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Für
ihre „Universum Champion Night“ in der König-Pilsener-Arena
in Oberhausen hatten Universum Box-Promotion nicht weniger als fünf
Titelkämpfe auf die Beine gestellt, davon gleich drei Weltmeisterschaften.
Im Hauptkampf ging es darum, ob Mittelgewichtler Felix Sturm
(Foto oben) die Revanche gegen seinen Bezwinger
Javier Castillejo gelingen würde, der ihn vor neun
Monaten in der zehnten Runde stoppte und den WBA-Weltmeistertitel abgenommen
hatte. In einem weiteren Weltmeisterschaftskampf forderte Stipe
Drews den Weltmeister im Halbschwergewicht nach Version der WBA,
Silvio Branco, heraus. Auch hier standen sich keine Unbekannten
gegenüber, denn die beiden Boxer hatten im Jahr 2003 bereits um die
Europameisterschaft gegeneinander geboxt. Damals blieb der Kroate siegreich.
Zudem trat Ina Menzer an, um ihren WIBF-Titel im Federgewicht
gegen die Kolumbianerin Maria Andrea Miranda zu verteidigen.
1. Kampf: Pia Mazelanik vs. Monika Petrova, Bantamgewicht, angesetzt
auf vier Runden
In einem verbissen aber technisch auf ziemlich mäßigem Niveau
geführten Kampf setzte sich Pia Mazelanik aus Gelsenkirchen aufgrund
der Mehrzahl an Aktionen mehrheitlich nach Punkten durch. Am Ende der
vier Runden sahen sie zwei der Punktrichter mit 39:37 und 39:38 vorn,
während der dritte Punktrichter den Kampf mit 38:38 unentschieden
gab.
Offizielles Urteil: Siegerin durch mehrheitliche Punktentscheidung Pia
Mazelanik
2. Kampf: Willy Blain vs. Pablo Andres Godoy, WBO Intercontinental-Meisterschaft
im Superleichtgewicht, angesetzt auf zwölf Runden
Nach sehr verhaltenem Beginn war es der Argentinier Godoy, der in der
Eröffnungsrunde die ersten klaren Treffer anbringen konnte. Doch
ab Runde zwei diktierte Blain das Geschehen im Ring und punktete mit schnellen
Händen. Sein Gegner, der wie Blain in der Rechtsauslage boxte, blieb
gefährlich, sobald ihm der Boxer aus dem Spotlight-Team allzu sehr
die Initiative überließ. Dies tat „Small Leonard“
allerdings zu oft. Der Franzose wirkte irgendwie gehemmt und ließ
die Fäuste weit weniger fliegen, als man es in der Vergangenheit
gewohnt war. So gab er in der Mitte des Kampfes mehrere Runden ab, nachdem
es schon fast so ausgesehen hatte, als würde Godoy langsam müde
und das Gefecht schon fast entschieden. Ab Runde neun griff Blain wieder
selbst an und sicherte sich seine beste Runde im Kampf, doch ab Durchgang
zehn überließ er Godoy erneut die Rolle des Angreifers. Teilweise
erweckte Blain den Eindruck, als wolle er unbedingt im Rückwärtsgang
boxen. Nach zwölf Runden, die ohne echte Höhepunkte blieben,
gewann Willy Blain verdient, aber glanzlos, mit 117:111 und zweimal 116:112
nach Punkten.
Offizielles Urteil: Sieger einstimmig nach Punkten Willy Blain
3. Kampf: Patrick Dobroschi vs. Richard Remen, Halbschwergewicht, angesetzt
auf sechs Runden
Die beiden Halbschwergewichtler lieferten sich von der ersten Runde an
ein Gefecht mit offenem Visier. Beide vernachlässigten sowohl die
Deckung als auch Jabs und suchten den Erfolg mittels Wirkungstreffern.
Dabei traf Dobroschi sein Ziel häufiger und klingelte den Slowaken
bereits im ersten Durchgang an. In Runde zwei erhöhte er sogar noch
seine Trefferzahl und Remen taumelte mehrfach deutlich angeschlagen durch
den Ring. Allerdings begab sich der 27-jährige Kölner durch
seine eingesprungenen linken Haken oft selbst in Gefahr, denn er war für
Konter völlig offen. Jedoch wusste Remen dies nicht zu nutzen. Ein
Zusammenstoß der Köpfe beider Boxer brachte Dobroschi dann
in der dritten Runde kurzzeitig aus dem Rhythmus, doch insgesamt blieb
er weiterhin überlegen. In Durchgang vier schlug der Spotlight-Boxer
seinen Gegner mit zwei linken Haken zu Boden. Remen kam zwar wieder auf
die Füße, doch zwei Schlaghagel später war der Kampf endgültig
vorbei, da Ringrichter Arnold Golger das einseitige Gefecht zu Recht beendete.
