| |
Interview
mit Cengiz Koc und Timo Hoffmann
Von Frank Bleydorn

Während stallinterne Boxduelle bei der Universum Box-Promotion schon
fast zum Alltag gehören, waren Aufeinandertreffen zwischen zwei Boxern
aus dem Sauerland-Team bislang eher die Seltenheit. Am Samstag kommt es
in Mülheim an der Ruhr zu einem solchen Fight. Dabei werden sich
in der RWE-Rhein-Ruhr-Halle der Berliner Cengiz
Koc (29, Foto rechts) und der 32-jährige Timo
Hoffmann (Eisleben, Foto links) in einem auf zehn Runden
angesetzten Kampf im Schwergewicht gegenüberstehen. "Koc
und Hoffmann haben zuletzt wichtige Titelkämpfe verloren und stehen
jetzt an einem entscheidenden Punkt, die Weichen für die Zukunft
zu stellen. Insofern macht dieser Kampf Sinn, und für die Zuschauer
wird es sicher auch interessant", begründet Sauerland-Sportdirektor
Hagen Doering die Maßnahme des stallinternen Vergleichs. Wie die
beiden Schwergewichtler die Situation sehen und welche Chancen sie sich
für den 4. November ausrechnen, erfahren Sie in unserem Interview,
in dem BoxingPress beide Kontrahenten unabhängig voneinander zu den
gleichen Themen befragte.
BoxingPress: Am Samstagabend stehen in Mühlheim an der
Ruhr die Schwergewichtler im Vordergrund. Wie fühlen Sie sich zwei
Tage vor Ihrem Fight?
Cengiz Koc: Ich fühle mich sehr gut. Ich habe mich
zehn Wochen lang optimal auf den Kampf vorbereitet und bin hoch motiviert.
Timo Hoffmann: Ich bin sehr gelassen und guter Dinge,
am Samstag zu gewinnen. Sofern meine Nerven nicht versagen oder Cengiz
Koc völlig über sich hinauswächst, sollte ich den Kampf
für mich entscheiden können. Ich habe gut trainiert. Darüber
hinaus haben wir uns in der letzten Woche Videos von Cengiz Koc angeschaut.
Da hat er zwar einen guten Eindruck hinterlassen, scheint aber schlagbar
zu sein. Daher bin ich optimistisch.
BoxingPress: Die besondere Brisanz des Kampfes liegt
ja darin, dass Sie für das gleiche Team kämpfen. Wird es deshalb
ein ganz besonderer Fight für Sie sein? Was halten Sie von solchen
stallinternen Duellen?
Cengiz Koc: Eigentlich ist es ein Kampf wie jeder andere
für mich. Der Fight ist sehr wichtig und mir ist klar, dass ich einen
Gegner wie Timo Hoffmann schlagen muss. Dass es sich dabei um ein stallinternes
Duell handelt, kann ich persönlich nicht ändern. Auch wenn Herr
Sauerland früher sagte, so etwas käme bei uns nicht in Frage,
muss ich als Profiboxer in den Ring steigen, wenn man es von mir verlangt.
Timo Hoffmann: Ich habe versucht, mich im Vorfeld des
Kampfes nicht aufhetzen zu lassen. Ich schätze Cengiz Koc als Menschen,
deshalb ist es für mich eine sportliche Herausforderung. Der Bessere
soll am Samstag gewinnen. Ich hoffe, dass ich das sein werde.
BoxingPress: Sie mussten sich beide in Kämpfen
um die Europameisterschaft dem Italiener Paolo Vidoz
geschlagen geben. Würde eine weitere Niederlage für Sie das
Ende der Profiboxkarriere bedeuten?
Cengiz Koc: Das Ende der Karriere bestimmt jeder Boxer
selbst. Falls ich nicht mehr für das Sauerland-Team kämpfen
könnte, hieße das ja nicht zwangsläufig, dass ich die
Boxhandschuhe an den Nagel hängen muss. Außerdem wurde ich
durch mein Management nicht im Vorfeld des Kampfes auf eine solche Situation
angesprochen.
Timo Hoffmann: Ich glaube, die Sache wird von den Medien
ein wenig übertrieben. Mein Vertrag mit Sauerland Event läuft
noch eine Weile. Ich glaube, Cengiz Koc und ich sind uns einig, dass wir
noch lange nicht am Ende angekommen sind. Ich persönlich möchte
dazu auch sagen, dass ich den Boxsport viel zu sehr liebe, um die Boxhandschuhe
an den Nagel zu hängen. Ich habe dem Sport sehr viel zu verdanken
und werde sicherlich nichts überstürzen.
BoxingPress: Inwieweit spielt die Niederlage gegen
Paolo Vidoz heute noch eine Rolle für Sie? Haben Sie danach Trainingsinhalte
verändert?
