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Buchvorstellungen:

Neue Boxbücher im Herbst 2005
von Dr. Manfred Luckas



Max Schmeling und Joe Louis -
Kampf der Giganten - Kampf der Systeme

Nach den Schmeling-Biografien von Volker Kluge, David Pfeifer und Martin Krauss hat der amerikanische Autor David Margolick nun ein über 500 Seiten starkes Werk vorgelegt, das sich vor allem auf die Auseinandersetzung zwischen Max Schmeling und Joe Louis konzentriert. Neben den beiden Kämpfen von 1936 und 1938 schildert der ehemalige Gerichtsreporter dabei nicht nur die Lebenswege der beiden Boxlegenden, sondern vor allem auch die gesellschaftlichen Begleitumstände. Dies geschieht kenntnisreich und mit viel authentischem Zeitkolorit, doch manchmal verstellt die Detailversessenheit Margolicks den Blick auf das große Ganze.

Eine Stärke des Buches sind aber zweifellos die umfangreich versammelten Pressestimmen, die zu jedem Ereignis ein differenziertes Urteil ermöglichen. Von New York Times und Herald Tribune über Associated Negro Press und Afro-American bis hin zu “Angriff” und “Völkischem Beobachter” wird aus allen wichtigen Quellen der damaligen Zeit zitiert. Und auch fast alle bedeutenden Box-Autoren der Epoche – Jimmy Cannon, Damon Runyon, Paul Gallico u.v.m. – kommen zu Wort. Um so unverständlicher ist es, dass die vorliegende deutsche Ausgabe weder einen Quellenapparat noch ein Literaturverzeichnis besitzt und damit die Recherchearbeit Margolicks und seines Teams entwertet bzw. für den Leser nur schwer nachvollziehbar macht. Was sich der Verlag dabei gedacht hat – auch die obligatorische Danksagung fehlt – steht in den Sternen.

Zum Glück wird der Ärger über diese Tiefschläge immer wieder durch den Inhalt des Buches aufgewogen. Wie Margolick z.B. die Rolle des jüdischen Boxens im Zusammenhang mit Max Baer skizziert oder wie er den brutalen Rassismus, der Joe Louis im eigenen Land entgegenschlug, benennt, dokumentiert hohes Niveau. Die Kampfbeschreibungen der beiden Fights sind lebendig, spannend und vor allem atmosphärisch sehr gelungen. Dies gilt insbesondere für den Rückkampf 1938, dessen politisch aufgeheiztes Klima regelrecht greifbar wird. Diesem Kapitel widmet Margolick immerhin 40 Seiten, die an dieser Stelle jedoch angemessen erscheinen, um den Kampf der Systeme, für den die beiden Boxer nur Platzhalter waren, verständlich zu machen. Ein durchaus Schmeling-kritischer, wenn auch ausgewogener Epilog, der u.a. auf die beiden nach dem Boxen so unterschiedlichen Lebensläufe von Schmeling und Louis eingeht, rundet das Buch ab.

Bewertung: Abgesehen von den erwähnten Versäumnissen des Verlags und der manchmal hölzern wirkenden Übersetzung gibt es an diesem Buch nicht viel auszusetzen. Etwas weniger wäre sicher mehr gewesen, aber ansonsten eine empfehlenswerte Lektüre.

BildMax Schmeling und Joe Louis - Kampf der Giganten - Kampf der Systeme.
von David Margolick, Hans Freundl

Preis: EUR 23,90

Gebundene Ausgabe - 500 Seiten - Blessing

Erscheinungsdatum: September 2005
ISBN: 3896671693

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Im Dickicht der Fäuste – Vom Boxen.

Mit gutem Timing hat dtv zum 100. Geburtstag von Max Schmeling einen literarischen Sammelband herausgegeben, in dem alle Box-Texte von Wolf Wondratschek enthalten sind. „Im Dickicht der Fäuste“ lautet der Titel des rund 220 Seiten starken Buches, das den Leser mit den literarischen Erzeugnissen des Autors konfrontiert. Diese sind in Reportagen und Stories, Gedichte sowie Artikel und Interviews unterteilt und bieten, um es kurz zu sagen, wenig Neues. Alle Reportagen und Stories, also über zwei Drittel des Buches, finden sich schon in „Menschen Orte Fäuste“ von 1987 bzw. in der 1996 erschienenen, erweiterten Version gleichen Namens wieder. Diesen Part können sich Freunde und Kenner der Boxliteratur also getrost sparen.

Wem die Geschichten noch unbekannt sind, dem kann man „Im Wendekreis des Solarplexus“ und „Die Peitsche knallt immer am Ende“ durchaus empfehlen, die Story „Danke, Schmeling“ jedoch definitiv nicht. Hier landet der für Wondratschek oft typische, d.h. schwülstige, pathetische und geschwätzige Stil einen Tiefschlag nach dem anderen und dürfte auch dem größten Schmeling-Fan zu viel des Guten sein. Von den Gedichten weiß das erste - „Nimm mein Mädchen“, sagt der Boxer, „alles andere ist zu kompliziert!“ immerhin nicht nur vom Titel her zu gefallen. Hat sich der Leser durch die anderen drei durchgekämpft, steht er am Ende mit den Artikeln und Interviews im Ring, die zumindest Handfestigkeit versprechen. Und in der Tat sind diese Schlussrunden die besten des Buches. Seinem schwierigen Pendant Norbert Grupe, dem Prinzen von Homburg, entlockt der Autor einige denkwürdige Statements, und sein 2001 erschienener Text über Wladimir Klitschko überzeugt durch Kompetenz und Weitsicht.

Wondratscheks Analyse kann man hier, auch vier Jahre später, nicht viel hinzufügen. Schade, dass sich der Verlag die Angaben, wo die einzelnen Artikel und Interviews erschienen sind, gespart hat. Auch an anderer Stelle ist die Deckung ein bisschen löchrig. Der Klappentext auf der Rückseite besteht nämlich aus dem Zitat „Es müssen die Fledermäuse in die Trompeten blasen, die Schlangen kreischen und die Alligatoren sich verschlucken, das ist dann Boxen.“ Hier hätte klargestellt werden müssen, dass es sich 1.) um einen Ausspruch von Muhammad Ali handelt, der 2.) die Erfahrung nach einem Niederschlag beschreibt. Ohne die Kenntnis dieses Zusammenhangs bleibt der Satz mehr oder weniger sinnlos.

Bewertung: Hoffentlich bleibt uns ein weiterer Box-Sammelband von Wondratschek, z.B. zu Alis 70. Geburtstag, erspart.

BildIm Dickicht der Fäuste – Vom Boxen.
von Wolf Wondratschek

Preis: EUR 12,50

Broschiert - 217 Seiten - Dtv

Erscheinungsdatum: August 2005
ISBN: 3423133627

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