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Boxen in der Keltenhalle
- Der Bericht


von Dr. Constantin Hofmann




Die urige Keltenhalle in Rheinstetten-Mörsch bei Karlsruhe war am vergangenen Samstag erneut Austragungsort einer Kleinringveranstaltung, in der vor allem Nachwuchsboxer vorgestellt wurden. Nachdem bereits die erste Veranstaltung dieser Art am 27.05.2006 positiv aufgenommen wurde (BoxingPress berichtete), entschloss sich Jürgen Lutz, technischer Direktor, Inhaber des Fashion Studios Karlsruhe, Trainer, Ringrichter sowie WIBF-Vizepräsident in einer Person, zu einer Fortsetzung, um seine jungen Talente zu präsentieren.

Die insgesamt fünfeinhalbstündige Veranstaltung bot Profi-Boxen, Sparringsdemonstrationen und Kickboxen praktisch nonstop und das zu sehr fairen Eintrittspreisen von 12,- Euro auf der Tribüne und 20,- Euro am Ring. Nach einigen Kickbox-Kämpfen, u.a. mit Sascha Friedrich, den man auch schon als Boxer gesehen hat, zeigten bekannte Talente wie Maya Frenzel und Stefanie Penkwitt ihr Können, aber auch ganz junge Nachwuchsboxerinnen wie Natascha Guthier oder Pia Porter, die erst seit diesem Jahr boxt. Jürgen Lutz baut Karlsruhe immer mehr zur Hauptstadt des deutschen Frauenboxens auf. Zwar muss man einräumen, dass nicht jede der auftretenden Damen das Zeug zur Weltmeisterin hat, aber einige Boxerinnen könnte man durchaus in ein paar Jahren oder auch nur Monaten bei Universum oder Sauerland wieder antreffen.

Wenn Veranstalter Jürgen Lutz und Dieter Bohner dann die „Fighting Kids“ ankündigten, dann meinten sie auch wirklich Kids, also Kinder (Foto oben). So dürften die jüngsten Nachwuchsathleten sicherlich nicht älter als etwa vier Jahre jung gewesen sein. Es versteht sich von selbst, dass diese „Kämpfe“ ohne Wertung und ohne Verletzung der Kinder und Jugendlichen blieben.

Nach 20.00 Uhr wurde es dann ernst und es standen die Profikämpfe unter Aufsicht des Bundes deutscher Berufsboxer (BDB) auf dem Programm. Die Engländerin Angel McKenzie hatte außer einem großspurigen Einmarsch mit Sonnenbrille und Fellmantel wenig zu bieten und verlor gegen Galina Gumliska aus Bulgarien nach Punkten in einem 4-Runden-Kampf. Yavuz Azal, ein Nachwuchstalent vom Warriors Gym in Karlsruhe machte kurzen Prozess mit seinem tschechischen Gegner Jan Farkas.
Bereits in der zweiten Runde musste der Kampf durch TKO abgebrochen werden, weil sich ein Auge des Tschechen durch Schlagwirkung geschlossen hatte. Magda Dahlen erkämpfte sich anschließend nach vier Runden einen Punktsieg über ihre ausgesprochen muskulöse Gegnerin Svetla Taskova aus Bulgarien. Die sehr durchtrainierte Italienerin Lucia Morelli siegte gegen die Bulgarin Borislava Goranova ebenfalls nach Punkten.



Nach einer Pause standen die Hauptkämpfe des Abends an: Alexander Ackermann (Foto oben) vom Warriors Gym Karlsruhe besiegte Josef Holub aus der Tschechischen Republik nach Punkten. Dabei hatte er ihn in der vierten Runde bereits nach einem Wirkungstreffer am Boden, jedoch gelang es ihm nicht, effektiv nachzusetzen und den Kampf vorzeitig zu beenden. Dennoch eine gute Leistung des kompakten Karlsruhers. Dieser Kampf war zu Recht als Hauptkampf angesetzt worden; die zahlreichen Fans des offensichtlich russischstämmigen Ackermanns riss es jedenfalls von den Sitzen. Hagar Shmoolefeld aus Tel Aviv in Israel besiegte dann noch kurz vor Mitternacht ihre Gegnerin Emilina Zenova nach Punkten.

Ein paar Kritikpunkte an der insgesamt gelungenen und abwechslungsreichen Veranstaltung gibt es dann doch noch. So war die auf den Plakaten als Moderatorin angekündigte Regina Halmich nicht präsent und wurde ersetzt durch einen zwar engagierten, aber etwas unerfahrenen jungen Ringsprecher, der z.B. aus dem BDB schon mal den „Deutschen Boxverband“ machte und sich die Namen der (zugegebenermaßen teilweise schwer auszusprechenden) Boxer und Sponsoren vielleicht vorher einmal hätte durchlesen sollen. Auch die Verpflegung bestehend aus Würstchen könnte noch etwas vielfältiger gestaltet werden. Als Schwergewichtsfan hätte man sich außerdem einen Kampf in der Königsklasse gewünscht, z.B. mit dem als Zuschauer anwesenden „Highlander“ Marcel Zeller.

Nach fünfeinhalb Stunden Boxen, Kickboxen, Kinderboxen und Wing Tsun-Demonstrationen war der Autor dann etwas erschöpft, aber doch froh, durchgehalten zu haben. Die Karlsruher Boxszene ist lebendig und insbesondere bei den Frauen wird Förderer Jürgen Lutz bei seiner Suche nach einer Nachfolgerin von Regina Halmich früher oder später fündig werden. Und selbst wenn Halmich eine Ausnahmeerscheinung bleiben sollte, hat Frauenboxen in Karlsruhe eine Heimat gefunden.

Montag, 13. November 2006



 
     

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