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Kastor-Boxabend im Boxtempel-Berlin

Bericht und Fotos von M. Kurt Saygin


Am vergangenen Freitagabend veranstaltete der bekannte Eurosport-Kommentator Werner Kastor einen seiner beliebten Kampfabende im Berliner „Boxtempel“ in Berlin-Weißensee. Früher traten bei diesen Events vorwiegend Debütanten und relativ unbekannte lokale Boxer fernab der Presse und des öffentlichen Bewusstseins an. Mittlerweile jedoch lässt auch Promoter Sauerland ab und zu Boxer dort an den Start gehen und sogar im Fernsehen (TV-Berlin) werden diese Events übertragen. Einziger Punkt- und Ringrichter des Abends war Jürgen Langos. Musikalisch wurde der Event in den Rundenpausen von der Band „Kein Gramm zuviel“ (Foto oben) begleitet .

Die Kampfergebnisse im Einzelnen:

1. Kampf: Marco Heinichen vs. Alex Kosobokow, Cruisergewicht, angesetzt auf vier Runden

Der Profidebütant und Gastboxer aus Lettland Alex Kosobokow machte schon beim Einmarsch optisch einen guten Eindruck. Abgesehen davon, dass er gut einen Kopf größer war als sein Berliner Gegner Marco Heinichen (6-9-0, 5 KOs, auf Foto Rechts), war er auch noch gut durchtrainiert. Dieser Eindruck bestätigte sich im Kampf. Der Berliner konnte zwar die erste Runde mit seiner Erfahrung und seinen stürmischen Attacken, bei denen er die Nase des Letten blutig schlug, auf seinem Konto verbuchen, musste jedoch zwei von den drei weiteren Runden an den Gastboxer abgeben. Dieser stellte sich schnell auf Heinichen ein und überzeugte zumindest den Autor durch eine höhere Workrate und die weit klareren Treffer. Auf dem Punktezettel des Autors stand es unentschieden.

Offizielles Urteil:
Sieger nach Punkten: Marco Heinichen

2. Kampf: Iljan Aries vs. Miroslaw Vymislicky, Weltergewicht, angesetzt auf vier Runden

Iljan Aries (7-1-0, 3 KOs, auf Foto rechts), der eigentlich mal bei Universum Boxpromotion boxen sollte, hatte an diesem Abend keine Probleme mit dem tschechischen Profidebütanten. Er stürmte auf ihn zu, schlug auf ihn ein und ließ ihn schon nach wenigen Sekunden das erste Mal anzählen. Bei der nächsten Serie von harten Treffern hatte der Referee ein Einsehen und brach den ungleichen Kampf zu Recht ab.

Offizielles Urteil:
Sieger nach 1:43 der ersten Runde: Iljan Aries

3. Rashad Ismayilow vs. Zsolt Botos, Superfedergewicht, angesetzt auf vier Runden


Zsolt Botos (14-12-1, 8 KOs) ist eine traurige Figur im Profiboxen. In seiner Heimat Tschechien kämpft er meistens siegreich, bei Auswärtskämpfen lässt er sich brav verprügeln. Dennoch beweist er in jedem Kampf, dass er eigentlich der überlegenere Techniker ist. Gegen Arthur Novak demonstrierte er in jeder Runde für zehn Sekunden, was er technisch imstande ist zu leisten, indem er für diese zehn Sekunden seinen Gegner so mit präzisen und schnellen Schlägen eindeckte, dass dieser nicht wusste, wie ihm geschah. Den Rest der Runden zeigte er nur einen Bruchteil seines Könnens und verlor – mit breitem Grinsen auf seinem Gesicht – erwartungsgemäß den Kampf. Auch gegen seinen heutigen Gegner Rashad Ismayilow (10-0-0, 3 KOs) verlor er nach Punkten und lächelnd. In diesem Kampf verlangte er aber seinem Gegner mehr ab als sonst. Einerseits ist zu wünschen, dass er auf diesem Weg der Besserung weitermacht. Andererseits wird ihn keiner mehr buchen, wenn er anfängt, die Lokalboxer zu besiegen. Schade eigentlich.

Offizielles Urteil: Sieger nach Punkten: Rashad Ismayilow

4. Rene „Der Rebell“ Hübner vs. Alex Borochow, Cruisergewicht, angesetzt auf sechs Runden

Im besten Kampf des Abends kämpfte der Berliner Lokalmatador und Publikumsliebling Rene „Der Rebell“ Hübner (4-7-2, 2 KOs, auf Foto rechts) gegen den Profidebütanten Alex Borochow aus Lettland. Hübner, der durchaus kein schlechter Amateur war, hat leider viel von seinem Handspeed und seiner Technik verloren. Laut eigener Aussage trainiert er kaum noch, was sehr zu bedauern ist, denn sein Biss im Kampf ist unvermindert. So schaffte es zwar der Gastboxer aus Lettland, seinen Kontrahenten schon gegen Mitte der ersten Runde durch einen krachenden rechten Kopfhaken auf die Bretter zu schicken, musste dann aber jede einzelne Runde an den Berliner abgeben. Hübner war in jeder Runde bissiger und schlug mehr und härter als sein Gegner.

Offizielles Urteil: Sieger nach Punkten: Rene Hübner

5. Alexander Abraham vs. Dmitri Protkunas, Superweltergewicht, angesetzt auf acht Runden

Das Sauerland-Talent Alexander Abraham (6-0-0, 6 KOs, alle jeweils in der zweiten Runde) ist mit den bisherigen Gegnern derart unterfordert, dass es kaum Vergnügen bereitet, ihm zuzusehen. Er stellt sich seine Gegner ruhig, gelassen und emotionslos so hin, wie er sie gerne hätte, deckt sie mit Schlägen ein, fängt Konterschläge seiner Gegner meist schon auf der Hälfte der Strecke ab und steckt sie genauso gelassen ein, wenn sie mal ihr Ziel finden. Er kämpft ohne Hast, ohne nervös zu werden, er spielt nicht mit seinen Gegnern, er ist nicht respektlos, er steigt einfach in den Ring und knockt sie „professionell“ in der zweiten Runde aus. Erst vor sechs Tagen erging es Majo Kvocka bei einem Ralf-Reiser-Event so, diesmal war es Dmitri Protkunas (5-11-1, 1 KO, Foto). Lobend zu erwähnen ist, dass allein dieser Gegner mehr Kämpfe gewonnen hatte, als alle seine bisherigen Gegner zusammen.

Von diesem Mann werden wir noch viel hören und sehen. Hoffentlich auch bald gegen Gegner, die ihn mal ein bisschen fordern.

Offizielles Urteil: Sieger durch TKO nach 0:55 der zweiten Runde: Alexander „Two Rounds“ Abraham

Monntag, 31. Mai 2004


 
     

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