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Buchvorstellung:
Schmeling. Die Karriere eines Jahrhundertdeutschen
von Dr. Manfred Luckas


Martin Krauß: "Schmeling. Die Karriere eines Jahrhundertdeutschen"

Der Berliner Sportjournalist Martin Krauß zählt, was die Disziplin "Bücher über Boxen" angeht, zu den Schwergewichtlern in Deutschland. Darauf sind Boxfans auch dringend angewiesen, ergeht sich die TV-Berichterstattung zum Faustkampf doch leider oft in flachsinnigen Tiefschlägen.
Nach seiner Geschichte des deutschen Berufsboxens hat Krauß nun, wieder im Göttinger Verlag Die Werkstatt, ein zweites Standardwerk vorgelegt. Um es gleich vorweg zu nehmen: Seine Max Schmeling-Biografie ist gelungen, was sie vor allem der Tatsache verdankt, dass der Autor das umfangreiche Material souverän sichtet und handhabt. Kurze, kompakte Kapitel informieren übersichtlich und zugleich mit Tiefgang über den Lebensweg des bis dato einzigen deutschen Champions aller Klassen. Dabei liegt der Fokus eindeutig auf den 20er und 30er Jahren, während sich die Schilderung der Zeitspanne Kriegsende bis Tod auf das Notwendige beschränkt. Die Absicht von Krauß liegt nicht darin, eine komplette Vita nachzuerzählen, sondern eine Antwort darauf zu finden, warum Schmeling hierzulande „larger than life“ war, ist und nun - als Mythos - auch immer sein wird.

Obwohl die ja gar nicht so goldenen 20er Jahre mittlerweile gut erforscht sind, bleibt man als Leser fasziniert davon, welchen Stellenwert der Faustkampf in dieser Epoche hatte. Krauß zeigt in dem Abschnitt „Paganini, Mussolini“ aber zudem, wie früh Schmeling als politisches Symbol vereinnahmt wurde, wenn auch nach seinem Sieg über Bonaglia 1928 für die Sache der Demokratie. Doch das Muster für spätere Zeiten – die Kämpfe gegen Joe Louis lassen grüßen - ist hier schon angelegt, etwas für Schmeling Typisches, wie „er sich auf die historische Entwicklung einlässt, wie er das jeweils für sich Beste herausholt und doch auch immer Gutes tut.“ In diesem Zusammenhang erfährt man auch, was aus den anderen Schwergewichtlern der Zeit geworden ist: Franz Diener, Hans Breitensträter und allen voran Ludwig Haymann haben sich nach 1933 sofort dem neuen System angedient, waren schon lange vorher in rechtsextremen Kreisen aktiv. Das Thema Schmeling und die Nazis ist natürlich ein zentrales, es kann und darf bei allem Respekt vor den Leistungen des größten deutschen Boxers nicht unberücksichtigt bleiben. Krauß macht aber nicht den Fehler, sich in seinen Gegenstand zu verbeißen, sondern arbeitet sachlich die Ambivalenz von einem derjenigen heraus, „die ihren Ruhm in Nazideutschland erwarben, ohne Nazis zu sein.“ Sein Resümee über den Menschen Schmeling fällt letztendlich kritisch aus: „Max Schmeling war kein Nazi, und er hat vielen Menschen in der Zeit der Nazidiktatur geholfen zu überleben. Dennoch hat Schmeling, indem er sich vom Goebbels’schen Propagandaministerium als unpolitisches Sportidol präsentieren ließ, zur Stabilität des NS-Systems beigetragen.“

Bewertung: Von den jüngst erschienenen Schmeling-Biografien die beste. Ihre größte Stärke liegt neben dem gut aufbereiteten Informationsgehalt in der ausgewogen kritischen Sichtweise, die das Idol nicht schont, ohne es bösartig zu demontieren.

BildSchmeling. Die Karriere eines Jahrhundertdeutschen.
von Martin Krauß

Preis: EUR 18,90

Gebundene Ausgabe - 264 Seiten - Verlag Die Werkstatt

Erscheinungsdatum: Februar 2005
ISBN: 3895334723

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