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BP-Inside:
Simcic schlägt Gebhard

Bericht von Frank Bleydorn
Fotos von Daniel Hiller



Der Neu-Berliner Denis Simcic ist Internationaler Deutscher Meister im Halbschwergewicht. Der Schützling von Trainer Hartmut Schröder sicherte sich am späten Sonntagabend gegen Kavin Gebhard den zuvor vakanten Gürtel mit einem einstimmigen Punktsieg (98:92, 97:93 und 97:92). Insgesamt standen bei der Veranstaltung in der Universal Hall neun Kampfpaarungen auf dem Programm.


1. Kampf: Nadia Raoui vs. Doris Koehler, Fliegengewicht, angesetzt auf vier Runden

Als Beobachter fühlte man sich schon ein wenig an die WBA-Weltmeisterin Susianna Kentikian erinnert, als die 22-jährige Nadia Raoui (Foto) in den Ring stieg. Im Kampf gegen die Österreicherin Doris Koehler machte die in Berlin trainierende Fliegengewichtlerin der WBA-Titelträgerin zunächst auch alle Ehre. Im Vorwärtsgang agierend überbrückte die an Reichweite unterlegene Athletin immer wieder mit überraschenden Angriffen die Distanz zur Gegnerin und kam mit ihrer Rechten zu Treffern. Doch ab der zweiten Runde hatte sich Doris Koehler besser auf die aggressive Gangart ihrer Kontrahentin eingestellt. Zwar blieb Raoui aktiver, doch die Gegnerin aus Wien präsentierte sich mit ihrer rechten Geraden effektiver. Nadia Raoui kam auch in der Folge zu einigen gefährlichen Aktionen, doch trotz der hohen Schlagfrequenz sprang nicht viel Zählbares dabei heraus. Im Gegensatz dazu versuchte ihre österreichische Kontrahentin recht selten, selbst mit der Rechten die Initiative zu ergreifen. Dafür fand ihre Schlaghand fast immer das gewünschte Ziel. Nach vier Runden sahen es die Punktrichter anders: Alle drei werteten für Nadia Raoui, die trotz des schmeichelhaften Sieges durchaus Potential zeigte.

Offizielles Urteil: Siegerin Nadia Raoui einstimmig nach Punkten


2. Kampf: Vladimir Fecko vs. Ebubekir Bulut, Mittelgewicht, angesetzt auf sechs Runden

Der Berliner Ebubekir (auf Foto links) Bulut meldete sich nach seiner Niederlage im Juli gegen Roman Aramian erfolgreich im Ring zurück. In Vladimir Fecko hatte er zumindest an diesem Abend einen starken Gegner gefunden. Der Rechtsausleger aus Tschechien gab dem vehementen Druck seines Konkurrenten nicht klein bei und stemmte sich energisch gegen die drohende Niederlage. Zwar gelang es Bulut mehrfach, den 25-Jährigen mit der Führhand zurückzudrängen und an den Seilen mit harten Treffern zu stellen, doch Fecko bewies Nehmerqualitäten. In der vierten Runde schickte der an diesem Abend von Hartmut Schröder betreute Lokalmatador seinen Widersacher mit einem linken Konter zum Kopf zu Boden, doch die nachfolgenden Angriffe verpufften. Bis zum Ende übte Bulut starken Druck aus, ein vorzeitiger Erfolg blieb dem 24-Jährigen jedoch verwehrt.

Offizielles Urteil: Sieger Ebubekir Bulut einstimmig nach Punkten


3. Kampf: Varol Vekiloglu vs. Mohammed Rasuli, Cruisergewicht, angesetzt auf vier Runden

Mohammed Rasuli (auf Foto links) hatte sich seine Ringrückkehr nach über vierjähriger Kampfpause sicher anders vorgestellt. Zwar erwischte der 29-Jährige einen guten Start ins Aufeinandertreffen gegen Varol Vekiloglu (auf Foto rechts), doch nur in der ersten Runde verzeichnete er dabei die häufigeren Treffer. Danach war es der von Stephan Böstfleisch gecoachte Konkurrent, der aus einer geschlossenen Deckung heraus effektiv mit seiner Führhand und rechten Geraden und Schwingern agierte. Obwohl der in Kassel lebende Rasuli fast ständig nach vorne marschierte, verbuchte der 24-jährige Vekiloglu in der Schlussphase vor allem mit der Rechten durchweg die besseren Aktionen für sich. Auch wenn einer der drei Punktrichter den Kampf am Ende als Unentschieden wertete, der Punktsieg für den von Adil Cifti gemanagten Cruisergewichtler war durchaus verdient.

