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Kampfabend in Offenbach -
Willi Fischer kehrt zurück

von Matthias Adamczyk

Willi Fischer hat sich nach Verbüßung einer Doping-Sperre erfolgreich im Ring zurückgemeldet. Der 29 Jahre alte Frankfurter bezwang am Samstagabend in der Offenbacher Stadthalle den Kenianer Joseph-Mukungo Akhasamba (10-2-1) nach Punkten und gewann damit nebenbei den "WBB-Titel" im Schwergewicht. Gegen den 34 Jahre alten Afrikaner dominierte Fischer nach Belieben. Akhasamba, der im Mai vergangenen Jahres den Titel durch einen Sieg über den Dresdner Rene Hanl' erobert hatte, war überfordert. Von der kompletten Veranstaltung in Offenbach berichtet Matthias Adamzyk.

Die Offenbacher Stadthalle war noch recht leer, als die Veranstaltung, eine Viertelstunde früher als geplant, begann.

1.Kampf: Inan Faik (D) vs. Peter Feher (H); 4 Runden Leichtgewicht (Kampfrekorde laut Veranstalter: Faik (4-0); Feher (16-24, 7KO))

Zwei sehr bewegliche Boxer trafen aufeinander. Allerdings war Faik fast über die gesamte Distanz der aktivere Boxer, traf häufiger und auch seine Deckungsarbeit war überlegen. Nach 4 Runden wurde Inan Faik zum berechtigten Punktsieger erklärt. Keine besonderen Höhepunkte.

2.Kampf: Turgay Uzun (D) vs. Patrik Puskas (H); 4 Runden Weltergewicht (Rekorde: Uzun (5-2-2, 1KO); Puskas (4-3, 3KO))

Etwas mehr als im ersten Kampf war hier los. Zwei Runden lang zeigten beide Boxer einiges von ihrem Können; Puskas wusste etwas besser zu gefallen, da er immer wieder die Deckung seines Gegners aufbrechen und gute Treffer anbringen konnte. Uzun (Foto) hielt natürlich unbeeindruckt dagegen und in der 3. Runde ging der Kampf überraschend abrupt zu Ende. Zuerst mußte sich Puskas nach einem Tiefschlag erholen, für den Uzun ermahnt wurde, dann zeigte Uzun einige wenige Schläge auf die Deckung seines Gegners. Ringrichter Heinrich Mühmert ging dazwischen und zählte Puskas bis acht an - hielt kurz inne - und zählte den Ungarn aus. Sieger durch TKO in Runde 3 Turgay Uzun. Puskas kassierte Buh-Rufe, da er sich doch recht früh aus dem Kampf nehmen ließ.

3.Kampf: Isidore Janvier (D) vs. Nenad Bijelic (YU); 6 Runden Supermittelgewicht; (Rekorde: Janvier (8-8, 3KO); Bijalic unbekannt)

Der bis dahin beste Kampf des Abends. Der größere Bijalic war zunächst der überlegene Mann, setzte Janvier aus der Distanz unter Druck. In der dritten Runde zog sich Bijelic den Unmut des Ringrichters und der mittlerweile zahlreicher erschienenen Zuschauer zu, als er nach dem Break-Kommando weiterschlug (und sich bei seinem Gegner nicht einmal entschuldigte). Diese Aktion war der Weckruf für Janvier; in der zweiten Hälfte des Kampfes suchte er immer häufiger den Schlagabtausch im Infight, was der Gegner zuließ. Dieser sah dabei alles andere als gut aus und so war am Ende die Punktrichterentscheidung "Remis" gerechtfertigt. Bijalic war in der ersten Hälfte besser, Janvier in der zweiten.

4.Kampf: Jürgen Lehmann (D) vs. Roman Aramian (ARM); 4 Runden Supermittelgewicht (Profidebüt für beide Boxer)

Die erste Runde war von beiderseitiger Nervosität geprägt und verlief recht ausgeglichen, mit leichten Vorteilen für den Gast aus Armenien. In Runde zwei fing sich Lehmann schnell einen Haken ein, der ihn zu Boden schickte. Er stand wieder auf und Aramian bearbeitete ihn weiter mit Links-Rechts-Kombinationen. Ringrichter Mühmert ging in seinem zweiten Kampf des Abends genau rechtzeitig dazwischen; Sieger also durch TKO in der 2.Runde Roman Aramian, der sich darüber wie ein Schneekönig freute, und die Zuschauer mit ihm.

