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Boxingpress-Historie:
Heute vor zwanzig Jahren - Joe Louis
von Arne Leyenberg

...anläßlich
des zwanzigsten Todestages des "braunen Bombers"
Als der junge
Halbschwergewichtler das Gym von Jack Blackburn in Detroit betrat,
hatte er bereits mehr als 50 Kämpfe als Amateur bestritten. Seine
43 K.o.-Siege und der Gewinn der amerikanischen Meisterschaft hatten das
Interesse einiger Geschäftsleute an dem Schwarzen mit dem unsicheren
Blick geweckt. Diese brachten ihn zum Meistertrainer, ehemaligen Leichtgewichtsboxer
und verurteilten Straftäter "Chappie" Blackburn, in der
Hoffnung, einen neuen Champion, einen neuen Jack
Dempsey, ausfindig gemacht zu haben. Nach kurzer Betrachtung empfahl
ihnen der Fachmann jedoch lachend, ihr Geld besser von einer Brücke
zu werfen. Denn dann könnten sie es wenigstens noch eine Weile flattern
sehen. Die Unternehmer und ihr Schützling ließen sich aber
nicht beirren, und gingen den einmal eingeschlagenen Weg weiter. 1934
gab der junge Schwarze sein Profidebüt. 3 Jahre später kannte,
verehrte und fürchtete die Welt ihn als Joe
Louis, den "heavyweight champion of the world."
Der "braune
Bomber" erblickte am 13. Mai 1914, als das siebte von acht Kindern,
auf einer Baumwollplantage in Alabama das Licht der Welt. Nach dem Umzug
in die Autostadt Detroit und ihn nicht zufriedenstellendem Unterricht
im Geigenspielen, begann er, unterstützt von seiner Mutter, zu boxen.
Nach 54 Kämpfen und 50 Siegen wurde er im Alter von 20 Jahren Profi,
trotz anfänglicher Differenzen trainiert von Jack Blackburn. In beeindruckender
Manier schlug der graziöse Louis ausnahmslos alle, die man ihm in
den Ring stellte. Und meist siegte er durch K.o. Unter seinen frühesten
Opfern fand man Namen wie Primo Carnera, Max Baer oder Paolino
Uzcudun. Ganz Amerika sah in ihm fraglos den kommenden Weltmeister
und für viele Jahre die Endstation im Schwergewicht. Bis 1936. Bis
Max Schmeling kam.
Vor 50.000
Zuschauern im Yankee Stadium in New York schlug der Deutsche den als unschlagbar
geltenden Louis K.o., zerstörte einen Mythos, doch nicht die Legende
des "braunen Bombers". Denn zu sehr hatte dieser die Massen
für sich eingenommen. Und das als Schwarzer. Dafür hatte er
sich jahrelang an genaueste Vorschriften gehalten. Keine Skandale, keine
Drogen, kein Alkohol, nicht einmal Zigaretten. Keine Liebschaften mit
weißen Amerikanerinnen, keine abfälligen Bemerkungen über
weiße Gegner und überauß zuvorkommendes Verhalten gegenüber
den Medien. So wurde Joe Louis in Zeiten des Rassenhasses, den Blütezeiten
solcher Organisationen wie der des "Ku-Klux-Klan", zu einem
Vermittler zwischen den Fronten. Viel tat er für das Zusammenwachsen
schwarzer und weißer Amerikaner, auch wenn ihm später einige
seine Angepasstheit zum Vorwurf machten. Er war der Vorreiter der schwarzen
Unabhängigkeitsbewegung.
Doch mit
ihm selbst meinte es das Schicksal nicht so gut. Zwar gewann er die Revanche
gegen Schmeling deutlich, und wenig später die Weltmeisterschaft,
doch seine übertriebene Großzügigkeit, gepaart mit großem
Wohltätigkeitsbestreben und falschen Beratern, trieben ihn in den
Ruin. Während des Zweiten Weltkrieges stiftete er der "US-Army"
ein ganzes Vermögen, seinem Gegner im Kampf um die Weltmeisterschaft,
James Braddock, sicherte er vertraglich zehn Prozent all seiner
nachfolgenden Kampfbörsen zu. 1948 trat Louis zurück, doch das
angesparte Geld war wenig später bereits aufgebracht, was ihn zu
unzähligen Comebacks trieb.
Erst 1951,
nach seiner deutlichen Niederlage gegen Rocky
Marciano, stieg er endgültig das letzte Mal durch die Seile
aus dem Ring. Fortan litt er unter Verfolgungswahn, 1970 wurde er vorübergehend
in das "Colorado Psychiatric Hospital" eingewiesen. Wieder entlassen
fand er eine Anstellung in Las Vegas im Caesar`s Palace als "Greeter".
Dort empfing und begrüßte er die Spieler, die nach einem Vermögen
trachteten, das er bereits verspielt hatte. Nach einer Herzattacke und
Gehirnblutungen litt er unter Sprachstörungen und war auf die Hilfe
des Rollstuhls angewiesen. Seinen letzten öffentlichen Auftritt hatte
der 66 Jahre alte Louis am 11. April 1981 als Zuschauer der Schwergewichtsweltmeisterschaft
zwischen seinen Nachfolgern Larry Holmes und Trevor Berbick.
Am nächsten Morgen erlag er einem Herzschlag.
Joe Louis
ist in die Geschichte eingegangen, als einer der begnadetsten Boxer, die
es je gab. Seine Bewegungen im Seilgeviert, sein äußerst kraftsparendes
Schlurfen knapp über dem Ringboden, seine vernichtende Schlagkraft,
seine blitzschnellen Fäuste und seine Kombinationen setzten neue
Maßstäbe im Boxen und bleiben unvergessen. 11 Jahre, 8 Monate
und 18 Tage lang war er Weltmeister und verteidigte diesen Titel fünfundzwanzigmal.
Bis heute Weltrekord. Abschließend das Urteil des Größten,
Muhammad Ali, über Louis:
"Einer der größten Boxer aller Zeiten und eine Quelle
der Inspiration für die schwarze Rasse."
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