Cengiz Koc: Zunächst einmal muss ich eingestehen, dass ich
gegen Paolo Vidoz einfach nicht die Leistung gezeigt habe, die nötig
gewesen wäre, um ihn zu schlagen. Ich war zu verkrampft und aufgeregt.
Doch heute mache ich mir keine Sorgen mehr darüber. Ich weiß,
wer oben stehen will, muss siegen – das sehe ich ganz nüchtern.
Niederlagen im Sport sind wie im normalen Leben. Wenn man seine Leistung
nicht bringt und verliert, dann wird man fallen gelassen. Wer nicht ganz
oben ist, der wird nicht so geachtet, wie jemand, der Erfolg hat. Das
geht auch Anwälten, Ärzten und anderen Berufsgruppen so.
Timo Hoffmann: Im Kampf gegen Paolo Vidoz habe ich extreme
Fehler gemacht. Ich zog meine Lehren daraus. Ich habe danach mein gesamtes
Umfeld geändert und mich von meinem früheren Berater getrennt.
Zum Beispiel war es aus heutiger Sicht falsch, vor dem Kampf gegen Vidoz
nach Amerika zu gehen, um dort zu trainieren.
BoxingPress: Wünschen Sie sich denn ein Rematch
gegen den Italiener?
Cengiz Koc: Im Moment wäre das uninteressant, weil
er ja nicht mehr Europameister ist. Wenn er wieder einen Titel hätte,
würde es mich natürlich reizen, denn ich glaube, dass ich den
Kampf gewinnen könnte.
Timo Hoffmann: Ja, auf jeden Fall, damals wäre viel mehr
drin gewesen. Doch ich wurde nicht gut beraten und hatte falsch trainiert.
BoxingPress: Wie sehen Sie selbst Ihre Chancen, am
Samstag zu gewinnen?
Cengiz Koc: Eigentlich sehr gut. Ich habe ein sehr, sehr
gutes Gefühl und bin recht siegessicher.
Timo Hoffmann: Ich sehe die Chancen mit 60 zu 40 für
mich.
BoxingPress: Sie kennen Ihren Gegner aus zahlreichen
Sparringseinheiten, denn Sie trainierten früher beide gemeinsam in
Köln bei Coach Ulli Wegner. Für wen ist das ein Vorteil?
Cengiz Koc: Das ist für keinen von uns ein Vorteil.
Man kennt sich gut und jeder muss sich aus den gemeinsamen Sparrings herausziehen,
was für ihn wichtig ist. Aber ich weiß somit, was auf mich
zukommt. Trotzdem, im Schwergewicht spielt das eigentlich keine Rolle.
Denn man darf niemanden unterschätzen und in dieser Gewichtsklasse
ist immer alles möglich.
Timo Hoffmann: Das macht die Sache leichter, weil man
sich kennt und gleichzeitig schwerer, weil auch der Gegner genau über
einen Bescheid weiß.
BoxingPress: Timo Hoffmann trainiert inzwischen bei
Uwe Schuster in Halle an der Saale. Cengiz Koc wird seit langer Zeit von
Ulli Wegner gecoacht. Könnte das ein Punkt sein, der auch für
den Kampfausgang von entscheidender Bedeutung ist?
Cengiz Koc: Alle wissen, dass Timo Hoffmann ja schon
häufiger den Trainer wechselte. Das ist eigentlich eine schwere Sache.
Für mich käme das nicht in Frage, denn Trainer und Kämpfer
müssen ein Team sein. Bei mir hat es lange gedauert, ein gutes Vertrauensverhältnis
zum Trainer aufzubauen. Da sehe ich klare Vorteile auf meiner Seite.
Timo Hoffmann: Ulli Wegner ist ein Trainerfuchs. Er war
zum Beispiel beim Kampf gegen Vitali Klitschko an meiner Seite. Er kennt
mich sehr gut, das ist natürlich ein Vorteil. Inwieweit Cengiz Koc
davon profitieren und diese Kenntnisse im Kampf umsetzen kann, weiß
ich nicht.
BoxingPress: Vorausgesetzt, Sie siegen am Wochenende, wie
geht es dann weiter?
Cengiz Koc: Das wird der Manager entscheiden. Für
mich geht es darum, so schnell wie möglich wieder um einen Titel
zu boxen. Mein Traum ist nach wie vor, ganz oben zu stehen und nicht einfach
nur auf einem gewissen Level mitzuboxen.
Timo Hoffmann: Mein persönliches Ziel ist es, gegen
Vladimir Virchis um die Europameisterschaft zu kämpfen. Ich kenne
ihn aus gemeinsamen Sparrings und habe dabei gut ausgesehen. Deshalb hoffe
ich, dass ich im Frühjahr wieder um die Europameisterschaft boxen
kann.
BoxingPress: Wir bedanken uns bei Cengiz Koc und
Timo Hoffmann für das Interview und wünschen beiden Kontrahenten
einen interessanten und fairen Kampf.
Freitag,
03. November 2006
|
|