David
Pfeifer: "Max Schmeling. Berufsboxer, Propagandafigur, Unternehmer
– Die Geschichte eines deutschen Idols."
Nach
der sehr umfangreichen Biografie von Volker Kluge
und der sehr guten von Martin Krauß ist nun
im Frankfurter Campus Verlag ein weiterer literarischer Versuch
erschienen, des Phänomens Schmeling habhaft zu werden. Der
Autor David Pfeifer, als Journalist u.a. für
den STERN und GEO tätig, wurde vom Magazin GQ als „Champion
im Passivboxen“ bezeichnet und weiß in der Tat durch
einen schönen, flüssigen Schreibstil zu gefallen. Man
fliegt geradezu durch dieses Buch, was aber vielleicht auch daran
liegt, dass man sich nur an wenigen Stellen wirklich fest liest.
Obwohl 100 Seiten länger als die Krauß-Biografie, ist
der reine Informationsgehalt im Vergleich niedriger, kommen die
Fakten etwas schaumiger daher. Wirklich neue Sachverhalte auf der
Basis von Quellen- und Archivarbeit sind nicht zu erkennen.
Im
Pressetext des Verlags wird die Pfeifer-Biografie als „ideales
Geschenkbuch“ angepriesen, und diese Einschätzung stimmt,
denn für Einsteiger ist der Text auf jeden Fall lesenswert.
Dies liegt u.a. daran, dass der Autor von Zeit zu Zeit auf das Boxen
allgemein eingeht, wenn er z.B. zu Beginn einen kleinen Exkurs in
die Geschichte des Schwergewichts unternimmt. Auch der Aufbau der
einzelnen Kapitel - mit einem markanten Zitat zu Beginn und Auszügen
aus dem Lehrbuch „Meine Methode des Boxens“ von Georges
Carpentier am Ende - sorgt für ein aufgelockertes
Leseerlebnis. Abgesehen von einigen Fehlern (der Schlagriemen der
antiken Faustkämpfer heißt caestus) ist das Buch anständig
recherchiert und überzeugt auch bei der Einschätzung der
ambivalenten Persönlichkeit Schmelings durch einen klar artikulierten
Standpunkt.
Bewertung: Kein schlechtes Buch, das aber sein Lesepublikum
eher aus den Reihen der interessierten Laien rekrutieren dürfte.