Offizielles Urteil: Sieger durch KO in Runde vier nach 2:18 Minuten Patrick
Dobroschi
4. Kampf: Ina Menzer vs. Maria Andrea Miranda, WIBF Weltmeisterschaft
im Federgewicht, angesetzt auf zehn Runden
Den
ersten Weltmeisterschaftskampf des Abends bestritt Ina Menzer (Foto)
gegen Maria Andrea Miranda aus Kolumbien, die den Kampf sofort aggressiv
begann und in der ersten Minute einen sehenswerten Körperhaken landen
konnte. Doch schnell zeigte sich, dass die Herausforderin ihre Haken zu
weit ausholte und selten die richtige Distanz fand. Menzer agierte in
der Eröffnungsrunde sehr verhalten, hatte ab dem zweiten Durchgang
jedoch den Bogen raus, wie die windmühlenartigen Schläge ihrer
Gegnerin zu vermeiden waren und übernahm von da an die Offensive.
Die besten Treffer gelangen ihr mit der rechten Geraden, wenn sie Miranda
an den Seilen stellen konnte, denn die Kolumbianerin war auf flinken Beinen
unterwegs und bot wenig Ziel. Immer häufiger ließ die Weltmeisterin
ihrer Rechten ein oder zwei Körpertreffer folgen und hatte wenig
Mühe, den viel zu wilden Konterversuchen zu entgehen. Miranda tat
als Herausforderin für den Kampf zu wenig. Erst in der achten Runde
war so etwas wie ein Aufbäumen zu erkennen, als sie die Weltmeisterin
mehrfach mit Schwingern ansprang, die jedoch sämtlich ihr Ziel verfehlten.
Die Pantherin hatte ihr Pulver nun endgültig verschossen und wählte
nur noch den Rückwärtsgang. Auch die Titelverteidigerin ließ
es bis zur Schlussrunde etwas ruhiger angehen. Kurz vor Ende des Kampfes
gelang es der UBP-Boxerin mit mehreren Führhänden und einer
harten Schlaghand noch einmal, Akzente zu setzen. Die Punktewertungen
von 100:90, 99:92 und 99:91 waren in Höhe und Deutlichkeit völlig
verdient.
Offizielles Urteil: Siegerin einstimmig nach Punkten Ina Menzer
5. Kampf: Khoren Gevor vs. Wilson Rafael Sosa Pintos, Mittelgewicht,
angesetzt auf acht Runden
Gegen
Pintos erkämpfte sich Khoren Gevor (auf Foto rechts) einen
ungefährdeten, aber mühsamen Arbeitssieg. Die Schläge des
Gastboxers waren entweder zu kurz, zu wild oder zu langsam und immer wieder
fiel er seinen Versuchen, einen harten Treffer zu landen, nach. Diese
Gelegenheiten nutzte der Armenier aus dem Boxstall Universum für
Konter und kam so zu klaren Treffern. Doch erwies sich „El Mono“
als guter Nehmer und verfügte zudem über eine solide Deckung,
die es Gevor bei seinen eigenen Angriffen schwer machte, zum Erfolg zu
kommen. So verlegte sich der Schützling von Fritz Sdunek darauf,
seinen Kontrahenten aus Uruguay in Schlagabtäusche zu verwickeln,
um mit Kombinationen zu Kopf und Körper einen klaren Punktsieg herauszuboxen.
Am Ende gewann Gevor mit zweimal 80:72 und einmal 79:73 einstimmig nach
Punkten.
Offizielles Urteil: Sieger einstimmig nach Punkten Khoren Gevor
6. Kampf: Silvio Branco vs. Stipe Drews, WBA Weltmeisterschaft
im Halbschwergewicht, angesetzt auf zwölf Runden
Titelverteidiger Silvio Branco ließ direkt nach dem Eröffnungsgong
erkennen, mit welcher Taktik er angereist war. Natürlich musste er
an seinen baumlangen Gegner heran und dann harte Treffer landen, um ihm
die Luft und somit die Beinarbeit zu nehmen. Der Italiener feuerte gleich
eine ganze Salve zum Körper ab, von der jedoch einige Schläge
unterhalb der Gürtellinie landeten. Auch in den folgenden Minuten
der Eröffnungsrunde hatte Stip Drews (Foto) Mühe, sich
den Weltmeister vom Leib zu halten, brachte zwar immer wieder seine Führhand,
konnte sich meist jedoch nur durch Halten den Angriffen entziehen.
