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Interview mit Ulli Wegner

Von Frank Bleydorn



Am 16. Dezember stehen sich in Kempten der Cruisergewichtler Marco Huck (BP-Talent, Foto oben rechts) und Pietro Aurino (Italien) gegenüber. Vor dem Kampf um die derzeit vakante EU-Meisterschaft herrscht große Spannung. Denn beide Kontrahenten befinden sich aufgrund ihrer Ranglistenpositionen bei den führenden Boxweltverbänden im Blickfeld für einen WM-Fight. Zudem stellt sich die Frage, ob der junge, aufstrebende Huck trotz seiner bisher erst kurzen Profilaufbahn in der Lage ist, einen so gut ausgebildeten Boxer wie Aurino in die Schranken zu weisen. Vor dem Kampf im Allgäu sprach BoxingPress mit Ulli Wegner (Foto oben links), dem Trainer von Marco Huck.



BoxingPress: Herr Wegner, mit Marco Huck trifft am 16. Dezember einer Ihrer noch ganz jungen Boxer auf den erfahrenen Italiener Pietro Aurino. Kommt diese Aufgabe für Ihren Schützling nicht ein bisschen zu früh?

Ulli Wegner: Naja, wenn man das ganz realistisch einschätzt, ist das schon eine gewagte Sache, so einen Kampf zu machen. Marco Huck ist erst seit zwei Jahren Profiboxer. Vorher war er ein guter Kickboxer, doch natürlich fehlt es für den Boxsport noch an vielen Ecken und Enden – gerade im taktischen Bereich. Die wenigen Amateurkämpfe, die er als Boxer machte, forderten ihn kaum. Auf der anderen Seite hat Marco Huck einen enormen Kampfgeist, ist physisch sehr stark und erledigte seine bisherigen Aufgaben souverän. Mit Pietro Aurino steht ihm am Samstag aber ein Gegner gegenüber, der schon als Amateur zur Weltspitze zählte und auch als Profi zahlreiche Erfolge feierte.

BP: Es kommt nicht so häufig vor, dass man bei einem Kampf um die EU-Meisterschaft bereits auf einen Gegner von Aurinos Kaliber trifft. Welche Stärken konnten Sie nach Ihrer Analyse beim Italiener ausmachen?

Ulli Wegner: Aurino ist sehr explosiv und verfügt über eine große Erfahrung. Er kann seine Kämpfe von der Taktik her sehr gut gestalten und ist zudem ein technisch sehr versierter Boxer.

BP: Welche Rolle wird im Kampf spielen, dass Aurino ein Rechtsausleger ist?

Ulli Wegner: Ich selbst nehme nicht an, dass dies zum Problem werden wird. Die Frage ist eher, ist jemand wie Marco Huck vom Nervenkostüm her in der Lage, eine solche Aufgabe zu meistern.

BP: Huck bestritt vor etwas mehr als zwei Jahren sein Profidebüt. Wie würden Sie seine Entwicklung seither einstufen?

Ulli Wegner: Er war von Anfang an sehr trainingsfleißig. Zunächst hatte er manchmal mit der Strategie und Technik noch so seine Probleme. Er beherrschte zwar einige Gegner, wusste aber eigentlich gar nicht so genau, warum dies so war. Das Boxen erfordert schon ein gewisses Maß an Qualität, das muss einem jungen Sportler erst einmal klar werden. Im Laufe der Zeit hat er dann seine Schlagtechnik verbessert. Zudem hat er gelernt, Stresssituationen im Laufe des Kampfes besser zu meistern. Ich muss deutlich sagen, dass er sich immer besser in seine Aufgaben hineindenkt. Doch im taktischen Bereich muss man noch ein bisschen Geduld mit ihm haben, auch wenn er selbst sehr ehrgeizig ist.

BP: Mit einem Erfolg am 16. Dezember würde Ihr Schützling in den Weltranglisten der bedeutenden Boxweltverbände ganz vorne mitmischen. Wäre er aus Ihrer Sicht bereits reif für einen WM-Fight?

Ulli Wegner: Diese Frage wird der 16. Dezember beantworten. Deshalb ist der Kampf gegen Pietro Aurino für mich als Trainer und auch für sein Management so wichtig. Danach kann man sagen, wo Marco Huck steht. Schlägt er den Italiener, dann darf man daraus schlussfolgern, dass er für solche Aufgaben bereit ist, denn Aurino gehört zu denjenigen, die im Cruisergewicht ganz vorne mit dabei sind. Von der Tatsache, dass es um den EU-Titel geht, sollte man sich nicht blenden lassen. Von der Qualität der Kontrahenten her könnte dies auch ein Kampf um eine EM oder vielleicht sogar WM sein.

BP: Ist das kommende Wochenende nach den Niederlagen von Markus Beyer und Cengiz Koc auch für Sie eine ganz besondere Bewährungsprobe? Oder fühlen Sie sich persönlich nicht unter Druck gesetzt?

Ulli Wegner: Doch, das ist auch für mich ein ganz wichtiger Kampf. Als Trainer muss man für die gezeigten Leistungen seiner Schützling die Verantwortung übernehmen. Die Niederlage von Markus Beyer war für mich eine Enttäuschung, denn er war vor dem Kampf gegen Mikkel Kessler in guter Form. Dann unterlag Cengiz Koc gegen Timo Hoffmann. Für mich als Trainer ist das schlimm, wenn die Boxer verlieren. Man setzt sich selbst sehr unter Druck. Auch darum wäre es gut, am Samstag zu gewinnen.

BP: BoxingPress bedankt sich für das Interview und wünscht Ihnen und Ihrem Schützling für das Wochenende viel Erfolg.
Donnerstag, 14. Dezember 2006


 
     

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