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AURA-Veranstaltung in Köln

Vor Ort aus Köln berichtet Dr. Manfred Luckas



Am Samstag, dem 16.10.2004, wurden 2.000 Zuschauer am Ring des Kölner Maritim Hotels Zeugen eines quantitativ wie qualitativ hochklassigen Kampfabends, der von AURA SPORTS unter dem Motto „Fighting for the Title“ (um den Titel kämpfen) präsentiert wurde. Matchmaker Ebby Thust gelang es auch diesmal, ausgeglichene und spannende Paarungen zusammenzustellen, so dass trotz des Box-Marathons von insgesamt neun Kämpfen nie Langeweile aufkam.

1. Kampf - Juniorbantamgewicht über sechs Runden: Daisy Lang vs. Simone Succio

Der Abend begann mit einem Kampf von Daisy Lang (Foto), die wie ihre Universum-Stallgefährtin Julia Sahin an diesem Wochenende eigentlich in Braunschweig boxen sollte und nach dem Ausfall der dortigen Veranstaltung kurzfristig in das Kölner Programm aufgenommen wurde. Von Beginn an war Lang die Chefin im Ring und ihrer Gegnerin vor allem athletisch deutlich überlegen. Sie bestimmte das Tempo, war aber in ihren Aktionen zu überhastet und wollte ein vorzeitiges Ende erzwingen. Dabei vernachlässigte sie die Arbeit mit der Führhand und erlaubte der Rumänin so, länger im Kampf zu bleiben als nötig. In der dritten Runde kam Lang immer stärker mit Körpertreffern zum Erfolg, die ihrer Kontrahentin zusehends die Luft nahmen. In der vierten Runde wurde der Druck übermächtig und von einigen klaren Treffern der in Düsseldorf lebenden Weltmeisterin gekrönt, die dann den Abbruch erzwangen.

Urteil: Siegerin durch TKO 4 Daisy Lang

2. Kampf – Supermittelgewicht über acht Runden: Konni „Koko“ Konrad vs. Branko Sobot

Mit dem Kampf Konni Konrad (Foto) gegen Branko Sobot kam es schon früh am Abend zu einem ersten boxerischen Höhepunkt: Auf der einen Seite der erst 19-jährige AURA-Fighter Konrad - frisch, physisch in exzellenter Verfassung und vor Selbstbewusstsein strotzend, aber relativ unerfahren – und auf der anderen Seite der alte Haudegen „Pitbull“ Sobot, der den Boxfreunden durch seine beherzten Kämpfe Mitte/Ende der 90er Jahre ein Begriff ist – clever, hart, aber mit 34 mehr oder weniger am Ende seiner Karriere angekommen. Würde seine Erfahrung aus Kämpfen mit Hassine Cherifi oder Joe Calzaghe die jugendliche Begeisterung von Konrad in Schach halten können? Es wurde vom ersten Schlag an ein packendes Gefecht, in dem Sobot sofort aggressiv zu Werke ging und versuchte, Konrad an die Seile zu nageln, um ihn dort mit Hakenserien zu bearbeiten. Er konnte einige Treffer landen, die aber ohne Wirkung blieben. Überhaupt schien Sobot der Punch zu fehlen, was er durch eine hohe Schlagfrequenz ausglich. Konrad kam ab der zweiten Runde immer besser mit der Rechtsauslage des Kroaten zurecht und konterte entspannt aus einer sicheren Deckung heraus. Sobot blieb der aktivere Mann, schlug aber oft ungenau und wurde ab der vierten Runde immer häufiger von Aufwärtshaken getroffen. Konrad arbeitete in dieser Phase des Kampfes zu wenig und ließ vor allem seine Rechte vermissen. Ende der sechsten Runde kam er aber zu einigen klaren Treffern zum Kopf, und in Runde sieben schlug dann eine rechte Gerade bei Sobot ein, die ihn zu Boden schickte. Doch der alte Kämpfer zeigte Herz und fightete zurück. Der Kampf war jetzt ein dramatischer Schlagabtausch, der die Zuschauer von den Sitzen riss und auch in der achten und letzten Runde viel Aktion brachte, pointiert durch eine schöne Dreierkombination von Konrad, die er mit einem rechten Haken abschloss.

