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Der Boxingpress-Kommentar:
Stephan Trabant

von Arne Leyenberg

(5.April, 2001) - Stephan Trabant hat es geschafft. Der junge Berliner brachte das Profiboxen wieder in die Schlagzeilen. Doch seine nächtlichen Eskapaden mit Handgreiflichkeiten werden nur die üblichen Leser finden.

Diejenigen, die den Faustkampf schon immer im Halbdunkel und in den Niederungen der Gesellschaft ansiedelten. Diejenigen, die jeden Menschen, der mit der Auseinandersetzung im Seilgeviert sein Geld verdient, als gescheiterten Haudrauf aus der Unterwelt und dem Milieu ansehen und der nun mit dem wenigen, was ihm die Natur mit auf den Lebensweg gab, sein Glück versucht. Sie werden wieder kopfschüttelnd die Zeitungsmeldung aus der Hauptstadt studieren und nach einem "typisch Profiboxen" oder "typisch Boxer" weiterblättern und ihre Aufmerksamkeit erfreulicheren Nachrichten aus der Welt des Sports widmen.

"Da lobe ich mir doch den Fußball," könnte es dem einen oder anderen entfahren, dem FC Bayern und Stephan Trabant sei Dank. Zumindest werden sich all die eben beschriebenen in ihren Vorurteilen bestätigt sehen. Zu Recht. Zwar konnte Henry Maske noch vor wenigen Jahren das Berufsboxen, wie es so schon hieß, "salonfähig" machen und auch die beiden Doktoren in deutschen Ringen, Vitali und Wladimir Klitschko, arbeiten mit Hilfe ihres Images vom perfekten Schwiegersohn entschieden an dem zwielichtigen des organisierten Faustkampfes.

Doch unvergessen bleiben Ausschweifungen der Brüder Rocchigiani, die Dopingfälle - wie etwa Francois Botha im Kampf gegen Axel Schulz - Skandalurteile und allzu übertriebene Nähe der Athleten zu halbseidenen Etablissements und ihren Betreibern, wie sie zuletzt Dariusz Michalczewski nachhaltig bewiesen haben soll. Ein Blick ins Ausland, natürlich vor allen Dingen nach Amerika, macht klar, auch dort läuft es keineswegs anders. Der Boxkritiker wird sich mit Entzücken an Mike Tyson's Ohrbiss im zweiten Duell mit Evander Holyfield oder die Massenschlägerei im Ring nach dem Abbruch des Kampfes Riddick Bowe gegen Andrew Golota erinnern.

Doch der Blick in das Heimatland des Preisboxens verdeutlicht nur, dass dieser Sport in all seinen festgefahrenen Strukturen an sich selbst krankt. Und dass jeder seinen Teil dazu beiträgt: Promoter, Manager, Berater, Trainer, Punktrichter, Verbände und Athleten. So werden dem informierten Zeitungsleser hierzulande weiterhin dieselben Namen einfallen, wenn er sich zum Thema Boxen äußern muss: Don King, Mike Tyson oder die Gebrüder Rocchigiani. Seit gestern auch Stephan Trabant.

 

 

 
     

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