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Boxingpress-Fancorner:
Die Leiden eines Boxfans...
...beim Anblick von verfetteten, trainingsfaulen Millionären.


von Christian Meiller

(19. April, 2002)

Manchmal braucht es einen letzten Anstoß, um sich mit gewissen Themen auseinanderzusetzen. Diesen haben am vergangenenen Wochenende die Akteure in den mit Spannung erwarteten Schwergewichtskämpfen zwischen David Tua und Fres Oquendo sowie Lance (Goofi) Whitaker gegen Ray Austin (der Unschuldigste in diesem Quartett) erbracht. Sie haben an diesem Kampfabend in Chester, West Virginia, eindrucksvoll demonstriert, wie man Karrieren effektiv verludern kann. Jeder auf seine ihm eigene Art...

Die Protagonisten im Einzelnen:

1. David Tua : fett und trainingsfaul

Schaufensterkrankheit (AVK)Stadium II: ...Sobald der Patient eine bestimmte Strecke, die beschwerdefreie Gehstrecke genannt wird, gegangen ist, entwickelt sich ein hochgradiger Durchblutungsmangel der Wadenmuskulatur. Es kommt zu Schmerzen und Krämpfen in der Wade, der Patient beginnt zu hinken und muss schließlich stehenbleiben. Jetzt erholt sich die Muskulatur wieder, die Schmerzen verschwinden, der Patient geht weiter, um nach kurzer Zeit unter den gleichen Beschwerden wie zuvor stehenzubleiben....

Sofern Tua (Foto) unter der oben beschriebenen Krankheit leidet, würde das zumindest seine zuletzt gezeigten Leistungen erklären. Der samoanische "Kampfzwerg" kam -wie immer in seinen letzten Kämpfen- auch diesmal mit Übergewicht in den Ring. Wie immer gab es vor dem Kampf zahlreiche Ankündigungen, daß man im Training diverse Sachen ausprobiert habe und der "Tuaman" nun zur ultimativen Zerstörungswaffe mutiert sei. Und wie immer ist alles nur ein laues Lüftchen aus dem Tua-Lager. Im Gegenteil: Der heutige Tua, ausgestattet mit dem Aktionsradius einer Weinbergschnecke im Winter, ist nach wie vor bemüht, seinem Gegner hinterherzutrotten wie ein 14-jähriger, arthrose-geplagter Rauhaardackel seinem Herrchen. Sogar hecheln tut Tua wie dieser schon, und das nach zwei bis drei Runden. Evtl. sollte man ihm noch ein Halsband umhängen und ein warmes Körbchen in den Ring stellen. Denn Tua will es anscheinend richtig gemütlich haben beim Boxen. Bloß keine Versuche, dem Gegner den Weg abzuschneiden, ihn mal richtig zu stellen. Oder um Gottes Willen nicht öfter als fünf Mal pro Runde schlagen! Der Puls könnte in gesundheitsschädliche Höhen getrieben werden. Und auf die Gesundheit muß achten, wer heutzutage den Anspruch hat, einmal Schwergewichts-Weltmeister zu werden....

Traurig, daß jemand, der einst im Kampf mit Ike Ibeabuchi den Weltrekord für die am meisten abgefeuerten Schläge gebrochen hat, anscheinend nichts mehr zu bieten hat außer einem starken Punch und jeder Menge Übergewicht...

2. Fres Oquendo: überheblich

Noch trauriger ist jedoch, daß es recht gute Boxer wie Fres Oquendo gibt, die lieber mit Tua rumspielen und ihn angrinsen, anstatt konsequent ihren Stiefel herunter zu boxen. Wenn Tua für Eines bekannt ist, dann dafür, daß meist die Lichter ausgehen, wenn einmal einer seiner Haken oder Heumacher ins Ziel kommt. Einen Oquendo schockt das jedoch nicht, ein Oquendo lernt auch nicht aus den Fehlern eines Lennox Lewis, der grimmassen-schneidend von Hasim Rahman ausgeknockt wurde. Und so ist es nur recht und billig, daß Tuas linker Haken am vergangenen Samstag nach etlichen Irrwegen doch noch Oquendos Kinn fand und diesen niederstreckte. Oquendo hat es also vorgezogen, Spielchen zu spielen, statt bald in einem Titelkampf kräftig abzukassieren. Jedem seine freie Entscheidung, Amerika ist schließlich ein freies Land. Übel nehmen darf man es Oquendo trotzdem, denn wegen ihm darf David "Speedy Gonzales" Tua wieder mit dem Prädikat "Weltklasse" durch die Ringe dieser Welt rollen.

3. Mount "Goofi" Whittaker: immer fetter

Goofi Whittaker, ein Ex-Hoffnungsträger, der noch vor zwei Kämpfen auf dem Weg zu einem Titelkampf war. Doch selbst für einen Boxer mit einer Körpergröße von knapp zwei Metern gelten gewisse Ernährungs- und Trainingsgrundsätze. War Whitaker schon im Kampf gegen McCline überhaupt nicht austrainiert, hat er jetzt nochmal ein paar Kilo draufgepackt und machte seinem Namen "Goofi" alle Ehre. Er scheint nämlich tatsächlich vom einst hoffnungsvollen Schwergewichtler zu einer Witzfigur zu mutieren. Unbestätigten Berichten zufolge war Whittaker konditionell schon am Ende, bevor der Fight losging.

Dies sind lediglich ein paar Beispiele vom vergangenen Wochenende. Schaut man sich aber einmal die letzten Wochen/Monate/Jahre genauer an, bleibt eine überraschende Erkenntnis: Es kommt einfach viel zu häufig vor, daß sich eigentlich ambitionierte Boxer nicht professionell vorbereiten.

