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Boxingpress-Historie:
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Wankend, eine wehrloses Ziel für den Weltmeister, stolperte Schmeling in eine neue Vernichtungsoffensive. Ein linker Kinnhaken, eine Rechte ans Herz, noch zwei geschmetterte linke Kopfhaken und Schmeling knallte hart auf den staubigen Ringboden auf. Im deutschen Radio krächzte eine hysterische Stimme voller Niedergeschlagenheit: "Max, Maxie, was ist los? Steh auf!"
Noch einmal versuchte der Deutsche sich zu stellen. Bei "Drei" stand Schmeling mit glasigen Augen schon wieder aufrecht... Da warf Machon, sein Trainer, das Handtuch zum Zeichen der Aufgabe. Donovan jedoch hob es nur auf und legte es seelenruhig auf die Ringbespannung. Die Hinrichtung sollte weitergehen und der Bomber machte sofort Anstalten, weiter auf den verhassten Rivalen einzustürmen. Machon dagegen hatte genug gesehen und kletterte unter ohrenbetäubendem Lärm in den Ring. Auch aus der Ecke von Louis stürzten die Sekundanten in den Ring und in dem allgemeinen Durcheinander musste Donovan den Kampf abbrechen.
Schmeling war inzwischen wieder bei sich, aber er kam nicht alleine hoch. Zu viert wurde er von seinen Betreuern aufgehoben und er rief: "Mein Rücken! Ich habe im Rücken was abbekommen!" Donovan hob den Arm von Louis und Amerika feierte Deutschlands Untergang. Die Uhr zeigte die 124. Sekunde nach dem Glockenschlag des Kampfbeginns.
Im Policlinic Hospital, einem jüdischen Krankenhaus, wurde später bei Schmeling diagnostiziert, dass der Dornfortsatz mehrfach gespalten worden war. Der Schlag, der das bewirkt hatte, musste direkt die Niere getroffen haben, aber selbst Schmeling sprach nie von einem Foul, obwohl ihn der damalige deutsche Botschafter Dieckhoff deshalb unbedingt dazu drängen wollte, Protest gegen die Entscheidung einzulegen. Schmeling ließ sich aber nicht beirren und gab sich eine Mitschuld, denn er hatte sich aus einer reinen Abwehrbewegung in den Punch hineingedreht. Außerdem war damals bei Titelkämpfen in New York jeder Schlag über der Gürtellinie erlaubt.
Mit dieser vernichtenden Niederlage fiel Schmeling in Deutschland in Ungnade und wurde später an die Front geschickt. Ein Schicksal, das Joe Louis wegen seiner Heldentat erspart blieb. Doch bald geriet auch sein Stern in Vergessenheit, spätestens als ihn die neue weiße Hoffnung Rocky Marciano ausknockte.
Wie es weiterging? Nun, der zweite Weltkrieg verhinderte einen dritten Fight zwischen Louis und Schmeling. Die Nazis blieben trotz Schmelings Zerstörung von ihrer Überlegenheit überzeugt. Und selbst Joe Louis konnte durch seinen heldenhaften Sieg nicht verhindern, dass die Schwarzen vom weißen Amerika auch weiterhin unterdrückt und ausgebeutet wurden. Nach Kriegsende konnten Louis und Schmeling alle Vorurteile und Missverständnisse in persönlichen Gesprächen ausräumen und sogar Freunde werden.
Die Duelle Louis gegen Schmeling beweisen somit auf eindrucksvolle Weise,
wie schwer es Boxer haben. Sie wollen Helden sein und müssen doch ihren
Körper verkaufen, müssen Hure, Sklave und Zuchthengst sein. Der unerbittliche
Kampf - Mann gegen Mann, Schlag auf Schlag - fasziniert sie, und sie werden
zu den Herren ihres Körpers. Aber gerade die Arbeit am Körper, mit der
sie sich aus ihrer sozialen Marginalisierung zu befreien suchen, zwingt
sie in das erniedrigende Martyrium der Ausbeutung, Ausnutzung und der
Abhängigkeit von Dritten. Auch wenn es viele Boxfans und Nostalgiker nie
wahrhaben wollen: Boxen bleibt in erster Linie eine Ware, ein Geschäft,
in dem die Raubkatzen Angst vor den Ratten haben und ein Ring niemals
rund ist.
Unser Dank geht an Gastautor Wolfgang Oswald für seinen stimmungsvollen, exklusiv für BoxingPress verfassten Artikel und an BoxingPress-Leser Jörg Hoffmann für die beeindruckenden Foto-Dokumente der Boxgeschichte.
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