Breschnew und Tschernobyl lassen Erinnerungen
an eine Zeit wach werden, die so lange noch gar nicht vorbei ist.
Natürlich finden dann doch noch alle wichtigen Kämpfe Erwähnung,
wobei der Olympia-Sieg von Wladimir gegen Wolfgramm und der Kampf
von Vitali gegen Lennox Lewis herausragen. Positiv
ist, dass die schweren Niederlagen von Wladimir nicht beschönigt,
sondern nüchtern beschrieben werden und der Klartext, mit dem
über die Kontroverse mit Promoter Kohl gesprochen wird. Hier
springt das Wort „Vertrauensverlust“ sofort ins Auge.
Bei allem Erfolg und Medienrummel, den sie übrigens als Teil
ihres Berufs definieren, vermittelt dieses Buch den sicher nicht falschen
Eindruck, dass sich hier zwei anständige und bescheidene Athleten
zu Recht nach oben geboxt haben.
Bewertung: Gut geschriebenes Buch, sehr informativ und mit vielen
persönlichen Einsichten. Für die zahlreichen Fans der Klitschkos
sicher genau das Richtige.
| Unter
Brüdern.
von Vitali und Wladimir Klitschko
Preis: EUR 22,90
Gebundene
Ausgabe - Random House Entertainment
Erscheinungsdatum:
Oktober 2004
ISBN:
3809030252
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Stephan
May: Faust trifft Auge – Mythologie und Ästhetik des amerikanischen
Boxfilms
Der Berliner Film- und Fernsehwissenschaftler Stephan May
hat mit seiner Dissertation „Faust trifft Auge“ eine längst
überfällige Untersuchung des Boxkinos vorgelegt. Nach den
akademischen Arbeiten von Karin Rase über Boxen in der Kunst
und Manfred Luckas über Boxen in der Literatur sind nun also
abschließend auch die bewegten Bilder zu ihrem Recht gekommen.
May hat sich dazu als Untersuchungsgegenstand auf das amerikanische
Boxkampfkino der Tonfilmära beschränkt und analysiert Klassiker
des Genres von „Body and Soul“ über „Rocky“
und „Raging Bull“ bis hin zu „Fight Club“.
Bewertung: Eine kenntnisreiche und wichtige Arbeit, die aufgrund
ihres extrem theoretischen Zugriffs aber nur ein hartgesotten-akademisches
Publikum interessieren dürfte.
| Faust
trifft Auge.
von Stephan May
Preis: EUR 26,80
Broschiert
- 300 Seiten - Transcript
Erscheinungsdatum:
April 2004
ISBN:
3899421914
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Clemens
Füsers: Punchline
„Beim Boxen ist es wie in der Liebe, man muss den Gegner da
treffen, wo es weh tut.“ Dieses schöne Zitat stammt von
Schwergewichtler Franz Diener, der durch seine Schlagkraft
nicht nur bei Max Schmeling bleibende Erinnerungen
hinterlassen hat. Der Berliner Autor Clemens Füsers
jedenfalls hat den „Diener“, die bekannte Boxerkneipe
in Charlottenburg, mit in sein Lokalkolorit verwoben, das einem der
besten deutschen Boxerromane der letzten Jahre als Hintergrund dient.
Füsers gelingt es, die Story von Jo Brecht, der es im Ring noch
einmal wissen will, nicht nur spannend und authentisch zu erzählen,
er wird auch nicht das Opfer eigener Klischees. Hier geht es unverblümt
zu Sache, wobei man dem Autor anmerkt, dass er seriös und aufwändig
recherchiert hat. Viele Figuren aus der Szene erkennt der Leser mühelos
wieder und freut sich an den Verzerrungen und Überspitzungen.
Die besondere Würze ergibt sich aber aus einem speziellen, türkisch-deutschen
Verhältnis. Das von Brecht zu Meisterboxer Ali ist dabei durch
Freundschaft, das zu dessen Schwester Dilek durch eine Liebe, die
nicht sein darf und deshalb schlimm endet, geprägt.
Bewertung: Furiose Aktion, packend, spannend, glaubwürdig
– absolut zu empfehlen!
| Punchline.
von Clemens Füsers
Preis: EUR 7,95
Broschiert - 255 Seiten - Aufbau Verlag Berlin
Erscheinungsdatum:
Juli 2004
ISBN:
3746620619
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Thorsten
Becker: Sieger nach Punkten
Held des vorliegenden, fast 1000-seitigen Buchmonsters „Sieger
nach Punkten“ ist Nasrettin Öztürk, Deutscher Meister
im Superfedergewicht (schön wär's, denn der DM-Titel in
dieser Gewichtsklasse ist ja, wie in vielen anderen, vakant!). Nasrettin
steht u.a. im Ring von Beausoleil bei Monaco, um dem Franzosen Marcel
Sandol den EM-Titel abzunehmen. Leider gerät die durchaus gelungene
Kampfbeschreibung quantitativ hoffnungslos in Rückstand, weil
der Autor neben einem Boxerroman zugleich auch noch die ultimative
Geschichte des Osmanischen Reiches bzw. der Türkei schreiben
will. Zwischenzeitlich war der Rezensent sicher erschöpfter als
die Akteure im Ring, hat aber die Hoffnung nicht aufgegeben und auf
Seite 682 die zweite Luft bekommen, um den Lese-Fight anständig
nach Hause zu bringen. Auf den letzten knapp 250 Seiten nimmt der
Roman auf einmal Tempo auf, tritt der affektiert-schwülstige
und dauerbelehrende Ton zum Glück in den Hintergrund, entsteht
so etwas wie Spannung. Da kokst der türkische Haudegen mit dem
Malerfürsten Rufus Mompertz, nimmt die Frauen im Sturm, zermürbt
den französischen Champion und wird am Ende, obwohl man ihn verladen
will, doch noch Europameister.