5.Kampf: Weltmeisterschaft der WIBF/GBU, Nadja Loritz (D) vs. Sonja Pereira (P); 10 Runden, Junior-Federgewicht der Damen (Rekorde: Loritz (9-0-2, 7KO); Pereira (13-3, 4KO))

Ein höchst einseitiger Kampf um den vakanten Titel. Nadja Loritz (Foto) setzte ihre Gegnerin, mit Ausnahme der 3.Runde, permanent unter Druck. Kopftreffer, Körpertreffer - alles war dabei. Loritz arbeitete sehr konsequent und wurde hochverdient zur Punktsiegerin und "Weltmeisterin" erklärt. Punktewertungen von 100:90 (!), 98:92 und 99:90 kamen dabei heraus, auf dem Boxingpress-Punktzettel waren es 99:91. Der Ringrichter war übrigens Daniel van de Wiele, der gewohnt gute Arbeit ablieferte.

6.Kampf: Orhan Ajvazoski (D) vs. Branco Sobot (CRO); 6 Runden Mittelgewicht; (Rekorde: Ajvazoski (17-7-1, 9KO); Sobot (17-5, 4KO))

Diese Auseinandersetzung hielt nicht allen Erwartungen stand. Fast über den ganzen Kampf machte der größere Sobot die Arbeit, setzte seinen Gegner aus der Distanz unter Druck. Ajvazoski hatte mit dem Stil seines Gegners nur dann keine Probleme, wenn er klammern konnte. Der etwas übergewichtige FLP-Boxer mit dem Kampfnamen "Pitbull" wirkte wie ein Schatten früherer Tage. Punktsieger wurde verdientermaßen Branco Sobot, der ebenfalls den Kampfnamen "Pitbull" trägt...

Hauptkampf - WBB-"WM": Willi Fischer (D) vs. Joseph Akhasamba (KEN/Titelverteidiger), 12 Runden im Schwergewicht; (Rekorde: Fischer (26-4-1, 20KO); Akhasamba (10-2-1, 7KO))

Das Kampfgericht war ungewöhnlicherweise für eine WM komplett deutsch: Zwei deutsche Punktrichter und mit Andreas Schweiger auch noch ein deutscher Ringrichter (der gleichzeitig punktete). Interessanterweise stand im Programmheft das Alter des Afrikaners mit 31 angegeben, während der Ringsprecher 35 angab. Der bekannteste Gegner in Akhasamba's Rekord war der Däne Jesper Kristiansen, gegen den er zweimal nach Punkten verlor. Den WBB-"Titel" gewann der Kenianer gegen Rene Hanl' in seinem letzten Kampf.

Mit einem Gewichtsunterschied von über 10 Kg wirkte Akhasamba vor Kampfbeginn gegenüber dem bulligen Fischer wie ein aufgeblähter Cruisergewichtler. Das sagte bereits einiges aus über die Qualität dieses Mannes, der in den folgenden 12 Runden gegen "de Ox" schwere Prügel beziehen sollte . Mehrmals hatte Fischer seinen Gegner dicht vor dem KO, aber Akhasamba fiel einfach nicht um. Seine Nehmerfähigkeiten und sein Kämpferherz waren aber auch das Einzige, was für den Titelverteidiger sprach. Nicht sonderlich positiv zu vermerken war, daß er überhaupt soviel einstecken mußte. Die Deckungsarbeit war sehr lückenhaft.

Willi Fischer (Foto) hingegen präsentierte sich nach der langen in überraschend guter Verfassung. Betreut von Trainer Walter Sternad hatte der Mann aus Sachsenhausen allerdings auch wenig Mühe gegen den Kenianer, der ihm zu keinem Zeitpunkt gefährlich werden konnte. Trotzdem kassierte Fischer viele unnötige Treffer, die aufzeigten, dass dem "Ochsen" noch viel Arbeit im Gym bevorsteht.

Willi Fischer wurde schließlich verdienter Punktsieger und neuer "Waldmeister" in einem unterhaltsamen, wenngleich nicht übermässig spektakulären Kampf. "Wichtig ist für mich, dass ich wieder im Ring stehe, dass ich boxen darf," sagte Fischer nach dem Kampf.

Fazit: Eine aus sportlicher Sicht überwiegend mittelmäßige Veranstaltung. Positiv bleibt noch anzumerken, daß die Punkturteile allesamt in Ordnung gingen und die Getränkepreise fanfreundlich waren.



 
     

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