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Filmbesprechung: Das Comeback

Von Dr. Manfred Luckas



Das Genre des Boxerfilms hat uns einige unvergessliche Meisterwerke geschenkt, denken wir nur an Scorseses „Raging Bull“ oder zuletzt an den tollen Ali-Film von Michael Mann. Meistens werden in diesen Filmen die Großen der Faustkampfkunst porträtiert: Muhammad Ali, Jake LaMotta, Joe Louis oder Rocky Graziano. Regisseur Ron Howard geht in seinem „Comeback“ einen anderen Weg. Er zeigt das Leben von James „Jim“ Braddock, der sich in den USA mit dem wenig eindrucksvollen Kampfnamen „Aschenputtel-Mann“ durch die depressiven 30er Jahre schlägt.

Diese Bezeichnung – „Cinderella Man“ - hatte ihm der berühmte Boxjournalist Damon Runyan verliehen und so lautet auch der Originaltitel dieses absoluten Klassefilms. Denn das, was Ron Howard da gedreht hat und Russell Crowe, der vom römischen Gladiator zum Faustkämpfer mutiert ist, spielt, ist einfach aller Ehren wert. Crowe ist es perfekt gelungen, diese Mischung aus Familienmensch, Fatalist und Fighter zu verkörpern, die Braddock ausmacht. Dieser zähe Hund war ja nach seiner WM-Niederlage 1929 gegen Tommy Loughran (übrigens noch als Halbschwerer) und seiner Verletzung der rechten Schlaghand so gut wie weg vom Fenster. Doch ein unbeirrbarer Glaube an sich selbst und die Liebe seiner Frau Mae, die im Film von Renée Zellweger wunderbar gespielt wird, bringen den unspektakulären Mann wieder nach vorn.

Um den Hunger – nicht nur im übertragenen Sinne – von Braddock überzeugend rüberzubringen, nahm Crowe während der Dreharbeiten 23 Kilo ab. Das sieht man ihm an und auch, dass er unter der Aufsicht von Alis altem Trainer Angelo Dundee mehr als nur ein bisschen Boxen gelernt hat. Der große emotionale Höhepunkt des Films ist natürlich der Kampf am 13. Juni 1935 gegen den gefürchteten Max Baer, der schon zwei Menschen im Ring getötet hat. Zum ersten Mal stärkt Mae ihrem Jim dabei nicht den Rücken, will einfach nicht, dass er gegen den Schläger Baer Schaden nimmt. Doch Braddock bleibt unbeeindruckt, nimmt die Herausforderung an und besiegt den Champion, um nun selber in den Box-Olymp aufzusteigen.

Norman Mailer meinte einmal, Braddock hätte zwar die Last seiner Kinder auf den Schultern getragen, Max Baer jedoch die Gegnerschaft von 38.000 Menschen im Stadion. So war es wohl auch, doch der Film verfällt bei allem Gefühl nur selten in übertriebenes Pathos, bleibt angenehm auf dem Boden. Dafür sorgen nicht zuletzt die exzellent geschnittenen und authentischen Kampfszenen, die spannend sind und auch dem Boxkenner gefallen werden. Irgendwie stimmt in diesem Film einfach alles: Tempo, Rhythmus, Gefühl und Härte. Mein persönlicher Favorit als Type ist ganz klar Braddocks schrulliger Coach Joe Gould, der von Paul Giamatti glänzend gespielt wird.

Als stimmiger Schlussgong die Einschätzung von Regisseur Ron Howard: „Das Comeback ist die ultimative Geschichte eines Mannes, der ein großartiger Boxer, aber vor allem ein großartiger Mann war, der sich seinen Weg aus Düsternis und unentwegten Niederlagen boxte und auf seinem Weg unsterblich wurde.
Dem kann ich mich nur anschließen: Absolut empfehlenswert und seit dem 8.9. in den deutschen Kinos!

Credits:

Titel: Das Comeback
Original: Cinderella Man
Regie: Ron Howard
USA 2005
Buch: Cliff Hollingsworth, Akiva Goldsman
Kamera: Salvatore Totino
Schnitt: Mike Hill
Musik: Thomas Newman
Laufzeit: 145 Min.
FSK: Ab 12 Jahre
Darsteller: Russell Crowe, Renée Zellweger, Paul Giamatti

Donnerstag, 15. September 2005


 
     

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