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Der BoxingPress-Kommentar:
Chancen
auf einen deutschen Weltmeister?
von Stefan Strehler
Lang, lang
scheint es her, dass ein deutscher Boxer um die Krone eines bedeutenden
Verbandes im Schwergewicht gekämpft hat. Der letzte, eher unbeachtete
Versuch, war der des Frankfurters Willi
Fischer im Jahre 1998, welcher jedoch an der Schlagkraft des damaligen
WBO-Champions, Herbie
Hide, scheiterte. Allerdings genoß die WBO damals auch noch
nicht ganz das Ansehen, das man ihr heutzutage beimisst. Besser in Erinnerung
sind sicherlich die Versuche des Axel Schulz und zumindest im Kampf
gegen den damals 46-jährigen George Foreman hätte der
beliebte Boxer aus Frankfurt an der Oder es sicherlich verdient gehabt,
sich den Gürtel nach Version der IBF umschnallen zu dürfen.
Wie wir alle wissen, gab es jedoch drei Menschen, die eine etwas andere
Ansicht des Kampfes hatten und zum Leidwesen des inzwischen 36-Jährigen
waren es genau diese Leute, die das Urteil über den Kampf abzugeben
hatten.
Nun haben
sich am Samstag, im Kampf um die kontinentale Krone, den Titel des Europameisters,
zwei deutsche Boxer im Ring gegenübergestanden, die beide für
sich beanspruchen, in der Lage zu sein, um den WM-Titel einer der vier
großen Verbände streiten zu können. Da man hierzulande
jedoch dazu neigt, die eigenen Boxer sehr skeptisch zu beurteilen, gibt
es eher wenige Leute, die den beiden tatsächlich eine Chance in einer
Weltmeisterschaft einräumen. Der Kampf in Berlin hat jedoch gezeigt,
dass sowohl Luan
Krasniqi (BP-Nr. 19), als auch Timo
Hoffmann im Rahmen ihrer Möglichkeiten durchaus in der Lage
sind, auf einem hohen Niveau zu boxen. Wenn man nun noch bedenkt, dass
Fans und Experten die aktuellen Schwergewichtsweltmeister allesamt für
nicht übermäßig stark und durchaus schlagbar halten, sollte
man vielleicht einmal hinterfragen, ob die Herren Hoffmann und Krasniqi
wirklich so chancenlos sind.
Hoffmann
(Foto) wirkt physisch imposant und ist mit hervorragenden Nehmerfähigkeiten
ausgestattet, hat sicherlich das Herz eines Boxers, scheint aber in seinen
boxerischen Möglichkeiten sehr begrenzt. Außer seiner guten
Führhand hat der Eislebener hier nicht allzu viel zu bieten. Es mangelt
ihm bei seinen Schlägen oftmals an der Präzision, zudem ist
er aufgrund seiner physischen Parameter eher langsam und unbeweglich.
Es scheint so, als sei Hoffmann am vergangenen Samstag an seinem Leistungslimit
angelangt. Er dürfte zwar durchaus in der Lage sein, in einem WM-Kampf
die volle Distanz zu gehen, aber einen Sieg gegen einen der Weltmeister
mag man ihm wohl tatsächlich nicht so recht zutrauen.
Etwas
anders sieht die Sache da schon bei Krasniqi (Foto) aus. Von vielen
immer noch skeptisch, ob seiner Aufgabe im Kampf gegen den Polen Przemyslaw
Saleta, beäugt, hat der Europameister in seinen engen
und sehenswerten Gefechten mit Rene
Monse, Sinan
Samil Sam und Hoffmann eigentlich all seine Kritiker widerlegt,
die da meinten, Krasniqi habe kein Herz. Gegen Hoffmann begann der Rottweiler
sehr verhalten, umso beeindruckender war dann jedoch seine Aufholjagd.
Und am Ende war das Ergebnis dann viel knapper, als viele Beobachter es
gesehen hatten, wähnten doch die meisten Fans und Experten Krasniqi,
der in seinen Aktionen genauer und effektiver wirkte, als Sieger. Anders
als Hoffmann kann sich Krasniqi auf seine boxerischen Möglichkeiten
verlassen, zudem verfügt er über eine sehr gute Beinarbeit.
Technisch hervorragend ausgebildet, hat sich der Bronzemedailliengewinner
von Atlanta bereits bei den Amateuren in der Weltspitze bewiesen. Und
auch bei den Profis braucht er sich in boxerischer Hinsicht eigentlich
vor niemandem verstecken. Die Frage, ob seine Psyche in einem Kampf um
die Weltmeisterschaft hält, kann nur in eben diesem beantortet werden.
Mit 34 Jahren hat Krasniqi allerdings auch nicht mehr allzu viel Zeit.
Seine Unlust auf einen Rückkampf gegen Hoffmann sollte man daher
durchaus nachvollziehen können und sie ist sicherlich nicht auf Angst
vor dem Eislebener begründet. Denn anders als Hoffmann schien Krasniqi
eben nicht in seinem Grenzbereich angekommen. In seinen Kämpfen drängt
sich unweigerlich immer der Gedanke auf, dass sich der zweimalige Europameister
den Möglichkeiten seines Gegners anpasst und minimal mehr macht,
um den Kampf zu gewinnen. Vielleicht sollte ihm die Gelegenheit gegeben
werden, dies auch in einem WM-Kampf zu zeigen. Es wäre doch zu schön,
auch einen WM-Titel wieder nach Deutschland zu holen. Und unmöglich
erscheint dies bei Luan Krasniqi nicht.
Donnerstag,
09. Dezember 2004
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