Zurück
Boxforen
Ranglisten
Termine
Ergebnisse
Rekorde
. | ENGLISCH |
 
.
   
 

Interview mit Zsolt Erdei
Von Per-Ake Persson



Am 29.07. dieses Jahres boxte WBO-Weltmeister Zsolt Erdei
(BP-Nr. 6) gegen seinen deutschen Stallgefährten Thomas Ulrich. Für den von Fritz Sdunek trainierten Ungarn war dies die sechste Titelverteidigung. Für BoxingPress nahm sich Zsolt etwas Zeit und stellte sich zum Interview.


BoxingPress: Zsolt, wann ist Ihr nächster Kampf geplant?

Zsolt Erdei: Der steht noch nicht genau fest. Bis mein Sohn auf die Welt gekommen ist, werde ich aber sicherlich nicht boxen. Der voraussichtliche Termin ist der 3. November.
Die Organisation der Kämpfe ist sowieso nicht meine Aufgabe, ich verlasse mich voll und ganz auf Universum.

BoxingPress: Wie haben Sie Ihren Kampf gegen Thomas Ulrich gesehen? Wie würden Sie ihn bewerten?

Zsolt Erdei: Ich habe meine Strategie gegen Ulrich sehr bewusst aufgebaut. Ich habe mich sehr gut konzentriert und auf seine Fehler gewartet. Ich bin ihm mit blitzschnellen linken Jabs entgegengekommen. Die waren das Fundament, die Seele meines ganzen Kampfstils an diesem Abend. Der Rest kam dann automatisch, wie beim Training.

BoxingPress: Sie sind bei Ihren Kämpfen teilweise bis zu zwei Kilogramm unter dem Halbschwergewichtslimit. Wäre das Supermittelgewicht eine Alternative für Sie?

Zsolt Erdei: Das Supermittelgewicht hat keine Realität für mich. Ich wäre zu schwach vom “Gewichtmachen”. Im Halbschwergewicht kann ich mit voller Kraft boxen und von meiner Schnelligkeit profitieren.

BoxingPress: Wie sehen Sie den anstehenden Kampf zwischen Fabrice Tiozzo (BP-Nr. 9) und Hugo Hernan Garay (BP-Nr. 10)? Wer gewinnt Ihrer Meinung nach?

Zsolt Erdei: Schwer zu beurteilen, da ich von den zwei Betroffenen nur Herrn Garay aus dem Boxring kenne. Es wird ein Duell zwischen junger, feuriger Leidenschaft und einem alten Ringfuchs. Ich möchte keine Prognose abgeben.

BoxingPress: Wie sehen Sie Ihre Kämpfe gegen Garay im Nachhinein?

Zsolt Erdei: Diese junge feurige Leidenschaft, die ich eben erwähnt habe, hat mein Leben sehr schwer gemacht. Glücklicherweise hat mich meine Routine gerettet. Ich habe Blut geschwitzt, und mich durchgebissen. Niemand wünscht sich so einen Gegner. Es ist der klare Nachteil eines Weltmeisters, jeden boxen zu müssen. Ich halte es heute für eine große Ehre, ihn zweimal besiegt zu haben.

BoxingPress: Sie waren lange Jahre ein exzellenter Amateurboxer. Welches waren Ihre größten Erfolge?

Zsolt Erdei: Ich war 1996 Olympiateilnehmer und Zweiter der Europameisterschaften, 1997 und 1998 Weltmeister sowie 2000 Europameister und Bronzemedaillengewinner bei den Olympischen Spielen.

BoxingPress: War die Umstellung zum Profiboxer schwierig für Sie?

Zsolt Erdei: Das Amateurboxen ist manchmal eine Art Mannschaftsport. Es gibt einen gewissen Teamgeist, die Boxer halten besser zusammen und bei einigen Wettkämpfen tritt man sogar als Mannschaft an. Ich weiß es nicht warum, aber im Profiboxen ist man auf sich allein gestellt, auch wenn der Trainer neben einem steht. Geld regiert, es ist ein knallhartes Geschäft. Als Amateur kannst du auch mal einen Kampf verlieren. Bei den Profis wird der Verlierer sehr oft abgeschrieben. Seit ich Profi bin, stehe ich unter einem wesentlich größeren Leistungsdruck.

Der andere wichtige Unterschied zwischen professionellem und Amateurboxen ist die Dauer der Kämpfe. Wenn jemand als Amateurboxer seine Laufbahn beginnt und später als Profi weitermacht, muss sich er sich gewaltig umstellen, wenn er erfolgreich sein will. Boxen ist eine große Herausforderung und ein wunderbarer Sport, wenn man etwas davon versteht, egal ob Profi oder Amateur. Man wird erzogen menschlich zu sein und auch in aussichtslosen Situationen weiterzukämpfen. Ich mag diesen Sport, er macht einen großen Teil meines Lebens aus.

