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Profiboxen in der Keltenhalle

Vor Ort aus Rheinstetten bei Karlsruhe berichtet
Dr. Constantin Hofmann


Die Keltenhalle in Rheinstetten-Mörsch (bei Karlsruhe) war der Schauplatz der von der Baden Box-Promotion organisierten Profiboxveranstaltung am vergangenen Samstag, den 27.05.2006. Bei dieser Kleinringveranstaltung unter Aufsicht des Bundes Deutscher Berufsboxer traten überwiegend lokale Nachwuchsboxer, aber auch einige bundesweit bekannte Profis wie etwa der „Highlander“ Marcel Zeller (Foto links mit Antomic Darko) aus Karlsruhe gegen ausländische Gäste, zumeist aus Bulgarien, an. Vor allem dem Engagement des Organisators Dieter Bohner und des Technischen Direktors Jürgen Lutz (Vizepräsident der WIBF und Heimtrainer von Regina Halmich) war es zu verdanken, dass dieses Kleinevent mit Kultcharakter zustande kam und jungen Talenten - teilweise noch im Vorschulalter - die Chance gegeben wurde, sich einer breiteren Öffentlichkeit zu präsentieren. Auch die wie immer sehr professionelle Karlsruher Lokalmatadorin Regina Halmich (Foto oben), die als Ringsprecherin fungierte, trug ihren Teil bei. Reich wurde an diesem Abend sicherlich niemand, aber Spaß bei den Zuschauern und Anerkennung für die Boxer war garantiert.


Zunächst erhielten verschiedene Kickboxer aus dem Bulldog Gym und dem Warriors Gym in Karlsruhe die Gelegenheit, ihr Können bei Kämpfen gegen bulgarische und französische Gegner zu zeigen. Den Abschluss dieses Kickboxteils bildete Sascha Friedrich, der auch schon als Boxer auftrat. Er besiegte einen französischen Gegner nach Punkten.

Ab etwa 20.30 Uhr stand dann Profiboxen auf dem Programm: Alexander Ackermann besiegte Omit Nosrati durch TKO in Runde zwei, dann boxte Maya Frenzel Unentschieden gegen Lliana Boneva (Foto rechts). Es war angenehm zu sehen, dass hier die Gastboxerin nicht betrogen wurde, wie von größeren Veranstaltungen leider gewohnt. Dann kam der erste Höhepunkt des Abends, als der „Highlander“ Marcel Zeller - wie immer im Schottenrock - gegen Antomic Darko antrat. Nach zwei schweren Körpertreffern warf die Ecke des Gastes in der dritten Runde das Handtuch, so dass der verdiente Sieg durch TKO an den Karlsruher ging. Ein souveräner vorzeitiger Sieg, ein begeistertes Publikum und eine sehr hübsche Freundin im Zuschauerraum - was will man mehr als Boxer?

Vielleicht noch früher gewinnen. So machte es anschließend Lucia Morelli, die ihre Gegnerin Jana Hernandez bereits in der ersten Runde besiegte, als der Ringrichter den Kampf wegen drückender Überlegenheit abbrach. Nicht viel länger brauchte dann Yavus Asal, der seinem Gegner (laut Programm Oliver Wittmann) so schwere Gesichtsverletzungen zufügte, dass der Kampf in der zweiten Runde abgebrochen werden musste. Der stark blutende Gast reklamierte zwar einen Kopfstoß, was aber nicht zutraf. Ein regulärer Schlag öffnete laut Ringsprecherin einen Cut, es könnte sich nach Meinung des Autors aber auch um eine gebrochene Nase gehandelt haben.

In einer Pause der Profikämpfe durften Kinder in den Ring zum Boxen (Foto links). Was zunächst nach einer grenzwertigen Zurschaustellung Minderjähriger aussah, entpuppte sich als rührendes Mutmachen für junge Athleten, die im Schul- und teilweise Vorschulalter aufeinander einschlugen, ohne Zeitmessung und ohne Wertung, dafür aber unter Jubelstürmen des Publikums. Der jüngste Boxer mag vielleicht drei oder vier Jahre alt gewesen sein und trug Boxhandschuhe so groß wie sein Kopf. Jürgen Lutz achtete als Ringrichter jedoch genau darauf, dass hier niemand zu Schaden kam.

Steffi Penkwitt gewann anschließend nach Punkten gegen Albena Atseva (Foto rechts) in einem wilden, wenig ansehnlichen Gerangel über vier Runden, das streckenweise nicht viel mit einem Boxkampf zu tun hatte und bei dem klare, saubere Treffer Mangelware waren. Warum dieser Kampf zusammen mit dem nächsten als Hauptkampf angekündigt war (statt z.B. Marcel Zeller), vermag der Autor dieses Berichts nicht recht nachzuvollziehen. Den Abschluss bildete jedenfalls Matteo „Macho“ Sciacca im Cruisergewicht gegen den Kroaten Mica Cocujic. Nach hart umkämpften vier Runden, in denen viel geklammert wurde, weil beide Kämpfer nur auf den einen entscheidenden Schlag aus waren, entschieden die Punktrichter salomonisch auf Unentschieden.

Die äußeren Umstände der Veranstaltung in der Turnhalle waren liebenswert-provinziell. So bestand das Hallen-Catering aus einem Dönerstand sowie einem Getränkestand, an dem man Coladosen und abgepackten Orangentee erwerben konnte. Das Publikum bestand größtenteils aus Freunden, Bekannten und Verwandten der Boxer, wobei von zahlreichen Kleinkindern, die um den Ring laufen durften, bis zur Oma alle dabei waren. Während der Pausen durften die Zuschauer nach draußen vor die Halle zum Rauchen und danach wieder herein, ohne die Eintrittskarte vorzeigen zu müssen. Man kennt sich eben. Das Publikum hätte teilweise eine gute Laienschauspielerkulisse für den nächsten ARD-„Tatort“ im Boxer-, Biker- oder S/M-Fetischmilieu abgegeben. Sensationelle Frisuren, Tätowierungen und Leder-Outfits gab es da zu sehen. Moderate Eintrittspreise erfreuten den Zuschauer, welcher z.B. wie der Autor für 20,- Euro im Vorverkauf nahe am Ring sitzen konnte. Nach Schluss fuhr zum Abtransport ein blauer Lieferwagen mit der Aufschrift „Kanalreinigung“ vor, auf dem ein Spaßbold das „K“ überklebt hatte. Dies alles machte aber gerade den Charme der Veranstaltung aus und soll nicht darüber hinwegtäuschen, dass hier gute Nachwuchstalente im Ring standen, von denen sicherlich der eine oder andere Boxer seinen Weg zu den großen Promotern Sauerland, Universum oder SES finden könnte. Besonders deutlich anhand der zahlreichen Boxerinnen wurde wieder einmal, dass Karlsruhe die Hauptstadt des deutschen Frauenboxens ist. Im Zuge von Regina Halmich gibt es wohl nirgendwo sonst derart viele junge weibliche Talente.

Selten zuvor hat der Autor dieses Berichts zu so fairen Preisen so hautnah gutes Profiboxen live am Ring miterlebt. Es bleibt zu hoffen, dass die Baden Box-Promotion möglichst bald eine Neuauflage ansetzt und sich dann ein in der Zahl vierstelliges Publikum für die lokalen Boxer aus der Region begeistern lässt. BoxingPress jedenfalls wird mit Freude wieder dabei sein.

Montag, 29. Mai 2006

 
     

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