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Jesus Chavez
vs.
Erik Morales
- Der Vorbericht


Von Wolfgang Oswald


Mexikanische Boxer sind gefährlich und gefürchtet. Sie verkörpern Mut und Machismo in ihrer ausgeprägtesten Form. Kämpfen sie gar gegeneinander, entwickeln sich oft wahre Materialschlachten auf hohem boxerischen Niveau, voller Dramatik und Spannung. Beste Voraussetzungen also für die mexikanisch-mexikanische Auseinandersetzung zwischen dem WBC-Weltmeister im Superfedergewicht Jesus "El Matador" Chavez (Foto oben, BP-Nr. 3) und Erik "El Terrible" Morales (BP-Nr. 1). Letzterer war schon WBC- und WBO-Weltmeister im Superbantamgewicht sowie WBC-Champion im Federgewicht. Morales gilt als einer der besten p4p-Boxer und möchte seiner Titelsammlung am kommenden Samstag im MGM Grand von Las Vegas einen weiteren Meistergürtel hinzufügen (Premiere Sport 1 überträgt live ab 4.00 Uhr).

Die Chancen von "El Terrible" (Foto) stehen dabei außerordentlich günstig. Er geht als Favorit in den Kampf, ist jünger und größer, hat die längere Reichweite und sein Rekord ist voll gespickt mit Namen von Weltklasseboxern, die er fast alle eindrucksvoll besiegt hat. Allerdings kann das auch seine Achillesferse bedeuten, denn die spannenden Duelle gegen Marco Antonio Barrera (BP-Nr. 2), Daniel Zaragoza, Guty Espadas, In-Jin Chi (BP-Nr. 8) oder Paulie Ayala (BP-Nr. 4) müssen selbst einem so talentierten Superfighter Substanz und Kraft geraubt haben. Und Jesus Chavez ist als Champion nicht zu unterschätzen. Seine Niederlage 1995 gegen Carlos Gerena hat er letztes Jahr ausgemerzt und gegen den alles überragenden Floyd Mayweather Jr. hielt er bis zum Abbruch tapfer und stark mit, auch wenn es in dieser Weltmeisterschaft damals für ihn noch nicht zum Titel reichte.

Doch der WBC-Weltmeister hat seitdem hart an sich gearbeitet. In seinem letzten Kampf gegen Sirimongkol Singmanasak (BP-Nr. 10) übte Chavez ständig Druck aus, überzeugte mit einem guten Jab und einem harten rechten Cross. „El Matator“ hat die Fähigkeit, den Rhythmus seines Gegners zu zerstören. Er schlägt schnelle Kombinationen, in denen er nach dem Jab linke Haken zum Körper einstreut und sie dann mit seiner etwas unorthodoxen Rechten abschließt. Ein ausgezeichnetes Mittel gegen "El Terrible", der sich manchmal viel zu oft zu wilden Schlagabtäuschen hinreißen lässt und hierbei seine boxerische Linie verlässt.

Wenn die Führhand von Chavez durchkommt, Morales sich nicht genug auf seine boxerischen Mittel besinnt und das Duell zu einem "Brawl" (Schlägerei) wird, könnte es für den Herausforderer durchaus ein schreckliches Erwachen geben. Aber Morales trägt nicht umsonst den Kampfnamen "El Terrible". Seine Links-Rechts-Serien sind gefürchtet, seine Nehmerqualitäten bekannt und es gibt keinen Schlag, den Morales nicht beherrscht. Ob rechter Aufwärtshaken aus der Distanz oder trockene Führhand als Konter, Morales kann sie alle jederzeit ins Ziel bringen. Chavez dagegen agiert bei seinen Attacken oft zu offen und seine linken Haken zum Körper bieten dem Herausforderer eine optimale Gelegenheit, ihn mit rechten Schlaghänden abzufangen.

Auf jeden Fall liegt bei dieser Auseinandersetzung eine Menge Spannung in der Luft. Alles ist möglich. Der Weltmeister fightet mit viel Herz und bei Morales besteht immer die Gefahr, dass er zu wenig mit seiner Führhand arbeitet und wegen seines mexikanischen Temperamentes die lange und für ihn sicherere Distanz verlässt. Dennoch dürfte sich die Weltmeisterschaft zwischen „El Terrible“ und „El Matador“ einzig und allein über den Jab, die meist beste Waffe der kühlen Boxtechniker, entscheiden. Die Führhand der beiden Kämpfer wird den Ausschlag geben, ob sich das Duell zu einer leidenschaftlichen Schlacht um die WM-Krone entwickelt oder ob wir eine Lehrstunde in Sachen Boxkunst von Erik "El Terrible" Morales sehen werden.



 
     

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