Ab Durchgang zwei fand der Kroate aber deutlich besser in den Kampf, konnte
die Distanz aufrecht erhalten und bewegte sich besser vom Mann weg. Drews
fintierte viel mit der rechten Führhand, doch die besten Treffer
landete er mit seiner linken Schlaghand, die ein ums andere Mal voll am
Kopf des Italieners einschlug. Dieser marschierte aber ungeachtet dessen
pausenlos nach vorne. Kam Branco doch einmal heran, griff Drews sofort
zu. Hier allerdings machte ihm der sehr umsichtig agierende Ringrichter
Steve Smoger immer wieder einen Strich durch die Rechnung, der den Kampf
weiterlaufen ließ und dem Weltmeister so die Möglichkeit gab,
am Mann zu arbeiten.
In den folgenden drei Runden setzte sich dieses Bild fort und Drews erarbeitete
sich einen klaren Punktevorsprung. Zudem hinterließen die zahlreichen
Treffer mit der Schlaghand Spuren im Gesicht des Mannes aus Civitavecchia,
der nur vereinzelt Schläge ins Ziel brachte. Jedoch kam er in Runde
vier mit einer Rechten voll zum Kopf durch und untermauerte, dass er weiterhin
gefährlich blieb.
Ab
Runde sechs schien der „Spiderman“ aus dem Hamburger Boxstall
den Faden zu verlieren. Immer öfter tauchte der Titelverteidiger
unter den langen Armen seines Gegners hindurch und landete harte Schläge
zu Kopf und Körper. Branco (Foto) schien jetzt regelrecht
aufzudrehen und verwandelte den bis dahin schon guten Kampf in ein absolut
packendes Gefecht. Auch in den folgenden Durchgängen blieb „Il
Barbaro“ seinem Kontrahenten beständig auf den Fußspitzen
und setzte ihn unter Druck. Nun war er es, der die Mehrzahl an Treffern
unterbrachte, wodurch er den Punkterückstand aufholen konnte.
In Runde acht fand sich Drews nach zwei Treffern des Italieners sogar
auf dem Ringboden wieder. Branco setzte sofort nach und traf seinen Gegner
noch einmal, als dieser bereits am Boden war. Jedoch entschuldigte er
sich sofort bei ihm. Ringrichter hatte die Situation nicht als Niederschlag
aufgrund von Schlagwirkung erkannt, sondern entschied, dass der Herausforderer
lediglich auf dem nassen Boden in der Ringecke ausgerutscht war. Die Ecke
des Italieners war mit dieser Entscheidung natürlich alles andere
als einverstanden.
Ab Runde neun wurde Drews wieder aktiver und fand allmählich in den
Kampf zurück. Die Runden zehn und elf gehörten dann endgültig
wieder ihm, da Branco dem hohen Tempo und dem kraftraubenden Stil der
Vorrunden Tribut zollen musste. Ihm gelang es nun seltener zum Herausforderer
aufzuschließen, der mit der größeren Distanz auch seine
Schlaggenauigkeit und Beinarbeit wiederfand. Dennoch blieb der Titelverteidiger
gefährlich, sobald sich Drews an den Ringseilen stellen ließ.
Im letzten Durchgang begab sich Drews dann auf schnellen Füßen
auf den Endspurt durch die Ziellinie. Er wählte seine Schläge
mit Bedacht und offenbarte immer wieder sein gutes Auge, indem er den
nachsetzenden Branco mit einzelnen Schlägen abfing.
Als der Schlussgong schließlich ertönte, waren sich Drews und
seine Ecke sicher, den Kampf und somit den Weltmeistertitel gewonnen zu
haben. So war es dann auch, als das offizielle Punktergebnis von 116:113,
116:112 und 115:113 zu Gunsten des einstimmigen Siegers und neuen WBA-Champions
Stipe Drews verkündet wurde. Verdient, wie der Autor dieses Artikels
findet, der den Kampf 116:112 gewertet hat. Die italienische Ecke sah
dies offensichtlich anders.
Offizielles Urteil: Sieger einstimmig nach Punkten Stipe Drews
7. Kampf: Rudolf Kraj vs. Mauro Adrian Ordiales, WBC-Internationale
Meisterschaft im Cruisergewicht, angesetzt auf zwölf Runden
Der Tscheche Rudolf Kraj dominierte seinen Gegner aus Argentinien von
Beginn an. Auch wenn die erste Runde hauptsächlich aus Abtasten und
Studieren bestand, kontrollierte der Spotlight-Boxer die Distanz und setzte
bereits vereinzelte Treffer. Im zweiten Durchgang zog er dann das Tempo
an und brachte Ordiales mehrfach in Bedrängnis. Mit einer krachenden
Führhand schickte Kraj seinen Kontrahenten erstmalig auf die Bretter.
