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Buchvorstellungen:
"Literatur für die Runden 7-12"
von
Dr. Manfred Luckas
Eine
Sammelrezension der im ersten Halbjahr 2003 in Deutschland erschienenen
Literatur rund um den Boxsport.
Vor einem
Jahr hat BoxingPress den Büchermarkt nach literarischen Wirkungstreffern
durchsucht. Unser damaliger Erfolg hat uns bewogen, eine Neuauflage zu
starten und damit sozusagen die Rundenzahl für unsere boxbegeisterten
Leser zu komplettieren. Hier sind also wieder drei Titel, die es sich
unseres Erachtens zu lesen lohnt:
Horst
Eckert: Ausgezählt.
Wenn
sich ein profilierter und erfolgreicher Krimiautor daran macht, einen
"Boxerkrimi" zu schreiben, muss das nicht unbedingt gut gehen.
Zu oft dient der Faustkampf diesem literarischen Genre als klischeehafte
Dekoration, als die immer gleiche und ermüdende Story vom dreckigen
Boxbusiness und der Allgegenwart des Rotlichtmilieus. Horst Eckert
gelingt es aber, diese Stereotype zu vermeiden und sich unserem Sport
fair, kenntnisreich und gut recherchiert zu nähern. Die Geschichte
von "Puma" Bruno Wegmann, seines Zeichens Polizist, der sich
auf einen Kampf gegen seinen Kollegen, den "Hammer" Thorsten
Janosch, vorbereitet, ist glaubwürdig und spannend inszeniert: "Unsere
Helden werden es Ali und Frazier gleichtun. Sie werden dem Publikum eine
Vorstellung ihrer unerschrockenen Bereitschaft geben, sich überall
dem Verbrechen zu stellen. Dem Sieger winkt die Beförderung. Der
Kampf wird das Image der Polizei in dieser Stadt und dem gesamten Land
befördern."
Eckert stellt hier eine interessante Variante des Themas "sozialer
Aufstieg durch Boxen" vor. Wer im Boxkampf siegt, kommt beruflich
voran, und gleichzeitig ist das Boxen auch ein Symbol für den Kampf
der Polizei gegen die Kriminalität. Sicher hat sich Eckert bei seinem
Krimi von James Ellroys "Schwarzer Dahlie" inspirieren
lassen, dem Boxen-im-Polizeimilieu-Roman überhaupt, aber das tut
der Qualität keinen Abbruch, ebenso wenig wie die an "Rocky"
angelehnten exzessiven Trainingsmethoden von Bruno. Auf jeden Fall weiß
der Autor etwas von der Geschichte des Boxens und ist in der Lage, sie
in eine interessante Handlung umzusetzen. Wer den Kampf am Ende gewinnt,
der "Puma" oder der "Hammer", wird natürlich
nicht verraten!
Bewertung:
Spannend und authentisch – für Krimi- wie für Boxfans zu empfehlen!
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Ausgezählt.
von Horst Eckert
Preis: EUR 10,40
Broschiert - 406 Seiten - Grafit Verlag Dortmund
Erscheinungsdatum: März 2002
ISBN: 3894252650
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Sven
Ottke: Ich lebe meinen Traum
Die
literarische Gattung der Autobiographie feiert zur Zeit ein glänzendes
Comeback. Lange Jahre als irrelevant und blutleer totgesagt, haben sich
Dieter Bohlen und Stefan Effenberg erfolgreich um ihre Reanimation
bemüht. Wo Popstars und Fußballer ihr Unwesen treiben, dürfen
die Boxer nicht fehlen, hat sich wohl unser "Svennie" gedacht
und zusammen mit dem Sportjournalisten Andreas Lorenz seine Vita
zu Papier gebracht. Herausgekommen ist dabei "Ich lebe meinen Traum",
und um es gleich zu sagen: An Max Schmelings "Erinnerungen"
kann es nicht anknüpfen, aber Sven Ottke ist ja auch kein
Schwergewichtler! Wenn man sich erst einmal an das Layout des Buches gewöhnt
hat – ein Leberhaken für jeden Ästheten – lassen sich der Lektüre
doch einige interessante Aspekte abgewinnen. Natürlich schreibt Ottke
das, was jeder Boxer in seiner Autobiographie schreibt: "Durch
Boxen bin ich das geworden, was ich bin. Das ist meine feste Überzeugung
bis heute. Durch Boxen habe ich damals die Probleme meiner Jugend bewältigt
und habe etwas gefunden, was mich so beschäftigte, dass die Sachen,
die mich belastet haben, eher zur Nebensache wurden." Auch die
Ausflüge in die Privatsphäre des Weltmeisters unterscheiden
sich nicht wesentlich von altbekannten Schilderungen.
