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Der Boxingpress-Kommentar:
Die neue WBO-Rangliste
von Klaus Leifeld

(24. Mai, 2001) Ein neuerliches Beispiel von sogenannter Fangemeindenverdummung wurde soeben durch die WBO veröffentlicht.

In der Königsklasse des organisierten Boxklüngels tat sich erstaunliches: Ex-Weltmeister Lennox Lewis wird auf Rang acht gesetzt, hinter einem Gegner, dem er kürzlich zwölf Runden lang eine Lektion via Jab erteilte und hinter einem unglaublichen Newcomer: Danny Williams. Wer? Der 27-jährige Brite hat einen Kampfrekord von 22-1 (18 KO's), die Niederlage stammt von Julius Francis. Der Überraschungsgast war angeblich am 24. Oktober 2000 das letze Mal aktiv und wird von Frank Warren gemanagt.

Eine platte Frage scheint angebracht: Wieviel hat dieser dafür gezahlt und gegen wen wird er demnächst eine überraschende Chance erhalten? Gegen die Klitschkos? Dagegen würden sicherlich die Statthalter der Macht, die hochgepriesenen amerikanischen Sender Sturm laufen. Oder? Ist das ein Ausweg aus dem amerikanischen Dilemma, "Namen" zu verpflichten? Hören wir demnächst aus Deutschlands Norden "Keiner will uns boxen? Keiner will das Schicksal von Byrd teilen und dem smarten Armand? Verstehen wir nicht."

Aber weiter geht es: Der längere Zeit inaktive Vitali Klitschko muss nun keinen Bruderkampf mehr fürchten, verbleibt aber interessanterweise auf Rang 3. Mike Tyson ist verschwunden und Evander Holyfield ist scheinbar nicht existent. Kann ja mal vorkommen. Im Halbschwergewicht? Alles beim alten und interessanterweise wurde die tapfere Gegenwehr von Michalczewski-Gegner Alejandro Lakatus mit Platz sieben belohnt. Warum er damit aber vor zwei Boxern wie Eric Harding und Montell Griffin steht, läßt sich nicht erschliessen...

Undurchsichtiger wird es dann im Supermittelgewicht. Strahlender Klassenprimus ist Joe Calzaghe vor Ex-Bert Schenk-Gegner und Ex-Mittelgewichtler Freeman Barr!? Und Mario Veit ist immer noch in den Top Ten. Der sympathische, aber offensichtlich limitierte Boxer aus dem Verband eines gewissen Hamburger Großgastronomen kann sich ob seiner letzten, nervösen Leistung bei diesem auch für die erneute Plazierung bedanken. Hintergrund wird wohl ein möglicher Kampf gegen Noch-Europameister Danilo Häußler sein, der seinerseits erstmalig bei der WBO auf Platz acht auftaucht und das ist als Boxer des mit der IBF eng verbundenen Sauerland-Stalls sehr ungewöhnlich.

Auch wie der Hamburger Boss (so lässt er sich gerne nennen) es schafft, einen Bert Schenk auf Platz sechs und den sehr inaktiven Michel Trabant auf Platz drei in ihren jeweiligen Gewichtsklassen zu plazieren, wird ein ewiges Rätsel bleiben. Warum sieht die WBO das alles so ähnlich wie besagter Boss? Ähnlichkeiten sind reiner Zufall? Wird das beim nächsten Ranking alles vergessen sein? Apropos vergessen: Ach, wer könnte das vergessen? Das Ranking kommt ja von der WBO aus Puerto-Rico und nicht aus Hamburg. Na dann - ist ja alles schön unabhängig...

 

Die Meinungen von Gastautoren geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

 

 
     

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