Urteil: Punktsieg mit 2:1 Richterstimmen für Konni Konrad. Das Ergebnis kam für den Autor überraschend. Obwohl der Kampf eng war und Sobot der aktivere Mann, kamen die klareren Treffer und das bessere Boxen von seinem jungen Kontrahenten, der jederzeit Herr der Lage war und für seine 19 Jahre schon eine große Reife im Ring besitzt.

3. Kampf – Fliegengewicht über acht Runden: Julia Sahin vs. Svetla Taskova

Im zweiten Frauenkampf des Abends stand die Kölner Lokalmatadorin Julia Sahin der Bulgarin Svetla Taskova gegenüber, die in der Rechtsauslage boxte. Dabei machte die Universum-Fighterin ihrem Kampfnamen „Sunshine“ alle Ehre. Denn es ist wirklich eine Augenweide, der von Michael Timm trainierten jungen Boxerin zuzuschauen. Sie bewegt sich exzellent und leichtfüßig, steht extrem konzentriert in der Deckung und verfügt über ein umfangreiches Schlagrepertoire. So dominierte sie denn auch das Geschehen von der Ringmitte gegen eine tapfere Gegnerin, die versuchte, dagegen zu halten, dem guten Boxen von Sahin aber letztendlich kaum gewachsen war. In der achten Runde zog Sahin das Tempo an und zeigte einen gekonnten Schlussspurt, der das klare Ergebnis untermauerte.

Urteil: Einstimmiger Punktsieg für Julia Sahin, die damit ihren siebten Sieg im siebten Profikampf feierte. Die junge Kämpferin hat sicher noch Reserven, und wenn sie lernt, entschlossener nachzusetzen, hat sie eine große Zukunft vor sich. Das boxerische Potenzial ist jedenfalls jetzt schon beachtlich.

4. Kampf – Schwergewicht über acht Runden: Marcel Zeller vs. Pocora Cosmin

Der Karlsruher Schwergewichtler Marcel Zeller (Foto), im Schottenrock eine ebenso illustre wie originelle Persönlichkeit, machte mit seinem Gegner kurzen Prozess. Schon in der ersten Runde schlug es bei dem untrainiert wirkenden und übergewichtigen Rumänen mächtig ein, der daraufhin wenig Ehrgeiz zeigte, den Kampf nochmals aufzunehmen und sich auszählen ließ.

Urteil: KO-Sieg nach 1:15 Minuten der ersten Runde für Marcel „The Highlander“ Zeller, der sich aufgrund seiner Schlagkraft immer mehr zu einem beliebten Rahmenkämpfer mausert.

5. Kampf – Schwergewicht über sechs Runden: René Dettweiler vs. Mohamed Ali

Mohamed Ali kommt aus Speyer und hat auch sonst wenig Ähnlichkeit mit seinem berühmten Namensvetter, zeigte aber gegen das Sauerland-Talent René Dettweiler (Foto) eine akzeptable Leistung. Dettweiler, mit Rudi Fink in seiner Ecke und von beeindruckender Physis, versuchte aus der Doppeldeckung heraus zum Erfolg zu kommen. Dabei wurden immer wieder die Mängel dieses Stils offensichtlich, der zu einem statischen und variationslosen Boxen verleitet. Bis zum Ende der dritten Runde waren von dem jungen Schwergewichtler fast nur Einzelschläge zu sehen, keine Kombinationen, keine Verschärfung des Tempos. Setzte Ali einmal die Führhand ein, was viel zu selten geschah, fand Dettweiler kein Rezept und blieb passiv in der Doppeldeckung stehen. Trotzdem kam der Sauerland-Mann Ende der vierten Runde zu einigen klaren Treffern und konnte seinen Gegner in der fünften durch eine aus der Rechtsauslage schön durchgezogene linke Schlaghand so beeindrucken, dass dieser angezählt werden musste. In den letzten 20 Sekunden des Kampfes setzte Ali noch zu einem furiosen Schlussspurt an, der aber viel zu spät kam.

Urteil: Einstimmiger Punktsieg für René Dettweiler.