Aber wenn es dann um das Boxen selbst geht, die lange und erfolgreiche
Amateurkarriere etwa oder darum, wie er den Titel gegen Charles Brewer
gewann oder wie sein Betreuerstab Anthony Mundine unterschätzt
hatte, fühlt man sich gut informiert und erfährt viel bisher
Unbekanntes aus dem Sportler-Leben des Spandauers. Ottke, den im Osten
viele für einen "Ossi" halten, zollt Gegnern wie dem eisenharten
und mutigen Kämpfer Ali Saidi Respekt. Dass ist gut so und
verdient Anerkennung. Seine Ausführungen zum Boxen in Amerika aber
sprechen jeder Form von Objektivität und gesundem Menschenverstand
Hohn: "Das ist diese Boxauffassung in den USA: Erst du zweimal
am Boden, dann ich zweimal am Boden und wer beim dritten Mal liegen bleibt,
der hat eben verloren. Ich kann damit nichts anfangen, das ist mir viel
zu primitiv."
Bewertung:
Für die zahlreichen Ottke-Fans ein Muss, für Ottke-Gegner ein
gefundenes Fressen.
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Ich
lebe meinen Traum
von Sven Ottke und Andreas Lorenz
Preis: EUR 19,95
Gebundene Ausgabe - 224 Seiten - Wero Press Pfaffenweiler
Erscheinungsdatum: März 2003
ISBN: 398080495X
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Bertram
Job : Boxen.
"Was
sind 8 Millionen Dollar gegen 8 Millionen Kubaner, die mich lieben?"
Dieses wunderbare Zitat des großen Teofilo Stevenson findet
sich in Bertram Jobs schönem Buch "Boxen", und natürlich
noch viel mehr...so viel, dass man gar nicht weiß, wo man anfangen
soll. Vielleicht einfach damit, dass es in Deutschland noch Verlage gibt,
die mit dem Begriff "bibliophil" etwas anfangen können.
Der Feierabend-Verlag hat es sich nicht nehmen lassen, einem guten Buch
einen würdigen Rahmen zu geben – Gratulation für die gelungene
Premium-Ausgabe, die allein schon den Preis rechtfertigt. Aber selbstredend
hat die Qualität dessen, was da zwischen den Buchdeckeln steht, auch
seinen Teil beigetragen. Es ist immer wohltuend, wenn sich Boxautoren
zu Wort melden, die erstens schreiben und zweitens eine langjährige
und unbestrittene Faustkampf-Kompetenz in die Waagschale werfen können.
So einer ist Bertram Job, und sein Werk ist von der Mission durchdrungen,
ein für alle Mal alles zum Thema Boxen zu sagen. Kein literarischer
Punktsieg wird angestrebt, sondern der Knockout.
BoxingPress hat versucht, etwas zu finden, was fehlt, aber es gibt nichts.
Die historischen Wurzeln des Faustkampfes finden ebenso Erwähnung
wie das Boxbusiness, große Fighter und legendäre Fights haben
ihren Platz neben Regelkunde, Produktgeschichte und einem Anhang, der
alle Weltmeister der Moderne verzeichnet. Auch das Amateurboxen kommt
zu seinem wohlverdienten Recht. Lobenswert ist die bei allem Engagement
durchgängige Objektivität, die der Autor seinem Gegenstand angedeihen
lässt und der globale Blick, der sich von der medialen Fixiertheit
auf das deutsche Boxen angenehm abhebt. Endlich erfahren die Leser hierzulande
etwas über "La vida loca" Johnny Tapia oder über
Größen der Vergangenheit wie Jack Johnson, Georges
Carpentier, Harry Greb und viele mehr. In dem Kapitel "Gyms
and Camps" steht ein Zitat, das nicht nur für das Boxen, sondern
sicher auch für das Schreiben dieses Buchs Gültigkeit hat: "Arbeite!
Niemand hat jemals behauptet, dass es leicht ist. Wenn es Spaß wäre,
würden es alle tun!"
Bewertung:
Kaufen, lesen, Boxfan werden – absolut zu empfehlen!
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Boxen.
von Bertram Job
Preis: EUR 49,95
Gebundene Ausgabe - 420 Seiten - 540 Abbildungen - Feierabend Verlag
Berlin
Erscheinungsdatum: Januar 2003
ISBN: 3936761035
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