Offizielles Urteil: Sieger Varol Vekiloglu nach Punkten


4. Kampf: Pavel Durco vs. Jan Gola, Cruisergewicht, angesetzt auf vier Runden

Einen erfolgreichen Einstand als Profi feierte am Sonntag der Schwedter Jan Gola (Foto). Gegen den Tschechen Pavel Durco bestimmte der 30-jährige Deutsche von der ersten Sekunde an das Geschehen im Ring. Dabei bereitete er seine Aktionen mit der linken Führhand durchdacht vor, um dann mit der Rechten zum Kopf oder auf den Körper zum Erfolg zu kommen. Der 27-jährige Durco agierte durchweg im Rückwärtsgang und hielt nur äußerst selten dagegen. Trotz der deutlichen Überlegenheit und klaren Treffer war Gola jedoch nicht in der Lage, seinen tschechischen Gegner wirklich ernsthaft zu gefährden oder ihn ins Wanken zu bringen.

Offizielles Urteil: Sieger Jan Golla einstimmig nach Punkten


5. Kampf: Stan Johnson vs. Henry Weber, Supermittelgewicht, angesetzt auf vier Runden


Vierter Sieg im vierten Profikampf für Henry Weber (Foto): Der 19-jährige Stralsunder kann somit positiv in die Zukunft blicken, doch mit seiner eigenen Leistung dürfte der Schützling von Trainer Hartmut Schröder am Sonntag nur bedingt zufrieden gewesen sein. Zwar wirkte er gegen den als Außenseiter im Ring stehenden Stan Johnson über die komplette Distanz überlegen, doch zwingend wurden die Aktionen des jungen deutschen Berufsboxers erst ab dem dritten Durchgang. Gegen seinen 21-jährigen Widersacher glänzte er in dieser Phase mit variablen Aktionen und brachte dabei die Rechte als Aufwärtshaken, Gerade und Körperhaken ins Ziel. In der vierten Runde kam Henry Weber mit einer harten Rechten zum Kopf des Gegners durch, so dass dieser in der neutralen Ecke wackelte. In der Folge drehte er noch einmal auf, doch seine späte Offensive reichte nicht, um noch vorzeitig zu gewinnen.

Offizielles Urteil: Sieger Henry Weber einstimmig nach Punkten


6. Kampf: Thomas Hengstberger vs. Yuriorkis Gamboa, Leichtgewicht, angesetzt auf vier Runden

Mit großer Spannung wurde der Auftritt von Yuriorkis Gamboa (Foto) in der Hauptstadt erwartet. Doch spätestens beim Anblick seines Gegners Thomas Hengstberger dürfte vielen Zuschauern klar gewesen sein, dass dieses Aufeinandertreffen nicht über die Runden gehen würde. Die Profibilanz des Österreichers war mit vorher zwölf Siegen, fünf Niederlagen und zwei Unentschieden nicht zu bemängeln, doch schon die ängstlich wirkende Ausstrahlung des 34-Jährigen vor Beginn des Kampfes sprach Bände. So wunderte es wahrscheinlich auch nicht viele, dass der von Werner Kirsch gecoachte Gamboa lediglich eine Minute und vier Sekunden benötigte, um seinen Kontrahenten zu besiegen. Nachdem eine Rechte des Kubaners zum Kopf schnell für den ersten Niederschlag gesorgt hatte, schickte ein linker Körperhaken den Grazer wenig später zum zweiten Mal zu Boden. Ringrichter Holger Wiemann hatte genug gesehen und brach das Aufeinandertreffen danach folgerichtig ab.

