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Joe Calzaghe
vs.
Jeff Lacy
- Der Vorbericht
von Wolfgang Oswald
„Im Märzen der Bauer die Rösslein einspannt“. Diese
alte Volksweise scheinen sich einige sonst eher risikoscheue Promotor
wie z.B. Frank Warren oder Klaus-Peter Kohl zu
Gemüte geführt zu haben. Denn auf der ganzen Welt, von England
über Deutschland, Indonesien, Puerto Rico, bis hin zu den Vereinigen
Staaten werden im Monat März viele aussichtsreiche „Zuchthengste“
mit so illustren Beinamen wie „Pride of Wales“, „Dinamita“,
„The Dragon“ oder „Lights Out“ aus den jeweiligen
Box-Ställen in das lukrative Rennen um einen Meisterschaftsgürtel
geschickt. Frei nach dem Motto „koste es, was es wolle“ steigen
einheimische Publikumslieblinge wie Joe
Calzaghe (auf Foto rechts), James
Toney, Felix
Sturm oder Miguel
Angel Cotto in den Ring, um ihr Können zu zeigen.
Den Anfang macht am 4. März 2006 die Auseinandersetzung um die IBF-
und WBO-Weltmeisterschaft im Supermittelgewicht zwischen dem Waliser Joe
Calzaghe (BP-Nr. 1, Foto oben) und Jeff
Lacy (BP-Nr. 3) aus den USA. Ausgeglichen scheint
diese Angelegenheit zweier ungeschlagener und amtierender Champions in
verschiedenen Boxverbänden zu sein, wenn man den Heimvorteil des
Engländers außer Acht lässt. Jeff Lacy pflegt einen rauen,
manchmal sehr unsauberen Boxstil und schlägt gelegentlich gern auf
den Hinterkopf. Auch Calzaghe ist in dieser Hinsicht kein Kind von Traurigkeit
und der Ringrichter wird es sehr schwer haben, vor dem berüchtigten
Publikum in der M.E.N. Arena von Manchester die neutrale Ruhe zu bewahren.
Die britischen Zuschauer sind dafür bekannt, dass sie ihren Favoriten
nach vorne peitschen und wie eine Wand hinter ihm stehen. Für den
Amerikaner wird diese geladene Atmosphäre eine völlig neue und
psychisch belastende Erfahrung sein. Ein „Veit´scher Untergang“
ist aber dank seiner Robustheit eher unwahrscheinlich und zudem kennt
Lacy die M.E.N. Arena wenigstens ein bisschen, hat er doch 2003 gegen
seinen Landsmann Donnell
Wiggins schon einmal hier gekämpft.
Trotz
Calzaghes Heimtrümpfen bleibt Jeff Lacy (Foto) für
den Waliser ein „harter Hund“, der im Ring vor allem von seiner
Aggressivität, seiner Kondition und seiner beeindruckenden Physis
lebt. Ein „Marvin Hagler gegen Alan Minter“-Szenario
ist nicht ausgeschlossen, denn der Amerikaner kämpft ähnlich
druckvoll wie die frühere Boxlegende und sucht mit stoischer Ruhe
und Kraft den Vorwärtsgang. Dabei agiert er aber erstaunlich variabel.
Er geht zum Kopf, aber auch zum Körper, arbeitet auf der Innenbahn
mit der rechten Schlaghand oder streut den linken Haken aus verschiedenen
Winkeln in seinen Angriffen ein. Der kleine Unterschied zum „Hagler-Minter-Fight“
liegt vielleicht in der unterschiedlichen Auslage der beiden Boxer begründet.
Calzaghe ist ein Rechtsausleger mit sehr schnellen Händen, der sowohl
aus der Distanz als auch im Angriff kämpfen kann. Technisch wirkt
er noch einen Tick besser und variabler als sein Kontrahent. Zudem ist
er erfahrener und nur sehr schwer „auszuknocken“.
Wie Lacy hat aber auch Calzaghe in der Defensive einige Schwächen.
Manchmal agiert der langjährige und ungeschlagene WBO-Champion zu
leichtsinnig im Ring und das könnte gegen einen hart schlagenden
„Puncher“ wie Lacy schnell ins Auge gehen. Die Verteidigung
von Lacy ist ebenfalls nicht immer die beste und souveränste, doch
der jüngere Amerikaner ist in Sachen „Nehmerfähigkeiten“
vielleicht unverbrauchter und belastbarer als der verletzungsanfällige
Calzaghe, der schon einige Schlachten und Bodenbesuche in seiner Profikarriere
hinter sich und damit mehr Substanzverlust zu verzeichnen hat. Allerdings
fand sich selbst der Amerikaner bei den Amateuren schon gelegentlich mal
auf dem Ringboden wieder und er hatte immer ein wenig Probleme gegen schnelle
Boxer, die technisch agieren und in den richtigen Momenten zulangen konnten
wie beispielsweise der Russe Gaidarbek Gaidarbekov oder
der Ire Brian
Magee, ebenfalls ein Rechtsauleger.
Wie kommt Calzaghe mit der Kraft, Kondition und Physis von Lacy zurecht?
Wie kommt Lacy mit der Technik und Schnelligkeit von Calzaghe klar? Das
sind wohl die zentralen und entscheidenden Fragen in der kommenden Titelvereinigung
im Supermittelgewicht. Ansonsten haben beide Fighter genug Trümpfe
für einen Sieg in den Fäusten und so könnten die sog. kleinen
Dinge wie die Tagesform, die Zeitumstellung, das Ringrichterverhalten,
den Heimbonus, die Cutanfälligkeit etc. am Ende den entscheidenden
Ausschlag über Sieg und Niederlage geben. Auf alle Fälle dürfen
sich die englischen Boxfans auf einen echten Boxkracher freuen und zwei
wahre Könner ihres Faches hautnah und live miterleben.
Freitag,
03. März 2006
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