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BP Inside: Wenig Licht - viel Schatten
von Uwe Betker
Fotos von Lena Freihalter
und Claudius Schell

Jeder, der
regelmäßig zu Profiboxveranstaltungen geht, kennt dieses Gefühl:
Das hat der Sport, den man so mag, einfach nicht verdient! So erneut gefühlt
am 09. Februar in Rheinstetten-Mörsch bei Karlsruhe, bei einer Veranstaltung,
die von den umtriebigen Jürgen Lutz und Michael
Siegel auf die Beine gestellt worden war.
Bereits der erste Kampf ließ Böses ahnen. Pia
Porter (5-1-2, 1 KO) aus Karlsruhe bekam es mit Jacqueline
Fuchs zu tun. Porter offenbarte gegen die Schweizerin, die
ihr Profidebüt gab, Mängel in der Technik und in der Schlaghärte.
Auch nachdem Fuchs aus der Nase blutete, setzte sie die härteren
Treffer. Gleichwohl wurde nach vier Runden im Super Mittelgewicht Porter
zur Siegerin erklärt. Ein Unentschieden wäre gerechter gewesen.
Viel schlimmer war das Punkturteil im Kampf zwischen Alexander
Ackermann (2-0-1, auf Foto oben rechts) und Julius
Rafael (1-13-1, auf Foto oben links) aus der Slowakei
im Junior Weltergewicht. Ackermann kam mit seinem Gegner überhaupt
nicht zurecht. Er fand kein Mittel, seinen Reichweitennachteil zu kompensieren.
Er versuchte es mit Sprüngen, was nur dazu führte, dass er abgekontert
wurde. Rafael beherrschte sein Gegenüber nach Belieben und erteilte
ihm eine Lektion. Dass er nach vier Runden durch eine 2 zu 1-Punktrichterentscheidung,
ein schamloses Fehlurteil, zum Verlierer erklärt wurde, nahm er gelassen
hin. Offensichtlich hatte er nicht mit der Möglichkeit eines Sieges
gerechnet.
Der bedauernswerten Leichtgewichtlerin Rola
El Halabi (4-0-0, 2 KOs) setzte man Elisabeita
Suerica aus Rumänien vor, die ihr Profidebüt gab.
Die Debütantin erkannte nach wenigen Sekunden, dass ihre Berufswahl
falsch war. Daher zog sie die Konsequenz und ließ sich nach 22 Sekunden
und ein paar leichten Treffern auszählen. Es wäre schön
gewesen, wenn man der talentierten Rola El Halabi eine richtige Gegnerin
gegeben hätte.
Die
Minimumgewichtlerin Asiye
Özlem Sahin (4-0-0, 2 KOs, Foto) wusste offensichtlich
die Kampfkraft ihrer Gegnerin, Roxana
Tenea (0-1-0), richtig einzuschätzen. Sie schonte Tenea,
boxte sehr ruhig und verhalten und versuchte sie nicht zu erschrecken.
Im zweiten Durchgang wurde es "Sugar" Sahin dann doch zu langweilig
und sie begann ein ganz klein wenig mehr Druck zu machen. Als sie dann
in der dritten Runde ihre Gegnerin ein paar Mal traf, wurde auch direkt
das Handtuch geworfen. Es grenzt schon an eine Schande, dass die Boxerin,
die vermutlich nicht nur die längsten Haare im Frauenprofiboxen,
sondern auch das größte Potential hat, gezwungen ist, sich
mit solchem Fallobst abzugeben. Boxerinnen, die ihren Veranstaltern zufolge
das Frauenboxen in Deutschland hoch halten und alle die legitime Nachfolgerin
von Regina Halmich zu werden versprechen, könnten
attraktive Konkurrentinnen gut gebrauchen.
Bei seinem Profidebüt siegte Patrick
Mangold durch einen spektakulären KO. Ambroz
Horvath (0-18-0) aus der Slowakei, der bis dahin noch nie
gewonnen hatte, verprügelte zwei Runden lang den deutschen Weltergewichtler.
Am Anfang der dritten Runde traf dann überraschenderweise einer der
wilden und unkontrolliert geschlagenen Schwinger von Mangold, und Horvath
lag am Boden. Es ist für Mangold zu hoffen, dass er, durch diesen
Sieg beflügelt, nicht auf die Idee kommt, gut boxen zu können.
Einen gewissen Unterhaltungswert hatte auch die Begegnung zwischen Lucia
Morelli (8-0-0) und Lucie
Hornakova (0-9-1) aus der Slowakei. Die aggressiv hin und
her hüpfende Italienerin boxte und Hornakova machte das, was sie
am besten kann – sich vom Ringrichter aus dem Kampf nehmen. Ergebnis:
TKO in Runde 1, nach einer Minute und vierzig Sekunden. Eine Information,
die die Boxwelt genauso wenig braucht wie einen solchen Kampf. Der Kampf
fand im Junior Weltergewicht statt.
Das Aufeinandertreffen der beiden Schwergewichtler und Profidebütanten
Antonie Price, Deutschland, und Robert
Gregor, Slowakei, lässt sich so zusammenfassen: Viel
Kraft, wenig Technik - viel Wollen, wenig Können. Price gewann die
Keilerei, die über vier Runden ging, einstimmig nach Punkten. Es
gab auch zwei Niederschläge.
Der nächste Schwergewichtskampf war etwas besser. Adnan
Buhararalija (11-5-0, 8 KOs) aus Bosnien-Herzegowina boxte
gegen Jonathan
Pasi aus Deutschland, der nur versuchte, die vier Runden
zu überleben, was er dann auch schaffte.
Der
„Höhepunkt“ der Veranstaltung war die Internationale
Deutsche Meisterschaft im Federgewicht, und sie war dieser Veranstaltung
würdig. Kira
Schnuerer (8-0-1, auf Foto lins) boxte gegen Daniela
Dima (auf Foto rechts) aus Rumänien. Dima hat
in ihrem Leben erst einen einzigen Profikampf bestritten, in dem sie auch
noch KO ging. In der Halle wurde sie aber mit sieben Kämpfen vorgestellt.
Es ist ein Skandal, dass der BDB, der Bund Deutscher Berufsboxer, einen
solchen Kampf überhaupt sanktioniert. Wie geplant gewann Schnuerer,
und zwar durch TKO in Runde vier. Um die Vorstellung noch peinlicher zu
machen als sie ohnehin schon war, sah die Deutsche bis zu ihrem Sieg noch
nicht einmal besonders gut aus. Bei der Siegerehrung freute sich die neue
Titelträgerin sehr. Sie wurde vor heimischem Publikum gefeiert. Es
gab wohl kaum vorher schon einmal einen Titel mit so wenig Wert wie den
der Internationalen Meisterin im Federgewicht, sanktioniert vom BDB.
Im letzten Kampf des Abends besiegte die letzte Gegnerin von Regina Halmich,
Hagar Shmoulefeld Finer (14-5-3, 3 KOs), die Österreicherin
Doris Koehler (3-1-1) nach Punkten in einem Vierrunder.
Dabei zeigte die Boxerin ein erstaunliches Repertoire an Tricks, wie Innenhandschläge,
die Schnürung-der-Handschuhe-durchs-Gesicht-Ziehen und ähnliches.
Obwohl der Ring gut ausgeleuchtet war, gab es bei dieser Veranstaltung
nur wenig Licht, dafür aber sehr viel Schatten.
Mittwoch,
13. Februar 2008
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