Die Liste der Schuldigen und Faulen ist lang und da wir ja hauptsächlich von Schwergewichtlern sprechen: James Toney ist jetzt auch Einer, herzlichen Glückwunsch! Vor Jahren (also vor ca. 20.000 Big Macs in "Toney Zeit") noch ein Superstar im Mittel- und Supermittelgewicht, hat der US-Amerikaner nach seiner Niederlage gegen Roy Jones wohl beschlossen, den kleinen Salatteller gegen den mit den Schweinekottelets auszutauschen. Fairerweise muß man sagen, daß Toney inzwischen wieder aussieht wie ein Mensch, und wohl sogar in der Lage ist, das Cruisergewicht zu bringen.

Riddick Bowe hat kurz nach seinem ersten Titelgewinn 1992 damit begonnen, eifrig Kilos auf seinen bereits gut bepackten Körper draufzufressen. Seine Faulheit und sein Übergewicht haben sicherlich ihren Teil dazu beigetragen, daß Bowe am Ende seiner Karriere gegen Andrew Golota so bescheiden aussah. Golota war anscheinend so angewidert vom Fettbauch Bowes', daß er daraufhin beschloss, andere Weichteile seines Gegner zu malträtieren.

Michael Moorer, ebenfalls schuldig der Fettleibigkeit! Dachte, er könnte Holyfield im Revanche-Kampf im Vorbeigehen -und mit Bierbauch- ausknocken. Weiteres Opfer: James "Buster" Douglas, unglaubliche Gewichtszu- und gleichzeitige Leistungsabnahme nach dem Sensationssieg gegen Mike Tyson. Selbst Tyson (Foto), in früheren Tagen immer mit optimalen Kampfgewicht, hatte zuletzt Rekordgewicht im Kampf gegen Brian Nielsen mitgebracht. Mit 108 kg wog Tyson über 7 kg mehr als jemals zuvor in seiner bisherigen Profi-Laufbahn. Keine professionelle Einstellung, wenn man bedenkt, was für ein schwerer Kampf ihm im Juni bevorsteht.

Auch hoffnungvolle Fighter, die noch rein gar nichts bewiesen haben, lassen oft schon die nötige Disziplin vermissen. Und das längst nicht nur im Schwergewicht, wie man vielleicht annehmen dürfte. Der Trainer von Megatalent Francisco "Panchito" Bojado (Foto) wurde gerüchteweise von tagelangen Weinkrämpfen geschüttelt, als er den Zustand seines übergewichtigen Schützlings zum Start des letztenTrainingscamps sah (die Rede war von 8-10 Kilo Übergewicht). Selbst nach intensiver Vorbereitung konnte Bojado das Junior-Weltergewicht nicht bringen und hatte zwei Pfund zuviel auf den Rippen. Die Niederlage gegen einen wesentlich weniger talentierten, aber weitaus besser vorbereiteten Juan Carlos Rubio hat Bojado hoffentlich gelehrt, daß man selbst mit tonnenweise Talent nicht sechs mal täglich bei McDonalds dinieren darf.

Auch der als talentiert angesehene Junior-Weltergewichtler Hector Camacho Jr. tut alles, um nicht Weltmeister zu werden. In einer Gewichtsklasse, die vor überragenden Leuten nur so strotzt, sah er keine Notwendigkeit, austrainiert zu seinem letzten Kampf zu erscheinen. Er verlor und verkündete anschließend, er habe den Gegner unterschätzt und war nicht top-vorbereitet. Damit hat sich auch Camacho endgültig als Scherzkeks der naiven Sorte geoutet.

Was denken sich solche Sportprofis eigentlich? David Tua denkt sich vermutlich "fressen und gefressen werden", aber was denken die Anderen? Etwa, daß sie in zehn Jahren mit einem Kampfrekord von 50-0 zurücktreten, ohne jemals gefordert worden zu sein?

Was sind das nur für Ausreden wie "ich war nicht top-vorbereitet" oder "ich habe den Gegner unterschätzt"? Nicht vorbereitet – als Profi, bei nur drei Kämpfen im einem Jahr? Wo gibt es denn sowas? Die Rede ist ja hier nicht von harmlosen Backgammon-Duellen, sondern von einem Kampfsport mit gesundheitlichen Risiken. Bei den meisten Sportarten wird ein Sportler nur im übertragenen Sinne bei mangelhafter Vorbereitung verprügelt, beim Boxen kann das auf Kosten der körperlichen und geistigen Gesundheit geschehen.

Hoffnungsvolle Fighter, die nur ein paar Kämpfe von den großen, geldbringenden Kämpfen entfernt sind, kriegen ihren Allerwertesten nicht hoch zum Trainieren. Sie kommen mit massig Übergewicht ins Trainingslager oder haben oft anscheinend gar keine Ambitionen, Übergewicht in irgendeiner Weise abzutrainieren (vor allem Schwergewichtler). Ganz nach dem Motto: Im Schwergewicht darf ich so fett sein, wie ich will. Man sollte wirklich einmal untersuchen, wieviele Schwergewichtler aus eigener Schuld an Übergewicht leiden. Vermutlich sind es weit mehr als unter den fettleibigen Damen im Tenniszirkus. Sie alle fallen unter die Kategorie "Leistungssportler"...weiterhin guten Appetit!

 

Die im "Boxingpress-Kommentar" geäußerten Meinungen geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

 

 
     

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