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BP-Inside: Aura-Sports-Veranstaltung am 20. März 2004 in Köln

Von Dr. Manfred Luckas


Am Samstag flogen in Köln nach längerer Zeit wieder einmal professionell die Fäuste. Die Domstadt, die als traditionelle Boxhochburg so populäre Fighter wie Peter Müller oder auch Jupp Elze zu ihren Söhnen zählt, wurde Zeuge von drei Meisterschafts- sowie drei Rahmenkämpfen. Als Veranstalter fungierte der deutsche Neupromoter AURA SPORTS, der im großen Saal des Maritim-Hotels einen exzellenten Abend auf die Beine stellte. Sowohl das noble Ambiente als auch die von Matchmaker Ebby Thust hervorragend zusammengestellten Kampfpaarungen wurden vom Publikum begeistert aufgenommen. Diese Tatsache ist ein weiterer Beleg dafür, dass neben Universum und Sauerland auch kleinere Veranstalter mit Engagement und Seriosität eine Zukunft in der Boxszene haben.

Zu den Kämpfen: Als Entree standen sich die beiden schweren Jungs Josef Jakob (Foto oben, 106 kg) aus Köln und Özcan Centinkaya (97,6 kg) aus Koblenz gegenüber. Der von Trainer Ulli May gut eingestellte Jakob, schon als Kampfsportler und Deutscher Mannschaftsmeister mit Bayer Leverkusen erfolgreich, suchte von Beginn an die Offensive. Aus einer stabilen Deckung heraus agierend dominierte er den Kampf, doch war der ständig im Rückwärtsgang boxende Centinkaya, wie Jakob in drei Profikämpfen bislang dreimal siegreich, ein schwer zu stellender Gegner. In der vierten Runde verschärfte Jakob das Tempo, seine schweren Haken fanden nun zusehends ihr Ziel. Nach einem Wirkungstreffer musste Centinkaya angezählt werden und wurde wenig später aus dem Kampf genommen. Verdienter Sieger durch TKO 4: Aura-Fighter Josef Jakob aus Köln.

Schon im zweiten Duell des Abends ging es um einen Titel, nämlich den des Deutschen Meisters im Cruisergewicht. Firat Arslan aus Koblenz stand dabei dem Berliner Marco Heinichen gegenüber. Arslan, in sehr guter physischer Verfassung, mit definierter Bauchmuskulatur, war dabei der aktivere Mann und kam schon früh mit linken Aufwärtshaken zu klaren Treffern und erboxte sich einen komfortablen Vorsprung. Beide in der Rechtsauslage agierenden Fighter ließen die Arbeit zum Körper vermissen, doch Arslan machte dieses Manko durch eine deutlich höhere Schlagfrequenz wett. In der fünften Runde erschütterte er den passiven Heinichen mit schweren rechten Haken zum Kopf. Der Berliner wurde angezählt, ging aber nur kurze Zeit später nach einer Kombination wieder zu Boden. Sieger durch KO 5: Firat Arslan, der seinen Sieg allerdings mit einem schrecklich zugeschwollenen rechten Auge bezahlen musste.

Danach folgte der Kampf Ante Bilic (Köln) gegen Josef Balazs (Rumänien) im Superweltergewicht. Bilic, eine Neuverpflichtung des Aura-Stalles, hat mit seinen 19 Jahren nicht nur Weltmeistertitel im Kickboxen errungen, sondern auch 105 Siege aus 109 Amateurkämpfen zu verzeichnen. Der blitzschnell agierende Techniker musste aber auch seine ganze Klasse zeigen, um in seinem vierten Profifight siegreich zu bleiben. Der bullige, muskulöse Balazs zeigte keine Angst und attackierte verbissen. Seine wilden Schlagserien wurden aber zumeist durch die glänzende Deckung sowie einige sehenswerte Meidbewegungen des jungen Kölners neutralisiert. In der zweiten Runde kam Bilic mit geraden Händen ins Ziel, während der Rumäne stärker den Weg zum Körper suchte. In der Mitte des Kampfes verlor Bilic ein wenig seine boxerische Linie, blieb am Seil stehen und ließ sich in den Infight ziehen. Am Ende setzte sich aber doch verdient seine Klasse gegen einen bis zuletzt mutig nach vorne gehenden Gegner durch. Einstimmiger Punktsieger nach 6 Runden: Ante Bilic.