„El Granadero“ kam zwar wieder auf die Füße, schnaufte
aber in der Folgezeit ordentlich und schien Respekt vor seinem Gegner
bekommen zu haben. In der dritten Runde nahm „Rudy“ den Argentinier
mit wohl überlegten Aktionen dann förmlich auseinander. Nach
einer angetäuschten Führhand landete er einen Volltreffer zum
Kopf seines Kontrahenten, der daraufhin erneut zu Boden musste. Zunächst
konnte Ordiales das Gefecht zwar abermals fortsetzen, doch ein weiterer
Niederschlag besiegelte kurz darauf endgültig das vorzeitige Ende,
als Ringrichter Massimo Barrovecchio Ordiales aus dem Kampf nahm.
Offizilles Urteil: Sieger durch TKO nach 2:12 Minuten in Runde drei Rudolf
Kraj
8. Kampf: Mario Veit vs. Valentin Antonio Ochoa, Supermittelgewicht, angesetzt
auf sechs Runden
In
einem sogenannten Swing Bout traf Mario Veit (auf Foto links) auf
den Argentinier Ochoa, der gleich mit ungestümen Attacken deutlich
machte, dass er zum Kämpfen gekommen war. Der Cottbusser hatte wenig
Mühe, sich den Angriffen zu entziehen und setzte wie gewohnt auf
seine lange Führhand. Im zweiten Durchgang erwischte Veit seinen
Gegner in der Vorwärtsbewegung mit einer kurzen Rechten, die Ochoa
einknicken ließ. Spätestens ab diesem Zeitpunkt übernahm
er die Kontrolle über den Kampf und agierte souverän hinter
seinem Jab, auch wenn Veit in der dritten Runde nach einer Innenhand des
Argentiniers kurz wankte. Dieser erhielt gleich darauf einen Punktabzug
wegen Kopfstoßes und musste in der letzten Runde nach einer harten
Rechten zu Boden. So gab es an dem Punktsieg für „Veite“
keinen Zweifel, der mit dreimal 60:54 auf allen Punktrichterzetteln gewann.
Offizielles Urteil: Sieger einstimmig nach Punkten Mario Veit
9. Kampf: Javier Castillejo vs. Felix Sturm, WBA Weltmeisterschaft
im Mittelgewicht, angesetzt auf zwölf Runden
Um
es gleich vorweg zu nehmen: Der Rückkampf zwischen Felix Sturm
(auf Foto links) und seinem vormaligen Bezwinger, Javier Castillejo,
war eine äußerst knappe Auseinandersetzung, die in ihrem Verlauf
mehrfach auf der Kippe stand. Viel hängt bei der Punktewertung des
Kampfes davon ab, ob Konterboxen oder Angriff höher bewertet wird
und wie hoch der Bonus ist, den man dem Weltmeister einräumt. Oft
entscheidet der Blickwinkel darüber, ob ein Schlag als Treffer oder
als Schlag auf die Deckung wahrgenommen wird, was vor allem bei Aktionen
auf kürzeste Distanz zutrifft. Neben den Treffern ist ein weiteres
wichtiges Kriterium bei der Bewertung, wer den Kampf macht.
Nach einer kurzen Abtastphase und mehreren Treffern Sturms mit der Führhand
war es Javier Castillejo, der seinen Stil durchsetzte. Wie bereits im
ersten Gefecht vor neun Monaten gelang es ihm, die Distanz zu überbrücken
und seinen Gegner mit Körperhaken vor sich her zu treiben. Dieses
Bild wiederholte sich in der zweiten Runde, in der Sturm erneut zu wenige
Akzente mit seinem Jab setzte und sich nicht genug bewegte, um den Spanier
auf Abstand halten zu können. Der Titelverteidiger bestimmte nicht
nur die Distanz, sondern auch das Tempo und setzte dem Leverkusener mit
Kombinationen zu, die er mehrfach mit Leberhaken abzuschließen versuchte.
Fast schien es, als würde er seinen größeren Gegner überrollen.
Doch eine harte Rechte zum Ende des Durchgangs ließ Castillejo in
die Seile zurückweichen und gab Sturm Auftrieb, der die folgende
Runde aggressiver begann. Dabei stand er weiterhin dicht an seinem Gegner
und bewegte sich auch mit dem Oberkörper zu wenig, um den Kopfhaken
von „El Lince“ zu entgehen. Bald war sein Gegenüber wieder
im Vorwärtsgang, doch hatte Sturm zum Rundenende die besseren Treffer
auf seiner Seite und konnte damit erstmals einen Durchgang offen gestalten.