6. Kampf – Juniormittelgewicht über vier Runden: Karlheinz Scheibe vs. Mechmet Karaka

Im sechsten Kampf des Abends standen sich zwei Profi-Debütanten gegenüber. Dabei ließ vor allem der Name Karlheinz Scheibe aufhorchen. Der ehemals erfolgreiche deutsche Juniorenboxer, der für seinen Heimatverein CSC Frankfurt ein Punktegarant per se war und von 160 Amateurkämpfen 144 gewann, will es nach acht Jahren Pause noch einmal wissen. In Köln legte er durch einen KO in der ersten Runde den Grundstein dafür. Mit einer Serie von Körpertreffern schickte er seinen Gegner aus Bosnien-Herzegovina zu Boden, dem, obwohl austrainiert, einfach die Luft fehlte, um weitermachen zu können.

Urteil: KO-Sieg erste Runde für Karlheinz Scheibe. Es wird sich zeigen, wie weit eine Profi-Karriere gehen kann, die erst im Alter von 32 Jahren beginnt. Andererseits hat Scheibe genug Amateurerfahrung, und sein Talent blitzte in den wenigen Momenten, die sich boten, auf.

7. Kampf – IDM im Cruisergewicht über zehn Runden: Mark Hendem vs. Mircea Telecan

Den heimlichen Hauptkampf des Abends bestritten der Kölner Lokalmatador Mark "The Rock" Hendem (Foto), der seinem Kampfnamen durch eine austrainierte und definierte Physis alle Ehre machte, und der Rumäne Mircea Telecan. Hendem verteidigte in diesem Fight seinen Titel als Internationaler Deutscher Meister im Cruisergewicht und agierte mit entsprechendem Selbstbewusstsein gegen seinen aggressiven Kontrahenten. Hendem zeigte sich in der Deckung weiter verbessert und stand in den meisten Situationen des Kampfes stabil und kompakt. In der zweiten Runde zeigte er eine Reihe exzellenter Meidbewegungen, die den Herausforderer ins Leere schlagen ließen. Gleichzeitig verschärfte er das Tempo und kam mit einigen Aufwärtshaken ins Ziel. Überhaupt zeigte „The Rock“ ein hervorragendes Repertoire an kurz geschlagenen, druckvollen Kopf- und Körperhaken, die seinem Gegner kaum Zeit zum Luftholen ließen. In der fünften Runde zeigte ein linker Kopfhaken Wirkung bei Telecan, der sich aber zäh und clever über die Zeit rettete. In Runde sechs wurde es dann dramatisch: Der Rumäne wurde plötzlich stärker und im Verlauf eines Schlagabtauschs platzte die rechte Augenbraue von Mark Hendem auf. Es war wohl kein Kopfstoß, sah aber nach einem unsauberen Schlag mit der Innenhand aus. Die Wunde blutete stark und Telecan setzte alles auf eine Karte. Von nun an lag die Gefahr eines Abbruchs über dem Ring, aber die Ecke von Mark Hendem leistete gute Arbeit in der Kontrolle des Cuts, und vor allem Hendem selber blieb ruhig und konzentriert. Die Rechte zur Sicherung am Kopf punktete er weiter, wobei er vor den Attacken Telecans, der seinen Kopf im Infight nun zu häufig einsetzte, immer auf der Hut sein musste. Dann kurz vor dem Ende der neunten Runde die plötzliche Wende: Hendem explodiert am Körper seines Gegners und trifft dessen Leber. Telecan bleibt mit schmerzverzerrtem Gesicht am Boden liegen und wird ausgezählt.

Urteil: Alter und neuer IDM im Cruiser durch KO nach 2:59 Minuten in Runde neun Mark Hendem. Neben seinen boxerischen Qualitäten zeigte Hendem „grace under pressure“ (Anmut unter Druck) und damit die nötige Klasse, um eine Krise zu bewältigen. Er ist reif für höhere Aufgaben.

