Der Boxingpress-Kommentar:
Der
Diver
von Ingo Barrabas
(30. November,
2001) Boxingpress hat schon an anderer Stelle über Journeymen
berichtet, ohne die ein Boxevent nicht zu veranstalten wäre. Journeymen
dienen als Aufbaugegner, sollen den Gegner in seiner Entwicklung voranbringen.
Oftmals werden Journeymen auf den allerletzten Drücker verpflichtet,
wenn z. B. ursprünglich geplante Gegner ausfallen. Dies alles rechtfertigt
aber keinen Ausstieg wie ihn Mario Lupp in seinem Duell am vergangenem
Samstag gegen Felix Sturm wählte. Ein offener Brief an den
"Diver":
Mario, wie
du gegen Felix Sturm ausgestiegen bist, ist traurig und Betrug am zahlenden
Zuschauer. Journeymen sind aus Boxveranstaltungen nicht mehr wegzudenken
und sollen den Favoriten je nach Entwicklung mehr oder weniger stark fordern.
Du hast diese Rolle jahrelang übernommen und bestens ausgefüllt.
Jubelstürme hat dir dies nicht eingebracht, aber die Boxfans respektierten
deine Leistungen. Schließlich kann es nur einen Gewinner geben.
Selbst Deutschlands
größte Sport-Zeitung, die Sport-Bild, verarbeitete deine Laufbahn
in einem zweiseitigen Aufmacher. Dein Kampfrekord liest sich wie ein "who
is who" der deutschen Szene. Ibrahim Alpaslan, Salvador Yanez, Norbert
Nieroba, Bert Schenk, Uwe Lorch, Achim John, Danilo Häussler, Jürgen
Hartenstein, Patrick Pipa, Stefan Trabant, Dirk Dzemski, Danny Thiele
oder Fighting Nordin finden sich in deinem Kampfrekord. Heftig! 12 dieser
Gegner waren oder wurden nach einem Duell mit dir Deutscher oder Internationaler
Deutscher Meister. Selbst einen zukünftigen Europameister und 4 spätere
"Welt"-meister hast du in ihrer Entwicklung gefördert.
25 Kämpfe in 5 Jahren hast du ohne Knockout-Niederlage überstanden.
Die Anzahl
deiner Siege: Nebensächlich, denn mit deinem Stil konntest du nicht
mehr erreichen. Geschweige denn auch nur einen einzigen KO-Sieg
erzielen. Aber du hast dich gefügt, hast solide Leistungen geboten.
Dies brachte dir 5 erfolglose Kämpfe um nationale Ehren. Immerhin.
"Zäh wie Leder" titelten viele während deiner
Auftritte im Ring. Im Oktober 98 wurde diese Serie aber jäh beendet.
In Österreich bist du gegen Edip Secovic überraschend KO gegangen,
du selbst fandest dieses Gefühl einfach "geil".
Aber nur kurzzeitig hast du danach an Rücktritt gedacht.
Vielleicht
hättest du es länger tun sollen. Denn Fakt ist: Deine Leistungen
sind seit dieser schweren Niederlage ständig schlechter geworden.
In schöner Regelmäßigkeit kamen die (T)KO-Niederlagen,
8 an der Zahl, die Nehmerfähigkeiten oder der Wille zur Gegenwehr
sind weg. "Der Lupp ist durch seine Niederlage gegen Secovic weich
geworden" sagen die einen, andere wiederum meinen "der
hat einfach keinen Bock mehr auf das Boxen"
Sei’s drum:
Auftritte wie gegen Stephan Trabant in Salzgitter oder Felix Sturm in
Hamburg sind mehr als peinlich. Deine Entschuldigung "auf den
letzten Drücker verpflichtet, da kann niemand einen großen
Kampf erwarten" zeigt nur eins: Du verkaufst dich. Machen andere
auch, nur bringen die auch eine entsprechende Gegenleistung...
Und hör
auf mit diesem Selbstmitleid! Die Verhandlungspraktiken von Universum
sind hinlänglich bekannt. Wenn die auf die letzte Minute jemanden
suchen, dann ist es auch die letzte. Du arbeitest als Kellner, kommst
selten vor 3 Uhr früh ins Bett. Wenn dann um 11 Uhr das Handy klingelt
und dir jemand ein Kampfangebot für den Abend unterbreitet: Sag doch
einfach 'Nein'! Niemand zwingt dich Kämpfe anzunehmen, die du nicht
mehr wahrnehmen kannst, willst, und hoffentlich bald auch nicht mehr darfst!
Lars Dobbertin
von Sport-Bild beschrieb dich als einen Clown, der niemals lacht. Diese
Bezeichnung tut bei einem so sympathischen Typen wie dir fast weh. Aber
sie passt. Nur lachen kann über die Auftritte des traurigen Clowns
keiner mehr. Ich sage: Mario, tritt zurück! Heimlich, still und leise,
so wie es deine Art ist. Die Fangemeinde wird es dir danken!
Die
im "Boxingpress-Kommentar" geäußerten Meinungen geben
nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.
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