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Calzaghe bezwingt Hopkins
von Thorsten Fritsche

Am vergangenen
Samstag stiegen Joe
Calzaghe (Foto) und Bernard
Hopkins vor 14.000 Zuschauern, darunter etliche Briten, im
Thomas & Mack Center in Las Vegas, Nevada, in den Ring, um sich gegenseitig
und auch der Boxwelt zu beweisen, dass sie Boxlegenden sind. Tatsächlich
hatte das Aufeinandertreffen zwischen dem immerhin schon 36-jährigen
amtierenden WBA-, WBC- und WBO-Champion im Supermittelgewicht und dem
langjährigen Mittelgewichtsweltmeister, laut eigener Aussage einem
jung gebliebenen 43-Jährigen, seinen Reiz. Beide Boxer sparten nicht
mit verbalen Provokationen im Vorfeld und heizten damit das Interesse
an dem Kampf weiter an. Hopkins behauptete sogar, nie von einem weißen
Boxer geschlagen werden zu können. Doch letztlich konnte das Duell
die Erwartungen nicht erfüllen.
Denn
mit den Boxlegenden und ihren Kämpfen untereinander ist es oft so
eine Sache. Die großen Namen des Rings sind nämlich nicht nur
gute Boxer, sondern verstehen sich häufig auch darauf, den jeweils
anderen schlecht aussehen zu lassen. Gerade Bernard Hopkins, der bei den
meisten Experten als Außenseiter gegen Calzaghe in den Ring stieg,
hatte in den letzten Kämpfen seiner 20-jährigen Karriere oft
genug gezeigt, dass er weiß, wie er seinem Gegner das Leben schwer
machen kann. So auch am letzten Samstag.
„The Executioner“, sonst eigentlich bekannt für seine
langsamen Starts, setzte von Beginn an alles daran, den Waliser bei seinem
US-Debüt nicht in den Kampf kommen zu lassen. Der Veteran aus Philadelphia
kontrollierte geschickt die Distanz. Entweder blieb er außerhalb
der Reichweite seines Gegners oder er machte selbst einen schnellen Schritt
nach vorn und ließ Calzaghe auflaufen, um dann rasch zuzugreifen
und Kampfhandlungen zu unterbinden. Der Weltmeister im Supermittelgewicht
fand keine Chance, seine Schnelligkeit auszuspielen, den Gegner an den
Ringseilen zu stellen und die Fäuste fliegen zu lassen. Vielmehr
war es zunächst nur Hopkins (Foto), der traf. Wenn auch
nur mit einzelnen Schlägen, doch dafür mittels präziser
Konter, die mehrfach deutlich sichtbar beim Waliser einschlugen. Mitte
der ersten Runde fand sich Calzaghe sogar einmal auf dem Hosenboden wieder,
als er voll in eine gerade Rechte lief. Als er wenig später mit einer
kleinen Platzwunde auf dem Nasenrücken in die erste Rundenpause ging,
hatte Calzaghe einen klassischen Fehlstart hinter sich.
Auch in Durchgang zwei behielt „B-Hop“ die Oberhand und bewies,
dass er mit seiner Cleverness durchaus Mittel gegen den jüngeren
und schnelleren Mann hatte. Allerdings geriet der Kampf aufgrund häufigen
Klammerns und Einsatzes des Kopfs sehr unsauber und zerfahren, um nicht
zu sagen unansehnlich bis fürchterlich. Ringrichter Joe Cortez
hatte zwölf Runden lang alle Hände voll zu tun mit den beiden
Kontrahenten, die sich auch schon mal gegenseitig umdrehten oder mit der
Rückhand zuschlugen. Erst ab Runde drei schien Calzaghe besser in
den Kampf zu finden. Er hatte nun vereinzelt Gelegenheit zu Schlagsalven,
doch deutliche Treffer blieben auch weiterhin Mangelware. Oft genug landete
„der Stolz von Wales“ nur seine berüchtigten Innenhände,
die zwar schnell, aber gewohnt wild und ungenau kamen. Es war weiterhin
Hopkins, der die Mehrzahl an klaren Treffern landete, obwohl er weniger
oft schlug.
Doch allmählich bekam Calzaghe seinen Kontrahenten besser in den
Griff. Erst noch zögerlich in Runde vier, doch ab Durchgang fünf
deutlich erkennbar, übernahm er die Kontrolle über den Kampf,
wurde zunehmend aktiver und auch effektiver in seinen Angriffsbemühungen.
Auch wenn der Kampf weiterhin nichts für Boxästheten blieb,
so nahm er doch merklich an Fahrt und Unterhaltungswert auf, da es Calzaghe
nun endlich gelang, Hopkins gelegentliche Schlagabtausche aufzuzwingen.
Offensichtlich hatte sich der ungeschlagene Waliser seinen Kontrahenten
nun ausgeguckt und sich auf ihn eingestellt. Der US-Amerikaner machte
seinem Gegner zwar auch weiterhin das Treffen schwer, doch mit weniger
Erfolg als noch zu Beginn. Da er zunehmend vergaß, selbst zu schlagen
und sich zu sehr auf Klammeraktionen und das Verhindern von Kampfhandlungen
versteifte, geriet Hopkins immer mehr ins Hintertreffen. Auf diese Weise
sammelte Calzaghe in den mittleren Runden Punkte und drehte dadurch den
Kampf. Besonders in den Durchgängen sieben und acht landete der Rechtsausleger
gute Treffer, während sein Gegner allmählich müder wirkte.