Bewertung: Weniger ist mehr, und einfach zu schreiben ist das
Schwierigste. Lieber einen Klassiker wie „Schmutziger Lorbeer“
lesen!
| Sieger
nach Punkten.
von Thorsten Becker
Preis: EUR 29,90
Gebundene
Ausgabe - 927 Seiten - Rowohlt, Reinbek
Erscheinungsdatum:
Januar 2004
ISBN:
3498006207
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Waleri
Ripperger: Weidmanns Heil, Max Schmeling!
Tessin liegt nicht nur in der Schweiz, sondern auch in Mecklenburg
und ist die Heimat des WAGE-Verlags, der sich als Fachverlag für
Jäger versteht. Und so ist auch das vorliegende Buch von Waleri
Ripperger eher etwas für Spezialisten, die sich dem
Weidmann Max Schmeling annähern wollen. Das
sehr schöne und hochwertig gemachte Buch bietet aber gerade durch
seine für den normalen Box-Fan etwas abseitige Perspektive interessante
Einblicke in die Person des „Nimrod“ Schmeling, der nicht
nur seine Gegner im Ring fällte, sondern auch den Wildbestand
seiner Heimat tatkräftig dezimierte. Klar und verständlich
geschrieben, wird hier deutlich, warum der Boxer und der Jäger
als Männerbilder zusammen gehören und besonders in den 30er
und 40er Jahren faszinierten. An dieser Stelle kommt die größte
Stärke des Buches zum Tragen: sein exzellentes Fotomaterial,
das von der Kindheit in Klein Luckow über ein doppelseitiges
Porträt mit Jack Dempsey und Fotos von Anny
Ondra bis hin zu unglaublichen Bildern von Hitler und Göring
reicht.
Bewertung: Sicher nicht jedermanns Sache, aber auch nicht ohne
Reiz und für Schmeling-Fans wohl ein Muss. Als Zeitdokument auf
jeden Fall spannend.
| Weidmanns
Heil, Max Schmeling!
von Waleri Ripperger
Preis: EUR 28,00
Taschenbuch
- 418 Seiten - 300 Fotos - Wage Verlag
Erscheinungsdatum:
Oktober 2004
ISBN:
3937216006
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Max
Schmeling: Berührung – CD
„Berührung“ ist ein so schöner wie im wahrsten
Sinne des Wortes treffender Titel für diese gelungene CD, die
manche Überraschung zu bieten hat. Max Schmeling
erzählt aus seinem Leben und wird als Zeitzeuge zitiert, immer
wieder spannend gekontert von Gedichten, die Angelika Waller stimmungsvoll
vorträgt. Ulrich Unterlauf hat mit sicherer
Hand ausgewählt, und so finden wir den „Boxkampf“
von Joachim Ringelnatz neben Erich Kästner, dessen „Dem
ehernen Gesetz des Falles gehorcht auf Erden alles“ wie für
den Ring geschrieben scheint. Dazu gibt es noch jede Menge Ausschnitte
aus Original-Passagen – natürlich die 11. Runde Schmeling
vs. Louis – und interessante Musik, die der gesamten Collage
eine eigenwillige, aber zugleich passende Note verleiht.
Bewertung: Noch mal Kästner: „Es gibt nichts Gutes,
außer man tut es.“ Also unbedingt empfehlenswert –
ein ideales Weihnachtsgeschenk für jeden Faustkampf-Freund.
| Max
Schmeling - Berührung
von Max Schmeling
Preis: EUR 12,99
Unterlauf Verlag - Format: Audio CD
Erscheinungsdatum:
Oktober 2004
ASIN: B0000TPMN6
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Volker
Kluge: Max Schmeling – Eine Biographie in 15 Runden
Über Volker Kluges Buch ist schon viel gesagt
und gestritten worden. Deshalb von der Seite des Rezensenten nur soviel:
Diese Biographie ist von Anspruch und Umsetzung her eine sehr gute
Biographie. Exzellent recherchiert, auf wissenschaftlichem Niveau,
führt sie dem Leser alle wichtigen Stationen im Leben von Deutschlands
größtem Faustkämpfer vor. Der Ansatz, dass Max
Schmeling immer mehr war als nur ein Boxer, ist dabei eine
intelligente Betrachtungsweise. Die teilweise gehässige Kritik
an der Person von Volker Kluge ist m.E. unsachlich und wird ihm nicht
gerecht. Eine bewusste Verunglimpfung Schmelings als Nazi ist nicht
feststellbar, hingegen ist der Respekt vor dessen sportlicher Leistung
immer spürbar. Dass Kluge aber die Missbrauchbarkeit von Idolen
durch Diktaturen analysiert und dabei auch das Verhalten der Sportler
kritisch sieht, ist so wichtig wie richtig.
Bewertung: Sehr erhellend und mit Gewinn zu lesen, aber sicher
noch längst nicht das letzte Wort in Sachen Schmeling.
| Max
Schmeling
von Volker Kluge
Preis: EUR 24,90
Gebundene Ausgabe - 560 Seiten - Aufbau-Verlag
Erscheinungsdatum:
April 2004
ISBN:
335102570X
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