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Boxingpress-Historie:
Heute vor 70 Jahren - Schmeling vs. Sharkey II


von Dr. Manfred Luckas

Das Gedächtnis der Boxgeschichte ist unbestechlicher als alle Boxpromoter zusammen. Die meisten wichtigen Kämpfe schlummern irgendwo in Statistiken und Record Books vor sich hin und treten erst dann wieder in Aktion, wenn ein runder Geburtstag naht.

So wie der 70. von Schmeling – Sharkey II. Oder präziser: Der Kampf um die Weltmeisterschaft im Schwergewicht zwischen dem Champion Max Schmeling und seinem Herausforderer Jack Sharkey am 21. Juni 1932 in Long Island/New York.

Dieser Fight war nicht nur ein beliebiges Rematch, sondern wurde durch eine heftige gegenseitige Antipathie der beiden Boxer geprägt. Kein Wunder, wenn man bedenkt, dass vor allem Jack Sharkey vom Ergebnis des ersten Fights nicht begeistert sein konnte.

12. Juni 1930:

Vor dem Kampf übt sich Sharkey noch in Trash Talk: "Ich werde ihm erst das Gesicht in Streifen schneiden und ihn dann in der siebten Runde k.o. schlagen." Tatsächlich macht er seinem Ruf als Choleriker im Ring alle Ehre, attackiert Schmeling wie ein Besessener. Maxe bleibt cool, kontert einige Male mit seiner schweren Rechten. Dann die vierte Runde à la O-Ton Schmeling: "In diesem Augenblick durchzuckte mich ein stechender Schmerz. Ich fühlte, wie meine Beine wegknickten und ich auf das rechte Knie stürzte, ehe ich völlig zusammenbrach." Die edlen Teile des Deutschen waren offensichtlich in Mitleidenschaft gezogen worden, und das Ergebnis kennt jeder Boxsport-Fan: "Jack Sharkey: disqualification. The winner and new champion: Max Schmeling!"

Aufruhr in der Welt des Faustkampfes, Empörung bei Sharkey, dem gebürtigen Litauer. Die Bezeichnung "Tiefschlagweltmeister" hängt wie ein Damoklesschwert über Maxes Titel. Auch seine überzeugende Verteidigung gegen Young Stribling ein Jahr später ändert daran nichts. It’s unfinished business – "Der schwarze Ulan vom Rhein" und "The Boston Gob" müssen noch einmal die Fäuste kreuzen.

21. Juni 1932:

Ring Record Book 1968: Die 15. Runde

"Beide Boxer gehen gleich in den Schlagabtausch, aber auch hier ist Max der Überlegene. Schmeling zeigt seine bessere Boxschule und hat auch nach einem schweren rechten Haken von Sharkey an sein Kinn alles unter Kontrolle...Jack kommt mit seiner Linken durch, wird sofort von einer Rechten Max‘ gekontert. Max setzt den Amerikaner nochmals unter Druck, ein siegesgewisses Lächeln auf den Lippen...Max behält auch beim Schlagabtausch am Ende der Runde die Oberhand. Sharkey geht am Rundenende sofort in Schmelings Ecke, spricht dort mit Max."

Endlich alle Unklarheiten beseitigt, denken sich die Zuschauer am Ring. Der deutsche Champ hat sich im Fegefeuer der Fäuste bewiesen. Seine Überlegenheit war so groß, dass schon nach der 13. Runde eine Vorausmeldung für die Presse bekannt gegeben wurde: "Informatorisch für Redakteure: Sieger Schmeling."

Doch dann der Skandal: Punktrichter "Gunboat" Smith, selber Ex-Fighter und Freund von Sharkey, holt die Kämpfer in die Ringmitte und hebt Sharkeys Arm: "Sieger nach Punkten und neuer Weltmeister: Jack Sharkey!"

Statt einer Klarstellung wird eine Kontroverse im ersten Kampf durch eine Ungerechtigkeit im zweiten Kampf potenziert. Joe Jacobs, Schmelings Manager, prägt daraufhin die historische Sentenz "We wuz robbed", die nur noch durch Schmelings rätselhafte Zeile vor dem ersten Kampf gegen Joe Louis übertroffen wurde: "I have zeen zumting!"

Last Round:

Max ist seinen Titel los und wird fast auf den Tag genau sechs Jahre später, am 22. Juni 1938, seinen nächsten und gleichzeitig letzten WM-Kampf gegen Joe Louis bestreiten.

Der größte Preis, den es im Sport zu gewinnen gibt, bleibt nur für kurze Zeit in amerikanischen Fäusten. Der begünstigte Sharkey wird von Primo Carnera k.o. geschlagen und beendet nach einer Niederlage gegen Louis seine Karriere.

P.S.: Schmeling und Sharkey wurden übrigens auch nach ihrer aktiven Zeit keine Freunde mehr!

 

 

 
     

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