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Interview mit Ulli Wegner

Von Frank Bleydorn



Der WBC-Weltmeister Markus Beyer (BP-Nr. 3, auf Foto oben rechts) und sein Trainer Ulli Wegner (auf Foto oben links) sind bereits seit vielen Jahren ein erfolgreiches Gespann. 1996 wechselten sie gemeinsam ins Profilager. Seither haben beide zahlreiche Höhen und Tiefen durchlebt. Bei 34 Siegen aus 36 Profikämpfen überwogen dabei jedoch aus sportlicher Sicht die positiven Momente in der Laufbahn Beyers. Wegner, inzwischen 64, kennt den deutschen Supermittelgewichtler wie kaum ein anderer. Der Coach lobt die konzentrierte Vorbereitung seines Schützlings vor dem WM-Fight am 13. Mai in Zwickau. Gleichzeitig warnt Wegner allerdings auch vor den Stärken des Herausforderers Sakio Bika (BP-Talent im Mittelgewicht).

BoxingPress: Herr Wegner, am 13. Mai steigt Markus Beyer gegen Sakio Bika in den Ring. Wie stark ist der Herausforderer aus Ihrer Sicht einzuschätzen?

Ulli Wegner: Sakio Bika kann unheimlich hauen. Er ist ein echter Fighter. Das wird am Samstag ein ganz heißer Tanz. Nur wenn sich Markus Beyer auf seine boxerische Linie verlässt, wird er gegen Bika bestehen.

BoxingPress: Im letzten Jahr besiegte Ihr Schützling in Zwickau Danny Green (BP-Nr. 5). Der Erfolg gegen den Australier war wie eine Art sportliche Wiederauferstehung. In welchen Bereichen hat sich Markus Beyer entwickelt?

Ulli Wegner: Der Sieg gegen Danny Green im letzten Jahr war sicherlich äußerst wertvoll. Doch man kann auch sagen, dass Markus im Trainingsprozess noch Reserven hatte. Heute trainiert er sich fast selbst. Er arbeitet sehr konzentriert und zielstrebig.

BoxingPress: Hat sich Markus Beyer auch von der Persönlichkeit her entwickelt?

Ulli Wegner: Markus Beyer ist in seiner ganzen Art und vom Auftreten her gewachsen. Außerdem muss ich sagen, es ist erstaunlich, wie er sich aus seinem zwischenzeitlichen Tief rausgezogen hat.

BoxingPress: Wenn Markus Beyer in Zwickau den Ring als Sieger verlassen sollte, was wird dann passieren? Wird es eine Pflichttitelverteidigung geben? Oder gar einen Vereinigungskampf?

Ulli Wegner: Das muss man erst einmal abwarten. Dies ist sicher auch eine Frage des Geldes. Eine Pflichttitelverteidigung gegen Librado Andrade (BP-Nr. 11) wäre alles andere als einfach. Ob sich ein Vereinigungskampf realisieren lässt, hängt von sehr vielen Faktoren ab.

BoxingPress: Sie sind jetzt 64 Jahre alt geworden. Markus Beyer hat gerade seinen 35. Geburtstag gefeiert. Wie lange wollen Sie und Ihr Schützling noch aktiv bleiben?

Ulli Wegner: Bei Markus Beyer ist das sicherlich vom Ausgang seiner Kämpfe und den jeweiligen Leistungen abhängig. Ich selbst sehe viele Faktoren, die darüber entscheiden, wie lange ich noch arbeiten werde. Mein Vertrag läuft im nächsten Jahr aus. Eigentlich möchte ich noch ein bisschen Geld verdienen und so lange ich noch gut in Schuss bin, möchte ich das nutzen. Für mich gibt es dann verschiedene Möglichkeiten und ich werde sehen, wie sich die Dinge entwickeln. Ich selbst mache meinen Werdegang auch von den Sportlern abhängig, die bei mir trainieren. Einige, damit meine ich aber nicht Markus Beyer, zeigen einfach nicht die nötige Disziplin. Es würde viel Kraft erfordern, sie in die Weltspitze zu bringen. Sollte sich dies im Laufe der nächsten Zeit ändern, sehe ich der Zukunft positiv entgegen. Im Moment konzentriere ich mich, unterstützt von meinem fleißigen Assistenz-Trainer Georg Bramowski, voll und ganz auf die anstehenden Kämpfe und dränge diese Thematik beiseite.

BoxingPress: Wir bedanken uns bei Ulli Wegner für das Interview und wünschen ihm für seine weitere Zukunft und die anstehenden Aufgaben viel Erfolg.
Donnerstag, 11. Mai 2006


 
     

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