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Shannon Briggs
vs.
Sultan Ibragimov
- Der Bericht


von Thorsten Fritsche


Am Samstag standen sich in der Boardwalk Hall von Atlantic City, New Jersey, Shannon Briggs (Foto) und Sultan Ibragimov um den WBO-Titel im Schwergewicht gegenüber. Doch die Zeiten, in denen die Krone in der sogenannten Königsklasse des Boxens in den USA zwischen echten Top-Athleten umkämpft wird, ist scheinbar endgültig vorbei. Der Champion Shannon Briggs, von seinem lautstarken Promoter Don King als letzte Hoffnung der schwarzen Boxszene angepriesen, ist ein chronisch konditionsschwacher aber schlagstarker Muskelberg, der gestern mit einem stolzen Gewicht von rund 123 kg in den Ring stieg. Im November letzten Jahres hatte er einem viel zu zögerlich agierenden Serguei Lyakhovich nach elf langweiligen Durchgängen den WBO-Gürtel abnehmen können, indem er ihn in der letzten Runde stoppte. Sein Herausforderer, Sultan Ibragimov, galt zwar zu Recht als boxerisch stärker, hatte aber in seinem vorletzten Kampf gegen Ray Austin ebenfalls enttäuscht, als er über ein Unentschieden nicht hinaus kam und sogar zu Boden musste. Die Vorzeichen für einen packenden Kampf standen also eher schlecht, auch wenn das Duell Puncher gegen Boxer, USA gegen Russland, durchaus seine Reize beinhaltete.

Die ersten zwei Runden ließen dann gleich die schlimmsten Befürchtungen hinsichtlich der Qualität des Kampfes wahr werden. Wer geglaubt hatte, dass der Champion sein Heil im Angriff und einem frühen KO suchen würde, solange er noch über die nötige Schlagkraft in den frühen Runden verfügte, sah sich getäuscht. Nach einem kläglichen Versuch, der in einem Luftloch endete, gab der Mann aus Brooklyn das Vorhaben bereits wieder auf und bestritt den Kampf fortan flachfüßig von der Ringmitte und sah seinem Gegner dabei zu, wie dieser ihn außerhalb jeglicher Schlagdistanz umkreiste. Aber auch Ibragimov tat wenig, um den Kampf zu gewinnen und so blieben Kampfhandlungen zunächst weitestgehend aus. Es schien fast so, als würde er den Fehler von Lyakhovich wiederholen, indem er es Briggs ermöglichte, das Tempo niedrig zu halten und Kraft zu sparen. Der Russe schien sich unschlüssig zu sein, wie er seinen körperlich überlegenen Gegner attackieren sollte.

Erst jeweils zum Ende der beiden ersten Durchgänge fasste sich Ibragimov ein Herz und griff an, konnte jedoch keine klaren Treffer unterbringen. Der Weltmeister kam seinerseits mit einzelnen Händen, meist in Form von Führhänden zum Körper durch. Dem Publikum in der Halle sagte die dargebotene Leistung offensichtlich wenig zu und so waren bereits in Runde zwei erste Buhrufe zu hören. Insgesamt wirkte dies alles eher wie eine Weltmeisterschaft im Abwarten, statt im Boxen.

Ab Runde drei wurde Ibragimov aktiver und traute sich endlich, vereinzelte schnelle Angriffe vorzutragen, jedoch stets darauf bedacht, sich danach sofort schnell wieder außer Reichweite seines Gegners zu begeben. Vor allem die linke Schlaghand des Rechtsauslegers fand dabei immer wieder ihr Ziel durch die kaum existente Deckung des Weltmeisters. Wollte Briggs seinerseits antworten, so fielen seine Schläge häufig zu kurz aus. Eigene Angriffe des Mannes aus Brooklyn blieben selten und verpufften stets an der Deckung und der Seitwärtsbewegung Ibragimovs. Auf diese Weise gelang es dem Russen sich in den Durchgängen drei bis sechs einen Vorsprung zu erarbeiten und den Kampf mit geringem Aufwand zu kontrollieren.

Erst ab Runde sieben schien der Weltmeister realisiert zu haben, dass er das Gefecht bis dahin weitestgehend verschlafen hatte. Briggs griff zu Beginn der Durchgänge sieben und acht an und konnte jeweils eine gute Rechte landen, doch dann nahm er sich wieder zurück und bot Ibragimov die Chance, sich die Runden zu holen. In Runde neun schien der schwergewichtige Champion bereits mit der Erschöpfung zu kämpfen. Seine wenigen Angriffe wurden noch seltener und seine Bewegungen wirkten extrem langsam und unkoordiniert. Für den Herausforderer bot sich ein ums andere Mal die Chance für Konter, doch auch Ibragimov tat nur das Nötigste, um die Runden für sich zu entscheiden. Es mag clever sein, jedes Risiko zu vermeiden und strikt die taktische Linie zu verfolgen, jedoch blieb das Duell dadurch weiterhin auf sehr niedrigem Niveau.

Etwas mehr Fahrt kam in Runde zehn in den Kampf, als es dem Russen scheinbar gelang, Schlagwirkung bei seinem Gegner zu hinterlassen und er erstmalig nachsetzte. Ibragimov schaffte es sogar, den körperlich überlegenen Briggs zu Boden zu werfen, jedoch erkannte Ringrichter Eddie Cotton völlig zu Recht nicht auf Niederschlag. Kurz vor Ende des Durchgangs brachte Briggs einen linken Haken unter, der seinen Kontrahenten kurz durchrüttelte, konnte daraus jedoch keinen weiteren Nutzen ziehen.

In den beiden letzten Runden verflachte das Tempo dann wieder. Briggs schien weder boxerisch noch konditionell in der Lage zu sein, den Kampf noch einmal herumzureißen. Selbst in der letzten Runde blieb ein ernsthafter Versuch, doch noch einmal einen alles entscheidenden Schlag unterzubringen, aus. Ibragimov sicherte sich auch diese zwei Durchgänge mit einem Minimum an Treffern und schien ansonsten nur noch darauf bedacht, den Kampf über die Runden zu bringen, was ihm auch gelang.

Schließlich gewann Sultan Ibragimov das Duell und somit den WBO-Gürtel im Schwergewicht völlig verdient, aber dennoch nicht überzeugend mit 119:109, 117:111 und einem zu knappen 115:113 einstimmig nach Punkten. Somit hatte der Athlet aus Dagestan zwar sein Etappenziel, Weltmeister zu werden, erfüllt, doch wird er in zukünftigen Titelverteidigungen den Wert dieses Sieges bestätigen müssen. Denn dieser Erfolg in einer Auseinandersetzung, die mit großer Wahrscheinlichkeit ein Anwärter auf den Titel „schlechtester Kampf des Jahres“ sein wird, ist wenig beeindruckend. Dessen ungeachtet sind mit Ibragimovs Titelgewinn wieder alle vier Schwergewichtsgürtel in den Händen von Boxern aus der ehemaligen UdSSR.

Shannon Briggs sprach nach dem Kampf davon, die Handschuhe an den Nagel hängen zu wollen. Angesichts der gebotenen Leistung ist dies sicher keine schlechte Idee.
Montag, 04. Juni 2007


 
     

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