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BP Inside:
Boxen im Gemeindesaal
Bericht und Fotos von Uwe Betker

Der ehemalige
Internationale Deutsche Meister im Schwergewicht, Mario Guedes
(Foto oben), hat es wieder geschafft, eine kleine aber
feine Boxveranstaltung auf die Beine zu stellen. Im Josefshaus in Aachen,
einem Saal der Kirchengemeinde, fanden am letzten Samstag neun unterhaltsame
Kämpfe statt.
Den Anfang machte im Mittelgewicht Enzo Truppi aus Italien
und Jonathan England. Beide gaben ihr Profidebüt.
England konnte im ersten Durchgang seine Führhand etablieren und
kam das eine um das andere Mal mit seiner Rechten durch. In der nächsten
Runde schickte erst eine Rechte und später ein Leberhaken Truppi
zu Boden. England gewann durch TKO.
Auch der zweite Kampf endete vorzeitig. Der Junior Mittelgewichtler aus
Polen mit dem seltsamen Namen Jimmy Lang (1-0-0) zermürbte
Serkol Senol, der das erste Mal als Profi in den Ring stieg,
innerhalb einer Runde. Lang gewann durch KO.
Im Super Weltergewicht trafen Suleyman Dag und
Daniel Schulte aufeinander. Beide hatten zuvor je einen Kampf
bestritten, den sie jeweils verloren hatten. Dag bewies, dass er der physisch
stärkere und der boxerisch bessere Kämpfer war. Eine Rechte
zum Körper schickte Schulte das erste Mal zu Boden. Es folgten eine
Rechte zum Kinn und ein Schlaghagel, die den Ringrichter zum Abbruch bewegten.
Der Kampf im Schwergewicht zwischen Ozcan Cetinkaya aus
der Türkei und Pavel Siska aus der Tschechischen
Republik war das Aufeinandertreffen zweier Handlungsreisender in Sachen
Boxen: Cetinkaya, 11 Siege (8 durch KO), 4 Niederlagen, gegen Siska, 5
Siege (4 durch KO), 16 Niederlagen und 1 Unentschieden. Cetinkaya wurde
seiner Favoritenrolle gerecht und dominierte den Kampf. Siska aber zeigte
ein unglaubliches Kämpferherz. Starkes Nasenbluten und konditionelle
Probleme machten ihm zu schaffen, aber sein Wille und eine erstaunlich
gute Deckung ließen ihn den Schlussgong des Sechsrunders erreichen.
Der
einzige Frauenboxkampf des Abends war ein bemerkenswerter Kampf. Zwei
Damen trafen aufeinander und gaben ihr Profidebüt. Bemerkenswert
war, dass beide Boxerinnen, Jessica Balogun (Foto)
und Manon Rohrbach, erfolgreiche und gute Amateurinnen
waren. Selten war ein Debüt so hart umkämpft und auf so hohem
boxerischem Niveau. Jessica Balogun konnte den Vierrunder im Supermittelgewicht
schließlich für sich entscheiden. Dabei waren es vor allem
ihre erstaunlichen Reflexe und schnelle Hände, die den Ausschlag
gaben.
Auch Mario Guedes Sohn, Denis Sterl-Guedes, hatte an
diesem Abend sein Profidebüt. Der Halbschwergewichtler bekam es mit
Serkan Afacan (0-1-0) zu tun. Sterl-Guedes drosch auf
seinen Gegner ein und schickte ihn zu Boden. Ein weiterer Niederschlag
und ein fliegendes Handtuch beendete den Kampf nach 2:15 Minuten in Runde
eins.
Stefan
Raaff (6-1-0) (Foto), der Cruisergewichtler aus Köln,
der in seiner Heimatstadt und in Aachen schon Kultstatus hat, tat sich
sehr schwer gegen den vermeintlich schwächeren Ralf Sawetzki
(0-8-2). Raaff hatte sichtlich Schwierigkeiten, mit dem Druck von Sawetzki
umzugehen. Immer wenn Raaff stehen blieb und sich hinter seiner Doppeldeckung
verschanzte, sah er schlecht aus und blieb weit hinter seinen Möglichkeiten
zurück. Immer wenn er schnell auf den Beinen war und seine schnellen
Hände benutzte, sah er gut aus. Beide Kontrahenten schlugen viel
auf die Deckung. Nach sechs Runden gab es ein Unentschieden, mit dem keiner
der beiden Boxer zufrieden sein konnte. Uwe Schuster,
der Trainer von Sawetzki, war über das Urteil so empört, dass
er im Ring den Ringrichter angriff.
Ebenfalls im Cruisergewicht boxte Sascha Fälber
(2-0-1, 1 KO) gegen Ata Dogan (6-14-1, 1 KO) aus der
Türkei. Der „Golden Boy“ Fälber musste sechs lange,
harte und schnelle Runden durchstehen, die ihm alles abverlangten, bevor
er am Ende zum Sieger erklärt wurde.
Der
Hauptkampf des Abends war eine Junioren-Weltmeisterschaft im Cruisergewicht
nach Version einer „GBC“. Offensichtlich gibt es kaum noch
Veranstaltungen, in denen nicht um irgendeinen Titel geboxt wird - so
auch in Aachen. Diesmal war kein Verband involviert, den man kennen muss.
Die GBC, was immer das auch sein mag, sanktionierte den Kampf. Der 22-jährige
Ukrainer Alex Mogylewski (Foto) sollte gegen
den 17-jährigen Alexander Litau boxen. Aber nach
wenigen Sekunden war der Kampf schon vorbei. Ein Niederschlag und die
Ecke von Litau beschützte ihren überforderten Schützling:
Ein etwas unbefriedigender Abschluss einer schönen kleinen Veranstaltung.
Mittwoch,
27. Februar 2008
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