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Der Boxingpress-Kommentar:
Fehlurteil
von Arne Leyenberg

(23. Januar, 2003)

Was muss ein ausländischer Boxer tun, um aus Deutschland einen Sieg davonzutragen? Mit einer Streitmacht in der Normandie landen? Vielleicht. Jedenfalls reicht es nicht, seinen Gegner zwölf Runden lang auszuboxen, ihn mehrfach anzuschlagen und phasenweise vorzuführen. Denn dann verliert man immer noch nach Punkten. So widerfuhr es dem Polen Matt Zegan, der am vergangenen Samstag WBO-Weltmeister Artur Grigorian deutlich bezwungen hatte, nur nicht auf den Zetteln der Punktrichter. Im Ring hatte er alles richtig gemacht, bis auf die Tatsache, dass er seinen Gegner nicht K.o. schlug und damit die falschen Wertungen zunichte gemacht hätte.

Therapeutische Lehren besagen, dem Grauen einen Namen zu geben, fördere seine Verarbeitung. Das Grauen war am Samstag in Form von Arthur Ellensohn und Joachim Jacobsen erschienen, die mit ihren skandalösen Urteilen dafür sorgten, dass sich Grigorian weiter als Weltmeister fühlen darf, obwohl er eigentlich seinen Meister im Ring gefunden hatte.

Bleibt die Frage, was tun, um solche Fehlurteile in Zukunft zu verhindern? Menschen, die in vorauseilendem Gehorsam demjenigen, dem sie zu dienen trachten, einen Gefallen erweisen, ohne zu ahnen, dass sie ihm damit möglicherweise mehr schaden den nützen, wird es immer geben. Klaus-Peter Kohl, in diesem Falle unter anderen der Leidtragende, überraschte positiv durch seine Offenheit, unumwunden von einem Fehlurteil zu sprechen. Aber hatte er angesichts der Tatsachen denn eine Wahl?

Dass der Bund Deutscher Berufsboxer und seine Repräsentanten endlich an Unabhängigkeit gewinnen, ist wohl eindeutig zu kühn gehofft. Dass Weltverbände wie die WBO endlich mit der Unsitte, Landsleute des Lokalmatadoren als Punktrichter einzusetzen – die Verspottung elementarster Fairness – brechen, ist genau so unwahrscheinlich.

Blieben noch die Promoter übrig. Ihr Argument, dass im Ausland ähnliche Praktiken angewendet würden, führt nicht aus der Sackgasse. Und ist eine Niederlage ihres Schützlings denn wirklich derart schlimm? Ist ein Rückkampf im Falle einer Niederlage nicht ohnehin vertraglich fixiert? Sind es nicht eigentlich Niederlagen, aus denen ein Boxer lernt und durch die er wahre Größe demonstrieren kann? Ein Umdenken der Geldgeber und Veranstalter kann den Druck von Punktrichtern und sonstigen Entscheidungsträgern nehmen. Und siehe da: aus dem manipulierbaren Millionengeschäft im Seilgeviert könnte plötzlich wieder Sport werden.

 

Die im "Boxingpress-Kommentar" geäußerten Meinungen geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

 

 
     

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