Offizielles Urteil: Sieger Yuriorkis Gamboa durch TKO in der ersten Runde


7. Kampf: Marcen Gierke vs. Jonny Ibramov, Leichtgewicht, angesetzt auf sechs Runden

Sehr interessant verlief das Ringgefecht zwischen dem Berliner Marcen Gierke (auf Foto rechts Foto) und dem Usbeken Jonny Ibramov (auf Foto links). Dabei versuchte der 23-jährige Lokalmatador, das Kampfgeschehen von der Ringmitte aus zu bestimmen. Doch sein Kontrahent stand in der Deckung sicher. Zudem sorgte er mit schnellen Gegenangriffen und harten rechten Schwingern für Gefahr. Im dritten Durchgang erhöhte Ibramov das Tempo, so dass seine Überlegenheit gegen den kurzfristig engagierten Gegner größer wurde. In der fünften Runde rüttelte eine harte Rechte des 27-Jährigen zum Kopf Marcen Gierke kräftig durch, doch der Hauptstädter überstand die kritische Phase. Auch in den letzten drei Minuten änderte sich an der Überlegenheit des Usbeken nichts, so dass er am Ende einen klaren Punktsieg für sich verbuchte.

Offizielles Urteil: Sieger Jonny Ibramov einstimmig nach Punkten


8. Kampf: Pavel Siska vs. Alexander Jakob, Schwergewicht, angesetzt auf sechs Runden

Der Kampf zwischen dem früheren WBF-Titelträger Alexander Jakob (Foto) und dem tschechischen Konkurrenten Pavel Siska verlief einseitig. In dem Duell zweier Rechtsausleger benötigte der in Berlin lebende Schwergewichtler zwar ein wenig Zeit, um mit Händen zum Körper für die ersten Treffer zu sorgen, doch dann ging alles recht schnell. In der zweiten Runde sorgte eine Linke zum Körper dafür, dass Siska zu Boden ging. Im dritten Durchgang waren es dann noch einmal linke Haken zur Leber, nach denen sich der 30-jährige Tscheche zweimal anzählen ließ. Da Siska den Kampf offensichtlich nicht mehr fortsetzen wollte, schritt der Ringrichter ein und beendete das ungleiche Aufeinandertreffen.

Offizielles Urteil: Sieger Alexander Jakob durch TKO in der dritten Runde


9. Kampf: Kavin Gebhard vs. Denis Simcic, Internationale Deutsche Meisterschaft im Halbschwergewicht, angesetzt auf zehn Runden

"Spiel mir das Lied vom Tod" dröhnte es aus den Lautsprecherboxen der Universal Hall, als Denis Simcic (Foto) den Ring betrat, um sich den zuvor vakanten Titel der Internationalen Deutschen Meisterschaft zu sichern. Doch sein Konkurrent Kavin Gebhard schien von den Klängen der Einmarschmusik unbeeindruckt. Der 26-Jährige versuchte von der ersten Runde an, in die Offensive zu gehen. Dabei bereitete er seine Aktionen gut vor, scheiterte aber letztlich im entscheidenden Moment immer wieder an der stabilen Deckung des Gegners. Nach ausgeglichenem Beginn erarbeitete sich Simcic in der Folge mit recht einfachen Mitteln Vorteile. Er nutzte seine größere Reichweite, um mit der Führhand zu punkten und brachte dazu gelegentlich die rechte Gerade ins Ziel. Das schien Gebhard derart auf die Palme zu bringen, dass er sich Ende der vierten Runde offenbar mit dem Versuch eines absichtlichen Kopfstoßes Luft verschaffen wollte. Zum Glück verfehlte die Aktion des Homburgers ihr Ziel, so dass es der Ringrichter bei einer Ermahnung des von Willi Fischer betreuten Kämpfers beließ. Boxerisch konnte Gebhard erst in der neunten Runde wieder glänzen. Denn da holte er die "Brechstange" raus und ging mit offenem Visier nach vorne. Dabei drängte er Simcic mehrfach an die Seile zurück und sorgte mit der rechten Schlaghand für Gefahr. In einer packenden Schlussrunde hielt der von Hartmut Schröder trainierte Simcic aber mit harten Links-rechts-Kombinationen dagegen und ließ sich somit den einstimmigen Punktsieg (98:92, 97:93 und 97:92) nicht mehr aus den Händen nehmen.

Offizielles Urteil: Sieger Denis Simcic einstimmig nach Punkten
Dienstag, 04. August 2007


 
     

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