Die Boxingpress-Glosse:
Mahlzeit!
von Klaus Leifeld
(07. August,
2001) Die Medien sind dem Hochadel von je her zugetan und sind auch
immer wieder bereit "Interessantes" aus deren hochherrschaftlichem Leben
gegen Bares zu verbreiten, um das gemeine Volk zu informieren, wie es
sich so als Adeliger lebt.
Dieses Informationsbedürfnis
auf beiden Seiten hat in der jüngeren Vergangenheit desöfteren dazu beigetragen,
dass wir bitter lernen mussten: Auch der Adlige an sich ist ein "gemeiner"
Mensch. Es gibt den "Prügel- und Pinkelprinzen", die "Schnacksel-Fürsin"
und den Prollprinz: Prinz Frederic von Anhalt (Foto), geboren
im Schwäbischen Ende der 40er Jahre als Hans-Robert Lichtenberg, Sohn
eines Polizisten.
Die Welt
selbst ignorierte aber lange Zeit den jungen Mann. Das grämte Hans-Robert
und ist auch der Grund, warum wir nicht viel über seine Vergangenheit
wissen, sie liegt weitgehend im Dunkeln. Irgendwann muß es ihn aber ins
Rheinland verschlagen haben. Und hier traf er einen Mann, den sie heute
noch den schönen Konsul nennen. Hans-Hermann Weyer, so der Name
des Konsuls, fand 1978 eine neue Mutti für Hans-Robert: Prinzessin Marie
Auguste von Anhalt. Die hatte ihre Gründe, Hans-Robert zu adoptieren,
der von der Welt nun endlich nicht länger ignoriert wurde, denn jetzt
war er ein Prinz und nannte sich Frédéric.
Auf einem
fernen Kontinent lernte er schon bald eine Prinzessin kennen, die lebte
in einer Stadt namens Hollywood. Die Prinzessin war zwar nicht von Adel,
aber von Ruhm, und hieß Zsa Zsa Gabor. 1986 heirateten die beiden
und sind seitdem ein Traumpaar. Damit es so bleibt, und weil der Prinz
höflich und dankbar ist, erzählt er der Welt viele Geschichten über sich.
Soweit - so gut.
Mangels VIP-Masse
hat nun Deutschlands Boxsender Nr.1 diesem Prinzen ein Ticket zum Kampf
von Wladimir Klitschko geschenkt und den besagten Hans-Robert vor
dem Kampf um ein paar Statements gebeten. Er sagte "dass er froh sei,
dass endlich der Klitschko den amerikanischen Großmaul-Handtüchern mal
ein paar europäische Ohrfeigen gibt" und relativierte sogleich, dass
der Klitschko ja kein Deutscher sei und er hoffe, dass es bald einen Deutschen
geben werde, der das dann erledigen könne. Also ein "waschechter Deutscher"
so wie der Schmeling und der Bubi Scholz.
Besagter
Hoffnungsträger solle dann dort in Las Vegas "einen niederhauen",
denn "das brauchen die Amis". Und er "möchte dass der Klitschko
den Tyson mal so richtig in den Boden reinstampft. Dieses Großmaul! Das
müssen die haben, hier muss es, hier muss es Schläge geben, europäische
Schläge, so muss das hier hinhauen." - Break!
Dass die
Amerikaner und ihr grenzenloser Nationalstolz, gepaart mit jeglicher kosmopolitschen
Ignoranz anderen Nationen gegenüber, einen ab und zu mehr als verwirren
können, wissen wir. Wir wissen allerdings nicht, warum dann der liebe
Robert zwischen all den Großmäulern zu residieren pflegt, in der amerikanischsten
aller Städte? Zumindest in punkto Grossmäuligkeit hat der prollende Prinz
viel gelernt und sich glänzend akklimatisiert.
Seine Forderung
nach "waschechten" Deutschen zeugen von Realitätsverlust in Punkto Integration,
mangelndem Wissen um das deutsche Boxen und der jüngeren Boxgeschichte
- vermutlich hat der Prinz beim Kampf Foreman vs. Schulz in Las Vegas
gerade Schiessübungen in der Wüste absolviert oder einen seiner bekannten
Seitensprünge, die er regelmässig an das Blatt mit den grossen Buchstaben
verkauft, geplant oder ausgeführt.
Ähnliche
Tätigkeiten kann man auch dem Sendeleiter unterstellen, der dieses ausgemachte
Stück "Verbaldreck" ungefiltert bzw. überhaupt in den Sendeäther direkt
in die D-Boxen jagte. Besagte d-box kostet Geld, wird zumeist von Nichtadligen
finanziert und "garantiert" den werbefreien Empfang solcher Events mit
all ihrem drumherum. Aber muss man damit einem pöbelnden und "branchenfremden"
Adoptivadligen gleich den Eintritt finanzieren?
Es darf spekuliert
werden, ob Hans-Robert-Frederic einfach nur betrunken war oder erste Symptome
von Alterssenilität oder gar Alzheimer zeigte. Zumindest beschwerte er
sich im Interview noch über die teuren Eintrittspreise! Ein gutgelaunter
und Co-kommentierender Axel Schulz landete danach einen seiner
besten Knockouts und offenbarte dem TV-Publikum, dass der Prinz seine
Karte bezahlt bekam.
Es bleibt
abschliessend die Frage warum überhaupt Stars, Sternchen und solche, die
es werden wollen, sich umsonst auf den besten Plätzen am Ring telegen
drapieren dürfen und uns mit unfachmännischen/-fraulichen Kommentaren
den letzten Nerv rauben? Kostenfreie VIP-Verpflegung inklusive. Mahlzeit....
Die
Meinungen von Gastautoren geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion
wieder.
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