8. Kampf – WBC-Junioren-Weltmeisterschaft im Leichtgewicht über zehn Runden: Nico Salzmann vs. Ondra Skala


Der Berliner Leichtgewichtler Nico Salzmann betritt den Ring nicht nur zu den Klängen der Band „Rammstein“, sondern boxt auch entsprechend aggressiv und dynamisch. In seinen muskulösen, perfekt austrainierten 60 Kilogramm steckt jede Menge Power, die sein tschechischer Kontrahent Ondra Skala mehr als einmal zu spüren bekam. Dass der Kampf trotzdem über die Runden ging, lag zum einen an der manchmal zu ungestümen Art Salzmanns, zum anderen aber auch an der Härte und Rechtsauslage von Skala. Dabei sah es in der zweiten Runde schon nach einem vorzeitigen Ende aus, als der Tscheche durch den Ring getrieben und nach einer Serie klarer Treffer angezählt wurde. Doch obwohl Salzmann der eindeutig schnellere und bessere Boxer war, gelang es ihm nicht, den KO zu erzielen. Skala wurde lockerer, konterte ab und zu und verließ sich ansonsten auf seine sehr gute Beinarbeit. Obwohl der Berliner zeitweise aus allen Lagen feuerte und Skala nun aus der Nase zu bluten begann, hatte der Tscheche seine Distanz gefunden und brachte sich immer wieder aus der Gefahrenzone. Auch das Verrutschen seines Suspensoriums konnte ihn nicht mehr aus der Fassung bringen. An der Überlegenheit Salzmanns war aber nichts zu deuteln, und entsprechend lautete denn auch das Urteil.

Urteil: Einstimmiger Punktsieg für Nico Salzmann. Salzmann ist ein spektakulärer Boxer, der fast alles mitbringt, um erfolgreich zu sein. Seine Entschlossenheit im Ring ist regelrecht spürbar. Mit ein bisschen mehr Ruhe und Präzision kann er es weit bringen.

9. Kampf – WBC-Junioren-Weltmeisterschaft im Superweltergewicht über zehn Runden: Ante Bilic vs. Sasha Shnip

Dieser Kampf, der den unbestrittenen Höhepunkt des Abends darstellte, wurde mit besonderer Spannung erwartet. Das lag vor allem an den Knockouter-Qualitäten und der Erfahrung des aus Weißrussland stammenden Sasha Shnip, der in dieser Auseinandersetzung als leichter Favorit galt. Doch AURA-Fighter Ante "Boom Boom" Bilic (Foto) verfügt seinerseits über ausgezeichnete Referenzen und strahlt eine große Ruhe und Zuversicht aus. Diese Qualitäten brachte er auch in den Kampf ein. Hochkonzentriert und mit geschlossener Deckung war er immer auf der Hut vor der Schlagkraft von Shnip und erzielte sowohl mit dem Jab als auch dem rechten Haken immer wieder klare Treffer. Im Schlagabtausch zeigte sich schnell, das Shnip zwar beweglich aus dem Oberkörper agieren kann, ansonsten aber eindeutig langsamer ist als sein kroatischer Gegner, der demnächst nach Köln ziehen wird. Immer wieder löste sich Bilic schulmäßig vom Seil, um dann effektiv zu kontern. Je stärker Shnip den Druck erhöhte, desto mehr Luftlöcher schlug er und wurde teilweise schwer am Kopf getroffen, bewies aber sehr gute Nehmerfähigkeiten. In den Runden sechs bis neun blieb Bilic zwar Herr der Lage, ließ aber zusehends Aktivität vermissen. So kam Shnip wieder in den Kampf hinein und punktete. Doch die neunte Runde brachte dann die Entscheidung: Eine Serie linker Haken zu Körper und Kopf schlug bei Shnip ein und ein Volltreffer mit der Rechten zwang ihn zu Boden. Tapfer raffte er sich noch einmal auf, doch nach einer weiteren Serie von Treffern, die der entfesselte Bilic landete, kam der richtig getimte Abbruch.

Urteil: Sieg durch TKO nach 2:10 Minuten in der neunten Runde für Ante Bilic. Ein hochklassiger Kampf, dessen Qualität von den Zuschauern entsprechend goutiert wurde. Die hervorragende Leistung von Bilic erfährt noch eine Aufwertung durch die Tatsache, dass er ab der zweiten Runde mit einem gebrochenen Finger der rechten Schlaghand boxte. Ein Talent mit einem riesigen Potenzial, dem vielleicht hier und da ein bisschen mehr Temperament nicht schaden würde.

Sonntag, 17. Oktober 2004

 
     

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