BoxingPress: Wie ist das Verhältnis zu Ihrem Trainer, Fritz Sdunek?

Zsolt Erdei: Er ist nicht nur einer der besten Trainer der Welt, sondern auch ein hervorragender Mensch. In meinen Augen ist er der beste Trainer Welt. Ich denke, seine Menschlichkeit und seine einfühlsame Zusammenarbeit mit den Boxern hat ihn soweit gebracht, dass er weltweit anerkannt ist. Ich könnte viele Geschichten über ihn erzählen. Er hat unglaubliche, fast instinktartige, Vorahnungen, ein außerordentlicher Gentleman, der sehr bescheiden geblieben ist.

BoxingPress: Gibt es einen Bereich, in dem Sie sich noch verbessern könnten?

Zsolt Erdei: Natürlich! Es gibt keinen fertigen Boxer. Man fühlt bei jedem Kampf, dass man nicht vollkommen ist. Ich möchte besser mich verteidigen können, und diszipliniert, aber doch etwas lässiger boxen. Ich möchte tapferer, schneller und stärker, also ein vollkommener Boxer sein. Ich weiß, den gibt es eigentlich nicht, aber ich bemühe mich trotzdem. Dieser Wille besser zu sein, gibt mir die Motivation während einer Kampfvorbereitung. Daher macht mir Boxen auch nach so vielen Jahren noch Spaß.

BoxingPress: Wissen Sie bereits, wie lange Sie noch im Ring stehen wollen?

Zsolt Erdei: Solange, wie ich das Gefühl habe, noch etwas erreichen zu können. Meine Gesundheit ist mir natürlich auch wichtig. Wenn meine Reflexe nachlassen und ich mich nach einem Kampf nicht mehr richtig erholen kann, will ich aufhören.

BoxingPress: Gibt es einen bestimmten Gegner, den Sie sich wünschen würden?

Zsolt Erdei: Nein, ich bereite mich immer auf den nächsten Kampf, auf den nächsten Sieg vor. Ich weiß, dass ich gegen jeden eine Siegchance habe, egal wer vor mir steht. Ich bin schließlich nicht zufällig Weltmeister.

BoxingPress: Wie sehen Ihre Pläne nach der aktiven Karriere aus?

Zsolt Erdei: Ich möchte weiterhin ein schönes, ruhiges Familienleben führen, wie ich es jetzt auch tue. Ich möchte Boxtrainer werden. Ich habe ein Jahr an der sportwissenschaftlichen Universität in Budapest studiert. Ich will das Studium nach meiner Profikarriere beenden und als Nachwuchs-Trainer arbeiten. Ich mag Boxen sehr und ich bin von seiner erzieherischen Kraft überzeugt. Kinder und Jugendliche, die trainieren, werden sich von Drogen und kriminellen Gangs fernhalten.

BoxingPress: Sind Sie verheiratet und haben Kinder? Was machen Sie neben dem Boxen?

Zsolt Erdei: Ich bin seit über einem Jahr mit Arabella glücklich verheiratet. Unser heiß erwarteter Sohn kommt im November auf die Welt. In meiner Freizeit möchte ich ausschließlich Ruhe haben. Ich gehe regelmäßig angeln.

BoxingPress: Vielen Dank für Ihre Zeit und viel Erfolg in der Zukunft. Zsolt, es ist immer eine Freude, Sie boxen zu sehen.

Donnerstag, 28. September 2006



 
     

BoxingPress.de - Alle Rechte vorbehalten
© 2006 - Alle Elemente sowie das Layout dieser Seiten unterliegen den Copyrightbestimmungen nach deutschem Recht. Kein Teil dieser Seiten darf in irgendeiner Form an anderer Stelle ohne die ausdrückliche Erlaubnis von BoxingPress.de veröffentlicht werden.
 

All photos ALLSPORT / AFP / ROGER WILLIAMS / SECONDSOUT.COM / KURT SAYGIN - BoxingPress ist um vollständigen Urhebernachweis auf seinen Internetseiten bemüht. Sollte sich auf einer unserer Seiten dennoch eine ungekennzeichnete, aber durch Copyright eines Dritten geschützte Graphik befinden, so konnte das Copyright von uns nicht festgestellt werden. Sollte Bildmaterial einmal nicht mit einem entsprechenden Urhebernachweis ausgezeichnet sein, bitten wir den Betreffenden, sich bei der Redaktion zu melden. Im Falle einer solchen unbeabsichtigten Copyrightverletzung werden wir das entsprechende Objekt nach Benachrichtigung aus der Internetseite entfernen bzw. mit dem entsprechenden Copyright kenntlich machen.
GOWEBCounter by INLINE