Der
Boxingpress-Kommentar:
Hasim Rahman
von Arne Leyenberg
(1.Juni,
2001) - Hasim Rahman ist derzeit wohl alles andere als ein Fels
in der Brandung. Der unter dem plakativen Kampfnamen "the rock" in den
Boxring steigende amtierende Schwergewichtsweltmeister zweier Buchstabenverbände
bewegt sich vielmehr auf dünnem Eis.
Seit seinem
spektakulären K.o.-Sieg über Lennox Lewis macht der U.S.-Amerikaner
aus Baltimore nur noch außerhalb des Seilgevierts Schlagzeilen. Kein Tag
vergeht, ohne neues Gerücht um den nächsten Kampf, den nächsten Gegner,
die nächste Börse oder den nächsten gerichtlichen Prozess des Überraschungschampions.
Sobald ein als fast perfekt verkündeter Rückkampf mit Lewis den Boxfan
erreicht und sich freuen lässt, folgt wenig später die erneute Absage.
Neue Namen
werden gehandelt, neue Austragungsorte, neue Veranstalter. Auf Lewis folgte
Mike Tyson, dann Brian Nielsen und nun David Izon.
Der entthronte Weltmeister aus England will sein mögliches Recht einklagen,
ebenso Tyson, aber auch David Tua. Und zu allem Überfluß mischt
auch noch Cedric Kushner im lustigen "Jeder gegen Jeden"-Gerichtsprozess-Ringelpiez
mit Anfassen mit und verklagt seinen ehemaligen Schützling Rahman, wegen
dessen voreiligen, anscheinend reiflich unüberlegten Management-Wechsels
zu Don King.
Der exzentrische
Promoter mit der Starkstromfrisur scheint augenblicklich der einzige Nutznießer
des Machtwechsels im Schwergewicht zu sein. Zumindest aber ist er wohl
der Einzige mit konkreten Plänen und Vorstellungen für die Zukunft des
Weltmeistertitels und des Weltmeisters Hasim Rahman. Denn der Boxfan kann
sich des Eindrucks nicht erwehren, als sei niemand mehr vom Sieg des Außenseiters
am 21. April dieses Jahres überrascht worden, als dieser selbst.
Rahman ist
zum Spielball Don Kings geworden, der sich wohl diebisch darüber freut,
mit Boxern aus der zweiten Reihe, wie Rahman und WBA-Champion John
Ruiz, die Königsklasse des Berufsboxens zu beherrschen. Die Mehrzahl
der gemeinen Boxinteressierten dürfte sich vor gut einem Monat noch über
die Überraschung und den Sensationserfolg des Underdogs gefreut haben.
Schließlich liegt in dieser Unberechenbarkeit der Reiz des Boxsports.
Doch angesichts der nachfolgenden Entwicklung wird sich der Eine oder
Andere sicherlich verwünschen, in der besagten Nacht nicht Lennox Lewis
die Daumen gedrückt zu haben. Denn gelegentlicher Lethargie und fehlendem
Eifer zum Trotz: bei Lewis weiß man, was man hat.
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