Auch
im zehnten Durchgang begann Calzaghe zunächst stark, doch dann erfuhr
das Gefecht eine jähe Unterbrechung. Der Waliser traf Hopkins mit
seiner Linken unterhalb des Hosenbunds und dieser wandte sich sofort ab
und krümmte sich. Zwar definitiv ein Tiefschlag, sah der Treffer
jedoch nicht sehr hart aus. Doch Ringrichter Joe Cortez schickte Calzaghe,
der dem Publikum zunächst noch die Freuden gleichgeschlechtlicher
Liebe zu demonstrieren wollen schien, in die neutrale Ecke und gab dem
„Executioner“ reichlich Erholungszeit. Man könnte mutmaßen,
dass Hopkins aufgrund schwindender Kräfte die extra Pause gebraucht
hatte oder dass er mit dieser Verzögerung lediglich seinen Gegner
aus dem Rhythmus bringen wollte, doch letztlich weiß wohl nur der
Getroffene, wie schmerzhaft der Tiefschlag wirklich war.
Im elften Durchgang gelang es Calzaghe nicht den Druck aus den vorhergegangenen
Runden aufrecht zu erhalten. Hopkins konnte das Tempo aus dem Kampf nehmen
und sich nun wieder besser entziehen. Prompt traf er auch wieder mit seinen
Einzelschlägen, wenn auch deutliche Aktionen in dieser Runde insgesamt
selten blieben. Dafür gab es eine weitere Erholungspause für
den 43-jährigen Veteranen wegen eines zweifelhaften Tiefschlags.
Die zwölfte und letzte Runde gehörte dann wieder dem Gast aus
Großbritannien, der noch einmal aufdrehte und entschlossen schien,
sich den Sieg endgültig zu sichern.
Doch nach der absolvierten Distanz von zwölf Runden konnten sich
die drei Punktrichter auf keinen einstimmigen Sieger einigen. Punktrichter
Adalaide Byrd wertete den Kampf 114:113 für Hopkins,
was bei Calzaghe sichtbares Erstaunen hervorrief. Doch die anderen beiden
Punktrichter, Joe Gimza und Chuck Giampa,
gaben den Kampf mit 115:112 und 116:111 an den Waliser, wobei sie ihm
vor allem in der zweiten Kampfhälfte die Mehrzahl der Runden zuerkannt
hatten, was nach Meinung des Autors dem Verlauf des Kampfes absolut entspricht.
Somit blieb Joe Calzaghe durch eine geteilte Punktentscheidung am Ende
doch noch siegreich und weiterhin ungeschlagen.
Da Hopkins sich mehr auf das Verhindern eines Boxkampfes unter Einsatz
unsauberer Taktiken konzentriert hat, während der Waliser deutlich
öfter um wirkliche Kampfhandlungen bemüht war, kann man sicher
behaupten, dass der richtige Mann den Sieg zugesprochen bekam.
Der Autor wertete das Duell wie folgt:
| Die
BoxingPress-Scorecard |
| Runden |
Hopkins |
Calzaghe |
| 1 |
10 |
8 |
| 2 |
10 |
9 |
| 3 |
10 |
9 |
| 4 |
9 |
10 |
| 5 |
9 |
10 |
| 6 |
9 |
10 |
| 7 |
9 |
10 |
| 8 |
9 |
10 |
| 9 |
9 |
10 |
| 10 |
9 |
10 |
| 11 |
10
|
9 |
| 12 |
9 |
10 |
| Gesamt |
112 |
115 |
Allerdings zeigte sich Bernard Hopkins mit diesem Urteil absolut nicht
einverstanden und beharrte darauf, gewonnen zu haben. Er war der Ansicht,
den Kampfverlauf bestimmt und dem Gegner seine Gangart aufgezwungen zu
haben. Auch Schlagstatistiken, die Calzaghe eindeutig im Vorteil zeigten,
ließ der „Executioner“ nicht gelten und verwies darauf,
dass er keinerlei Kampfspuren im Gesicht habe. Da sich jedoch das Auszählen
von Platzwunden und Schwellungen nach dem Kampf nicht unter den offiziellen
Wertungskriterien befindet, wird Hopkins sicher auch weiterhin offiziell
als von einem weißen Boxer geschlagen gelten.
Joe Calzaghe zeigte sich deutlich einsichtiger und gab zu, nicht seine
beste Leistung gezeigt zu haben. Dennoch war er natürlich von seinem
berechtigten Sieg überzeugt. Immerhin fand der Waliser noch soviel
indirekte Anerkennung für seinen Gegner, als dass er zugab, einen
harten Kampf gehabt zu haben. Besonders ansehnlich war er dennoch nicht,
weshalb die Mehrzahl der Boxfans sicher gern auf eine Wiederholung verzichtet.
Dienstag,
22. April 2008
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