Runde
vier gehörte dem Schützling von Trainer Michael Timm, der seinen
Gegner zweimal mit Links-Rechts-Kombinationen abfangen konnte und kurz
darauf einen harten Treffer mit einer unvorbereiteten Schlaghand setzte.
Castillejo (Foto) fand sich nun selbst mit dem Rücken an
den Seilen wieder, während ihm sein Herausforderer das Heft aus der
Hand nahm. Noch immer blieb Sturm zu oft dicht vor dem Gegner und kämpfte
dessen Kampf. So bot er dem Spanier, der in den beiden folgenden Runden
aktiver war und mit seinen gewohnten Kombinationen das Kampfgeschehen
bestimmte, die Möglichkeit, sich wieder im Infight durchzusetzen.
Eine knallharte rechte Gerade rüttelte Sturm in Runde fünf durch.
Erst in Durchgang sieben wurde der Universum-Boxer wieder aktiver und
nutzte seine Führhand, um sich etwas Luft zu verschaffen. Mit einer
Kombination aus linkem Kopfhaken und rechtem Uppercut gelangen ihm die
besten Treffer der Runde, die eindeutig an den Herausforderer ging. Auch
Runde acht gehörte Sturm, der zunächst mit guter Beinarbeit
auf Abstand bleiben konnte und so den nötigen Raum für seine
Führhand gewann. Doch spätestens ab Runde neun war der 28-Jährige
nicht mehr in der Lage, seinen elf Jahre älteren Gegner auf Distanz
zu halten und stand wieder zu oft an den Seilen. Nun zeigte Sturm, dass
er tatsächlich etwas aus der Niederlage gelernt hatte. Anstatt mitzuschlagen,
blieb er geschlossen und war mit schnellen Händen zur Stelle, sobald
Castillejo seine Kombinationen abgefeuert hatte. So bestimmte der Leverkusener
die Durchgänge neun und zehn mit den klaren Treffern, die er bei
seinen Kontern landen konnte.
Der Weltmeister merkte wohl, dass er ins Hintertreffen geriet und versuchte
in Runde elf mit allen Mitteln, Wirkungstreffer zu landen. Tatsächlich
schaffte es der fast vierzigjährige Castillejo erneut, seinen Gegner
an den Seilen zu stellen und mit Kombinationen zu bearbeiten. Zwar gelang
es ihm nicht, den entscheidenden Treffer zu setzen, wofür ihm auch
die Kraft fehlte, aber zu diesem Zeitpunkt nochmals so aufzudrehen, war
eine bemerkenswerte Leistung.
Sturm fand kurzzeitig das Timing für seine Konterschläge wieder,
verlegte sich aber dann darauf, nur noch wegzutänzeln. Für einen
Herausforderer war es zu wenig, um diese Runde für sich beanspruchen
zu können, wenn man gewillt ist, einem Gastboxer den Championbonus
bei ausgeglichenen Runden einzuräumen. Auch in der Schlussrunde bot
sich das gleiche Bild. Sturm wich immer wieder vor seinem Gegner zurück,
der selbst zu diesem Zeitpunkt noch genug Kraft besaß, um ihn zu
einem Schlussspurt zu stellen. Zwar landete der Leverkusener erneut klare
Treffer mit Kontern, doch auch Castillejo fand sein Ziel und tat erneut
mehr für den Kampf. Somit gingen die beiden letzten Runden an den
Weltmeister, wodurch er auf dem Punktezettel des Autors einen hauchdünnen
Rückstand in ein Unentschieden verwandelte.
Die offiziellen Punktrichter sahen Felix Sturm mit zweimal 116:112 und
einmal 115:114 vorne, womit er sich zum zweiten Mal den Weltmeistergürtel
der WBA umschnallen durfte. Ein berechtigtes Urteil, denn einige Runden
waren äußerst eng, was sich in dem knappen Ergebnis widerspiegelt.
Anstatt sich über die enge Wertung des finnischen Punktrichters Erkki
Meronen aufzuregen, oder einen Skandal herbeizubeschwören, sollte
man sich als Anhänger des Boxsports darüber freuen, dass es
noch ausgeglichene Ansetzungen gibt. Und vielleicht kommt es ja doch noch
zu einem klaren Ergebnis, wenn Sturm sein Angebot wahr macht, gegen Javier
Castillejo einen dritten Kampf zu bestreiten.
Offizielles Urteil: Sieger einstimmig nach Punkten Felix Sturm
Montag,
30. April 2007
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