George
Foreman : "Stellenweise Niederschläge."
George
Foreman plant nächstes Jahr ein Comeback. An seinem 56.
Geburtstag, am 10. Januar 2005, will der Ex-Weltmeister ein letztes
Mal im Ring stehen. Vorher jedoch will der schlaggewaltige Schwergewichtler
mit seinem neuen Buch „Stellenweise Niederschläge“
unter Beweis stellen, dass er nicht nur als Boxer und Prediger, sondern
auch als Autor eine Botschaft weiterzugeben hat. Herausgekommen ist
dabei ein Buch voller Lebenserfahrungen: Von Niederschlägen,
die seine Gegner im Boxring hinnehmen mussten, und den Sonnenseiten
seines Lebens, bis hin zu Ratschlägen für alle Leser, wie
man persönliche Niederschläge in einen Vorteil für
sich umwandelt.
Zugegeben – man ist erst einmal geneigt, nicht allzu viel von
diesem Buch zu erwarten, vor allem angesichts der Tatsache, dass George
Foreman nicht als geeignetes Vorbild für ein Buch voller Lebensratschläge
erscheint. Er war als Kind ein Straßenschläger, galt in
seinen ersten Profijahren als einsilbiger und wenig intelligenter
Boxer, ist vier Mal geschieden. Nachdem er seinen Schwergewichts-Titel
1974 zum ersten Mal an Muhammad Ali verlor, lebte
„Big George“ in sich gekehrt und verlor drei Jahre später
einen WM-Ausscheidungskampf gegen Jimmy Young. Nach
der Niederlage berichtete Foreman von einer „Erscheinung“,
die ihn in seiner Kabine heimgesucht hatte, und beendete seine Karriere,
um Prediger zu werden. Alles in allem recht wenig gute Voraussetzungen
für ein intelligentes Buch.
Seither jedoch hat sein Leben eine unerwartete und höchst erfolgreiche
Wendung genommen. Foreman arbeitete zehn Jahre erfolgreich in diversen
Kirchen, wurde 1994 mit 45 Jahren der älteste Schwergewichts-Weltmeister
aller Zeiten und verdiente mit seinen fettarmen Grills Millionen.
Zudem wurde er ein beliebter Box-Kommentator bei dem US-Sender HBO
und ein Symphatieträger auf dem ganzen Globus.
Irgendetwas
muss sich also geändert haben in seinem Leben. In seinem Buch
greift Foreman (Foto) darum auch immer wieder auf Beispiele
aus seiner eigenen Vergangenheit zurück, um aufzuzeigen, was
er daraus lernte und was auch der Leser daraus lernen kann. Und obgleich
viele seiner Ratschläge ganz einfach klingen und manches Mal
auch nicht neu sind, vermag der Ex-Weltmeister sie anhand eigener
Erlebnisse doch so überzeugend und eindringlich zu schildern,
dass am Ende von vielen Kapiteln etwas beim Leser hängen bleibt.
Sei es die Erkenntnis, dass man niemals zu alt ist, um für etwas
zu kämpfen. Oder dass es sich lohnt, anderen Menschen zu vergeben,
wie Foreman an einem Beispiel eines seiner Pferde veranschaulicht,
das ihn fast getötet hatte:
„Ich
konnte also einem Pferd verzeihen, das mich gebissen hatte, und einem
weiteren, das mich fast umgebracht hatte. Aber es scheint so, dass
uns Menschen einmal verärgern können und wir schließen
über Nacht endgültig mit ihnen ab. Wir können einem
Tier vergeben und einem anderen Menschen jahrelang etwas nachtragen.“
Mit „Stellenweise Niederschläge“ ist George Foreman
ein schönes Kleinod auf dem Markt der Autobiographie- und „Lebenshilfe“-Bücher
gelungen. Auf 141 Seiten verknüpft der Boxer und Prediger dabei
beide Genres liebevoll miteinander. Erfreulicherweise verzichtet Foreman
dabei auf jedwede Art von christlicher „Bekehrung“ –
sein tiefer Glaube zu Gott spielt in diesem Buch keine Rolle, taucht
darin mit keiner Silbe auf.
Bewertung: Dieses Buch ist so liebevoll und anschaulich geschrieben,
dass man es einfach mögen muss. Sicherlich nichts für Freunde
der Schilderung reiner Kampfdetails - vielmehr eine Art „Wetterbericht“
aus dem Leben eines außergewöhnlichen Mannes.
Freitag,
15. Oktober 2004