Vor der 20-minütigen Pause bekam das fachkundige Publikum noch einen interessanten Kampf im Supermittelgewicht über sechs Runden präsentiert. Der erst 18-jährige Kölner Konni "Koko" Konrad, dessen Talent zu großen Hoffnungen berechtigt, stand dem Ungarn Sandor Gurmai gegenüber. Der körperlich klar überlegene Aura-Boxer Konrad zog sich durch einen Zusammenstoß schon in der ersten Runde eine klaffende Wunde auf der Stirn zu, die während des gesamten Kampfes heftig blutete. Gurmai arbeitete auch im weiteren Verlauf permanent mit dem Kopf und wurde in der vierten Runde zu Recht verwarnt. Besonders beeindruckend war, dass sich der junge Konrad, 1993 als zweites von fünf Kindern einer bosnischen Flüchtlingsfamilie nach Köln gekommen, auch durch seine Verletzung nicht aus der Ruhe bringen ließ und das taktische Konzept von Ulli May unbeirrt beherzigte. Er boxte kontrolliert aus der Distanz, zeigte schöne lange Führhände und erzielte in der vierten und sechsten Runde Wirkung mit der Schlaghand. In der letzten Runde wurde er dann mit einem Niederschlag belohnt, doch der zähe und tapfere Gurmai kam über die Runden. Einstimmiger Punktsieger nach 6 Runden: Konni "Koko" Konrad.

Nach der Pause kam dann der zweite Höhepunkt des Abends: Der Berliner Doppelmeister Sebastian Sylvester verteidigte seinen Internationalen Deutschen Meistertitel gegen den Ex-Champ Roman Aramin aus Koblenz. Der Berliner aus dem Wiking-Boxteam, in exzellenter physischer Verfassung, musste sich dabei zu Beginn der hohen Schlagfrequenz und Aggressivität seines Gegners erwehren, der wilde Entschlossenheit ausstrahlte. Das gesamte Duell wirkte giftig und verbissen, neben der sportlichen Konkurrenz war auch eine gegenseitige Antipathie der beiden Fighter spürbar. Aramian, in der Reichweite benachteiligt, machte den Kampf und versuchte, die Distanz zu verkürzen. In den ersten Runden traf er häufiger, ohne allerdings Wirkung gegen den kompakt stehenden Sylvester zu erzielen. In der fünften und sechsten Runde bahnte sich die Wende an. Die dominante Führhand des Berliners kam von nun an immer häufiger ins Ziel, dazu auch klare Treffer mit der Rechten. Der mutige Aramian wirkte nun zusehends ratloser, kam kaum noch durch die Deckung seines Gegners und musste harte Konter einstecken. Die Urteilsverkündung war dann nur noch eine Formalität: 97:94, 98:94 und 98:92 und damit einstimmiger Sieger nach Punkten: Sebastian Sylvester. Sein enttäuschter Gegner verließ den Ring schon früh ohne zu gratulieren.

Der letzte Fight dieses sehenswerten Boxabends wurde um die Internationale Deutsche Meisterschaft im Cruisergewicht geführt. Dabei standen sich Mark "The Rock" Hendem (Foto links) aus Köln und Bruce "Blitz" Özbek aus Hamburg gegenüber. Von der Stimmung her stellte dieser Kampf ein absolutes Highlight dar, verfügten beiden Boxer doch über eine lautstarke und temperamentvolle Anhängerschaft. Der gebürtige Kölner Hendem, der in Hinsicht auf Aspekte wie Bewegungstalent und Schlagrepertoire schon jetzt nur wenige Konkurrenten in den höheren Gewichtsklassen fürchten muss, präsentierte sich körperlich in hervorragender Verfassung. Der zweifache Deutsche Mannschafts- und fünffache Türkische Meister, der dem Kölner Traditionsverein Faustkämpfer Kalk entstammt, zeigte im Verlaufe des Kampfes aber auch, dass er eine große Portion Boxintelligenz besitzt. Denn der furchtlose ehemalige Kampfsportler Özbek ist ein gefährlicher Gegner, der durch seine unkonventionelle Technik unberechenbar ist. Außerdem verfügt er über schier unglaubliche Nehmerfähigkeiten. Hendem wusste um diese Stärken seines Gegners und boxte kompakt aus einer deutlich verbesserten Deckung heraus. Er nutzte seine Reichweitenvorteile und seine technische Überlegenheit konsequent aus, um den wilden Gegner zu zähmen. Vor allem der rechte Aufwärtshaken war ein probates Mittel, um den anstürmenden Özbek immer wieder klar zu treffen. Ab der fünften Runde fand Mark Hendem dann auch die perfekte Distanz für seine Führhand, die nun regelmäßig bei Özbek einschlug, der darauf oft mit Showeinlagen reagierte. In den Runden sechs und sieben kam der beweglich aus dem Oberkörper agierende Kölner zu schönen Treffern am Kopf des Kontrahenten, meist mit kurz geschlagenen Haken. Er strahlte nun eine große Souveränität aus und war der sprichwörtliche Chef im Ring bis zum Schlussgong. Einstimmiger Sieger (100:91 und zweimal 100:90) nach Punkten und vielbejubelter IDM im Cruisergewicht nach nur sieben Profikämpfen: Mark "The Rock" Hendem.
Sonntag, 21. März 2004

 
     

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